Ratingen-West

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Blick auf Ratingen-West vom Hasselbecker Berg

Ratingen-West ist ein Stadtteil von Ratingen, der Ende der 1960er Jahre gegründet und anfangs vor allem von der Neuen Heimat bebaut wurde. Es ist eine Siedlung mit vielen Hochhäusern in einer homogenen Wohnumgebung, mit einem hohen Armuts- und Ausländeranteil. Das führte teilweise zu einer Perspektivlosigkeit einzelner Bewohner, die sich mitunter in Kriminalität, Vandalismus und Alkoholismus äußerte. Durch die Berichterstattung der Medien erwarb sich der Stadtteil Ratingen-West zeitweise einen negativen Ruf als „sozialer Brennpunkt“. Dem stemmte sich das Wohnungsunternehmen LEG erfolgreich und nachhaltig mit einem Mix aus Quartiermanagement, Kulturförderung (zum Beispiel ZeltZeit, das große jährliche Kultur- und Kabarettfestival am Grünen See) sowie baulichen und sicherheitstechnischen Maßnahmen entgegen. U.a. entstand das Projekt INFRA West (Initiativen für Ratingen-West), das lokale Synergien hebt und wichtige Akteure vernetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde etwa ein Drittel der Stadt Ratingen durch Luftangriffe der Alliierten zerstört. Dies stellte sich als ein großes Problem dar, als in den ersten Jahrzehnten nach dem Weltkrieg Evakuierte, Soldaten und Flüchtlinge zurückkehrten. Vorerst wurden sie in Lagern und Barackensiedlungen untergebracht, was die Wohnungsnot jedoch nicht verminderte. Erst mit dem „Angerlandvergleich“, der zwischen der Stadt Ratingen und dem Düsseldorfer Flughafen vereinbart wurde, kam der Wohnungsbau in Schwung. So konnten die bis dahin agrarisch genutzten Flächen im Westen der Stadt ab Herbst 1966 bebaut und bereits ein Jahr später, im November 1967, die ersten Wohnungen bezogen werden.

Den Hauptanteil der Baumaßnahmen finanzierte die Neue Heimat, die jedoch wegen diverser Probleme Mitte der 1980er Jahre ihre Wohnungen an das Land Nordrhein-Westfalen verkaufte, das nun mit der LEG Immobilien AG den Großteil des Wohnungsmarktes in Ratingen-West organisiert. Die LEG, die in Ratingen über 9.000 Mieterinnen und Mieter in 2.794 Wohnungen betreut, hat im Stadtteil West seit dem Jahr 2000 insgesamt 1.700 Wohnungen für über 40 Millionen Euro saniert. Darin enthalten ist die energetische Sanierung der rund 800 Wohnungen der drei Hochhäuser, die das Unternehmen bei laufender Nutzung durchführt. Es ist das größte Niedrigenergiehaus-Projekt in Nordrhein-Westfalen. Die Modernisierung des ersten Hochhauses wurde bereits 2008 abgeschlossen. Rund acht Millionen Euro hat seine Umgestaltung gekostet. Ihre drei Hochhäuser nennt die LEG jetzt „Himmelshäuser“, weil die neue weiße Farbgebung an Wolken erinnert. Zurzeit modernisiert das Unternehmen das zweite und dritte Himmelshaus. 19 Millionen Euro ihrer Gesamtinvestitionen in Ratingen-West wendet die LEG bis 2012 für die Modernisierung ihrer drei Himmelshäuser auf.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratingen-West kann in vier unterschiedliche, aber in sich homogene Bereiche unterteilt werden: Im Norden und Osten befinden sich Büro- und Industriegebäude sowie Einkaufszentren; der Südwesten wird von Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern geprägt, meist mit Gärten und zum Teil sogar Grachten; im Süden befindet sich der Volkadeyer Park (Grüner See) (siehe unten); das Zentrum dominieren die Hochhäuser der Neuen Heimat.

