Reallohn

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Entwicklung der Nominal- und Reallöhne in Deutschland[1]
Änderung der Nominal- und Reallöhne in Deutschland[1]

Der Reallohn oder Reallohnindex ist in der Volkswirtschaftslehre das Verhältnis von Nominallohn und Preisniveau beziehungsweise von Nominallohnindex und Preisindex. Er nimmt zu, wenn der Nominallohn rascher steigt als die Güterpreise. Steigt der Nominallohn langsamer als die Güterpreise, dann sinkt der Reallohn.

Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nominallohn ist hierbei als Durchschnittswert definiert. Versteht man ihn als Nettolohn nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, dann zeigen Änderungen des Reallohns an, wie sich die Kaufkraft der Arbeitnehmer ändert. Versteht man den Nominallohn als Bruttolohn, dann zeigen Änderungen des Reallohns an, ob Arbeit aus Sicht der Unternehmen teurer oder billiger wird. In der Volkswirtschaftslehre herrscht diese zweite Definition vor.

Reallohnindex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Deutschland berechnet das Statistische Bundesamt einen Reallohnindex.[2] Der Reallohnindex wird als Quotient aus dem Nominallohnindex und dem Verbraucherpreisindex berechnet.[1]

Änderungen dieses Index entsprechen ungefähr der Nominallohnänderung abzüglich der Inflationsrate.[3]

Reallohn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Reallohn wird im Verhältnis Lohnsatz W zu Preisniveau P wiedergegeben:

Der Faktor W (engl.: Wages = Lohn bzw. Löhne) stellt den aggregierten Nominallohn dar. Der aggregierte Nominallohn ist der in Geldeinheiten gemessene durchschnittliche Bruttoarbeitslohn pro Stunde.

Der Faktor P entspricht dem Preisniveau, also dem durchschnittlichen Preis der Güter.[4]

In der neoklassischen Theorie ist der Reallohn eng verbunden mit dem Grenzprodukt der Arbeit. Ein Unternehmen im Wettbewerb stellt demnach solange Arbeitskräfte ein, bis das Grenzprodukt der Arbeit mit dem Reallohn übereinstimmt.

Für Konsumenten – das können Arbeitnehmer aber auch für Unternehmen sein – ist der Reallohn entscheidend, nicht der Nominallohn. Das Interesse der Arbeitnehmer besteht darin, wie viele Güter und Dienstleistungen sie tatsächlich kaufen können, nicht wie viele Euro sie am Monatsende bekommen. Entscheidend ist also die Höhe des Lohns in Form von Gütereinheiten, der so genannte Reallohn.

Betrachtet man die Unternehmen, so ist nicht der an die Beschäftigten gezahlte Nominallohn entscheidend, sondern welchen Nominallohn die Unternehmen im Verhältnis zum Preis des produzierten Endprodukts zahlen. Auch hier ist der Reallohn die entscheidende Komponente.[5]

Entwicklung in der Eurozone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reallöhne in der Eurozone

Die Graphik zeigt die Entwicklung der Reallöhne in der Eurozone. Hiernach ist der Reallohn in Spanien, Irland, Italien und Frankreich seit Einführung des Euro deutlich gestiegen, während sich für Deutschland und Portugal nur geringe Änderungen zeigen und der Reallohn in Griechenland während der letzten Jahre sogar gefallen ist.

Reallohn und Arbeitslosenquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lohn- und Preissetzung beeinflussen die Arbeitslosenquote, mit der Annahme, dass das tatsächliche Preisniveau P dem erwarteten Preisniveau Pe entspricht.

Lohnsetzungsgleichung:

Die Lohnsetzung schließt einen negativen Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote u und Reallohn W/P ein, das heißt, je höher die Arbeitslosenquote, desto niedriger der Reallohn, welcher bei der Lohnsetzung festgesetzt wird. Steigt die Arbeitslosenquote, ist die Verhandlungsmacht der Beschäftigten schlechter und der Reallohn ist niedriger. Daraus ergibt sich jedoch noch kein zwingender kausaler Zusammenhang. Vielmehr sind sowohl Arbeitslosigkeit als auch Reallohn Abhängige der aggregierten Nachfrage nach Arbeit.

Preissetzungsgleichung:

Mittels Kehrwert ergibt sich die Gleichung für den Reallohn:

mit

= Gewinnaufschlag

Die Gleichung verdeutlicht, dass die Entscheidung der Unternehmen, wie sie ihre Preise festlegen, Auswirkungen auf den Reallohn hat. Ein höherer Gewinnaufschlag bewirkt, dass die Unternehmen ihre Preise bei gegebenen Nominallöhnen erhöhen. Dies wiederum verursacht gleichzeitig einen Rückgang des Reallohns.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie, 3. Auflage, München: Pearson Studium, 2004.
  • Silver Compact Line: Großes Wörterbuch Wirtschaft. Grundwissen von A bis Z, München: Compact Verlag, 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Statistisches Bundesamt: Verdienste und Arbeitskosten - Reallohnindex und Nominallohnindex, Erläuterungen Seite 3, Daten Seite 5, PDF
  2. Statistisches Bundesamt: Reallohnindex, abgerufen am 24. April 2016
  3. Statistisches Bundesamt: Entwicklung Reallohnindex, Nominallohnindex und Preisindex, abgerufen am 24. April 2016
  4. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie, 3. Auflage, München: Pearson Studium, 2004, S. 188 f.
  5. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie, 3. Auflage, München: Pearson Studium, 2004, S. 188