Zum Inhalt springen

Raues Hornblatt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Raues Hornblatt

Raues Hornblatt (Ceratophyllum demersum)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Hornblattartige (Ceratophyllales)
Familie: Hornblattgewächse (Ceratophyllaceae)
Gattung: Hornblatt (Ceratophyllum)
Art: Raues Hornblatt
Wissenschaftlicher Name
Ceratophyllum demersum
L.

Das Raue Hornblatt (Ceratophyllum demersum, wörtlich übersetzt „untergetauchtes Hornblatt“), auch Gemeines Hornblatt genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hornblatt (Ceratophyllum) innerhalb der Familie der Hornblattgewächse (Ceratophyllaceae).

Beschreibung und Ökologie

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Illustration
Männliche Blüten

Vegetative Merkmale

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raue Hornblatt ist eine untergetaucht, freitreibende oder mit wurzelähnlichen Organen (Rhizoiden) im Boden verankerte Wasserpflanze.[1] Die oft rötlichen Stängel werden zwischen 30 und 100 Zentimeter lang.

Vier bis zwölf Blätter stehen in einem Wirtel zusammen. Die Blätter sind dunkelgrün starr und zerbrechlich. Die Blattspreite ist ein- bis zweimal gabelig geteilt und endet in zwei bis vier schmalen, scharf gezähnten Zipfel.

Das Raue Hornblatt weist die folgenden typischen hydromorphen Anpassungen auf: das Fehlen von Wurzeln (stattdessen finden sich Sprossteile mit Wurzelcharakter), fehlende Spaltöffnungen; ein zentraler Leitbündelstrang für die Zugfestigkeit; Gerbstoffzellen für den Fäulnisschutz; es sind Durchlüftungsgänge vorhanden.

Generative Merkmale

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raue Hornblatt blüht nur selten, dann zwischen Juli und September. Die unscheinbaren, getrenntgeschlechtigen Blüten stehen einzeln in den Blattwirteln. Die männlichen Blüten stehen unter den weiblichen. Die männlichen Blüten sind etwa 3 Millimeter lang und tragen acht bis 24 Staubblätter sowie 9 bis 15 schmale Hüllblätter. Die weiblichen Blüten verfügen über nur einen Fruchtknoten.

Die reifen, schwarzen und eiförmigen Früchte sind an der Basis in zwei und an der Spitze in einen Stachel ausgezogen. Die Früchte sind selten geflügelt. Der Griffelrest ist so lang wie oder länger als die Frucht.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.[2]

Verbreitung und Lebensraum

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Verbreitung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raue Hornblatt ist, mit Ausnahme der Arktis und der Antarktis, in ganz Europa, im nördlichen Asien und in Nordamerika verbreitet. In Europa erstreckt sich sein Verbreitungsgebiet nordwärts bis nach Island und bis zu den Färöen, in Skandinavien kommt es bis 69° nördlicher Breite vor.

In Mitteleuropa kommt es im Tiefland und in den Mittelgebirgen zerstreut bis häufig vor und steigt nur vereinzelt bis in Höhenlagen von etwa 900 Metern auf. In den Alpen findet man es nur vereinzelt in wärmeren Gebieten.

Standorte und Vorkommen in Mitteleuropa

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raue Hornblatt wächst meist in Wassertiefen von 0,5 bis 10 Metern und braucht nährstoffreiches, sommerwarmes, stehendes Wasser mit ausgeprägt humosen Schlammböden. Sie kommt in Seen und in Altwässern vor, vor allem in windgeschützten Buchten, vorwiegend in Bereichen von 0,5 bis 1 Meter Tiefe. Das Raue Hornblatt ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Potamogetonetalia und tritt besonders im Myriophyllo-Nupharetum, im Nymphoidetum und im Trapetum auf.[2] Dabei bevorzugt es Wasserwerte mit einer Karbonathärte von 5 bis 15, mit einem pH-Wert von 6,0 bis 7,5 und eine Wassertemperatur von 18 bis 28 Grad Celsius.[1]

