Ratzeburger Kleinbahn

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Ratzeburger Kleinbahn
Streckenlänge: 18,3 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Büchen
Bahnhof, Station
0,0 Ratzeburg Land
   
nach Lübeck
   
2,0 St. Georgsberg
   
Ratzeburger See
   
2,7 Ratzeburg Stadt
   
Ratzeburger See
   
5,2 Dermin
   
zum Schaalseekanal
   
6,6 Ziethen
   
10,5 Chausseehaus Mustin
   
11,8 Mustin
   
15,4 Groß Thurow
   
18,3 Klein Thurow
Ankunft des ersten Zuges
Aktie über 1000 Mark der Ratzeburger Kleinbahn-AG vom 30. Juni 1908
Kleinbahnzug unter der Wegüberführung
Zug im Fuchsholz
Bahnhof mit Seeufer
nach Vollendung der Anbauten

Die Ratzeburger Kleinbahn AG wurde am 7. Januar 1903 vom preußischen Staat, dem Kreis Herzogtum Lauenburg, dem Lauenburgischen Landeskommunalverband und der Stadt Ratzeburg gegründet. Sie betrieb die Bahnstrecke Ratzeburg (Land)–Klein Thurow mit der Zweigstrecke Dermin–Schaalseekanal-Hafen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ratzeburger Kleinbahn AG eröffnete am 27. Juni 1903 eine drei Kilometer lange normalspurige Strecke vom Staatsbahnhof Ratzeburg (Land) zur Stadt Ratzeburg. Diese war auf einem Damm durch den Ratzeburger See angelegt worden. Für ihre Fertigstellung war die Betriebsabteilung Altona mit Regierungsbaumeister Frank an ihrer Spitze und darunter die Bahnverwaltung der Ratzeburger Kleinbahn, die dem Bahnverwalter v. Marth unterstand, zuständig.[1]

Nach dem Überschreiten der Gleise der Hagenow-Oldesloer Bahn gelangte man zur Kleinbahn.

Auf dem etwa achtminütigen Weg zum Stadtbahnhof wurde nach der ersten Kurve die Wegüberführung nach Einhaus unterfahren durchfuhr der Zug die Waldschlucht des Fuchsholzes um im Anschluss bei einem Gefälle bis zu 1/45 zum See hinabzufahren. Nach einem kurzen Halt in St. Georgaberg, heute ein Stadtteil Razeburgs, überschritt der Zug den Weg nach Ratzeburg, trat über die über die Demolierung des Küchensees unterhalb des Grundstücks der Aktienbrauerei direkt am Seeufer den Stadtbahnhof zu erreichen. Nahe dem Bahnhof befand sich ein Landungssteg von wo aus regelmäßig verkehrende Motorboote nach Waldesruh, Farchau, dem Weinberg oder dem Schützenhof abfuhren.[2]

I ersten vollen Betriebsmonat der Kleinbahn beförderte sie 10989 Personen und mit 150 Waggonladungen insgesamt 1.500.000 Kilo. Die Einnahmen überschritten somit die im Voranschlag prognostizierten Summen erheblich.[3]

Ab 1. Juli 1908 führte die Strecke noch 16 Kilometer weiter bis nach Klein Thurow, dem damals östlichsten Ort im Kreis Herzogtum Lauenburg, der seit 1945 in Mecklenburg liegt. Im Jahre 1910 kam noch eine Zweigbahn von Dermin zum Schaalsee-Kanalhafen hinzu, die knapp drei Kilometer lang war und anfangs nur dem Güterverkehr diente. Im Reichskursbuch 1927 sind jedoch auch drei Personenzugpaare verzeichnet. Zwischen Stadt und Staatsbahnhof verkehrten damals insgesamt elf Zugpaare.

Betriebsführerin dieser insgesamt 21 Kilometer langen Kleinbahn, die bei Ziethen vier Kilometer durch das Land Mecklenburg-Strelitz fuhr, war die Betriebsabteilung Altona der Firma Lenz & Co. aus Berlin, die auch den Bau ausgeführt hatte. Ihr standen drei Dampflokomotiven, sechs Personen-, zwei Pack- und achtzehn Güterwagen zur Verfügung. Eine Verlängerung an die Reichsbahnstrecke Schwerin–Rehna bei Gadebusch, die man in Erwägung gezogen hatte, kam allerdings nie zustande.

Der Verkehrsrückgang zum Ende der 1920er Jahre führte ab dem 8. Oktober 1933 zur Umstellung des Personenverkehrs auf Omnibusse. Seit dem 11. März 1935 betrieb die Ratzeburger Kraftverkehrs-GmbH, an der die Stadt Ratzeburg und der Kreis Herzogtum Lauenburg beteiligt waren, mit vier Kraftomnibussen eine Stadtlinie vom Reichsbahnhof zur Stadt und eine weitere Linie von Ratzeburg nach Gadebusch in Mecklenburg. Der Güterverkehr auf der Schiene wurde noch bis zum 31. März 1934 weiter betrieben. Dann löste sich die Gesellschaft auf; die Kleinbahn wurde komplett abgetragen.

Im ehemaligen Empfangsgebäude des Bahnhofs Ratzeburg Stadt befinden sich heute eine Gastwirtschaft und Büros.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Ratzeburger Kleinbahn. Ein Ausflug in Lübecks schöne Umgebung. In Vaterstädtische Blätter; Jg. 1903, Nr. 34, Ausgabe vom 23. August 1903
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Teil 1 Schleswig-Holstein. Gifhorn 1972

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ratzeburger Kleinbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ratzeburger Kleinbahn. Ein Ausflug in Lübecks schöne Umgebung. In Vaterstädtische Blätter; Jg. 1903, Nr. 34, Ausgabe vom 23. August 1903, S. 268
  2. Die Ratzeburger Kleinbahn. Ein Ausflug in Lübecks schöne Umgebung. In Vaterstädtische Blätter; Jg. 1903, Nr. 34, Ausgabe vom 23. August 1903, S. 265
  3. Die Ratzeburger Kleinbahn. Ein Ausflug in Lübecks schöne Umgebung. In Vaterstädtische Blätter; Jg. 1903, Nr. 34, Ausgabe vom 23. August 1903, S. 267