Rassenpolitisches Amt der NSDAP

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Das Rassenpolitische Amt (RPA) war ein Parteiamt der NSDAP.

Als Vorläuferorganisation gründete der Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund 1933 das „Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege“. Am 15. Mai 1934 wurde das „Aufklärungsamt“ dem „Stellvertreter des Führers“, Rudolf Heß, unterstellt und in „Rassenpolitisches Amt der NSDAP“ umbenannt. Leiter wurde der Mediziner Walter Groß; unter ihm arbeiteten etwa 25 Mitarbeiter.

Im Erlass zur Einrichtung des Rassenpolitischen Amtes hieß es:

„In den Aufgabenkreis des Amtes fallen außer der Vereinheitlichung und Überwachung von Schulung und Propaganda auf den einschlägigen Gebieten auch alle sachlichen, bevölkerungs- und rassepolitischen Fragen, soweit sie von der Partei bearbeitet werden.“[1]

Porträt zweier junger blonder Sportler von 1933, aus der Sammlung des Rassenpolitischen Amts der NSDAP

Dementsprechend war die Schulung von Rednern eine der Hauptaufgaben des Rassenpolitischen Amtes, mit der eine einheitliche Sprachregelung auf dem Gebiet der Rassenhygiene erreicht werden sollte. Hierzu wurde in Potsdam-Babelsberg eine Rednerschule gegründet, an der bis 1936 1.400 Redner ausgebildet worden sein sollen. Zu den Absolventen gehörten unter anderem Konrad Lorenz und der spätere Geschäftsführer des Lebensborn, Gregor Ebner. Daneben gab das Rassenpolitische Amt die Zeitung Neues Volk und einen gleichnamigen, in hoher Auflage erscheinenden Kalender heraus.[2] In Zusammenarbeit mit der Reichspropagandaleitung entstanden zudem mehrere Filme.

Das Rassenpolitische Amt sah sich selber als eine „Umschlagstelle für Anregungen“ und konnte dadurch „der Parteiführung eingehendere Vorschläge für die durchzuführenden Maßnahmen“ aufzeigen.[3] Hierunter ist insbesondere die Mitarbeit an gesetzgeberischen Maßnahmen zu verstehen.

Auf regionaler Ebene wurde das Rassenpolitische Amt auf Gau- und Kreisebene durch ehrenamtliche Beauftragte vertreten. Die Gaubeauftragten waren hierbei häufig Professoren der Universitäten vor Ort. Ein Beispiel hierfür ist der Gau Mainfranken: Ludwig Schmidt-Kehl, seit 1934 Gaubeauftragter des Rassenpolitischen Amtes, leitete ab 1937 in Personalunion auch das aus dem Rassenpolitischen Amt der Gauleitung Mainfranken hervorgegangene, am 1. April 1937 gegründete[4] „Institut für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung“[5] der Universität Würzburg. Rassenpolitisches Amt (bis Oktober 1938 in der Ludwigstraße 8) und Universitätsinstitut waren hierbei im selben Haus (Klinikstraße 6, im nach Robert Ritter von Welz auch „Welzhaus“ genannten und auch Wohnzwecken dienende Gebäude, worin im November 1938 das Institut seine Räumlichkeiten erhielt und am 10. Mai 1939 eingeweiht wurde)[6][7] untergebracht. Schmidt-Kehl leitete dabei erbbiologische Untersuchungen im Rahmen des sogenannten Dr.-Hellmuth-Plans.

Die größte Bedeutung erlangte das Rassenpolitische Amt in den ersten Jahren des NS-Staates. Hier gelang es Walter Groß und seinen Mitarbeitern, eine einheitliche Sprachregelung in der sogenannten Rassenfrage durchzusetzen und Einfluss auf die entsprechende Gesetzgebung zu gewinnen. Durch die Verbindungen in Dienststellen des Staates und der Partei, die Rednerschulungen in Babelsberg, aber auch die Vertreter in den Gauen und Kreisen entstanden zudem eine Vielzahl personeller Verbindungen. Später verlor das Amt nach und nach sein Gewicht, SS und Sicherheitsdienst gewannen hingegen an Bedeutung in der NS-Rassenpolitik. 1944 wurde die Tätigkeit des Rassenpolitischen Amtes kriegsbedingt eingeschränkt, schon im Jahr zuvor soll mit der Vernichtung der Akten begonnen worden sein.

Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde das Rassenpolitische Amt der NSDAP durch den Alliierten Kontrollrat verboten und dessen Eigentum beschlagnahmt.

Propagandafilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rassenpolitische Amt der NSDAP produzierte mehrere Propagandafilme, um Euthanasie zu propagieren: Die Sünden der Väter (1935), Abseits vom Wege (1935), Erbkrank (1936), Was Du ererbet… (1936), Opfer der Vergangenheit (1937), Ich klage an (1941).[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roger Uhle: Neues Volk und reine Rasse. Walter Gross und das Rassenpolitische Amt der NSDAP (RPA). Dissertation Aachen 1999.
  • Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995, ISBN 3-88479-932-0 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3.) – Zugleich: Dissertation Würzburg 1995).
  • Gerhard Koch: Die Gesellschaft für Konstitutionsforschung. Anfang und Ende 1942–1965: Die Institute für Anthropologie, Rassenbiologie, Humangenetik an den deutschen Hochschulen. Die Rassenpolitschen Ämter der Jahre 1933–1945. Erlangen 1985.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IfZ-München, Akten d. Parteikanzlei, 117 04801, 15. Mai 1934, zitiert nach Uhle, S. 30.
  2. Werbeplakat für Neues Volk beim Deutschen Historischen Museum.
  3. Neues Volk 1944, Heft 2, S. 1f, zitiert nach Uhle, S. 50.
  4. Ludwig Schmidt: Das Institut für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung der Universität Würzburg. In: Zeitschrift für Rassenkunde und die gesamte Forschung am Menschen. Band 9, 1939, S. 281.
  5. Ute Felbor: Das Institut für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung der Universität Würzburg 1937–1945. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 155–173.
  6. Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3.) Zugleich Dissertation Würzburg 1995, ISBN 3-88479-932-0, S. 13–27 und 51.
  7. Das neue Institut für Rassenkunde und Vererbungswissenschaft. In: Mainfränkische Zeitung. 9. Mai 1939; und Institut für Vererbungswissenschaft und Rassenforschung eröffent. In: Mainfränkische Zeitung. 11. Mai 1939.
  8. Uwe Kaminsky: „Gnadentod“ und Ökonomismus. In: Wolfgang Bialas (Hrsg.): Moralische Ordnungen des Nationalsozialismus. Vandenhoeck & Ruprecht, 2014, ISBN 978-3-647-36963-1, S. 245.