Lintorf (Ratingen)

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Lintorf
Stadt Ratingen
„In Gold (Gelb) über einem grünen Hügel, eine grüne Linde, deren Stamm von einem achtschaufeligen roten Wasserrad überdeckt ist.“ Wolfgang Pagenstecher, November 1937
Koordinaten: 51° 19′ 58″ N, 6° 49′ 51″ O
Höhe: 42 m
Fläche: 15,85 km²
Einwohner: 15.227 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte: 961 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 40885
Vorwahl: 02102

Lintorf ist ein Stadtteil im nordwestlichen Gebiet der Stadt Ratingen am Übergang des Vorlandes des Bergischen Landes in die niederrheinische Tiefebene. Eine bäuerliche Waldsiedlung am Dickelsbach wurde als Linthorpe im Jahr 1052 erstmals urkundlich erwähnt, die ältesten gefundenen Anzeichen für menschliche Besucher oder Bewohner sind dagegen etwa 13.000 Jahre alt. Um 1850 hatte die Siedlung erstmals über 1000 Bewohner. 1975 wurde das Dorf mit ca. 11.000 Einwohnern in die Stadt Ratingen eingemeindet. Im Jahr 2015 hatte Lintorf 15.227 Bewohner. Der Stadtteil grenzt im Norden an den Mülheimer Stadtteil Selbeck und den Duisburger Stadtteil Rahm und im Westen an den Düsseldorfer Stadtteil Angermund; er liegt auf einer Höhe von 35 Metern über NN und umfasst eine Fläche von 16,85 km² (2003, als Stadtteil).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lintorf liegt an der vielbefahrenen Güterzugstrecke Duisburg-Düsseldorf[1], auf der zwischen 1876 und 1983 auch Personenzüge verkehrten. Der Ort ist umgeben von den Autobahnen A 52 (Essen-Düsseldorf, Ausfahrt Ratingen-Tiefenbroich), A 524 (Autobahnkreuz Breitscheid – Duisburg-Rahm (-Krefeld), Ausfahrt Ratingen-Lintorf), A 3 (Oberhausen-Köln, Ausfahrt A 52) und liegt im nördlichen Rand der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens (3 km Luftlinie).

Im öffentlichen Personennahverkehr ist Lintorf sehr gut erschlossen. Mehrere Buslinien verbinden Lintorf mit Ratingen und Düsseldorf, dabei verkehren die meisten in Richtung Düsseldorf-Derendorf S-Bahnhof und Düsseldorf-Altstadt. Dies sind die Schnellbuslinie 55 und die regulären Buslinien 752 und 754. Dabei verkehren die 752 außerhalb der Hauptverkehrszeit und die 754 stets rüber nach Tiefenbroich und Ratingen-West, während die Schnellbuslinie 55 und die Buslinie 752 innerhalb der Hauptverkehrszeit direkt über die A 52 nach Düsseldorf fahren. Die Buslinie 751 fährt in die benachbarten Orte Angermund und Hösel und stellt dort den Anschluss an die S-Bahnen an den Bahnhöfen Angermund (S1) an der Bahnstrecke Köln–Duisburg und Hösel (S6) an der Ruhrtalbahn her, dabei liegt die S-Bahn-Station Angermund Lintorf am nächsten, die S-Bahn-Station Hösel ist aber in Richtung Essen die interessantere. In Lintorf verkehren zwei Ortsbus-Linien, die O16 und die O19. Die O16 verkehrt in der einen Richtung nach Ratingen Mitte und Ostbahnhof und in der Gegenrichtung nach Breitscheid zur Stadtgrenze zu Mülheim-Mintard und Essen-Kettwig. Die O19 verkehrt als Anruflinie nur innerhalb Lintorfs. Nacht verkehrt die Disco-Linie 1. Betrieben wird der gesamte ÖPNV von der Rheinbahn.

