Rattenbekämpfung

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Die Rattenbekämpfung hat das Ziel, das Vorkommen von frei lebenden Ratten im Umfeld menschlicher Siedlungen zu verhindern, oder zumindest klein zu halten, um Seuchengefahr, Vernichtung von Lebensmitteln, sowie Schäden und Verschmutzungen durch die Tiere gering zu halten.

Juristische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentlicher Gesundheitsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratten können diverse Infektionskrankheiten übertragen. Insgesamt sind derzeit weltweit ohne die vielfältigen Hantavirusspezies 42 weitere, mit Nagetieren assoziierte humanpathogene Erreger oder Erregersubtypen bekannt. Zusammenfassend ist die große Bedeutung der Schadnager als Reservoir für Salmonellen und als Überträger von z. B. SARS, Hantavirus Typhus (Salmonella typhi), Paratyphus, Leptospirose, Tularämie, Toxoplasmose, Trichinose, Ruhr, Cholera und Pest, aber auch von Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche, Schweine- und Geflügelpest hervorzuheben.[1] Möglicherweise übertragen sie auch multiresistente Erreger.[2]

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) ermächtigt die Landesregierungen, zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten bestimmte Rechtsverordnungen zu erlassen (§ 17 Abs. 4, Abs. 5 IfSG). Von dieser Ermächtigung haben verschiedene Bundesländer Gebrauch gemacht.

Die Verordnung über die Rattenbekämpfung im Lande Niedersachsen[3] verpflichtet Grundstückseigentümer, Ratten auf ihrem Grundstück auf eigene Kosten zu bekämpfen. Zur Erfolgskontrolle haben sie den Zutritt zu ihren Grundstücken durch Beauftragte des Gesundheitsamts zu dulden. Verstöße werden als Ordnungswidrigkeit geahndet. Gefährdet ein Rattenbestand in einem Gemeindegebiet die Gesundheit der Bevölkerung, ist die betreffende Gemeinde verpflichtet, „eine Entrattung bis zum Erfolg durchzuführen und Vorbeugungsmaßnahmen gegen einen neuen Rattenbefall zu treffen.“

Ähnliche Bestimmungen trifft die Verordnung über Rattenbekämpfung in der Freien und Hansestadt Hamburg.[4] Um einen Rattenbefall zu vermeiden, sind Abfallstoffe, Küchen- und Futterabfälle in gut verschließbaren Behältern aufzubewahren. Wenn Rattenbefall festgestellt worden ist, sind eventuelle bauliche Mängel, die den Aufenthalt von Ratten begünstigen oder den Zugang der Ratten in Gebäude erleichtern, zu beseitigen, beispielsweise Keller- und Dachluken durch engmaschige Gitter zu sichern, Lücken und Löcher im Mauerwerk abzudichten sowie schadhafte Sielleitungen instand zu setzen.

Im Saarland bestellen die Ortspolizeibehörden zur Kontrolle der ordnungsgemäßen Durchführung und zur abschließenden Abnahme von Bekämpfungsmaßnahmen amtliche Beauftragte, die von der Ortspolizeibehörde einen amtlichen Ausweis erhalten.[5]

Betreiber von abwassertechnischen Anlagen sind außerdem nach den deutschen Unfallverhütungsvorschriften zur Rattenbekämpfung verpflichtet. Dies betrifft vor allem die Kommunen und Abwasserzweckverbände. Grund dieser Vorschrift ist die Bekämpfung der Weil-Krankheit.

Tierschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Schadnagerbekämpfung im Hygienebereich sind die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes (TierSchG) zu beachten.

Nach § 1 Satz 2 TierSchG darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Als vernünftiger Grund zum Töten von Ratten gilt allerdings die Schädlings- und Tierseuchenbekämpfung.[6] Erfolgt die Tötung ohne Betäubung im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, dürfen dabei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen (§ 4 Abs. 1 Satz 2 TierSchG). Insbesondere haben Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig regelmäßig Wirbeltiere als Schädlinge bekämpfen, gegenüber der zuständigen Behörde einen Sachkundenachweis zu erbringen (§ 4 Abs. 1a TierSchG). Ihre Tätigkeit ist außerdem erlaubnispflichtig (§ 11 Abs. 1 Nr. 8e TierSchG). Vermeidbare Schmerzen, Leiden oder Schäden dürfen für die Tiere nicht entstehen.[7]

Verstöße werden als Straftat mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (§ 17 TierSchG).

Einsatz von Bioziden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Verwendung von Rodentiziden mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen wurden erhebliche Umweltrisiken durch die Primär- und Sekundärvergiftung von Nichtzieltieren und das Risiko der Resistenzentwicklung festgestellt. Ihr Einsatz ist deshalb im Rahmen der sog. Risikominderungsmaßnahmen (RMM) nur Schädlingsbekämpfern mit Sachkundenachweis erlaubt, die zuvor bei einer Schulung auch über die Gefahren und Risiken bei der Verwendung von Rodentiziden für Mensch und Umwelt sowie Techniken zur Risikominderung unterrichtet worden sind.[8][9]

Bei behördlich angeordneten Maßnahmen zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen dürfen nur vom Umweltbundesamt anerkannte Mittel und Verfahren zum Einsatz kommen (§ 18 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 Satz 1 IfSG).[10]

Die Lebensmittelindustrie hat sich in den Konsolidierten Standards des American Institute of Baking (AIB) freiwillig selbst verpflichtet, im Innenbereich auf den Einsatz von Bioziden zu verzichten und zumindest beim Schadnagermonitoring allein Fallensysteme einzusetzen. Dies ist Voraussetzung für eine Zertifizierung.[11]

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratten vermehren sich besonders gut, wenn sie leichten Zugang zu Nahrungsmitteln haben. Deshalb sollte mit organischen Abfällen sorgsam umgegangen werden. Insbesondere Essensreste aus der Küche sind so zu beseitigen, dass die Ratten keinen Zugang bekommen. Die Entsorgung über das Abwasser (Toilette) ist nicht ratsam, da viele Ratten in der Kanalisation leben und auf diese Weise direkt mit Nahrung versorgt werden.

Von der Kommune bereit gestellte Biomülltonnen sind in der Regel rattensicher und eigenen sich gut zum Entsorgen von gekochten Speiseresten, Brot, Fleisch- und Fischabfällen. Andere organische Abfälle aus der Küche oder dem Garten können dagegen auch verkompostiert werden. Ein vorschriftsmäßig angelegter Komposthaufen bietet keine Vermehrungsmöglichkeit für Ratten. Hingegen bieten Sperrmüllhaufen oder unaufgeräumte Schuppen einen guten Unterschlupf. Auch Fütterungsstellen für Haustiere oder Vögel werden gern besucht. Die Vogelfütterung im Winter sollte an einem erhöhten Ort geschehen, der von den Ratten nicht erklettert werden kann. Näpfe und Schüsseln von Haustieren sind nach der Fütterung zu reinigen. Das Tierfutter ist sicher verschlossen aufzubewahren.

Rattengiftköder

Begiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tötung von Ratten mithilfe von ausgelegten Giftködern ist in Industrieländern die bei weitem verbreitetste Methode der Rattenbekämpfung. Mit ihrer Hilfe ließ sich in Städten und Siedlungen der Bestand an Ratten soweit verringern, dass von ihnen kein großer Schaden angerichtet wird. Die in den Ködern verwendeten Rattengifte sind auch für Menschen meist gesundheitsschädlich, seltener giftig (Gefahrstoffkennzeichnung „T“). Daher ist bei ihrer Anwendung und dem Umgang besondere Vorsicht nötig. Chemische Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren werden auch Rodentizide genannt.

Begasung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In geschlossenen Gebäuden kann es sinnvoll sein, die Ratten mit einem für sie giftigen Gas zu vergiften. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass mit hoher Sicherheit alle im Gebäude befindlichen Nagetiere getötet werden. Diese Methode der Rattenbekämpfung findet insbesondere Anwendung bei Gebäuden zur Lagerung von Lebensmitteln, wie zum Beispiel Silos für Getreide.

Eine Käfigschnappfalle mit gefangener Ratte

Lebendfalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käfigschnappfallen eignen sich gut, um einzelne Ratten zu fangen. Je nach Konstruktion der Falle ist es großen Ratten gelegentlich möglich, entgegen dem Federzug wieder aus der Falle zu schlüpfen, wenn sie in Panik mit dem Kopf in die Ecken der Falle stoßen. Die Federklappe sollte daher mit einem Draht gesichert werden, bis die gefangene Ratte auf dem Feld oder im Wald freigelassen werden kann.

Während eine in einer Lebendfalle gefangene Maus, die entkommt, bald darauf wieder in die Falle gehen wird, tut eine Ratte dies aufgrund ihrer Vorsicht und Lernfähigkeit in der Regel nicht. Auch meiden Ratten häufig eine Lebendfalle, wenn sie zuvor eine andere gefangene Ratte in dieser Falle beobachteten. In Rattenkolonien können darum oft weniger Ratten in Lebendfallen gefangen werden, als in Totfallen.

Wenn eine Falle von den Ratten gemieden wird, kann es helfen, den Köder zu wechseln und die Falle direkt an einem Laufweg der Ratten aufzustellen.

Ratte in einer Totfalle

Totfallen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mechanische Rattenfallen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mechanische Rattenfallen locken die Ratte per Köder in einen Klappmechanismus., Die Ratte löst einen Auslöser per Körper-Kontakt aus, und die Falle erschlägt die Ratte. Diese Fallen können nur eine Ratte pro Aktivierung töten.

Bolzenfalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Bolzenfalle funktioniert so, dass die Ratte ihren Kopf in die Vorrichtung steckt (angelockt durch einen Köder) und dass ein Bolzen mit hoher Geschwindigkeit und Kraft auf ihren Kopf schlägt, was zum sofortigen Tod der Ratte führt. Diese Fallen können mehrere Ratten hintereinander erlegen.[12]

Strom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Rattenfallen, die per Strom funktionieren. Ratte wird in eine Box gelockt, per Lichtschranke wird sie etwa 30 Sekunden einem Stromschlag ausgesetzt. Die Falle muss dann geleert werden, damit sie wieder arbeiten kann.[13][14]

Wasserfalle

Ertränken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem im ländlichen Milieu ist es nicht unüblich, Ratten (und auch Mäuse) zu ertränken. Hierzu lockt man üblicherweise Ratten eine mit einem Köder versehene und unter Umständen in Eigenkonstruktion entstandene Klappfalle hinauf, unter der sich ein mit Wasser gefüllter Eimer befindet. Wenn die Ratte die Vorrichtung hinaufgeklettert und in die Nähe des Köders gelangt ist, klappt die Falle um, das Tier fällt ins Wasser und ertrinkt nach einigen Minuten. Diese Methode ist umstritten. Gegner des Ertränkens argumentieren, dass sich das Ertrinken über einen längeren Zeitraum erstreckt, somit den Tieren unnötiges Leid zufügt und daher mit den Gesetzen des Tierschutzes nicht vereinbar ist.

Rattenkleber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Schiffen ist eine Begasung oder Gift keine Lösung, da sich die Ratte nach der Einnahme irgendwo an unzugänglicher Stelle verkriecht, dort verendet und verwest. Eine Lösung bietet ein elastisch bleibender Klebstoff, welcher aus der Tube auf einem Stück Pappe oder Brettchen konzentrisch um einen Köder verteilt wird. Die Ratte tritt auf dem Weg zum Köder in diesen Kleber. Sie klebt jedoch nicht fest, sondern wird elastisch (wie an einem Kaugummi) festgehalten. Dies ist der Ratte unangenehm und sie wirft sich auf die Seite, um sich zu befreien. Dadurch legt sie sich aber mit dem Fell großflächig in den Kleber und kann somit nicht mehr entrinnen. Diese Methode ist illegal, und verstoßt gegen das Tierschutzgesetz, da die Tiere grausam und langsam verenden.[15]

Natürliche Bekämpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der ältesten Methoden zur Bekämpfung von Ratten ist die Haltung von natürlichen Feinden wie die Hauskatze. Diese wurden nicht nur auf dem Land, sondern auch auf Schiffen als Schiffskatzen gehalten.[16]

In Mitteleuropa übernahmen vor Einführung der Katzen die Frettchen die Aufgabe der Schädlingsbekämpfung. Erst durch das Römische Reich verbreitete sich die Katze langsam (1.–3. Jahrhundert). Aus Hildesheim-Bavenstedt stammen Katzenfunde aus dem 3.–5. Jahrhundert und aus Wiesbaden-Biebrich aus dem 6. Jahrhundert.[17]

Wie bei allen Methoden der natürlichen Schädlingsbekämpfung werden jedoch nicht alle Ratten vernichtet (Räuber-Beute-Beziehung).

Zur Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ratten als Krankheitsüberträger Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, abgerufen am 13. März 2020.
  2. Ratten übertragen womöglich multiresistente Keime Die Welt, 12. März 2013
  3. Nds. GVBl. 1977, 301
  4. HmbGVBl.1963 S. 129
  5. Verordnung über die Rattenbekämpfung vom 6. März 1981, Amtsblatt 1981, S. 175
  6. Martina Helmer: Töten von Tieren Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, 24. Februar 2012
  7. Tiergerechte Schadnagerbekämpfung Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, abgerufen am 14. März 2020.
  8. Jona F. Freise: Schädlingsbekämpfung: Tierschutzrelevanz bei bestimmten Wirbeltierarten. Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Task Force Veterinärwesen, Fachbereich Schädlingsbekämpfung, Oldenburg (ohne Jahr), S. 6 f.
  9. Was sind Risikominderungsmaßnahmen (RMM)? Umweltbundesamt, 7. September 2018
  10. Strenge Regelungen für Biozide Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Stand 8. April 2016
  11. vgl. AIB International Symotion GmbH, abgerufen am 14. März 2020.
  12. welt
  13. 10toptest
  14. youtube
  15. Unsachgemäßes Töten von Mäusen und Ratten. Abgerufen am 28. Mai 2018.
  16. Der deutsche Diplomat Kurt Herzbruch berichtet von einer Abessinienfahrt: „Diese ungebetenen Gäste [er spricht von Ratten] hatten an Bord sehr überhandgenommen, seitdem die beiden Schiffskatzen das Zeitliche gesegnet hatten. Sie waren eines Tages von den Eingeborenen, die als Heizer auf unserem Dampfer im Dienst standen, mit Curry zubereitet, als Delikatesse verspeist worden.“ (Kurt Herzbruch: Abessinien: eine Reise zum Hofe Kaiser Meneliks II.. F. Seybold, 1925.)
  17. Mark Hengerer: Die Katze in der Frühen Neuzeit – Stationen auf dem Weg zur Seelenverwandten des Menschen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]