Raschid ad-Din Sinan

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Bergfestung Masyaf

Raschid ad-Din Sinan (arabisch رشيد الدين سنان, DMG Rašīd ad-Dīn Sinān; auch Sinan ibn Salman ibn Muhammad oder Abu al-Hasan Sinan ibn Sulayman ibn Muhammad; * etwa 1133/1135; † 1193[1]), genannt Der Alte vom Berge, war ein Sektenführer der ismailitischen Assassinen in Syrien im Vorfeld und zur Zeit des Dritten Kreuzzugs.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde wahrscheinlich im Südirak geboren.

Er übernahm die Führerschaft der Assassinen in Syrien um 1162 und residierte seit 1164 in der Burg Masyaf. Später machte er sich vom persischen Stammsitz unabhängig und bediente sich Fida’i (zum Sterben bereiter fanatisierter Meuchelmörder), um seine Feinde aus dem Weg zu schaffen. Persische Assassinen unternahmen wegen seiner Eigenmächtigkeit mindestens zwei gescheiterte Anschläge auf ihn.

Er betrieb eine Schaukelpolitik zwischen den Sunniten unter Saladin und den Kreuzfahrern; mit dem Johanniterorden war er zeitweise verbündet.

Saladin machte mindestens einen Versuch (1176), Masyaf zu nehmen, scheiterte aber und arrangierte sich mit den Assassinen. Zuvor gab es mindestens zwei von Sinan organisierte Attentate auf Saladin (1174 bis 1176). Nach einer wahrscheinlichen apokryphen Geschichte in der Biographie von Kamal al-Din sandte Sinan einen Boten an Saladin, der ihn um ein Vieraugengespräch bat. Saladin bestand aber auf der Gegenwart mindestens zweier Mameluken-Wachen, denen er absolut vertraute. Der Bote fragte darauf die Wachen, ob sie Saladin auf seinen Befehl töten würden, worauf sie sich als Assassinen zu erkennen gaben und die Schwerter zogen. Auch wenn dies wahrscheinlich erfunden ist zeigt die Geschichte den Ruf, den die Assassinen damals hatten. Wie viele Mitglieder der Sekte, die ihren Glauben aufgrund der Verfolgung in islamischen Ländern strikt verborgen hielten, waren auch die meisten Attentäter über lange Jahre an ihre Umgebung angepaßt und durch das Studium von Sitten und Sprache speziell auf ihre Aufgabe vorbereitet. Da ihr eigenes Überleben in ihren Augen keine Rolle spielte konnten sie nachdem sie sich Vertrauen und Zugang erschlichen hatten jederzeit aktiviert werden. Der Tod der Attentäter, die meist an öffentlichen Plätzen mit Messern zuschlugen, war sogar Teil des Kalküls der Verbreitung von Terror und Abschreckung. Bei den christlichen Chronisten ist insbesondere sein erfolgreicher Anschlag auf den gerade zum König von Jerusalem ernannten Konrad von Montferrat (1192) bekannt. Wegen der damaligen Machtkämpfe um den Thron in Jerusalem wurden dabei sowohl Richard II. (der Guido von Lusignan unterstützte) als auch Saladin als Hintermänner vermutet, allerdings auch eigene Interessen von Sinan (einer Überlieferung nach soll Montferrat ein Schiff mit Besitz der Assassinen in Tyrus beschlagnahmt haben und verweigerte die Herausgabe).[2] Die Attentäter kamen im Fall von Konrad von Montferrat schon im November 1191 nach Tyrus und gaben vor Mönche zu sein und einer von ihnen war darauf mehrere Monate im Dienst von Konrad.

Die Chronisten der Kreuzfahrer waren von den assassinischen Praktiken überaus fasziniert. Raschid al-Din hielt später als Der Alte vom Berge (lat.: Vetulus de Montanis) Einzug in die europäische Literatur. Irrtümlich wird dieser Beiname immer wieder auf den Stammvater der Assassinen, den früher lebenden Perser Hasan-i Sabbah angewendet. Der Name Der Alte vom Berge leitet sich von dem arabischen Titel der Assassinenanführer Schaich al-Dschabal ‚Gebieter des Gebirges‘ ab.

Die zeitgenössischen Informationen insbesondere über die Lehre der Sekte sind häufig unzuverlässig und wiesen den Assassinen alle möglichen Morde zu (was diesen teilweise gelegen kam). Die Überlieferung aus dem persischen Zentrum der Assassinen in Alamut sagt wenig über die Sekte in Syrien. Stanislas Guyard veröffentlichte im 19. Jahrhundert aus Pariser Handschriften einige Quellen, Fragmente zur religiösen Lehre von Sinan und eine Hagiographie von Abu Firas, das im Stil der Zeit auch von vorgeblichen Wundern durch Sinan berichtet. Erhalten ist weiterhin eine Biographie von Sinan durch den Historiker aus Aleppo Kamal al-Din.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spiel Assassin’s Creed ist Raschid ad-Din Sinan alias Al Mualim der Anführer der Assassinen und der Mentor des Hauptcharakters Altaïr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Lewis: The Assassins: A radical sect in Islam, New York 1968
  • Bernard Lewis: Kamal al-Din´s Biography of Rashid-al-Din Sinan, Arabica, Revue d´etudes arabes et islamiques, Band 13, 1966, S. 225-267
  • Stanislas Guyard: Un grand maître des Assassins au temps de Saladin, Paris 1877, Digitalisat
  • C. E. Nowell: The Old Man of the mountains, Speculum, Band 22, 1948, S. 497-519

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sterbedatum nach Bernard Lewis, Arabica 1966. Manchmal wird auch 1193/94 angegeben
  2. Yuval Harari: Special Operations in the Age of Chivalry 1100-1550, Boydell Press 2007, Kapitel 4: The Assassinaton of King Conrad, Tyre, 1192, S. 91-108