Rechenberg (Nürnberg)

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Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 27′ 48″ N, 11° 6′ 36″ O
Höhe: 338 m ü. NHN
Postleitzahl: 90491
Vorwahl: 0911
Karte
Lage des Statistischen Bezirks 90 St. Jobst in Nürnberg
Der Rechenberg in Nürnberg
Der Rechenberg in Nürnberg
Feuerbach-Denkmal

Der Rechenberg ist ein kleiner Park in Nürnberg. Rechenberg ist auch die Bezeichnung für die etwa 338 m hohe Erhebung im Nordosten der Stadt Nürnberg und der Name des Distrikts 902 im Statistischen Stadtteil 9 – Östliche Außenstadt im statistischen Bezirk 90 (St. Jobst).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rechenberg liegt im Nordosten Nürnbergs im Stadtteil St. Jobst, nördlich der Äußeren Sulzbacher Straße. Er erstreckt sich in Ost-West-Richtung und hat eine Größe von 5,6 ha. Seinen Mittelpunkt bildet der namensgebende „Rechenberg“, ein Höhenrücken aus Burgsandstein (ca. 338 m ü. NHN).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Anhöhe hatte Sebald Rech zwischen 1524 und 1527 einen ersten Herrensitz als Wohnturm mit Graben erbauen lassen. Im Zweiten Markgrafenkrieg ließ der Rat der Stadt Nürnberg den Sitz 1552 niederbrennen. Später besetzten Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades den Berg und beschossen von hier aus Nürnberg. 1553 ließ der Nürnberger Rat einen Teil der Bergkuppe abtragen[2]. Ein zweiter Herrensitz wurde 1553 erbaut und 1916 abgebrochen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Rechenberg einen Haushalt (1 Hof mit bewohnten Nebengebäuden). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Grundherr war der Nürnberger Eigenherr von Behaim.[3]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Rechenberg dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt Erlenstegen zugeordnet. Es gehörte auch der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde Erlenstegen an. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Rechenberg in die neu gebildete Ruralgemeinde Rennweg umgemeindet. Mit der Eingliederung des Ortes Rennweg in die Stadt Nürnberg im Jahr 1865 hieß die Ruralgemeinde Schoppershof. 1899 wurde diese nach Nürnberg eingemeindet.[4]

Feuerbachs Wohnhaus 1872

1860 zog der Philosoph Ludwig Feuerbach auf den Rechenberg, wo sich inzwischen ein Dorf vor den Toren der Stadt Nürnberg entwickelt hatte, und wohnte bis zu seinem Tod am 13. September 1872 im oben genannten zweiten Herrensitz in der nahen Sulzbacher Straße. 1930 stiftete man ihm ein Kenotaph. Dieses Denkmal wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auf Beschluss des Stadtrats 1933 entfernt und erst 1955 wieder aufgestellt.[5]

Im Süden (Schleiermacherstraße) der Anhöhe wurden 1915 frühgenossenschaftliche Reihenhäuser, im Norden (Lützow- und Nettelbeckstraße) Ende der Zwanziger Jahre Art-déco-Bauten errichtet.[6] 1930 wurde aus Mitteln des Physikalischen Vereins Nürnberg die Regiomontanus-Sternwarte als Volkssternwarte erbaut.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001824 001840 001861 001871 001885
Einwohner 17 14 11 17 20 15
Häuser[7] 4 3 3 3
Quelle [8] [4] [9] [10] [11] [12]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort war seit der Reformation überwiegend protestantisch. Ursprünglich waren die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession nach St. Sebald, später nach St. Jobst gepfarrt.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regiomontanus-Sternwarte (2004)

Der Rechenberg-Park ist ein langer Parkstreifen östlich und westlich des Rechenbergs. Im Winter wird er als Rodelberg genutzt. Die Sternwarte bietet Vorträge und an sternenklaren Tagen Führungen.[13] Weiterhin existieren auf der Kuppe ein Spielplatz, zwei runde, einkörbige Basketballplätze sowie ein asphaltierter Bolzplatz.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rechenberganlage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rechenberg im BayernAtlas
  2. Hermann Rusam: Rechenberg. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 861 f. (Gesamtausgabe online).
  3. H. H. Hofmann, S. 162.
  4. a b H. H. Hofmann, S. 242f.
  5. Feuerbach in Nürnberg
  6. nuernberg-aha.de: Sankt Jobst - mit Steinplatte, Rechenberg u. Freidenkerei
  7. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1885 als Wohngebäude.
  8. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 74 (Digitalisat).
  9. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 212 (Digitalisat).
  10. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1066, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  11. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1231, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  12. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1165 (Digitalisat).
  13. Regiomontanus Sternwarte Nürnberg