Raung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Raung
Luftaufnahme der Gipfelregion im September 2005

Luftaufnahme der Gipfelregion im September 2005

Höhe 3332 m
Lage Insel Java, Indonesien
Koordinaten 8° 7′ 10″ S, 114° 3′ 16″ OKoordinaten: 8° 7′ 10″ S, 114° 3′ 16″ O
Raung (Indonesien)
Raung
Typ Schichtvulkan
Letzte Eruption 2015
Erstbesteigung 1844
Infrarot-Satellitenaufnahme Mai 1992

Infrarot-Satellitenaufnahme Mai 1992

Übersichtskarte von Java mit Kennzeichnung der Lage des Raung am Südwestrand des Ijen-Vulkankomplexes. – Die prähistorische Trümmerlawine wurde nach einer Skizze im Catalogue of the active Volcanoes of Indonesia von Neumann van Padang (S. 156) eingetragen.
Gunung Raung mit Resten von alten Kraterwällen. Höhenlinien alle 100 Meter, Haupthöhenlinien alle 1.000 Meter
Gunung Raung. Ausbruch am 17. Juli 1913
Blick über das südliche Ijen-Plateau. Links der Gunung Raung, rechts daneben der Gunung Suket

Der Gunung Raung ist ein 3332 m[1] hoher aktiver Schichtvulkan im Osten der indonesischen Insel Java, in der Provinz Jawa Timur.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Südwesten der Ijen-Caldera, außerhalb des Calderarandes, mit diesem aber verbunden durch den 2950 m hohen älteren erloschenen Vulkan Gunung Suket, erhebt sich der 3332 m hohe Gunung Raung. Dieser riesige Stratovulkan besitzt einen sehr weiten Krater mit fast senkrecht abstürzenden Innenwänden. Am oberen Rand misst dieser Krater 2280 m × 1.760 m, im bis zu 600 Meter tiefer liegenden Grund immer noch 2170 m × 1700 m. Es ist ein typischer Einsturzkrater, entstanden nach einem katastrophalen Ausbruch auf ähnliche Weise wie der Krater des Vulkans Tambora auf Sumbawa. Die trotz ihres lockeren Materials relativ unverwitterten Ränder sind Anzeichen dafür, dass dieser Ausbruch in historischer Zeit stattgefunden hat. Die beim Einsturz aufgeschlossenen Schichten in den Kraterwänden lassen erkennen, dass am Aufbau des Vulkans andesitische und basaltische Laven beteiligt waren.

Auf dem Nordwesthang des Raung befinden sich drei ältere Kraterwälle, die nur noch in hufeisenförmigen Resten erhalten sind. Unmittelbar an den Raung-Krater schließt sich der Gunung Wates an, dessen Durchmesser etwa 3 km beträgt und dessen Ostrand über den höchsten Punkt des Raung verläuft. Weiter unterhalb folgt der fast ebenso große, 2390 m hohe Rand des Gunung Gadung. Das Zentrum des Gadung-Kraters wurde in prähistorischer Zeit von einem sekundären Vulkan, dem 2352 m hohen Gunung Payungan durchbrochen, der mehr als 200 m seine Umgebung überragt. Dieser Durchbruch löste eine riesige Trümmerlawine aus, die 60 km weit fast bis zum Indischen Ozean hinab strömte, wodurch am Westfuß des Raung bis weit in das Vorland zahlreiche kleine Hügel entstanden sind. Der dritte Kraterwall, weiter hangabwärts in größerer Entfernung, ist der 1057 m hohe Gunung Lemongan.

Eruptionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jahrhunderten gilt der Raung als einer der aktivsten Vulkane Javas. 1586 und 1597 richteten gewaltige explosive Eruptionen verheerende Zerstörungen mit zahlreichen Todesopfern an. Ob diese Katastrophen den Einsturzkrater verursacht haben, ist nicht bekannt. Lahare, die überwiegend nach Südosten abgeflossen sind, haben 1638 und 1730 Tausende von Menschen das Leben gekostet. Weitere Lahare strömten in den Jahren 1817 und 1838 den Berg hinab; es muss daher vor diesen Ausbrüchen ein Kratersee vorhanden gewesen sein. Kleinere Ausbrüche fanden in den Jahren 1787 bis 1808, 1815 bis 1816, 1864, 1880 und 1896–1897 statt. Im Mai 1913 hat sich auf dem Boden des Kraters innerhalb von drei Wochen ein neuer, 91 Meter hoher und am Fuß 350 m breiter Kegel gebildet, aus dessen nach Nordwesten geöffnetem hufeisenförmigen Krater im April 1924 der nördliche Teil des Kraterbodens mit Lava überflutet wurde.