Die Vermehrung erfolgt in erster Linie vegetativ über abbrechende Sprossstücke, sowie durch im Winter absinkende, im Frühjahr durch Gasproduktion aufsteigende, stärkereiche Winterknospen (Turionen). Diese entstehen bei niedrigen Temperaturen durch Wachstumshemmung der Internodien. Der geschlechtlichen Vermehrung kommt nur eine untergeordnete Rolle zu. Das Raue Hornblatt ist ein Unterwasserblüher. Die pollenreichen, einhäusigen Blüten pressen mit Hilfe eines Druckmechanismus des Perigons die zehn bis zwölf Staubblätter heraus. Während die oben lufthaltigen Staubbeutel schweben, fallen die mit einem ballonartigen Anhang versehenen Pollenkörner, die ein spezifisches Gewicht von 1,0 haben, heraus und gelangen durch die Wasserbewegung an die langen Narben der weiblichen Blüten. Es liegt der Fall von Wasserbestäubung vor. Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

Die Früchte werden ebenso mit Wasserströmungen ausgebreitet. Die kleinen einsamigen Nüsse sind aber auch typische Klettfrüchte, wobei ihr Griffelrest und zwei basale Stacheln als Klettorgan dienen. Deshalb spielt daneben auch die Ausbreitung durch Wasservögel eine Rolle, welche die Früchte im Gefieder in andere Gewässer tragen. Eine Neubesiedlung eines Gewässers kann oft nur auf diese Weise erfolgen.

Das Raue Hornblatt gilt als Starkzehrer für Nitrat und Phosphat. Bei Nährstoffüberangebot bildet Ceratophyllum schnell dichte Bestände.[3]

Das Raue Hornblatt hat einen mittleren Lichtbedarf, so können sie unter bestimmten Bedingungen auch unter Schwimmpflanzen wie Froschbiss, See- und Teichrosen gedeihen. In der kalten Jahreszeit kann die absterbende Biomasse des Hornblattes zu Problemen mit Faulgasen führen. Das Raue Hornblatt und Kanadische Wasserpest konkurrieren miteinander, so verhindert Hornblatt die ungebremste Ausbreitung der Wasserpest.

Die Erstveröffentlichung von Ceratophyllum demersum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 992.[4] Das Artepitheton demersum bedeutet „versenkt“.

Je nach Autor soll es einige Varietäten geben,[4] bei anderen Autoren handelt es sich um Synonyme dieser oder anderer Arten:

  • Ceratophyllum demersum var. apiculatum (Cham.) Asch.[4]
  • Ceratophyllum demersum L. var. demersum[4]
  • Ceratophyllum demersum var. inerme J.Gay ex Radcl.-Sm.[4]
  • Ceratophyllum demersum var. platyacanthum (Cham.) Wimm.[4]
  • Ceratophyllum demersum var. quadrispinum Makino[4]

Das Raue Hornblatt ist eine beliebte Wasserpflanze für Gartenteiche und findet auch in der Aquaristik eine breite Verwendung. Sie gilt als relativ anspruchslos, schnellwachsend und hemmt durch Nährstoffkonkurrenz und Allelopathie nachhaltig das Algenwachstum. Dadurch wird sie gerne als Erstbepflanzung in der Einfahrphase von Kalt- wie auch Warmwasserbecken mit einem Spektrum der Wassertemperatur von 15 °C bis 30 °C benutzt. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Sauerstoffanreicherung durch einen dichten Bestand mit Ceratophyllum demersum. Das Raue Hornblatt gilt als Starkzehrer für Nitrat und Phosphat. Bei Nährstoffüberangebot bildet Ceratophyllum schnell dichte Bestände.

Jungfische und Zwerggarnelen finden zwischen den Blättern Unterschlupf[5].

  • E. Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • H. Bellmann: Leben in Bach und Teich – Pflanzen und Wirbellose der Kleingewässer. Orbis, München 2000, ISBN 3-572-01085-3.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Franckh-Kosmos-Verlag, 2. überarbeitete Auflage 1994, 2000, Band 2, ISBN 3-440-08048-X
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. 2., ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9.
  • Christel Kasselmann: Aquarienpflanzen. Ulmer Verlag, Stuttgart 1995; 4., überarbeitete und erweiterte Auflage, ebenda 2019, ISBN 978-3-8186-0699-2.
  • Datenblatt bei Flora of Australia.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. a b Rüdiger Rhiel, Hans A. Baensch: Aquarien Atlas. 11. Auflage. Band I. MERGUS Verlag GmbH, Melle 2001, ISBN 3-88244-065-1, S. 88.
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 392.
  3. Hornblatt (Ceratophyllum demersum). Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
  4. a b c d e f g Ceratophyllum demersum. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 12. Oktober 2025.
  5. Hornblatt (Ceratophyllum demersum). Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
Commons: Raues Hornblatt (Ceratophyllum demersum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien