Rathaus Plauen (Dresden)

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Rathaus Plauen

Das Rathaus Plauen befindet sich an der Nöthnitzer Straße 2 im Dresdner Stadtteil Plauen. Es wurde 1893/94 im damals noch selbständigen Plauen erbaut und steht heute unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plauen entwickelte sich im 19. Jahrhundert von einer ländlichen Gemeinde zu einer Vorstadt Dresdens mit städtischer Bebauung. Mit Ansiedlung von Industrie im Tal der Weißeritz, unter anderem durch Gottlieb Traugott Bienert, dem Pächter der Hofmühle, wuchs die Bevölkerung Plauens auf mehr als 12.000 Menschen im Jahr 1900. Die wachsende Gemeinde beantragte bereits im Juni 1889 den Bau eines Rathauses. Die Genehmigung seitens der zuständigen Behörde, der Königlichen Amtshauptmannschaft, erfolgte aber erst nach der Schenkung des Grundstücks an der Räcknitzer Straße, der heutigen Nöthnitzer Straße, durch Gottlieb Traugott Bienert an die Gemeinde.[2]

Im Januar 1892 erfolgte die Ausschreibung als offener Wettbewerb, bei dem 116 Entwürfe eingingen. Als Preisrichter hatten sich der Dresdner Architekt und Professor der Technischen Hochschule Dresden Karl Weißbach (1841–1905) und der Architekt und spätere Rektor der TH Rudolf Heyn (1835–1916) zur Verfügung gestellt. Den ersten Preis errang das Berliner Büro „Pfeiffer und Engler“, der dritte Preis ging an einen Architekten aus Leipzig. Den Auftrag zum Bau des Rathauses erhielt jedoch der Preisträger des zweiten Preises, das Büro der Architekten William Lossow und Hermann Viehweger in Dresden. Der bisher wichtigste Bau von Lossow und Viehweger war bis dahin das 1891/92 erbaute Viktoriahaus, ein prächtiges Geschäftshaus im Stil der Neorenaissance an der Prager Straße. Ihr Entwurf für das Plauener Rathaus trug den Titel 130.000 Mark.[2]

Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 23. April 1893. Von der Plauener Baufirma Gebr. Fichtner ausgeführt, ging der Bau insbesondere aufgrund großzügiger Spenden durch wohlhabende Plauener zügig voran, auch wenn die Kosten erheblich über den versprochenen 130.000 Mark lagen. Der Bau kostete schließlich rund 200.000 Mark und wurde am 18. Oktober 1894 eingeweiht.[2] Die Glocken für den Rathausturm (von 1467 und älter) erhielt das Rathaus vom Kirchvorstand der Plauener Kirche zugesprochen.[3]

Bis zur Eingemeindung Plauens nach Dresden im Jahre 1903 diente das Haus als Sitz der kommunalen Verwaltung. Aber auch nach der Eingemeindung blieben die wichtigsten Funktionen im Hause: die Ortskrankenkasse, die Volksbibliothek (seit 1907, dem Jahr des Abbruches des alten Schulhauses, in dem sie zunächst untergebracht war), Melde- und Standesamt, Polizei und der im Erdgeschoss befindliche Ratskeller. In Teile des Restaurants zog allerdings im Jahr 1930 die Stadtsparkasse, das Lokal wurde zum „Bräustübel“ verkleinert und erhielt einen neuen Eingang am Eckturm – dessen Betrieb wiederum wurde 1936 eingestellt und die Räume für die Stadtbank genutzt.[4] Die Bibliothek, deren Unterbringung im Rathaus wohl eine Behinderung des dienstlichen Betriebes bedeutete, konnte 1931 an einem anderen Ort untergebracht werden.[2]

Größere Veränderungen gab es allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Haus ab 1963 sowohl als Hort für die 55. Polytechnische Oberschule (einschließlich der entsprechenden Schlafräume) genutzt und insgesamt sechs (vor allem erste und zweite) Klassen dort untergebracht, sondern auch der zweigeschossige Sitzungssaal zur Turnhalle umfunktioniert wurden.[5] Trotz dieser Nutzung, die bis 1991 andauerte, verfiel das Gebäude wegen mangelnden Bauunterhalts.

1992 begann die Stadt Dresden, die den Bau übernommen hatte, mit der denkmalgerechten Sanierung. Im Mai 1996 konnte die bis dahin am Fritz-Foerster-Platz befindliche Verwaltung des Ortsamtes Südvorstadt ihren Betrieb im Rathaus Plauen aufnehmen, das Ortsamt wurde gleichzeitig in Ortsamt Plauen umbenannt. Heute beherbergt es den Verwaltungssitz des Ortsamtes und ein Bürgerbüro der Stadt Dresden. Im Erdgeschoss befand sich außerdem eine Filiale der Ostsächsischen Sparkasse Dresden,[2] die die Räume der früheren Sparkasse und die der ehemaligen Stadtbank insgesamt bis 2013 nutzte. Seit 2015 sind diese Räume das Bürgerbüro des Ortsamtes. Die noch vorhandene Glocke von 1467 wurde in das Stadtmuseum Dresden überführt und ist heute die älteste Glocke der Stadt Dresden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dreigeschossige Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance errichtet und befindet sich an der Ecke der Nöthnitzer mit der Coschützer Straße. Die Fassade des Erdgeschosses wurde als Steinquaderfassade ausgeführt, der Rest des Gebäudes ist verputzt und an Ecken und Fenstern mit Naturstein geschmückt. An der abgewinkelten Ecke der beiden Straßenansichten befindet sich ein 51 Meter hoher[2] viergeschossiger Turm, in dessen dem gegenüberliegenden F.-C.-Weiskopf-Platz (dem früheren Dorfplatz, der 1903 den Namen Chemnitzer Platz erhielt[6]) zugewandten Giebelhaus sich eine, nur über eine schmale Spindeltreppe zugängliche, Turmuhr befindet. Darunter befindet sich in der dritten Etage des Turmes ein auf vier Konsolen ruhender Balkon. Auf dem Turm befindet sich ein als Glockenstuhl ausgeführter Dachreiter, in dem sich bis 1993 zwei mittelalterliche Glocken aus der Plauener Kirche befanden.[2] An beiden Straßenseiten wie auch an der Schauseite des Turms befinden sich zweigeschossige, getreppte Zwerchhäuser mit Volutengiebeln. An der Nordwest-Ecke des Gebäudes findet sich ein abgewinkelter Erker, der von einem steilen oktogonalen Dachspitz gekrönt wird. Das Hauptportal des Rathauses befindet sich in der Nöthnitzer Straße. Über dem Sitznischenportal befindet sich ein auf Säulen ruhender Erker, dessen Oberseite als Balkon für das zweite Obergeschoss ausgeführt wurde. Im ersten Stock befand sich hinter dem Erker das Hochzeitszimmer,[2] der Balkon im zweiten Stock war über den zweigeschossigen Sitzungssaal zu erreichen. Auch in der Coschützer Straße findet sich ein Erker über einem auf Säulen ruhenden Rundbogenportal.

An der linken Seite des Turmes befindet sich in einer Nische eine vom Dresdner Bildhauer Robert Henze gefertigte Figur des Heiligen Georg.

Die Innenausstattung des Rathauses ist ähnlich aufwändig gestaltet wie das Äußere. Besonders hervorzuheben ist der sich über zwei Geschosse erstreckende Sitzungssaal mit seinen Wandtäfelungen, die von den Söhnen Bienerts, Theodor und Erwin, gestiftet wurden. Trotz der Nutzung als Turnhalle blieben viele Teile der Originalausstattung erhalten. Auch die ursprüngliche Ausmalung des Treppenhauses ist noch vorhanden ebenso wie ein Fenster mit Glasmalereien.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Dreßler, Claudia Posselt, Dirk Schumann: Plauen. In: Landeshauptstadt Dresden (Hrsg.): Dresdner Rathäuser. Eine Dokumentation. designXpress, Dresden 2010, S. 151–155.
  • Matthias Donath, Jörg Blobelt: Altes&Neues Dresden. edition Sächsische Zeitung, Dresden 2007, ISBN 978-3-938325-41-4.
  • Georg Dehio: Handbuch deutscher Kunstdenkmäler. Dresden. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 198.
  • Volker Helas: Architektur in Dresden 1800–1900. Verlag der Kunst Dresden GmbH, Dresden 1991, ISBN 3-364-00261-4, S. 85, S. 89 (Abbildung Nr. 194)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rathaus Plauen, Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kulturdenkmal: Nöthnitzer Straße 2. Abgerufen am 19. Januar 2011.
  2. a b c d e f g h i Manfred Dreßler, Claudia Posselt, Dirk Schumann (Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden): Plauen. In: Landeshauptstadt Dresden (Hrsg.): Dresdner Rathäuser. Eine Dokumentation. designXpress, Dresden 2010, S. 151–155.
  3. Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze – Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, 2.Auflage, S. 32.
  4. Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze – Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, 2.Auflage, S. 160.
  5. Verein der Förderer und Freunde der 55. Mittelschule Dresden-Plauen e.V. (Hrsg.): Festschrift – 55. Mittelschule Dresden-Plauen – 1882–2007. Druckerei Julius Mißbach, Neustadt i. Sa. 2007, S. 21 und 24.
  6. Matthias Donath, Jörg Blobelt: Altes&Neues Dresden. edition Sächsische Zeitung, Dresden 2007, S. 236 f.

Koordinaten: 51° 1′ 45,1″ N, 13° 42′ 27″ O