Übersicht der Buslinien in Ratingen-Lintorf
Linie Verlauf
SB 55 Düsseldorf Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg – Oststraße Stadtbahn.svg – Derendorf S-Bahn-Logo.svg – Mörsenbroich Heinrichstraße – ohne Halt über B 1/A 52 – Ratingen-Lintorf, Siemensstraße
751 (Kaiserswerth Klemensplatz Stadtbahn.svg – Schloss Kalkum –) Düsseldorf-Angermund S-Bahn-Logo.svg – Ratingen-Lintorf – Ratingen-Breitscheid, Krummenweg – Ratingen-Hösel S-Bahn-Logo.svg
752 Mülheim Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg – Mülheim Stadtmitte – Schloß Broich – Saarn – Mülheim-Selbeck – Ratingen-Breitscheid – Ratingen-Lintorf – ohne Halt über A 52/B 1 – (Düsseldorf-Lichtenbroich – Tiefenbroich – Ratingen-West –) Düsseldorf-Mörsenbroich Heinrichstraße – Derendorf S-Bahn-Logo.svg – Düsseldorf Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg
754 Düsseldorf Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg – Oststraße Stadtbahn.svg – Derendorf S-Bahn-Logo.svg – Mörsenbroich Heinrichstraße – ohne Halt über A 52/B 1 – Düsseldorf-Lichtenbroich – Ratingen-West – Tiefenbroich – Ratingen-Lintorf, Siemensstraße
O 16 Buslinie in Ratingen:
Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg – Ratingen Mitte Stadtbahn.svg – Tiefenbroich – Lintorf – Ratingen-Breitscheid, Am Kessel
O 19 Buslinie in Ratingen:
Ratingen-Lintorf Mörikestraße – Lintorf, Rathaus – Gewerbegebiet Lintorf-Nord – Lintorf-West, Fliedner-Krankenhaus
DL 1 Ratingen-Hösel S-Bahn-Logo.svg → Ratingen-Eggerscheidt - Ratingen-Breitscheid, Krummenweg – Ratingen-Lintorf – Ratingen-Tiefenbroich – Ratingen-West – Ratingen Mitte Stadtbahn.svg – Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde innerhalb des Ortsgebietes setzen bereits im späteiszeitlichen Interstadial (GI 1) ein und gehören dem Zeitabschnitt des Azilien an:

„Im rechtsrheinischen Dünengelände bei Lintorf (Stadt Ratingen) wurde ein kleines Schieferplättchen gefunden, das auf beiden Seiten mit parallelen Linien versehen ist (Abb. 400,4); ein in unmittelbarer Nachbarschaft gefundenes Federmesserbruchstück macht eine Datierung in das Azilien (Federmessergruppen) wahrscheinlich.“[2]

In dieser Zeit waren Elch, Hirsch und Ur die wichtigsten Jagdtiere. Der Beleg des Federmessers aus baltischen Feuerstein überliefert für den Lintorfer Rastplatz die gesicherte frühe Form einer Pfeilspitze. Die weiträumige Verbreitung dieser Projektile dokumentiert die zunehmende Ausbreitung der Jagd mit Pfeil und Bogen im westlichen Mitteleuropa.

In der Folgezeit wurde derselbe Dünenzug wiederholt von Jägern und Sammlern der Nacheiszeit (jüngere Dryaszeit/Dryas III) aufgesucht. Kleine Personengruppen von wildbeuterisch lebenden Sammlern und Jägern des Mesolithikum hinterließen dort im Verlauf ihrer Aufenthalte Kernsteine der Grundformproduktion, kleinformatige Klingen, kurze Kratzer und Mikrolithen. Verwendet wurde weit bevorzugt baltischer Feuerstein, der in guter Qualität im östlichen Ortsgebiet und über das angrenzende Ortsgebiet von Ratingen-Breitscheid hinaus, bis zur Ruhr hin in den glazialen Geschiebeablagerungen aufgelesen werden konnte.

