Rasdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rasdorf
Rasdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rasdorf hervorgehoben
Koordinaten: 50° 43′ N, 9° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Fulda
Höhe: 319 m ü. NHN
Fläche: 30,07 km2
Einwohner: 1640 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner je km2
Postleitzahl: 36169
Vorwahl: 06651
Kfz-Kennzeichen: FD
Gemeindeschlüssel: 06 6 31 022
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Anger 32
36169 Rasdorf
Webpräsenz: www.rasdorf.de
Bürgermeister: Jürgen Hahn (CDU)
Lage der Gemeinde Rasdorf im Landkreis Fulda
Eiterfeld Burghaun Rasdorf Hünfeld Nüsttal Bad Salzschlirf Großenlüder Fulda Petersberg (Hessen) Hofbieber Tann (Rhön) Hilders Dipperz Künzell Poppenhausen (Wasserkuppe) Ehrenberg (Rhön) Gersfeld (Rhön) Ebersburg Eichenzell Kalbach Flieden Hosenfeld Neuhof (bei Fulda) Main-Kinzig-Kreis Bayern Thüringen Landkreis Hersfeld-Rotenburg VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Rasdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Fulda in Osthessen in Deutschland.

Das Hessische Ministerium des Innern und für Sport hat mit Urkunde vom 24. Juli 2015 die Bezeichnung Point-Alpha-Gemeinde verliehen.[2]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rasdorf liegt in einem weiten, offenen Gelände inmitten der „Kuppenrhön“ (in der Region Hessisches Kegelspiel genannt), unmittelbar an der hessisch-thüringischen Landesgrenze im Biosphärenreservat Rhön.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rasdorf grenzt im Norden an die Gemeinde Eiterfeld (Landkreis Fulda), im Osten an die Gemeinde Buttlar, die Stadt Geisa und die Gemeinde Rockenstuhl (alle drei im thüringischen Wartburgkreis), im Süden an die Gemeinde Nüsttal, sowie im Westen an die Stadt Hünfeld (beide im Landkreis Fulda).

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Rasdorf, Setzelbach und Grüsselbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sachsenmissionierung zur Zeit der Karolinger verdanken das Kloster Fulda und das Nebenkloster Rasdorf seine Existenz. Abt des Baugulf (779–802) erhielt als Gegenleistung 781 „Haunfeld“ (Hünfeld) sowie die Ortschaft Rasdorf mit all ihren Fluren.

Der Ort Rasdorf muss bereits vor 781 als „Ortschaft“ bestanden haben. Ein Nebenkloster Rasdorf wird 815 erwähnt. 32 bis 34 Mönche und etwa 20 Klosterschüler sind im 9. Jahrhundert im Nebenkloster Rasdorf nachgewiesen. Im Jahre 845 trafen sich Rabanus und König Ludwig d. Deutsche zur Aussöhnung in Rasdorf. Rhabanus hatte im Streit zwischen König Lothar und seinen Brüdern Ludwig und Karl auf der „falschen“ Seite, nämlich auf Lothars Seite gestanden. Als Ludwig Herr über das ostfränkische Reich wurde, zog sich Abt Rabanus zurück und legte die Abtswürde nieder. Dank der Rasdorfer Aussöhnung, die auf Initiative des Königs erfolgte, wurde Rabanus 847 als Erzbischof von Mainz berufen. Abt Rabanus (Raban) legt fest, dass in deutscher Sprache zu predigen ist, nach einer Bestimmung von Karl dem Großen, „dass dem Volke in seiner Muttersprache das Gotteswort zu verkünden ist“.

Das Nebenkloster Rasdorf wurde um 877 in ein Kollegiatsstift umgewandelt.

Am 21. Mai 977 besuchte Otto II. das Kloster Fulda und empfing eine Abordnung aus dem Kollegiatsstift Rasdorf unter der Führung seines Kanzlers, des kaiserlichen Kanzlers Egbert.

Die Stiftskirche in Rasdorf gilt als eine der architektonisch bedeutsamsten Dorfkirchen in Hessen.

