Raytheon Sentinel

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Raytheon Sentinel R1
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Sentinel R1 der britischen Luftwaffe
Typ: Aufklärungsflugzeug
Entwurfsland:
Hersteller:
Erstflug: 26. Mai 2004
Indienststellung: 2008
Stückzahl: 5

Die Raytheon Sentinel R1 ist ein Aufklärungsflugzeug der britischen Luftwaffe, dass speziell für die Gefechtsfeldüberwachung in Afghanistan entwickelt und gebaut worden ist. Die Aufgabe der Sentinel ist es, kleine bewegliche Landziele (z. B. Panzer) aufzuspüren und zu verfolgen.

Die erste Maschine wurde im Juni 2007 an das 5. Squadron in Waddington übergeben. Seit Anfang 2009 sind alle fünf bestellten Systeme einsatzbereit, sollen allerdings nach dem Ende des Afghanistaneinsatzes bereits wieder ausgemustert werden. Raytheon verwendete als Ausgangsmuster für die Sentinel R1 die Bombardier Global Express.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Auftrag für das ASTOR (Airborne Stand-Off Radar) wurde seitens der britischen Regierung im Dezember 1999 an Raytheon Systems Ltd erteilt. Auf der Grundlage von Raytheons ASARS-2-Radarsystem wurde ein luftgestütztes Gefechtsfeldradar entwickelt, das sowohl von der britischen Marine als auch der Armee genutzt werden kann. Die erste zur Umrüstung vorgesehene Maschine wurde im Februar 2002 an Raytheon geliefert. Der Erstflug der ersten Sentinel R1 erfolgte im Mai 2004. Neben Raytheon sind auch andere Zulieferer an dem Gesamtsystem beteiligt. Bombardier liefert das Grundflugzeug, L-3 Communications die Bodenstationen, Lucas die elektrische Ausrüstung, Messier-Dowty das Fahrwerk, Agusta Westland die Türen und schließlich Rolls-Royce die Triebwerke.

Ende 2008 wurde die Maschine, mit zwei Jahren Verspätung, offiziell in Dienst gestellt und befindet sich seitdem auch in Afghanistan im Einsatz.[1] Die Kosten des Systems belaufen sich inklusive Bodenstation auf etwa eine Mrd. Euro.

Nach Abzug der NATO-Streitkräfte aus Afghanistan sollen die Maschinen gemäß dem neuen Weißbuch der Regierung bereits wieder außer Dienst gestellt werden.

Einsatz[Bearbeiten]

Die gewonnenen Daten werden der Einsatzmannschaft im Flugzeug angezeigt und können über verschiedene sichere Verbindungen zu Bodenstationen übertragen werden. Es ermöglicht eine Echtzeitauswertung der Daten auch durch Bodentruppen.

Technik[Bearbeiten]

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Flugzeug ist eine umgerüstete Bombardier Global Express, die von zwei Piloten gesteuert wird. Äußerlich sichtbar sind verschiedene Radome und zusätzliche Stabilisierungsflächen unter dem Heck. Die Inneneinrichtung besteht aus Bedienkonsolen und ist für eine Missionsdauer von 14 Stunden ausgelegt. Die Maschine fliegt dabei typischerweise in einer Höhe von 15 km und kann bis zu 12.000 km zurücklegen. Sie wird von zwei Zweiwellentriebwerken Rolls-Royce BR710 mit je 76 kN Schub angetrieben.

Radar[Bearbeiten]

Das Radar ist eine Weiterentwicklung des ASARS-2-Seitensichtradars, das auch in der U-2 Verwendung fand. Es liefert wetterunabhängig hochaufgelöste Daten aus bis zu 160 km Entfernung und nutzt dazu eine Synthetic Aperture Radar-Antenne von BAE SYSTEMS. Das System kann automatisch bewegliche Ziele identifizieren und verfolgen.

Die einzelnen Abtaststreifen können zu einer Gesamtsituation aneinandergereiht werden und liefern so ein fotoähnliches Abbild der Kampfzone.

Verteidigungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Die Verteidigungseinrichtungen der Sentinel R1 beruhen im Wesentlichen auf Weiterentwicklungen der Geräte, die auch in der British Aerospace Nimrod Verwendung finden, so das Raketenwarnsystem, ein geschleppter Radartäuschkörper, Radarwarnempfänger, Chaff- und IR-Störkörperwerfer. Die Einrichtungen sind in der DAG (Defensive Aids Group) zusammengefasst, die von BAE und Nashua stammt.

Bodenstation[Bearbeiten]

Die für das Sentinel-R1-System entwickelten Bodenstationen erlauben eine Datensichtung in Echtzeit und können auch Daten von U-2- und Boeing E-8-Joint-STARS-Flugzeugen empfangen und auswerten. Sie befinden sich auf allradgetriebenen Steyr Pinzgauer-LKW.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten
Crew: 5
Länge: 30,30 m
Spannweite: 28,50 m
Höhe: 8,20 m
Tragfläche: 94,90 m²
Leergewicht: 24.000 kg
Maximales Startgewicht: 42.200 kg
Triebwerke: zwei Rolls-Royce BR710 mit je 65,60 kN Schub
Höchstgeschwindigkeit: Mach 0,75
Dienstgipfelhöhe: 14.935 m
Flugreichweite: 9.250 km
Maximale Einsatzdauer: 9 Stunden

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FlugRevue Februar 2009, S.15, Sentinel R1 im Dienst