Rapa Iti

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rapa Iti
NASA-Aufnahme von Rapa Iti
NASA-Aufnahme von Rapa Iti
Gewässer Pazifischer Ozean
Inselgruppe Australinseln
Geographische Lage 27° 36′ 20″ S, 144° 20′ 40″ WKoordinaten: 27° 36′ 20″ S, 144° 20′ 40″ W
Rapa Iti (Französisch-Polynesien)
Rapa Iti
Fläche 40 km²
Höchste Erhebung Mont Perau
650 m
Einwohner 515 (2012)
13 Einw./km²
Hauptort Ahurei (Haurei)
Der Hauptort Ahurei
Der Hauptort Ahurei

Rapa Iti (auch einfach Rapa genannt, früher auch Oparo) ist eine 40 km² große Insel, die geographisch zu den Austral-Inseln, politisch zu Französisch-Polynesien gehört. Der höchste Punkt ist der Mont Perau und liegt 650 m über dem Meeresspiegel. Rapa Iti hat 515 Einwohner. Die Bevölkerung verteilt sich auf die beiden Orte Ahurei (Haurei, Hauptort, ca. 370 Einwohner) und Area (ca. 140).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mont Tautautu (links) und Mont Pukumaru (rechts)

Rapa Iti liegt im Pazifischen Ozean. Sie ist die südlichste bewohnte und gleichzeitig isolierteste der Inseln Französisch-Polynesiens. Die Insel ist grob wie der griechische Buchstabe Sigma (ς) geformt und verfügt über eine gut geschützte, zentrale, von einem Ring relativ hoher Berge umgebene Bucht. Die ganze Insel scheint der Rest eines explodierten Vulkans zu sein mit der zentralen Bucht als Caldera. Die größte Siedlung der Insel ist Ahuréi (oder Ha'uréi) und liegt an der südlichen Küste der Bucht, welche Baie d'Ahuréi genannt wird. Ein kleineres Dorf Area liegt an der Nordküste dieser Bucht. Die Bevölkerung der Insel besteht aus Polynesiern. Die Hauptinsel verfügt mit Rapa Tauturau über eine Nebeninsel. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zur Tubuai-Gruppe gezählt.[1] Obwohl sie über eine davon unterschiedliche geologische, linguistische und kulturelle Geschichte verfügt wird sie heute oft den Austral-Inseln zugeordnet;[2] korrekt ist die Zuordnung zu den Bass-Inseln.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima auf Rapa Iti ist subtropisch. Aufgrund ihrer südlichen Lage ist die Insel charakterisiert durch die am stärksten ausgeprägten jahreszeitlichen Temperaturschwankungen der Französisch-polynesischen Inseln. Im Verlauf des Jahres 2007 schwankte die Maximaltemperatur zwischen 19 °C und 26 °C während die Minimaltemperatur sich zwischen 16 °C und 22 °C bewegte. Das jährliche Mittel liegt bei 20 °C. Die Niederschläge sind beachtlich und betragen jährlich etwa 250 cm (im Juli 1999 fielen sogar 300 Liter/m²). Es kann durchaus einen ganzen Monat ohne Unterbrechung regnen. Häufig ist es neblig und der Himmel ist oft bedeckt. Rapa unterliegt häufigen und manchmal sehr heftigen Westwinden.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Australinseln bilden eine mehr als 1500 Kilometer lange Kette im Südpazifik, welche sich von Ostsüdost nach Westnordwest bis zu den Îles Maria erstreckt. Sie sind das Produkt eines Hotspots unter dem immer noch aktiven Macdonald-Seamount, der heute am südöstlichen Ende der Australinseln nur 27 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Die geologisch ältesten, mehr erodierten und zerklüfteten Inseln liegen im Nordwesten, die jüngeren im Südosten der Kette. Rapa Iti ist die vorletzte Insel der Gruppe, weiter nach Ostsüdosten folgen nur noch die unbewohnten Felseneilande von Marotiri und schließlich der Macdonald-Seamount. Die Inselkette verläuft so gut wie parallel zur Fortbewegungsrichtung der Pazifischen Platte, die hier seit 43 Millionen Jahren (Mittleres Eozän, Lutetium) in Westnordwest-Richtung (N 300) mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 110 Millimeter/Jahr vorankriecht.[3] Die Ozeanische Kruste ist am Macdonald-Seamount 35 Millionen Jahre alt (oberes Eozän, Priabonium), wird nach Nordwesten zusehends älter und weist am Nordwestende der Inselkette bereits ein Alter von 80 Millionen Jahren auf (Oberkreide, Campanium).[4]

