Rasteau

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Rasteau
Wappen von Rasteau
Rasteau (Frankreich)
Rasteau
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Vaucluse
Arrondissement Carpentras
Kanton Vaison-la-Romaine
Gemeindeverband Vaison Ventoux
Koordinaten 44° 14′ N, 4° 59′ OKoordinaten: 44° 14′ N, 4° 59′ O
Höhe 117–366 m
Fläche 18,81 km2
Einwohner 851 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 45 Einw./km2
Postleitzahl 84110
INSEE-Code
Website http://www.rasteau.fr/

Dorfansicht mit Weinberg im Vordergrund

Rasteau ist eine französische Gemeinde des Départements Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Administrativ ist sie dem Kanton Vaison-la-Romaine und dem Arrondissement Carpentras zugeteilt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rasteau, im Hintergrund der Mont Ventoux

Der Weinort mit 851 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) liegt am rechten (westlichen) Ufer der Ouvèze 18 Kilometer nordöstliche von Orange und 35 Kilometer nord-nordöstlich von Avignon. Das Dorf ist an die Départementsstraße D69 angeschlossen, welche die Départementsstraße D975 im Südosten des Gemeindegebiets kreuzt. Das Klima ist mediterran geprägt, allerdings ist der Ort stark dem Mistral ausgesetzt, der ganzjährig Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90–100 km/h erreichen kann, was in der Gegend oft vorkommt und zu einer empfindlichen Abkühlung führt[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die römische Kolonisation hat deutliche Spuren in der Gegend hinterlassen. Im Ortsteil Hautes-Rives wurde eine Ruhestätte mit reichhaltigen Grabbeigaben freigelegt. Weitere Funde, die vermutlich zum Teil noch älter sind, konnten nicht exakt zugeordnet werde, so zum Beispiel ein Altar mit Muttergottheiten, ein Grab mit einer szenischen Maske, Haarnadeln, Votivstatuetten und die Grabinschrift eines Präfekten des gallischen Stammes Voconces.[2]

Im Früh- und Hochmittelalter herrschten die Bischöfe von Vaison in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten über das Gebiet. Die älteste schriftliche Erwähnung von Rasteau findet man in einer Streitschrift über eines zur Kommune gehörendes Grundstück mit dem Namen Saint-Martin. Bischof Pierre II. de Mirabel nahm sich im Jahre 1009 dieser Sache an.[2] 1188 ergriff Raymond V. von Toulouse, Markgraf der Provence, der im Streit mit Bischof Bérenger de Reilhane lag, Besitz vom Dorf.[3] Die Hugenottenkriege überstand die Region schadlos.[2]

Toponymie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bezeugte Schreibweise des Dorfnamens lautet Rastellum abgeleitet vom gleichlautenden lateinischen Wort. Das ergab im Französischen râteau (dt. „Rake“, oder „Harke“). Es handelt sich dabei um ein Oronym, bezeichnete also ursprünglich ein Berg.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappenbeschreibung: In Azurblau bilden vier güldene Ketten, die im Zentrum von einem Ring derselben Farbe zusammengehalten werden, ein Schragenkreuz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009
Einwohner 330 289 269 234 266 293 295

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Ort mit seinen lehmigen Böden dank seinem Obst und seinen Oliven bekannt. Der untere Teil des Gemeindegebiets, das oft vom Hochwasser der Ouvèze überschwemmt wurde, bestand aus Wiesen.[3] Heute lebt das Dorf vorwiegend vom Weinbau und dem (Wein)tourismus.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinberg in Rasteau
Ein Rasteau AOC vom Weingut Beauregard.

Das Weinbaugebiet Rasteau ist eine nach dem gleichnamigen Ort benannte Appellation in der südlichen Weinregion Côtes du Rhône. Seit dem 22. November 2010 verfügt Rasteau über den Status einer Appellation d’Origine Contrôlée (kurz AOC). Es werden vorwiegend Rotwein (Rasteau rouge) und kleine Mengen Roséwein (Rasteau rosé) produziert. Das Anbaugebiet des Rasteau AOC ist für die Rotweine auf die Gemeinde Rasteau, für die Roséweine dagegen auf die Gemeinden Rasteau, Sablet und Cairanne beschränkt und erstreckt sich über 733 Hektar. Der Rasteau rouge besticht eher durch seine Wuchtigkeit als seine Eleganz. Gastronomen empfehlen den Wein vor allem zu Wild. Er kann zehn oder mehr Jahre im Keller reifen und profitiert in der Regel auch davon.