Seit 1597 sind nach mündlichen und schriftlichen Berichten etwa 60 Ausbrüche aufgezeichnet worden. Der letzte kleinere Aschenausbruch fand im Juni 2008 statt (Stand: März 2009).

In den Ruhepausen zeugen Dampfaustritte von der fortwährenden Tätigkeit des Raung. Außer in dem neu gebildeten sekundären Eruptionskegel ist die Fumarolentätigkeit hauptsächlich auf den Rand des Kraterbodens beschränkt; eine direkte Folge der Einsenkung, durch welche der riesige Krater entstanden ist.

Seit Ende Juni 2015 spuckt der Vulkan Lava und Asche. Am 10. Juli stieg eine 3800 m hohe Aschesäule auf. Schon am 9. Juli wurde der Flughafen Bali geschlossen, danach 4 weitere, u. a. auf der Insel Lombok. Um den Vulkan ist eine 3 km breite Verbotszone behördlich eingerichtet worden.[2]

Besteigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach N. J. M. Taverne führen zwei Wege zum Krater empor. Am häufigsten wird der Aufstieg von Sumberwringin in südöstlicher Richtung nach dem nördlichen Kraterrand begangen. Das Begehen des Kraterrandes ist wegen seiner Zacken und Einkerbungen beschwerlich und wegen des lockeren und teilweise überhängenden Materials gefährlich. Der höchste Punkt auf dem gegenüber liegenden südöstlichen Kraterrand ist deshalb von hier aus nur sehr mühsam zu erreichen. Der zweite Weg folgt dem linken Ufer des Kali Setail und führt in nördlicher Richtung zum Ostrand des Kraters. Die Baumgrenze liegt im Nordwesten in 2850 m, im Süden in 2800 m Höhe; die Gipfelregion darüber ist vollkommen kahl. An zahlreichen Stellen haben sich Teile des Kraterrandes gelöst und beim Hinabstürzen in den Krater streifenförmige Spuren und Schuttkegel hinterlassen. Durch solche Einstürze hat der Fuß der Kratermauer eine sanftere Neigung erhalten, womit er in den ebenen Kraterboden übergeht, während die oberen zwei Drittel fast völlig senkrecht abfallen.

Der erste Europäer, der den Raung erstieg, war im Juli 1844 der niederländische Kontrolleur von Bondowoso, Charles Bosch. Drei Monate später, am 12. Oktober 1844, erklomm Franz Wilhelm Junghuhn zusammen mit Bosch den Vulkan.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Wilhelm Junghuhn: Java seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. Leipzig, Arnoldische Buchhandlung, 1857. 2. Band, S. 624–641 (von Junghuhn „Raon“ genannt).
  • Emil Stöhr: Die Provinz Banjuwangi in Ost-Java mit der Vulkangruppe Idjen-Raun. Reiseskizzen. Frankfurt a. M., Christian Winter, 1874. In: Abhandlungen der Senckenberg'schen naturforschenden Gesellschaft, Band IX.
  • N. J. M. Taverne: Vulkaanstudiën op Java. Vulkanologische Mededeelingen No. 7. Herausgeber: Dienst van den Mijnbouw in Nederlandsch-Indië. ’S-Gravenhage, Algemeene Landsdrukkerij, 1926. S. 56–60.
  • M. Neumann van Padang: Catalogue of the active volcanoes of Indonesia. (Catalogue of the active volcanoes of the World including solfatara fields. Part I). International Volcanical Association, Napoli 1951. S. 153–156.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Raung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raung auf Peakbagger.com (englisch)
  2. http://orf.at/stories/2288574/2288575/ Tausende Touristen auf Bali gestrandet, Rund 250 Flüge gestrichen, ORF.at 10. Juli 2015.