Als Grenzen des neuen Stadtteiles wurden im Osten die sogenannte Westbahn (Güterverkehr Duisburg-Düsseldorf), im Süden und Westen die Düsseldorfer Stadtteile Lichtenbroich, Rath und Unterrath bzw. die Autobahnen A 3 / A 52 und A 44 und schließlich im Norden die Kaiserswerther Straße festgelegt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratingen-West ist über die Anschlussstelle 23 Ratingen der Bundesautobahn 52 erreichbar. Da die Anschlussstelle auch Teil des Autobahnkreuzes Düsseldorf-Nord ist, besteht über sie auch ein Anschluss an die Bundesautobahn 44. Über die beiden Bundesautobahnen sind die Kreuze Breitscheid und Ratingen-Ost erreichbar, die einen Anschluss an die Bundesautobahn 3 herstellen.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Ratingen West befindet sich an der Bahnstrecke Troisdorf–Mülheim-Speldorf, die auch Ratingen Weststrecke genannt wird. Diese wird im Personenverkehr nicht mehr befahren, jedoch stark im Güterverkehr.

Eine Reaktivierung im Personenverkehr ist zwar mit Problemen verbunden[1][2], wird aber von verschiedenen Seiten weiterhin angestrebt. Zur Kostenreduzierung wird nun eine Führung von Düsseldorf-Rath über Düsseldorf-Rath Mitte weiter nach Düsseldorf Hbf betrachtet.[3][4] Dazu wurden bereits entsprechende Demonstrationsfahrten auf der Strecke durchgeführt.[5]

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ÖPNV ist Ratingen-West sehr gut erschlossen. Es verkehren folgende Buslinien, die durch die Rheinbahn betrieben werden:

Übersicht der Buslinien in Ratingen-West
Linie Verlauf
749 Düsseldorf-Kaiserswerth, Klemensplatz Stadtbahn.svg – Schloss Kalkum – Tiefenbroich – Ratingen-West – Ratingen Mitte Stadtbahn.svg – Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg – Ratingen-Schwarzbach – Mettmann-Metzkausen – Mettmann, Jubiläumsplatz – Mettmann Zentrum S-Bahn-Logo.svg – Mettmann Stadtwald S-Bahn-Logo.svg
752 Mülheim Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg – Mülheim Stadtmitte – Schloß Broich – Saarn – Mülheim-Selbeck – Ratingen-Breitscheid – Ratingen-Lintorf – ohne Halt über A 52/B 1 – (Düsseldorf-Lichtenbroich – Tiefenbroich – Ratingen-West –) Düsseldorf-Mörsenbroich Heinrichstraße – Derendorf S-Bahn-Logo.svg – Düsseldorf Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg
754 Düsseldorf Hbf S-Bahn-Logo.svg Stadtbahn.svg – Oststraße Stadtbahn.svg – Derendorf S-Bahn-Logo.svg – Mörsenbroich Heinrichstraße – ohne Halt über A 52/B 1 – Düsseldorf-Lichtenbroich – Ratingen-West – Tiefenbroich – Ratingen-Lintorf, Siemensstraße
756
758
Ratingen-Tiefenbroich, Friedhof – Ratingen-West – Düsseldorf-Unterrath, Am Hülserhof – ohne Halt über A 52/B 1 – Mörsenbroich Heinrichstraße – Derendorf S-Bahn-Logo.svg – Golzheim – Nordfriedhof – Theodor-Heuss-Brücke Stadtbahn.svg
757 Düsseldorf-Unterrath S-Bahn-Logo.svg – DOME/Am Hülserhof – Ratingen-West – Tiefenbroich – Ratingen Mitte Stadtbahn.svg – Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg
759 Flughafen Bf S-Bahn-Logo.svg – Ratingen-West – Ratingen Mitte Stadtbahn.svg – Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg
760 Düsseldorf-Wittlaer – Kaiserswerth, Klemensplatz Stadtbahn.svg – Lohausen – Freiligrathplatz Stadtbahn.svg – Falkenweg – Zeisigweg – Flughafen Terminal A/B/C S-Bahn-Logo.svg – Unterrath S-Bahn-Logo.svg – Ratingen-West – Ratingen, Angerbad – Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg
DL 1 Ratingen-Hösel S-Bahn-Logo.svg → Ratingen-Eggerscheidt – Ratingen-Breitscheid, Krummenweg – Ratingen-Lintorf – Ratingen-Tiefenbroich – Ratingen-West – Ratingen Mitte Stadtbahn.svg – Ratingen Ost S-Bahn-Logo.svg

Straßenbahn/Stadtbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitens der Stadt Düsseldorf gibt es Planungen, das Straßenbahn- oder Stadtbahnnetz von Düsseldorf-Rath nach Ratingen-West und Tiefenbroich auszubauen.[6][7]

Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bedeutendes Projekt, das seine Wurzeln in Ratingen-West hat, ist die Gruppe Fresh Familee, die Anfang der 1990er Jahre unter anderem den deutschen Hip-Hop mitbegründet hat. Politische Songs und die Auseinandersetzung mit der Armut des Stadtteils prägten die Texte der Gruppe und verhalfen ihr zu nationalem Erfolg.

Ein weiteres Projekt bildet die Kabarettgruppe des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, das unter dem Namen Westhäkchen auch überregional Auftritte absolviert und schon seit 1989 besteht. Die Schüler setzen sich in ihren Texten mit aktuellen Geschehnissen auseinander und bekennen sich zu ihrem Stadtteil, wie der Name der Gruppe verrät. Seit Ende der 1990er findet jährlich zu Pfingsten die Zelt-Zeit am Grünen See statt. Ein Wochenende lang treten nationale Popkünstler und Kabarettisten wie Dieter Nuhr, Herbert Knebel u. v. m. in Ratingen-West auf.

Parks und Seen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Park der Stadt Ratingen, der Erholungspark Volkardey, liegt in Ratingen-West. Er umfasst zwei große Seen, den Grünen See und den Silbersee. Der Park entstand Anfang der 90er, als der Kiesabbau in dieser Region beendet und das Gelände rekultiviert wurde. Der Park umfasst eine Größe von ca. 110 ha und liegt im Einzugsbereich von über 500.000 Menschen, sodass an sonnigen und warmen Tagen bis zu 25.000 Menschen den Park besuchen. Nachdem beim Bau der A44 Reste einer Eisenzeitsiedlung gefunden worden waren, wurde im Park ein Eisenzeitgehöft rekonstruiert.[8]

Ratingen-West: Grüner See im Erholungspark Volkardey

Ein kleineres Gewässer ist der Schwanen-Spiegel im Zentrum des Stadtteiles. Er wird gerne als Treffpunkt von Senioren und Familien genutzt. Durch die Missachtung des Fütterverbots ist die Stadt gezwungen, den Teich jährlich von Algenbewuchs zu befreien, um das ökologische Gleichgewicht zu halten. Die Besonderheit des Schwanen-Spiegels liegt darin, dass er inmitten der öden Betonlandschaft liegt und somit als ein „grüner Farbtupfer im Beton“ bezeichnet werden kann.

Bevölkerungsentwicklung des Stadtteiles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
18.295 18.075 18.285 18.147 18.065 18.040 18.026 18.024 18.094 18.019 17.814 17.687 17.546 17.471 17.492 17.453 17.536 17.910

Quelle: Amt für Stadtplanung, Vermessung und Bauordnung Statistikstelle der Stadt Ratingen; Daten ab 2006: Homepage der Stadt Ratingen[9], Stand: 31. Dezember 2016

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ratingen-West gibt es

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Pfarrgemeinden:
    • Filialkirche St. Josef
    • Heilig Geist
  • Evangelische Kirchengemeinde (Pfarrbezirk V)
    • Versöhnungskirche

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Freizeithaus Ratingen-West, der hiesige Abenteuerspielplatz und das Jugendcafé Lichtblick spielen eine Rolle in der örtlichen Jugendarbeit.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeiner Sportclub von Ratingen-West 1973 e. V.
  • Bürgerverein Ratingen-West e. V.
  • K.G. Anger Garde Ratingen e. V.
  • Wassersport Club Volkerdey e. V.
  • Interkulturelles Zentrum „Kontakt“ e. V.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reaktivierung der Ratinger Weststrecke sehr unwahrscheinlich Eisenbahnjournal Zughalt.de am 13. Juni 2010
  2. Geschichte des Bahnhofs Ratingen West
  3. WAZ, 29. November 2016: Ratinger Weststrecke für den Pendlerverkehr
  4. RP Online, 13. Januar 2018: Westbahn soll schon im Jahr 2019 starten
  5. Pressemitteilung Stadt Ratingen, 29. September 2017: Westbahn-Demonstrationsfahrt ein voller Erfolg
  6. Nahverkehrsplan Düsseldorf 2010–2015
  7. Fortschreibung des NVP
  8. Flyer Ökopfad Vokardey der Stadt Ratingen.
  9. Homepage der Stadt Ratingen: Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 18′ N, 6° 49′ O