Boden und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle Weinberge des Ortes befinden sich am Hang des Montagne de Ventabren. Die Terrassen an diesem Schwemmkegel aus alpinem Material bestehen aus Kieselgestein und gräulichem Kalkstein in einer Matrix aus rötlichem Ton. Das Klima ist mediterran geprägt. Die Weinberge, welche die hochklassigen Weine hervorbringen, sind nach Süden ausgerichtet und damit vom Mistral abgeschirmt.

Rebsorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rasteau rouge ist kein reinsortiger Wein, sondern ein Verschnitt (eine Assemblage) aus verschiedenen Rebsorten, wobei die rote Grenache-Traube klar dominiert. Ergänzungssorten sind Mourvèdre und Syrah. Als Nebensorten ist auch noch die folgende breite Palette zugelassen: Bourboulenc, Brun Argenté (lokal Camarèse oder Vaccarèse genannt), Carignan, Cinsaut, Clairette Blanche, Clairette Rose, Counoise, Grenache Blanc, Grenache Gris, Marsanne, Muscardin, Piquepoul Blanc, Piquepoul Noir, Roussanne, Terret Noir, Ugni Blanc und Viognier.

Produzenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Winzergenossenschaft von Rasteau wurde 1925 gegründet. Ihre Mitglieder begannen sich auf Qualität statt Quantität zu konzentrieren. In den 1970er Jahren entstanden auch unabhängige Weingüter. Die Genossenschaft, welche heute 170 Mitglieder zählt, liefert rund 55 % der Gesamtproduktion, daneben gibt es 34 unabhängige Winzer, wobei 20 davon in der Gemeinde Rasteau tätig sind.

Qualitätssicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ertrag ist für den Rotwein gesetzlich auf tiefe 38–42 Hektoliter pro Hektar beschränkt; tatsächlich sind es durchschnittlich 35 hl/ha. Der Mindestalkoholgehalt ist vorgeschrieben und muss bei mindestens 12,5 Volumenprozente liegen. Typischerweise ist er aber höher, in einem guten Jahr liegt er bei erstaunlichen 15 %.

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jährliche Ertrag liegt im Durchschnitt bei rund 27.000 Hektoliter, was rechnerisch etwa 3.600.000 Flaschen ergibt. 80 % des Weines wird dann auch in Flaschen vermarktet; 40 % davon geht in den Export.

Winzerfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Winzerfest mit dem Namen Nuit des vins („Nacht der Weine“) wurde 1986 ins Leben gerufen. Es ist seither zur Tradition geworden und findet jährlich Mitte August statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die mittelalterliche Burg wurde erstmals 1255 unter dem Namen Castris Rastello erwähnt. Sie grenzte an die Kirche und war den Bischöfen von Vaison unterstellt. Heute sind nur noch sehr kleine Reste davon erhalten geblieben.
  • Pfarrkirche Saint-Didier
  • Die Kapelle ist der Notre Dame des Vignerons („lieben Frau der Winzer“) gewidmet und geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Den heutigen Namen erhielt sie allerdings erst 1930. Sie wurde in den Jahren 1957 und 1961 restauriert.[2]
  • Das Haupttor des mittelalterlichen Befestigungsgürtel wurde im Jahre 1753 mit einem Uhrturm überbaut.[2]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean Vialar: Les vents régionaux et locaux. Neuauflage von Météo-France, 2003.
  2. a b c d e Robert Bailly: Dictionnaire des communes du Vaucluse, S. 333f. Édition A. Barthélemy, Avignon, 1986.
  3. a b Jules Courtet: Dictionnaire géographique, géologique, historique, archéologique et biographique du département du Vaucluse, S. 271. Éditions Christian Lacour, Nîmes, 1876, Neuauflage: 1997.
  4. Albert Dauzat und Charles Rostaing: Dictionnaire étymologique des noms de lieux en France, S. 1892. Édition Larousse, Paris, 1968.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rasteau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien