Rauchwaren

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Leipziger Rauchwarenhandlung um 1900
Anzeige eines Rauchwarenhändlers (1922)

Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete gegerbte, noch nicht zu Pelz verarbeitete Tierfelle. Der Begriff wird insbesondere im Pelzhandel selbst benutzt; die Singularform „Rauchware“ ist wenig gebräuchlich.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung leitet sich von dem Adjektiv „rauch, rauh/rau“ ab, das so viel wie „behaart, zottig“ bedeutet. Der Ausdruck ist in dieser Bedeutung ab dem 16. Jahrhundert nachweisbar, z. B. im Märchen Allerleirauh. In der eigentlichen, damaligen Bedeutung ist Allerleirauh ein aus verschiedenartigen Fellarten zusammengesetztes Pelzteil, das für Pelzfutter und nach außen als Verbrämung genutzt wurde.[1] Krünitz Enzyklopädie von 1812 vermerkt unter „Rauch“: „mit Wolle, Haaren oder Federn bewachsen, im Gegensatze zu glatt.“

Der Leipziger Rauchwarenkaufmann Friedrich Jäkel erinnerte sich 1985, dass ihm berichtet wurde, dass der Begriff als „Rauchware“ in älterer Zeit am Pelzzentrum des Leipziger Brühl in Gebrauch war und später in „Rauhware“, wie in Österreich, übergegangen wäre. Da aber die jüdischen Einkäufer aus dem europäischen Osten das Wort wie „Ruachware“ ausprachen, hätte sich wieder der Name „Rauchware“ eingebürgert.[2]

In früheren Zeiten unterschied man noch nicht streng zwischen Rauchwaren und den Pelzwaren. Erst später versuchte man, diese beiden Begriffe voneinander zu trennen.[3]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Fell mit dichtem, nicht straff anliegendem Haar wird im Handel als „rauch“ bezeichnet. Die Kürschnerfachsprache kennt daneben Gütebezeichnungen wie überrauch, vollrauch, halbrauch, wenig rauch (etwas flach) und nichtrauch (flach). Diese durchaus weiter nuancierbaren Abstufungen bezeichnen „den Zustand des Haarwuchses beim Entpelzen im Verhältnis zum Zustand der Vollreife innerhalb ein und derselben Art“.[4] Der Überbegriff für die Beschreibung des Haarzustandes ist „Rauche“.

Rauchwaren sind Gegenstand eines weltweiten Handels, Rauchwarenhandel oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Pelzhandel genannt. Rauchwarenhändler, früher auch Rauchhändler[5], österreichisch Rauhwarenhändler, ist die entsprechende Berufsbezeichnung der Mitarbeiter der Großhandelsbranche.

Die Rauchwarenzurichtung, heute auch unter dem Sammelbegriff Rauchwarenveredlung, macht die Felle haltbar und für den Kürschner verarbeitungsfähig. Diese Verarbeitung ähnelt der Gerberei, nur dass im Unterschied zu dieser bei der Zurichtung die Haare des Tierfells erhalten bleiben. Die Rauchwaren stellen somit das Ausgangsmaterial für Pelzgegenstände dar. Diese werden ihrerseits gelegentlich noch als „Rauchwerk“ bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Schier: Zur Geschichte des Wortes „Rauchware“ (Technologisches Pelzfach-Wörterbuch). CB-Verlag Carl Boldt, Berlin 1950, 11 S.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.–18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 68. Inhaltsverzeichnis. Sekundärquellen Konrad Bahr: Handel und Verkehr der Deutschen Hanse in Flandern während des 14. Jahrhunderts. Leipzig 1911, S. 139–143. J. Kulischer: Allgemeine Wirtschafts-Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. München, Berlin 1928/1929, 2 Bände. Russische Wirtschaftsgeschichte, Bd. I, S. 276
  2. Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg. In: Rund um den Pelz Nr. 11, November 1985, S. 74.
  3. Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.–18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 2
  4. Ss: Entstehung und Bedeutung des Wortes Rauchware. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XX, Neue Folge, Nr. 3, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin (u. a.) 1970. S. 29–30
  5. Heinrich Gottlieb Kreußler: Geschichte der Universität Leipzig: von ihrem Ursprunge bis auf unsre Zeiten. - Nebst einem vollständigen Stipendienverzeichnisse. C. A. Solbrig, Leipzig, 1810. Internet Archive, S. 170 (PDF-Datei). Abgerufen 31. März 2020.