Oracle RAC

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Oracle RAC (Oracle Real Application Clusters) ist eine zusätzliche Option des Datenbankmanagementsystems der Firma Oracle. Oracle RAC ermöglicht Ausfallsicherheit, indem mehrere Knoten eines Rechnerverbundes (engl. Cluster) auf dieselbe Datenbank zugreifen und für Clientrechner Datenbankdienste zur Verfügung stellen. Fällt einer der Knoten aus, übernehmen die anderen dessen Funktionalität. Zusätzlich kann Oracle Real Application Cluster als Möglichkeit der Skalierung eingesetzt werden: Reicht die Kapazität eines Datenbankservers nicht aus, kann diese durch einen weiteren Rechnerknoten ergänzt werden. Um eine optimale Skalierung im Oracle Datenbankcluster erreichen zu können, muss jedoch das Anwendungsdesign an die Anforderungen paralleler Clusterzugriffe angepasst werden. Das Oracle Real Application Cluster dient als Basis des Oracle Grid im Datenbank-Backend.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Nutzung des Oracle Real Application Clusters sind im Normalbetrieb zwei oder mehr Rechnerknoten in einem Cluster (Rechnerverbund) aktiviert und greifen auf denselben Datenbestand zu. Jeder Knoten betreibt zwar eine eigenständige Datenbankinstanz, die jedoch über die Cache-Fusion-Technologie mit den Datenbankcaches aller am Cluster beteiligten Rechner zusammengeschaltet ist. So macht es für den Nutzer nahezu keinen Unterschied, auf welchem Knoten sein Zugriff tatsächlich ankommt.

Der Vorteil: Fällt ein Rechner aus, so können sich Clients unmittelbar und ohne Wiederanlaufzeit auf einen verbleibenden Rechnerknoten verbinden. Zudem können Lasten auf alle Clusterknoten verteilt werden. Langlaufende Operationen können mittels Parallel-Slave-Prozessen auch über den gesamten Cluster parallelisiert werden. So ist neben der erhöhten Verfügbarkeit auch das Thema Skalierung eine der Stärken des Real Application Clusters. Redundante Hardware wird nicht nur im Fehlerfall eingesetzt, sondern kann – anders als bei Failover-Clustern - im Normalbetrieb genutzt werden.

Ähnlich wie in einem Oracle Failover Cluster wird auch hier ein Private-Network für den Cluster-Heartbeat sowie ein davon separiertes Public-Network benötigt. Allerdings wird im Oracle Real Application Cluster konkurrierend auf die Datenbank-Dateien eines Shared-Storages zugegriffen. Dies erfordert zusätzlichen Kommunikationsaufwand zwischen den Knoten, der zur Abstimmung von Sperren und veränderten Block-Images nötig ist. Diese Cluster-Kommunikation erfolgt über das Private-Network. In Real-Application-Cluster-Umgebungen ist es daher wichtig, einen möglichst schnellen privaten Cluster-Interconnect zu nutzen. Mindestens Gigabit-Ethernet sollte eingesetzt werden. Besser noch sind spezielle, oft proprietäre Lösungen mit höherer Bandbreite. Beispiele sind Memory-Channel (alphabasierte HP-Cluster), Myrinet (Linux-Systeme), Scalable-Coherent-Interconnect (SUN), Veritas LLT (verschiedene Plattformen) oder HP Hyper-Fabric HMP.

Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notwendige Komponenten für den Einsatz eines Oracle Real Application Clusters sind:

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteile eines Oracle Real Application Clusters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Übernahme der Funktionalität bei Ausfall eines Servers ohne administrativen Eingriff
  • Geringer Zeitaufwand für Wiederanlauf, Client-Reconnect (erneute Verbindungsaufnahme zur Datenbank über einen anderen Datenbankserver im Cluster) erfolgt für den Anwender bzw. die Applikation während SELECT-Statements transparent und innerhalb einiger Sekunden auf den Ersatzknoten
  • Die komplette Hardware kann - anders als beim Failover-Cluster - auch während des Normalbetriebs genutzt werden.
  • Parallelisierung über alle Clusterknoten hinweg realisierbar
  • Dynamische Zuordnung von Services möglich
  • Kompensation eines Rechenzentrumsverlustes, wenn der RAC und sein Shared Media entsprechend verteilt wurde („Stretched Cluster“, bis ca. 2000 m)

Nachteile eines Oracle Real Application Clusters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stretching des Clusters über ca. 2000 m nicht mehr möglich (Latenzprobleme). Bei Ausfall des Rechenzentrums (zum Beispiel durch einen Brand) fällt der gesamte Cluster aus. Dieser Fehlerfall kann bei Bedarf durch Einsatz einer zusätzlichen Standby-Datenbank in Kombination mit Oracle Real Application Clusters oder aber durch Metro-Clustering abgefangen werden.
  • Kein oder nur eingeschränktes Abfangen von logischen Korruptionen möglich (Block corruption, Bedienfehler). Diese Fehler können durch eine zeitverzögerte Standby-Datenbank (Oracle Dataguard), Datensicherung und Datenwiederherstellung verbunden mit einem Roll-Forward oder auch in vielen Fällen durch Oracle Flashback abgefangen werden.
  • Jedes Mal, wenn eine Instanz ausfällt, ist die ganze Datenbank nicht verfügbar, und zwar solange, bis das GRD (Global Resource Directory) neu gestartet wurde und SMON alle für Instanz-Recovery erforderlichen Blöcke ermittelt und bekommen hat. Erst ab diesem Punkt wird es möglich, auf alle Blöcke außer den fürs Recovery nötigen zuzugreifen. Erst wenn das Instanz-Recovery komplett fertig ist, sind alle Daten vollständig verfügbar.
  • Werden zur gleichen Zeit bzw. kurz aufeinander folgend auf mehreren Instanzen des Clusters Daten angefordert, die in denselben Datenbank-Blöcken liegen, so werden diese zwischen den Buffer-Caches der betroffenen Instanzen transferiert. In Extremfällen kann das dazu führen, dass die Datenbank sich nur damit beschäftigt, die Blöcke hin und her zu schieben.

Werkzeuge zur Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oracle Real Application Cluster wird durch folgende Administrationswerkzeuge unterstützt:

  • Database Configuration Assistant (kurz: DBCA) zur Erstellung und Basiskonfiguration von Clusterdatenbanken mit Oracle
  • Oracle Enterprise Manager Grid Control: Graphische Bedienoberfläche zur Verwaltung eines Oracle-Grids inklusive Oracle Real Application Cluster
  • Server Control Utility: Kommandozeilenorientiertes Werkzeug zur Verwaltung von Datenbanken, Services und Applikationen in einem Real Application Cluster

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mike Ault, Madhu Tumma, Ranko Mosic: Oracle 10g Grid & Real Application Cluster, Sprache: Englisch, gebundene Ausgabe, 680 Seiten, Rampant Tech Press, Erscheinungsdatum: 28. August 2004, ISBN 0974435546
  • Tim Donar: Tru64 UNIX-Oracle 9i Cluster Quick Reference, Sprache: Englisch, broschiert - 312 Seiten - Butterworth-Heinemann, Erscheinungsdatum: 30. April 2002, ISBN 1555582729
  • Matthew Hart, Scott Jesse: Oracle Database 10g High Availability with RAC, Flashback & Data Guard, Sprache: Englisch, Broschiert - 421 Seiten - Osborne/McGraw-Hill, Erscheinungsdatum: 1. April 2004, ISBN 0072254289
  • Andrea Held; Oracle 10g Hochverfügbarkeit mit RAC, Data Guard und Flashback, m. CD-ROM, Sprache: Deutsch, gebundene Ausgabe - Addison-Wesley, München, Erscheinungsdatum: Oktober 2004, ISBN 3827321638
  • Andrea Held: Oracle 11g - Neue Features, Sprache: Deutsch, gebundene Ausgabe - Hanser-Verlag, München, Erscheinungsdatum: Mai 2008, ISBN 3446411984
  • Kristien Hens, Michael Loebmann: Creating Highly Available Database Solutions,Sprache: Englisch, Taschenbuch, 228 Seiten, Prentice Hall PTR, Erscheinungsdatum: 31. Januar 2005, ISBN 0131863908
  • Murali Vallath: Oracle Real Application Clusters, Sprache: Englisch, broschiert - 781 Seiten - Digital Press, Erscheinungsdatum: April 2004, ISBN 1555582885
  • Larissa Janssen: Hochleistungs-Datenbanksysteme: Theorie und Praxis, Sprache: Deutsch, broschiert, 260 Seiten, Farbabbildungen, Books on Demand GmbH, Erscheinungsdatum: Januar 2008, ISBN 9783833493263
  • Octavian Lascu, Mustafa Mah, Michel Passet, Harald Hammershøi, SeongLul Son, Maciej Przepiórka: Deploying Oracle 10g RAC on AIX V5 with GPFS, Sprache: Englisch, broschiert - 310 Seiten - IBM, Erscheinungsdatum: April 2008, ISBN 0738485837

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]