Reality Winner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Reality Leigh Winner (* 4. Dezember 1991 in Alice, Texas)[1][2] ist eine US-amerikanische Sprachwissenschaftlerin.

Nachdem sie als Whistleblowerin nachrichtendienstliche Informationen zur russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf 2016 an die Nachrichtenwebseite The Intercept weitergeleitet hatte, wurde sie im August 2018 zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reality Leigh Winner wuchs in Kingsville, Texas auf. In der U.S. Air Force diente sie von 2010 bis 2016, zuletzt im Rang eines Senior Airman als kryptologische Sprachanalystin. Für ihre Dienste, die unter anderem 1900 Arbeitsstunden an Verwertung geheimdienstlicher Informationen und das ortsbestimmende Geotargeting von 120 feindlichen Kombattanten umfassten, erhielt sie die Air Force Commendation Medal. Sie spricht neben ihrer englischen Muttersprache Farsi, Dari und Pashto und ist als Yoga-Trainerin tätig gewesen.[3]

Zuletzt arbeitete sie als Linguistin für Pluribus International Corporation, die ihrerseits als Informationsdienstleister für den Geheimdienst National Security Agency (NSA), der US-Regierung fungiert.[4]

Ab dem 13. Februar 2017 wurde sie als Regierungsbeauftragte mit Top-Secret-Freigabe an einer Nachrichtendienststelle in Georgia eingesetzt.[4]

Winner hat sich vor und nach der US-Präsidentschaftswahl 2016 auf Facebook und Twitter mehrmals kritisch zu Donald Trump geäußert. So kommentierte sie den mit der Präsidentschaft verbundenen Einzug Trumps ins Weiße Haus als „das Gefährlichste für die USA“.[5][6]

Leak, Ermittlung und Verurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Juni 2017, zwei Tage nach der Verhaftung, veröffentlichte The Intercept einen sich auf geheimdienstliche Informationen der NSA berufenden Artikel über die mutmaßlichen russischen Eingriffe in die Präsidentschaftswahl 2016.[7] Das Dokument ist zwar als „Geheim“ eingestuft, enthält aber nach Einschätzung eines Whistle-Blower-Anwaltes keine Enthüllungen über Betrug, Verschwendung oder Missbrauch noch Informationen zu irgendeiner gesetzwidrigen Handlung der US-Regierung.[8]

Die ausgedruckten Dokumente, die The Intercept zugespielt wurden, scannte man dort ein und veröffentlichte sie als PDF-Datei. Der Scan enthielt jedoch noch Farbdruckermarkierungen.[9] Leser entdeckten die Markierungen kurz nach der Veröffentlichung,[9] das Magazin Vice interpretierte eine Stellungnahme des FBI so, dass sich Winner durch diese Markierungen verraten hätte.[10] Die Washington Post legte sich nicht fest, berief sich aber auf Experten, die überzeugt waren, dass das der einfachste Weg gewesen sei, denjenigen zu finden, der das Dokument gedruckt hätte.[9]

WikiLeaks-Gründer Julian Assange warb öffentlich um Unterstützung für die Inhaftierte[5] und warb mit der Belohnung von 10.000 US-Dollar um Hinweise zur Identifizierung eines vermutlich bei den Ermittlungen behilflichen Intercept-Journalisten.[11][12]

Die Staatsanwaltschaft führte zum Haftprüfungstermin am 8. Juni 2017 neben Winners Social-Media-Aktivitäten auch sichergestellte Notizen und eine Suchmaschinenanfrage von 2016 an, in der Winner sich nach der Funktion von Sicherheitssystemen in Hochsicherheitscomputern erkundigt haben soll. Das Gericht bestimmte, dass Winner, basierend auf einem Geständnis gegenüber dem FBI und den vorgelegten Beweisen, ohne die Möglichkeit auf Kaution freigelassen zu werden, bis zu ihrem Verfahren in Haft bleiben muss.[13]

Am 23. August 2018 wurde Winner von einem Gericht in Augusta, Georgia zu 63 Monaten Haft verurteilt.[14] Im Sommer 2021 wurde Winner vorzeitig, unter der Bedingung eine elektronische Fußfessel zu tragen, aus der Haft entlassen.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jon Swaine: NSA contractor Reality Winner accused of leaking file on Russia election hacking. In: The Guardian. 6. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  2. Reality Winner Affidavit for Application of Search Warrant. 3. Juni 2017, abgerufen am 31. Juli 2021 (S. 2).
  3. Madison Park, CNN: What we know about Reality Winner. In: KVIA. 7. Juni 2017, archiviert vom Original; abgerufen am 8. Juni 2017.
  4. a b Charlie Savage: Intelligence Contractor Is Charged in First Leak Case Under Trump. In: The New York Times. 5. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  5. a b "Who is Reality Winner? Accused leaker wanted to 'resist' Trump. In: Fox News. 6. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  6. Donie O’Sullivan: Accused leaker Reality Winner called Trump an 'orange fascist' on Twitter. In: CNN. 6. Juni 2017, abgerufen am 7. Juni 2017.
  7. Matthew Cole, Richard Esposito, Sam Biddle, Ryan Grim: Top-Secret NSA Report Details Russian Hacking Effort Days Before 2016 Election. In: The Intercept. 5. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  8. "Reality Winner isn’t a whistleblower — or a victim of Trump’s war on leaks" Washington Post vom 8. Juni 2017
  9. a b c Derek Hawkins: How tech sleuths cracked the mysterious code that turns your printer into a spying tool. In: Washington Post. 9. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  10. David Gilbert: NSA leak suspect was ratted out by an office printer. In: Vice News. 6. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  11. WikiLeaks offers $10,000 to get Intercept reporter fired. In: The Hill. 6. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  12. Wikileaks' Julian Assange tweets support for NSA 'whistleblower' Reality Leigh Winner. In: Daily Express. 6. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  13. Alan Blinder: "N.S.A. Contractor May Have Mishandled Secrets Before, Prosecutor Says" New York Times vom 8. Juni 2017
  14. FAZ.NET mit epd: NSA-Whistleblowerin zu Haft verurteilt. In: FAZ.net. 24. August 2018, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  15. Der Drucker hat sie verraten. In: republik.ch. Abgerufen am 31. Juli 2021.