Rauschberg

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Rauschberg
Der Rauschberg

Der Rauschberg

Höhe 1671 m
Lage Bayern
Gebirge Chiemgauer Alpen
Koordinaten 47° 44′ 1″ N, 12° 41′ 48″ OKoordinaten: 47° 44′ 1″ N, 12° 41′ 48″ O
Rauschberg (Bayern)
Rauschberg

Der Rauschberg ist ein mehrgipfeliger Gebirgsstock in den Chiemgauer Alpen gut fünf Kilometer Luftlinie südöstlich des Ortszentrums von Ruhpolding. Er liegt im Zeller Forst, früher ein gemeindefreies Gebiet und heute eine Gemarkung der Gemeinde Ruhpolding.

Der im Westen des Bergstocks gelegene Vordere Rauschberg (1645 m) ist entweder mit der 1953 erbauten Rauschbergbahn oder als leichte Bergwanderung erreichbar. Er ist ein beliebtes Wanderziel, weil man von ihm eine hervorragende Aussicht in das gesamte Voralpenland hat. So kann man zum Beispiel den Chiemsee, den Hochstaufen, den Unternberg, den Hochfelln, den Zwiesel und das Ristfeuchthorn sehen. Man kann sogar zwei der höchsten Berge Österreichs ausmachen, den Großglockner und den Großvenediger. Die höchste Erhebung ist der Hintere Rauschberg mit 1671 m; weitere Gipfel im östlichen Teil des Gebirgsstocks sind der Streicher (1594 m) und der Zenokopf (1603 m), die zusammen den Abschluss zum Inzeller Kienberg bilden.

Erschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um den Gipfel haben die Bayerische Staatsforsten zusammen mit dem Gebirgsverein einen alpinen Lehrpfad angelegt, auf dem typische Hochgebirgspflanzen zu sehen sind und mit Hinweistafeln erklärt. In einem künstlich hergestellten ausgehöhlten Baumstamm mit einer Innenhöhe von rund 1,60 m an prominenter Stelle des Lehrpfads sind einige Kleintiere der Berge wie ein Alpenbock, eine Kreuzotter oder ein Weißrückenspecht zu sehen.

Auf dem Gipfel des Rauschbergs befindet sich eine Startrampe für Drachenflieger und Paraglider. Die Bergstation wird für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt. In der näheren Umgebung der Station sind Skulpturen von Angerer dem Jüngeren zu finden. Bei Wanderungen zurück nach Ruhpolding trifft man im Sommer mitunter auch auf deutsche Biathleten, Langläufer und die Nordischen Kombinierer, die dort ihre Vorbereitungen absolvieren.

Im Winter ist der Rauschberg ein Gebiet für Skitouren: Als Route für den Aufstieg ist die ehemalige Familienabfahrt eine beliebte Wahl, bei sicheren Schneeverhältnissen können erfahrene Tourengänger über die „Roßgasse“, eine der steilsten Abfahrten in Oberbayern, hinabschwingen. Ein regulärer Betrieb von präparierten Pisten wurde Ende der 1990er Jahre eingestellt, die Liftanlagen großenteils zurückgebaut.[1]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zu den Nördlichen Kalkalpen (Chiemgauer Alpen) gehörende Gebirgsstock des Rauschbergs wird überwiegend von bis zu 700 Meter mächtigem Wettersteinkalk aufgebaut.[2] Dieser mitteltriassische Riffkalk wurde vor rund 230 Millionen Jahren in der Tethys am Südrand des europäischen Kontinents während des Ladiniums (Langobardium) abgelagert. Er zeigt deutliche Verkarstungserscheinungen, erkennbar an Dolinen und Sturzschächten.

Der Schichtenverband fällt am Rauschberg generell leicht nach Süden ein und geht dann in Richtung Sonntagshorn in eine breites, flaches Synklinorium über, das im Bereich des Sack-Grabens eine untergeordnete Aufwölbung mit zugehöriger Einsenkung nördlich der Schwarzache aufweist. Die Südhänge des Rauschbergmassivs werden von auflagernden Raibler Schichten eingenommen.

Strukturgeologisch befindet sich der Rauschberg an der Stirnfront der tirolischen Staufen-Höllengebirgs-Decke, die im Verlauf der alpidischen Orogenese in nördliche bis nordwestliche Richtung über die bajuvarische Lechtal-Decke schräg auf- bzw. überschoben wurde. Die Überschiebungsfront verläuft südlich von Inzell noch in ostwestlicher Richtung, biegt aber dann gen Ruhpolding sukzessiv in die Südwestrichtung ein. Am Taubensee überfährt sie beispielsweise mit alpinem Buntsandstein, Werfener Schichten, Rauhwacke und Muschelkalk an der Basis das Neokom und Cenomanium der Lechtal-Decke.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Inzell auf (von links) Zenokopf, Streicher und Hinteren Rauschberg mit Roßgasse. Das unterste Schneefeld unterhalb des Streichers bedeckt die Halden des Ewigganges.

Am Rauschenberg, wie er damals hieß, wurde seit dem 16. Jahrhundert Bergbau auf Blei-Zink betrieben. Geschichtlich wird dieser erstmals im Jahr 1559 erwähnt. Er konzentrierte sich im Wesentlichen auf drei Revierbereiche am Nordostrand des Bergstocks:

  • Das Revier des Ewigganges nördlich unterhalb des Streichers – Abbautätigkeit 1666 bis 1826.
  • Das Revier nördlich unterhalb des Zenokopfs, mit Josephsgang und Barbaragang – ab 1684.
  • Das Revier in der Roßgasse (Hohe Schrög) mit dem Strahleckergang – 1721 bis 1746.