Bathymetrisch sitzt Rapa Iti einem 150 Kilometer langen und 50 Kilometer breiten untermeerischen Hochplateau auf, das rund 1000 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und mit seiner Längsachse in Südost-Nordwestrichtung streicht. Dieses Plateau bildet seinerseits Teil einer noch wesentlich größeren, 200 Kilometer breiten Hochstruktur, die ausgehend vom Macdonald-Seamount bis 200 Kilometer südlich von Raivavae heranreicht, erkennbar an der 2000 Meter Tiefenlinie. Nach Südwesten fällt das Hochplateau zum 4000 bis 5000 Meter tiefen Abyssal des Südpazifiks ab.

Südwestlich der Insel ist eine¨riesige kanalisierte Massenbewegung erfolgt, die fast die gesamte Breite der Insel einnimmt und wahrscheinlich mit dem Einsturz der Caldera in Zusammenhang stehen dürfte. Der Abbruch erfolgte in etwa 1000 Meter Wassertiefe, befindet sich 14 Kilometer südwestlich der Küste in 3000 Meter Wassertiefe und läuft dann im Abyssal aus.

Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und entstand vor etwa 5,1 Millionen Jahren.[5] Die Gesteine sind typische ozeanische Inselbasalte (OIB) mit schwach ausgeprägten DUPAL-Anomalien – vorwiegend Alkalibasalte und Basanite mit 44 bis 45 Gewichtsprozent SiO2-Gehalt. Geochemisch sind sie vergleichbar mit den benachbarten Vulkaniten von Marotiri und vom Macdonald-Seamount, es bestehen aber auch Ähnlichkeiten in den Isotopenverhältnissen zu den Vulkaniten von Atiu und Rarotonga (Cookinseln),[6] zu den Vulkaniten der Marquesasinseln und selbst noch zum Ko'olau-Schildvulkan Oahus.

Archäologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inselbewohner um 1905

Nach neueren Zeitbestimmungen einer australischen Forschergruppe um Atholl John Anderson von der Australian National University in Canberra mit Hilfe der Radiokohlenstoffdatierung, u. a. an Ablagerungen in Mooren auf Rapa, konnte der Besiedlungszeitpunkt der Insel auf ca. 1200 n. Chr. fixiert werden.[7] Die ersten Siedler kamen in einer von Asien beginnenden Migrationsbewegung von den Fidschi-Inseln über Tonga und die Samoainseln hierher. Sie fanden hervorragende Lebensbedingungen vor, so dass die Bevölkerungszahl schnell anstieg.

Durch intensiven Raubbau, Brandrodungen für den Anbau der Wasserbrotwurzel (Taro) kam es zur ökologischen Katastrophe. Die Rodungen hatten eine weitreichende Bodenerosion zur Folge, die die Grundlage des Ackerbaus allmählich vernichtete. Die Bevölkerung zog sich in die Berge ins Innere der Insel Rapa zurück und zerfiel in kleinere Gruppen, die sich in der Folge um die verbliebenen Ressourcen bekämpften. Die australischen Wissenschaftler stießen auf die Reste von 15 Festungen („pa“ oder „pare“, eine Art befestigte Siedlung) auf den Gipfeln der vulkanischen Insel. Die vermutlich älteste unter ihnen ist Morongo Uta, welche auf ca. 1450–1550 n. Chr. datiert wird.