Rasdorf erlangte Bedeutung durch seine Lage an der historischen Handelsroute Frankfurt am MainEisenachLeipzig.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Grüsselbach und Setzelbach eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[4] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[5][6]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
 
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 100,0 15 65,3 10 68,8 10 69,8 11
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,7 5 11,5 2 16,2 2
CWE/FWG Christliche Wähler-Einheit/Freie Wählergemeinschaft 19,7 3 14,0 2
gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15
Wahlbeteiligung in % 70,8 65,8 72,3 73,7

Die Wahl 2016 fand entsprechend den Bestimmungen des Hessischen Kommunalwahlgesetzes nach den Grundsätzen der Mehrheitswahl statt, da nur ein Wahlvorschlag vorlag. Dabei stehen dem Wähler so viele Stimmen zu, wie insgesamt Mandate zu vergeben sind. Auf dem Stimmzettel sind sämtliche Bewerber aufgeführt, unter denen der Wähler dann seine Stimmen verteilt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Mai 1971 wurde der Gemeinde Rasdorf im damaligen Landkreis Hünfeld ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Über einer roten, rechts von einem Wehrturm abgeschlossenen Mauer in Silber das schwarze fuldische Kreuz.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kath. Stiftskirche
  • Die Rasdorfer Stiftskirche wurde 831 vom Abt des Klosters Fulda, Rabanus Maurus, errichtet. 1274 wurde die Kirche umgebaut. Dabei entstand unter Beibehaltung des Grundrisses und unter Verwendung alter romanischer Bauteile eine neue, im äußeren Erscheinungsbild gotische Kirche. Kunstgeschichtlich wertvoll sind die gotischen Säulen. Die acht Säulen mit ihren Kapitellen sind die Hauptsehenswürdigkeiten in der Stiftskirche. Kunsthistoriker vermuten, dass diese kunstgeschichtlich hochbedeutsamen Säulen und Kapitelle auf byzantinischen Einfluss zurückgehen. Sechs Säulen im griechischen Stil teilen die Basilika (Langhaus und zwei Seitenschiffe). Zwei gedrungene Säulen (romanisch) mit seltenen Tierkapitellen im Westteil der Basilika gehören zu den ältesten Teilen der Kirche. Der romanische Taufstein (12. Jahrhundert) erinnert in seiner Form an eine Darstellung des hl. Bonifatius bei einer Heidentaufe.[8]
  • Eine bis heute erhaltene Anlage eines Wehrfriedhofes (um 1200) ist mit einer hohen Mauer in unregelmäßigem Viereck umgeben, die Seitenlängen zwischen 55 und 67 m und eine Höhe zwischen 4 und 6 m hat bei einer Dicke von etwa 0,80 m. Zudem verfügt sie über vier Ecktürme mit Spitzhauben und Schießscharten, die in unsicheren Zeiten Schutz für die Rasdorfer Bevölkerung boten. Zudem gibt es ein Torhaus und einen überdachten Wehrgang. Bis 1827 stand in der Mitte die Kreuzförmige romanische Pfarrkirche St. Michael. Sie wurde nach einem Verkauf abgerissen. Das Friedhofskreuz ist aus dem Jahre 1751.
  • Nordwestlich von Rasdorf liegt auf dem Gehilfersberg die Wallfahrtskapelle „St. Maria und Vierzehn Nothelfer“. Sie wurde an Stelle einer Vorgängerkapelle, die schon 1586 erwähnt wurde, um 1625 errichtet, zunächst zur Verehrung eines wundertätigen Kultbildes (St. Gehülf), dann der 14 Nothelfer. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Gehilfersberg der bedeutendste Wallfahrtsort des Hochstifts Fulda. Die Kapelle hat eine barocke Innenausstattung. Nach einer Brandstiftung im Jahre 1996 war die Kapelle völlig zerstört, wurde jedoch originalgetreu wiederaufgebaut und im Mai 1997 eingeweiht. Bis zur Kapelle führen sieben Bildstöcke von um 1750, in denen je zwei Nothelfer dargestellt werden.
  • Der zentrale Dorfplatz ist mit Ausmaßen von 170x75 m der größte Anger Hessens. Hier befindet sich auch die Gemeindeverwaltung. Er war im Mittelalter auch Gerichtsplatz und bot einen Pferdeumspannplatz für Kaufleute an der damaligen Frankfurt-Leipziger Straße. Auf dem Anger steht auch der Josefsbrunnen, der 1956 in Tonplastik, seit 1995 als Bronzefigur gestaltet ist.
  • Im Rasdorfer Ortsteil Grüsselbach erinnert seit 1980 ein 2,20 Meter hohes Denkmal aus Muschelkalk am Lindeneck an die Bewohner des Amtes Geisa (Thüringen), die nach 1945 zwangsumgesiedelt wurden oder nach Westen flohen. Das Denkmal fertigte der Bildhauer Johannes Kirsch im Auftrag des „Heimatkreises des ehemaligen Geisaer Amtes“ an.[9]
  • Das älteste Fachwerkhaus Rasdorfs ist das Stiftsherrenhaus von 1594, ehedem ein Wohnhaus von Stiftsherren. Es wurde 1996 restauriert. Heute beherbergt es das Landschafts-Informationszentrum. Auf dem Grundstück befindet sich auch ein Lapidarium.