Außerdem wurden zwischen 1684 und 1739 noch zahlreiche Suchstollen niedergebracht.

Die Gesamtlänge sämtlicher Stollen und Strecken im Berg betrug rund 3500 Meter. Die geförderte Erzmenge wird auf 6500 Kubikmeter Festgestein geschätzt. Die Verhüttung der Erze erfolgte im Inzeller Ortsteil Schmelz.

Aufgrund der recht unregelmäßigen Vererzung konnte der Abbau nur raubbaumäßig und ungeplant vorangehen und erlebte bis zu seinem Erliegen im Jahr 1826 große Höhen und Tiefen. Dennoch war der Rauschberg die bedeutendste Blei-Zink-Fundstätte Bayerns. Zwischen 1922 und 1926 wurde ein letzter Suchstollen unterhalb des Ewigganges angefahren, der aber nur noch taubes Gestein antraf.[3]

Vererzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blei-Zink-Lagerstätte am Rauschberg ist ein Alpiner Lagerstättentyp und gehört zu den karbonatgebundenen sulfidischen Lagerstätten, wobei Erzablagerung und Anreicherung im Riffgürtel der Tethys synsedimentär erfolgt war. Abgebaut wurde als diagenetische Primärvererzung des Wettersteinkalks derber Bleiglanz (Galenit), PbS, und Sphalerit, ZnS, die in einer Gangart aus Calcit und Dolomit verwachsen waren.

Selten wurden diese Mineralien noch von Greenockit, CdS, als gelbe Überzüge sowie noch seltener von grünlich-bläulichen Aurichalcit aus der Oxydationszone begleitet. Fraglich ist jedoch die Anwesenheit von Descloizit und Ilsemannit (Gelbblei).

Auch das sekundär in der Oxidationszone entstandene Galmei wurde verwendet – eine krustenbildende Mischkristallisation aus Smithsonit, Cerussit (Weißblei), Hydrozinkit und Hemimorphit (auch kristallin vorkommend).[4] So genanntes Schwarzblei, ein Gemenge aus Galenit und Cerussit, findet sich in tektonisch zerrüttetem Ausgangsgestein.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem nördlichen Schelfrand der Tethys waren im Ladin Strandriffe aufgewachsen, oft mehrere hundert km lange Barriereriffe und Atolle. Der für die Metallogenese entscheidende Bereich war supratidal und lag oberhalb der Gezeitenzone. Bei den in der ausgehenden Mitteltrias herrschenden ariden, d. h. trockenen und heißen Bedingungen, konnten in Beckenvertiefungen anoxische Sedimente entstehen, wie beispielsweise unter Sauerstoffabschluss gebildeter Faulschlamm. Der durch diesen Prozess frei gesetzte Schwefelwasserstoff schied anschließend in den durch hohe Verdunstung angereicherten Metalllösungen sulfidische Erze ab. Unter Gegenwart von Chlor-Ionen, wie sie bei hypersalinaren Verhältnissen (Salzgehalt < 5 %) typischerweise auftreten, wurden sodann vor allem Blei und Zink abgeschieden. Der ursprüngliche Eintrag dieser Metalle ist nicht endgültig geklärt, dürfte aber wahrscheinlich vulkanisch exhalativ erfolgt sein und mit dem gleichzeitig ablaufenden Vulkanismus in den Südalpen in Verbindung stehen.

Der Gipfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gipfelkreuz ist in Form eines christlichen Kreuzes gestaltet, die Enden des Querbalkens und das obere Ende sind abgerundet und vergoldet. An seinem Basispfahl befindet sich eine hölzerne Gedenktafel mit der Inschrift: Für die Gefallenen der Gemeinde Ruhpolding, 1914–1918 und 1940–1945. Es wurde vom Gebirgstrachtenverein D’Rauschberger Zell gestiftet und am 20. Juni 1984 aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Otto Angermeier: Der geologische Bau des Rauschberg-Gebietes in den Chiemgauer Alpen. In: Diplomarbeit am Inst. F. allgem. und angew. Mineralogie der Universität München. 1960.
  • J. Knauer: Die Herkunft der Blei- und Zinkerze im Rauschberg-Gebiet bei Inzell. In: Abh. geol. Landesamt am Bayer. Oberbergamt 30. 1937.
  • Karl August Reiser: Geschichte des Blei- und Galmei-Bergwerks am Rauschenberg und Staufen in Oberbayern. Wolf, München 1895. (Digitalisat)
  • K. Stier: Die Zink-Bleierzvorkommen am Rauschen-Berg bei Traunstein. In: Metall und Erz. Heft 22, 1938.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rauschberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lost ropeways.
  2. K. Doben: Erläuterungen zur geologischen Karte GK 8242 Inzell. Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1973, S. 1–124.
  3. Michael K. Läntzsch: Die Blei-Zink-Lagerstätten im Wettersteinkalk der Nördlichen Kalkalpen im Raum Bad Reichenhall – Inzell (Bayern). In: Bergknappe. Doppelnummer 126/127, 2015, S. 152–171.
  4. R. Pöverlein: Die Mineralien von den Halden am Kienberg bei Inzell/Bayern. In: Lapis. Heft Nr. 1 Jg. 9, 1984, S. 11–14.