George Vancouver war der ersten Europäer, welcher am 22. Dezember 1791 Rapa entdeckte.[8] Er nannt die Insel Oparo. Damals lebten etwa 2000 Menschen auf der Insel. Der Kontakt mit den Europäern brachte Alkohol und Krankheiten auf die Insel und es starben zwischen 1824 und 1830 über 75 % der Einheimischen.[8] Zusätzlich überfielen peruanische Sklavenhändler die Insel.[9][10] Als eine Handvoll Inselbewohner auf die Insel zurückkehrte, verursachten sie eine Pockenepidemie, so dass in den 1860er Jahren nur noch 120 Ureinwohner lebten.[9][11] Heute wohnen rund 500 Menschen auf Rapa Iti.[12]

Das unabhängige Königreich geriet 1867 unter französisches Protektorat. Die Briten errichteten eine Versorgungsstation auf der Insel, was Frankreich dazu veranlasste, die Insel am 6. März 1881 formal zu annexieren. Schrittweise wurde die Monarchie abgeschafft und die letzte Königin, die Tochter oder Parima, wurde am 18. Juni 1887 abgesetzt.

Thor Heyerdahl, der Ausgrabungen in Morongo Uta vornahm, suchte Verbindungen zwischen Rapa Iti and Rapa Nui (Osterinsel).

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Tahitischen Chor von Rapa Iti singt ein Drittel der Bevölkerung traditionelle Lieder.

Ökonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel verfügt über keine Landepisten und ist mit anderen Inseln nur durch die Tuhaa Pae, ein Kreuzfahrtschiff, alle zwei oder drei Monate verbunden; Das Patrouillenschiff La Tapageuse der nationalen Marine führt auch Verbindungsmissionen von Tahiti aus durch.

Karten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rapa Iti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lemma „Oparo“ in Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 396.
  2. F. Allan Hanson, Rapan Lifeways (1970)
  3. Minster, J. B. und Jordan, T. G.: Present-day plate motions. In: Journal of Geophysical Research. Band 83, 1978, S. 5331–5354.
  4. Mayes, C. L., Lawver, L. A. und Sandwell, D. T.: Tectonic history and new isochron chart of the South Pacific. In: Journal of Geophysical Research. Band 95, 1990, S. 8543–8567.
  5. Duncan, R. A. und McDougall, I.: Linear volcanism in French Polynesia. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research. Band 1, 1976, S. 197–227.
  6. Dupuy, C. u. a.: Subducted and recycled lithosphere as the mantle source of ocean island basalts from southern Polynesia, central Pacific. In: Chemical Geology. Band 77, 1989, S. 1–18.
  7. Atholl John Anderson et al., In Researchgate: Prehistoric Human Impacts on Rapa, French Polynesia, published June 2015 [DOI: 10.1017/S0003598X00093662] (deutsche Kurzfassung hier: [1])
  8. a b Rhys Richards: The Earliest Foreign Visitors and Their Massive Depopulation of Rapa-iti from 1824 to 1830. In: Journal de la Société des Océanistes. .
  9. a b Celeste Brash: Tahiti and French Polynesia. Lonely Planet, 2009, ISBN 1-74104-316-6, S. 236–237.
  10. F. Allan Hanson: Rapan Liveways. Society and history on a Polynesian island, 1970, Seite 30
  11. Warwick Anderson: Bulletin of the History of Medicine - Infectious Diseases: Colonising the Pacific? (review). 3. Auflage. Band 74, 2000, S. 617 (jhu.edu [PDF]).
  12. Aufstieg und Fall auf Rapa. In: Abenteuer Archäologie. Kulturen, Menschen, Monumente. Spektrum der Wissenschaft, 18.09.2006, ISSN 1612-9954, S. 8.