Gedenkstätte Point Alpha[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahnmal an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Point Alpha: „Den Opfern der deutschen Teilung. Den Mutigen der friedlichen Revolution von 1989. Den Erbauern der Wiedervereinigung.“

Die Gedenkstätte Point Alpha befindet sich an der hessisch-thüringischen Grenze zwischen Rasdorf und Geisa in der Rhön. Hier befand sich über vier Jahrzehnte ein Beobachtungsposten der US-Armee. Zwei Vereine möchten hier auf hessischer Seite den Beobachtungsposten und auf thüringischer Seite ein Stück der DDR-Grenzsicherungsanlagen erhalten, um so die Erinnerung an die unselige Teilung Deutschlands und die Konfrontation von NATO und Warschauer Pakt wachzuhalten. Der amerikanische Beobachtungsturm bietet einen Blick über die Kuppenrhön und das Ulstertal.

Bahnstrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke Hünfeld–Wenigentaft-Mansbach verlief von 1. Dezember 1906 bis 28. Mai 1972 in der Nähe von Rasdorf. Auf der Strecke verläuft seit 2007 der 27 km lange, nach Rasdorf führende Kegelspiel-Radweg.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Budenz (1836–1892), Sprachwissenschaftler, Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften
  • Adalbert Endert (1850–1906), geboren im Ortsteil Setzelbach, Theologe, römisch-katholischer Bischof von Fulda
  • Georg Stieler (1886–1955), Politiker
  • Johann Adam Förster (1795–1890), geboren im Ortsteil Grüsselbach, Vorkämpfer der Demokratie
  • Gregor Richter (1874–1945), geboren im Ortsteil Grüsselbach, Professor[10]
  • Eduard Hartmann (1874–1952), Priester, Professor[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rasdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Staatsanzeiger für das Land Hessen – 10. August 2015. Nr. 33. In: ms-visucom.de. Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, S. 831, abgerufen am 8. März 2016 (PDF).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 400.
  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  7. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 25. Mai 1971 (StAnz. S. 954) Seite 2 der tif-Datei 4,71 MB
  8. Marianne Walther: Die Rasdorfer Figurenkapitelle, ihre Strukturanalyse, Ikonographie und zeitliche Einordnung. Frankfurt am Main 1993 (Dissertation an der Johann Wolfgang Goethe-Universität)
  9. Grüsselbacher Dorfchronik S. 9
  10. Winfried Walk: Professor Dr. Dr. Gregor Richter; in: Rasdorfer Geschichtsblätter Ausgabe 6/2 (2001), S. 7–9 (pdf; 705 kB)
  11. Gisela Falkenhahn-Klee: Prof. Dr. Eduard Hartmann; in: Rasdorfer Geschichtsblätter Ausgabe 9/2 (2002), S. 1–2 (pdf; 770 kB)