Aus der Jungsteinzeit ist aus Lintorf der Fund einer vollständig erhaltenen Beilklinge des Typs „Durrington“ aus alpinen Mineralgestein besonders hervorzuheben. Das extrem seltene Artefakt konnte im Verlauf der Anlage eines Regenwasserrückhaltebeckens in der Flur „Im Soestfeld“ in seiner vermutlich kultisch begründeten aufrecht stehenden Deponierung beobachtet werden. Das verwendete Gestein wurde am Mineralogischen Institut des Königlichen Afrikamuseum in Tervuren (Belgien) analysiert. Es entstammt einem archäologisch erschlossenen jungsteinzeitlichen Steinbruch von Eklogit auf dem Monte Viso auf Italienischen Gebiet in den Cottischen Alpen. Die senkrechte Auffindungsposition der Beilklinge, die mit dem Nacken nach Unten und der Schneidenpartie nach Oben ausgerichtet worden war, entspricht Beobachtungen im gesamten Verbreitungsgebiet solcher Beilklingen im westlichen Mitteleuropa. Die Weitergabe der seltenen, praktisch kaum einmal verwendeten Beilklingen aus den grünfarbigen alpinen Mineralgesteinen Jadeitit, Eklogit und Omphacit, verlief von den südlichen Produktionsstätten ausgehend, über die Flussläufe der Rhône, der Mosel und des Rheins bis nach Großbritannien und Dänemark. Der Lintorfer Fundbeleg entstammt einer frühen Produktionsphase der alpinen Beilklingen aus Mineralgesteinen und datiert über Vergleichsstücke in die Zeit des 5. Jahrtausends v. Chr. Als sehr wahrscheinliche „Kultobjekte“ wurden insbesondere die großformatigen alpinen Beilklingen im gesamten westlichen Mitteleuropa bis zu eintausend Jahre lang von Generation zu Generation weiter gegeben, bevor sie zuletzt, wie hier in Lintorf, in Deponierungen niedergelegt wurden. Spätestens im Verlauf des 3. Jahrtausend v. Christus wurden die mutmaßlichen Kultbeilklingen in ganz Europa in Paaren oder einzeln, überwiegend in der Nähe von Gewässern, gelegentlich auch in Höhlen und in komplexen Grabanlagen niedergelegt. Damit scheint ein grundlegender kultureller Wandel verbunden gewesen zu sein. Das in Lintorf geborgene kleinformatige Exemplar fand sich im heute südlich gelegenen Auenbereich des Dickelsbaches. Es repräsentiert eine sehr frühe und charakteristischerweise kleinformatige Form der alpinen „Prunkbeilklingen“ in der typologischen Abfolge.

Rund um den heutigen Ort finden sich auch aus späterer Zeit vielfältige Hinweise auf Siedlungen der Eisen- sowie der römischen Kaiserzeit. Für die späte Eisenzeit fällt eine größere Anzahl der Bruchstücke von spätlaténezeitlichen Glasarmringfragmenten auf. Aus der römischen Kaiserzeit sind Grabfunde beim Bau der ev. Kirche, Funde dieser Zeit westlich des Beeker Hofes und aus der Flur „Im Soestfeld“ überliefert. Eine Goldprägung des Kaisers Valens und ein Follis Konstantin des Großen geben noch für das 4. Jahrhundert n. Chr. den Hinweis auf einen Austausch mit der Römischen Provinz in dieser grenznahen Region.

Im Mittelalter war das rechtsrheinische Gebiet zwischen Ruhr und Düssel weitgehend ein großes Waldgebiet, in dem eine „Mark Linthorpe“ 1052 angeführt wurde.[3] Darin lag eine bäuerliche Streusiedlung, die urkundlich ebenfalls erstmals im Jahre 1052 erwähnt wurde.[4][5] Diese Streusiedlung war rund um den Dickelsbach angelegt worden, der in Ratingen-Hösel entspringt und etwa 15 km nördlich in Duisburg in den Rhein mündet. Der kleine Bach war jahrhundertelang die Lebensader des Ortes. So trieb er viele Mühlen an und diente als Wasserreservoir für Mensch und Tier. Oft versetzte er die Bewohner des auf der Niederterrasse des Rheins gelegenen Ortes in Not, wenn er über die Ufer trat und Dorf und die mageren Äcker überflutete. Archäologische Funde belegen eine menschliche Besiedlung Lintorfs bis zurück in die Eisenzeit. Im Hoch- und Spätmittelalter waren in Lintorf Besitztümer aus Düsseldorf-Gerresheim, des Klosters Werden sowie Allodien der Grafen von Berg angelegt. Bis weit in die Gegenwart hinein sind viele Immobilien sowie Land- und Waldflächen im Besitz der Grafen von Spee, die die Lintorfer Geschichte lange als Grundbesitzer prägten.

Anfangs gehörte Lintorf zum Kirchspiel St. Peter und Paul in Ratingen. Eine eigene Kirche hatte der Ort vielleicht seit dem 11. Jahrhundert. Ein Dominus Didericus war als Pfarrer 1362 in Lyntorp nachweisbar. Vermutlich um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Lintorf eine eigenständige Pfarre (St. Anna) und ein von Ratingen unabhängiges Kirchspiel. Kirchherr des Kirchspiels Lintorf waren die Herzöge von Berg.[6] Der frühste namentlich bekannte Pfarrer in St. Anna war Johann Rover (1467). Er wird zusammen mit Kaplan Lambrecht Rover, der Johann Rovers Nachfolger wurde, im Bruderschaftsbuch der St.-Sebastianus-Bruderschaft von 1470 erwähnt.

Das äußere Erscheinungsbild änderte sich über Jahrhunderte kaum. Während des Dreißigjährigen Krieges gab es mehrere Durchmärsche und Plünderungen. 1662 verständigten sich die Katholiken und die Reformierten in Lintorf per Vertrag auf einen Modus Vivendi.[7] Die Bevölkerung ernährte sich durch Kleinlandwirtschaft und Holzwirtschaft. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gab es mehrere Industrialisierungsversuche, unter anderem 1751 mit einer Dampfmaschine und einer Pumpe, die Grundwasser aus Schächten pumpen sollte.[8] Diese Bemühungen wurden während des gesamten 19. Jahrhunderts fortgeführt, so etwa beim Bleiabbau im Waldgebiet „Die Drucht“ sowie die Ton- und Kiesgewinnung. Es bestand eine Gewerkschaft Lintorfer Erzbergwerke. Es ist nicht unbegründet, Lintorf ab 1900 als Industriedorf inmitten des rheinisch-westfälischen Industriegebiets zu bezeichnen.[9]

1851 gründete der Lintorfer Pfarrer Eduard Dietrich zusammen mit dem Direktor der Kaiserswerther Diakonieanstalt, Richard Engelbert, das Männerasyl für entlassene Strafgefangene, Obdachlose und Alkoholkranke, das als erste Trinkerheilanstalt Europas gilt. Bis 1879 entstand hier zusätzlich die Trinkerheilstätte „Haus Siloah“ und 1901 das „Kurhaus Bethesda“.

Der Lintorfer Ortskern und der Süden (umgangssprachlich „Dorp“ genannt) waren der Schwerpunkt kleinbürgerlicher und bäuerlicher Bevölkerungsteile, der Norden („Busch“ genannt), der durch eine Kleingüterbahn vom eigentlichen Dorf abgetrennt war, war überwiegend Standort der Industrie. 1927 waren 2.152 Katholiken und 674 Protestanten gemeldet. Eine Zählung vom Oktober 1935 nennt 3.227 Einwohner, davon 2.218 Katholiken, 859 Protestanten, 55 Andersgläubige und 95 Dissidenten. Bereits seit 1874 war Lintorf an die Eisenbahnstrecke Duisburg-Düsseldorf angebunden, zudem gab es seit 1876 eine eigene Poststation. Lintorf verfügte über drei Volksschulen: die evangelische Schule an der Duisburger Straße mit 69 Schülern (1930), die 1902 gegründete katholische Schule II („Büscher-Schule“) im Lintorfer Norden mit 97 Schülern (1930) sowie die 1926/1927 neu erbaute Volksschule I an der Admiral-Graf-von-Spee-Straße mit 178 Schülern (1930). 1878 wurde die heutige katholische Pfarrkirche St. Anna fertiggestellt.

Während der NS-Zeit kam es in Lintorf zu Misshandlungen politischer Gegner.[10] 1937 bekam Lintorf ein eigenes Wappen, das der Düsseldorfer Heraldiker Wolfgang Pagenstecher im Auftrag der NS-Kreisleitung entworfen hatte, das jedoch keine historischen Wurzeln hat.[11] Während des Krieges wurde ein Zwangsarbeiterlager der Firma Krupp errichtet.[12] Die Ortschaft Lintorf sollte laut einem Aufruf des Düsseldorfer NSDAP-Gauleiters Friedrich Karl Florian noch im Frühjahr 1945 evakuiert werden, Lintorf wurde jedoch am Vormittag des 17. April von US-amerikanischen Truppen befreit.[13][14] Am 21. April 1945 nahm sich Generalfeldmarschall Walter Model, Befehlshaber der deutschen Ruhrkesseltruppen, zwischen Lintorf und Duisburg das Leben. Über 100 Lintorfer Zivilisten und Soldaten starben während des Krieges.

In Lintorf bestanden zwei Klöster: Das 1916/1917 gegründete Kloster der Dernbacher Schwestern (Arme Dienstmägde Jesu Christi, Ancillae Domini Jesu Christi, Ordenskürzel: ADJC) auf der Krummenweger Straße (Klosterstraße) bestand bis Mitte der 1960er Jahre, und das Kloster der Kreuzherren (Orden vom Heiligen Kreuz, Ordo sanctae crucis, OSC), die seit 1963 in Lintorf wirkten und 1963 eine eigene Pfarrkirche erbauten, die St. Johannis Maria Vianney-Kirche. Das Kloster bestand offiziell von 1968 bis 2006.[15] Das große Pfarrheim „Haus Anna“ wurde 1960 in Anwesenheit des Kölner Erzbischofs Kardinal Joseph Frings eingeweiht. Es umfasste einen Veranstaltungssaal und eine eigene Gastronomie. Im Juli 2003 wurde Haus Anna abgerissen.

In der Nachkriegszeit siedelten sich mehrere größere Betriebe, wie die Zweiradwerke Hoffmann (Lizenzfertigung des Motorrollers Vespa), die Firma Constructa (Waschmaschinen) sowie die Firma Harsco (früher Hünnebeck) (Schalungen und Gerüste) an. Heute sind die Unternehmen Vodafone-Group mit einem Rechenzentrum und seit 2011 Makita mit der Deutschlandzentrale in Lintorf ansässig.

Der Abriss fast des gesamten alten Dorfkerns mit seiner Mischung aus bergischem Fachwerk und niederrheinischem Klinker erfolgte in den 1970er Jahren. Das wohl markanteste Charakteristikum der Lintorfer Geschichte in den Jahren nach der Eingemeindung ist der rasante Wandel, der den Ratinger Stadtteil sich zu seinem heutigen Erscheinungsbild hat entwickeln lassen und ihm zum Status eines attraktiven und bevorzugten Wohnstandortes verhalf. Zugleich kamen in den Jahren seit 1975 viele Neubauten hinzu, die das Ortsbild Lintorfs in Zukunft prägen werden. Ende der 1980er Jahre entstanden zwischen dem Soestfeld und der Ratinger Siedlung die Annette-Kolb-Straße und die Ina-Seidel-Straße, die – so wie die anderen Straßen der Siedlung auch – nach Schriftstellern benannt wurden. In den 1990er Jahren wurde das Feldstück an der Krummenweger Straße erschlossen und in ein Wohnviertel umgebaut. Hier entstanden Straßen, deren Benennung an Persönlichkeiten der Lintorfer Ortsgeschichte erinnern: der SPD-Politiker Fritz Windisch (1916–1985), Lintorfer Bürgermeister von 1950 bis 1952 und von 1958 bis 1961; der Kirchmeister und Schöffe Johann Heinrich Steingen (1712–1776); die Ordensschwester Schwester Helia (1883–1968), der Lehrer und Ratinger Bürgermeister August Prell (geboren 1799) und die Hebamme Anna Fohrn (1909–1989). Der Stadtrat beschloss diese Benennungen in den Jahren 1990 und 1993.

Nach einem radikalen Umbau des alten Lintorfer Frei- und Hallenbades eröffneten die Stadtwerke Ratingen am 1. August 2006 das moderne Allwetterbad an der Jahnstraße, in dem neben dem Schwimmspaß auch Wellness und Saunavergnügen garantiert werden.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die urkundlichen Erwähnungen linthorpe, Lynthorpa, Lintorp, Linntorf, Lindorff oder ähnliche verweisen nicht, wie ursprünglich angenommen wurde, auf einen keltischen Ursprung oder auf die Bedeutung „Linden-Dorf“, sondern könnten althochdeutscher Herkunft sein und etwa „Dorf am Wasser“ oder „Dorf am geschlängelten Bach“ (Dickelsbach) bedeuten, wobei „thorpe“ in fränkischer Zeit eingefriedete Siedlungen waren.[16] Die Lintorfer selbst nannten sich in niederdeutscher Mundart „Lengtörper“, wurden aber auch „Quickefrieter“ (Queckefresser) oder „Sandhasen“ genannt.

Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 14. Jahrhundert unterstand Lintorf dem Amt Angermund des Herzogtums Berg. Lintorf wurde 1806 im Großherzogtum Berg zum Flecken in der Mairie Angermund im Département Rhein (Arrondissement Düsseldorf, Kanton Ratingen). Die nach der Franzosenzeit vom Königreich Preußen begründete Rheinprovinz erhielt im Juli 1815 einen Regierungsbezirk Düsseldorf, im April 1816 darin einen Landkreis Düsseldorf (von 1820 bis 1872 nur Kreis), der auch die Bürgermeisterei Angermund umfasste, zu der die Gemeinde Lintorf gehörte. Bei der Verwaltungsneuordnung von 1929 verlor Lintorf große Gebietsteile an den Stadtkreis Duisburg-Hamborn und gehörte nun zum Kreis (von 1939 bis 1969 aber Landkreis) Düsseldorf-Mettmann, der sich aus den Resten der beiden namensgebenden Vorgängerkreise zusammensetzte. Lintorf gehörte von 1929 bis 1974 zum Amt Angerland (bis 1950 Amt Ratingen Land genannt).[17] Verwaltungssitz des Amtes war seit 1949 Lintorf. Von 1949 bis 1955 befand sich dabei die Amtsverwaltung im Saal der Gaststätte Holtschneider (im ehemaligen Franzensgut, Abriss 1967), dann im neu erbauten Rathaus an der Ecke Speestraße / Krummenweger Straße.[18] Am 1. Januar 1975 wurde die bis dahin selbstständige politische Gemeinde Lintorf vom nordrhein-westfälischen Landtag gegen den Widerstand einer breiten Mehrheit der Einwohner in die Stadt Ratingen eingemeindet (Kreis Mettmann, Regierungsbezirk Düsseldorf, Land Nordrhein-Westfalen).[19][20]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1816 1836 1939 1950 1961 1970 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
872[21] 963[22] 3.671 6.263 7.722[20] 10.593[20] 14.951 15.069 15.048 15.138 15.148 15.305[23] 15.247[23] 15.286[23] 15.152[23] 15.101[23] 15.095[23] 15.227[24] 15.228[24] 15.150[24] 15.162[24] 15.227[24]

Seit 2015 gehören meldepflichtbedingt auch übergangsweise in Notunterkünften oder ZUEs des Landes untergebrachte Menschen zur sogenannten „Hauptwohnsitzbevölkerung“ im Melderegister und fließen in die Einwohnerzahlstatistik Lintorfs ein.[24]

Gemeinschafts- und Vereinswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lintorf hat ein Schulzentrum, das eine Realschule und ein Gymnasium umfasst. Zudem gibt es zwei katholische und eine städtische Grundschule und mehrere Kindergärten[25]. Die katholische Pfarrgemeinde (St. Anna und St. Johannes) ist mit der von Ratingen-Hösel (St. Bartholomäus) und Ratingen-Breitscheid (St. Christophorus) zusammengefasst[26], die evangelische mit der von Düsseldorf-Angermund. Beide pflegen ein lebendiges Gemeindewesen mit Kirchenchören und Jugendgruppen, Kolpingfamilie, KAB und Bücherei. Die Düsseldorfer Diakonie unterhält ein Senioren- und Pflegeheim (2005) sowie ein psychiatrisches Krankenhaus mit angeschlossener Suchtklinik. Die Stadtbibliothek Ratingen unterhält eine Zweigstelle im alten Rathaus. An der Jahnstraße besteht seit 1983 ein städtisches Jugendzentrum, die „Manege“.

Zu den größten Vereinen zählen der Breitensportverein TUS 08 Lintorf e.V., der Fußballclub RotWeiss Lintorf 1928 e.V., der Verein Lintorfer Heimatfreunde e.V., der jährlich die Jahresschrift „Die Quecke. Ratinger und Angerländer Heimatblätter“ herausgibt, die 1952 gegründete Sankt-Georgs-Pfadfinderschaft, die Freiwillige Feuerwehr und der Lintorfer Tennisclub von 1972. Die 1976 gegründete Lintorfer Werbegemeinschaft richtet im Jahreslauf unter anderem das Dorffest (September), das Weinfest (Mai) und den Weihnachtsmarkt (Dezember) aus.[27] Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lintorf 1464 veranstaltet an jedem dritten Wochenende im August das Schützenfest mit angeschlossener Kirmes.[28] Ferner sind die Fronleichnamsprozession, die regelmäßigen Trödelmärkte am Dickelsbach oder das Tennenfest auf dem Beekerhof zu nennen.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Anna
Haus Merks
  • Römisch-katholische Pfarrkirche St. Anna[29], dreischiffige, neuromanische Säulenbasilika, 1877/1878 von A. Lange errichtet,[30] mit bemerkenswerter Raumausmalung der Erbauungszeit von Heinrich Nüttgens und mit Glasgemälden von A. Derix und J. Strater (1947/1949).
  • Evangelische Kirche, schlichter Saalbau von 1867 mit vorgestelltem Turm; Orgel von Robert Knauf.
  • Helpensteinmühle
  • Altes Rathaus (erbaut 1955/56, bis 1975 Verwaltungssitz des Amtes Angerland)
  • Haus Merks an der Speestraße
  • Beekerhof, mittelalterliche Hofsiedlung
  • Oberste Mühle, Krummenweger Straße
  • denkmalgeschützte Trinkerheilstätten Siloah (1879) und Bethesda (1901), Thunesweg.

Ferner stehen unter Denkmalschutz: der Bürgershof, die älteste Wirtschaft in der Umgebung (seit 1567), der Vogelshanten (An den Hanten 7–9), die Neue Kämp (Hülsenbergweg 160), die Fachwerkhäuser Am Pöstchen 101 und 104, der alte Friedhof an der Duisburger Straße, der bis 1947 belegt wurde, der Tönniskamp (An der Renn 81/83), die Hoffmann-Werke am Breitscheider Weg, der Friedrichskothen, heute ein evangelischer Kindergarten, das Haus Achter Winter (Krummenweger Straße 223), Hau Benne (An der Renn 51) und die heutige Gaststätte Gut Porz am Hülsenbergweg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.westbahn.net
  2. Gerhard Bosinski: Urgeschichte am Rhein. Kerns Verlag, Tübingen 2008, S. 419.
  3. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsverein. In: Micellen. 1889, Band 4, S. 253.
  4. Michael Buhlmann: Quellen zur mittelalterlichen Geschichte Ratingens und seiner Stadtteile. Teile I und II in: Die Quecke, Band 69 (1999), S. 90–94; Teil III in: Die Quecke, Band 70 (2000), S. 74–79.
  5. Michael Buhlmann: Ratingen bis zur Stadterhebung (1276). Zur früh- und hochmittelalterlichen Geschichte Ratingens und des Ratinger Raumes. In: Ratinger Forum, Band 5 (1997), S. 5–33.
  6. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsverein. In: Die Huntschaft und das Hofgericht des Herzogs von Berg in Lintorf. 1895, Band 9, S. [151]149. Onlinefassung
  7. Theo Volmert: Eine bergische Pfarrgemeinde vor 250 Jahren. Preuß, Ratingen-Lintorf 1980, S. 157.
  8. http://www.albert-gieseler.de/dampf_de/firmen6/firmadet69919.shtml
  9. Bastin Fleermann: Nationalsozialismus im Industriedorf
  10. Bastian Fleermann: Lintorf unter dem Hakenkreuz I. Fallbeispiele aus einem Dorf im nationalsozialistischen Alltag. In: Die Quecke, Ratinger und Angerländer Heimatblätter, Band 71 (2001), S. 56–78.
  11. Erika Münster-Schröer, Joachim Schulz-Hönerlage (Hrsg.): Ratinger Wappen. Entstehung, Bedeutung, Rezeption. (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Ratingen, Reihe A, Band 6.) Ratingen 2002.
  12. Klaus Wisotzky: Das Fremdarbeiterlager in Lintorf. In: Die Quecke, Band 71 (2001), S. 104–108.
  13. Ralf Blank: Die Kriegsendphase an Rhein und Ruhr 1944/1945. In: Bernd-A. Rusinek (Hrsg.): Kriegsende 1945. Verbrechen, Katastrophen, Befreiungen in nationaler und internationaler Perspektive. (= Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Band 4.) Göttingen 2004, S. 88 ff.
  14. Walburga Dörrenberg (Hrsg.): Nach fünf Uhr hört es endlich auf – für immer. Kriegsende in Lintorf. Aus dem Kriegstagebuch des Lintorfer Arztes Dr. Leo Stick. In: Die Quecke, Band 65 (1995), S. 3–6.
  15. Chris Aarts, Bastian Fleermann: Die Kreuzherren in der Region 1960–2003. Geschichte des Kreuzherren-Ordens. In: Martien Jilesen, Heinz van Berlo (Hrsg.): 50 Jahre Kreuzherren in Deutschland. 1953–2003. Personen, Gemeinschaften, Ereignisse, Erinnerungen, Zusammenhänge, Deutungen. Bonn 2004, S. 28–46.
  16. Theo Volmert: Lintorf. Versuch einer Namensdeutung. In: Die Quecke, Band 1 (1950), S. 3.
  17. Klaus Wisotzky: „Die Mittelstadt ist den Bewohnern noch eine richtige Heimat“. Zur kommunalen Neuordnung der Jahre 1929/30. In: Die Quecke, Band 63 (1993), S. 93 f.
  18. Theo Volmert: Lintorf. Berichte, Bilder, Dokumente. Band II: 1815–1974. Ratingen 1987.
  19. Kreis Mettmann (Hrsg.): Geschichte des Kreises Mettmann. Mettmann 2001.
  20. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 293.
  21. Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf 2. Teil. Hrsg. G. F. von Viebahn. 1836
  22. Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf 2. Teil. Hrsg. G. F. von Viebahn. 1836
  23. a b c d e f Homepage der Stadt Ratingen: Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung Archiviert vom Original am 7. April 2012. Stand: 31. Dezember 2010. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  24. a b c d e f Homepage der Stadt Ratingen: Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung Stand: 31. Dezember 2015. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  25. http://www.stadt-ratingen.de/familie_gesellschaft_bildung_soziales/schulen/schulen_a_z/
  26. Kath.Pfarrgemeinde
  27. http://www.werbegemeinschaft-lintorf.de/
  28. http://www.bruderschaft-lintorf.de/
  29. Lintorf (Ratingen). In: Structurae
  30. Theo Volmert: Eine bergische Pfarrgemeinde vor 250 Jahren. Preuß, Ratingen-Lintorf 1980, S. 7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • o. V.: Einige geschichtliche Nachrichten über Lintorf, seine katholische Pfarre und Kirche, aus Urkunden und alten Kirchenbüchern. Als Festgabe bei Gelegenheit der Einweihung der neuen Kirche, den 28. Juli 1878. Deiters, Düsseldorf 1878. (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Wilfried Bever: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Lintorf. Lintorf 1973.
  • Theo Volmert: Eine bergische Pfarrgemeinde vor 250 Jahren. (herausgegeben von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Anna, Ratingen-Lintorf) Ratingen 1980.
  • Theo Volmert: Lintorf. Berichte, Dokumente, Bilder aus seiner Geschichte von den Anfängen bis 1815. (herausgegeben vom Verein Lintorfer Heimatfreunde e.V.) Ratingen 1982.
  • Theo Volmert: Lintorf. Berichte, Bilder, Dokumente aus seiner Geschichte von 1815 bis 1974. (herausgegeben vom Verein Lintorfer Heimatfreunde e.V.) Ratingen 1987.
  • Bastian Fleermann: Nationalsozialismus im Industriedorf. Die Ortschaft Lintorf im Gau Düsseldorf 1930–1945. (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Ratingen, Reihe A, Band 7.) Klartext-Verlag, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0852-9.

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