Rechtsanwaltskammer (Deutschland)

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Die Rechtsanwaltskammer ist ein örtlicher Zusammenschluss von Rechtsanwälten. Der Bezirk einer Kammer entspricht dem des jeweiligen Oberlandesgerichtsbezirks oder eines Teils desselben. Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft führt in Deutschland kraft Gesetz zur Pflichtmitgliedschaft in einer regionalen Rechtsanwaltskammer.

Eine Rechtsanwaltskammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie nimmt als Teil der sog. „mittelbaren Staatsverwaltung“ die ihr durch Gesetz übertragenen staatlichen Aufgaben wahr. Unter anderem obliegt ihr z. B. die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, die Überwachung der Einhaltung des Berufsrechts durch die Berufsträger im Bezirk und die Vermittlung bei Streitigkeiten zwischen Rechtsanwälten und ihren Mandanten. Einzelheiten ihrer Aufgaben und Befugnisse ergeben sich aus der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO).

Sie werden durch einen ehrenamtlichen Vorstand, den die Mitglieder einer Rechtsanwaltskammer aus ihrer Mitte wählen, geleitet. Die einzelnen Rechtsanwaltskammern sind in der Bundesrechtsanwaltskammer zusammengeschlossen.

Den Anwaltskammern angegliedert sind die sog. Anwaltsgerichte. Diese Gerichte entscheiden über berufsrechtlich relevante Verfehlungen von Rechtsanwälten. Neben Geldstrafen können auch Berufsverbote gegen Anwälte ausgesprochen werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1878 wurde im RGBl. Nr. 23 die Rechtsanwaltsordnung verkündet, die am 1. Oktober 1879 im Deutschen Reich in Kraft trat.

Dies geschah auf der Grundlage langer Vorarbeiten und politischer Diskussionen parallel mit mehreren Reichsjustizgesetzen, die einheitlich am 1. Oktober 1879 in Kraft traten. Neben der Rechtsanwaltsordnung und der Rechtsanwaltsgebührenordnung waren das Gerichtsverfassungsgesetz, die Zivilprozessordnung, die Strafprozessordnung und die Konkursordnung Teile dieser Justizreform.

Danach erfolgte die Bildung von Rechtsanwaltskammern ohne zentrale Dachorganisation im Deutschen Reich. Im Jahre 1908 vereinigten sich die Vorstände der reichsdeutschen Anwaltskammern.

Am 18. März 1933, einige Wochen nach der Machtergreifung Hitlers im Deutschen Reich, wurde die Reichsrechtsanwaltskammer durch Verordnung des Reichspräsidenten als Dachorganisation der reichsdeutschen Rechtsanwaltskammern errichtet. Ihr Präsident von 1933 bis 1945 war Justizrat Reinhard Neubert.

Bereits am 31. März / 1. April 1933 wurde durch Verfügung des kommissarischen Justizministers Kerrl auf die „Säuberung“ der Kammervorstände von jüdischen Mitgliedern hingewirkt.

Durch die am 13. Dezember 1935 (RGBl I, 1470) beschlossene Reichs-Rechtsanwaltsordnung (RAO) wurde die Reichsrechtsanwaltskammer (RRAK) im Sinne der Zentralisierung und Gleichschaltung zur einzigen rechtsfähigen Vertretung aller bei Gerichten des Deutschen Reiches zugelassenen Rechtsanwälte. Die örtlichen Anwaltskammern verloren ihre Selbstständigkeit. Als „Kammern“ wurden nun die bisherigen Kammervorstände bezeichnet. Die Vorsitzenden waren nurmehr weisungsgebundene Organe der RRAK; sie wurden durch den Reichsjustizminister unter Mitwirkung des Reichsführers des BNSDJ (Nationalsozialistischer Rechtswahrerbund) berufen.

Diese im Jahre 1936 in Kraft getretene sogenannte Reichsrechtsanwaltsordnung 1936 beendete die Existenz der Rechtsanwaltskammern als rechtsfähige Gebilde. Sie existierten als unselbständige Organe der Reichsrechtsanwaltskammer fort. Die deutschen Rechtsanwälte wurden in der Reichsrechtsanwaltskammer zusammengefasst. Deren Präsident wurde vom Reichsjustizminister ernannt und ernannte seinerseits die örtlichen Kammerpräsidenten, denen gegenüber er Weisungsrecht besaß. Das „Führerprinzip“ wurde eingeführt.

1945 lösten die Besatzungsbehörden der Alliierten die Rechtsanwaltskammern auf.

Im Jahre 1949 wurde die Arbeitsgemeinschaft der Anwaltskammervorstände in der neuen Bundesrepublik Deutschland gegründet. 1959 erfolgte die Gründung der Bundesrechtsanwaltskammer. Die Bundesrechtsanwaltskammer wurde nach § 233 BRAO a. F. Rechtsnachfolger der Reichsrechtsanwaltskammer.

Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer ist seit September 2015 Ekkehart Schäfer[1].

Liste der Rechtsanwaltskammern in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Sitz Bundesland Zuständigkeit
Rechtsanwaltskammer bei dem Bundesgerichtshof Karlsruhe Baden-Württemberg zuständig für die beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwälte[2]
Rechtsanwaltskammer Freiburg Freiburg im Breisgau Baden-Württemberg Landgerichtsbezirke Baden-Baden, Freiburg, Konstanz, Offenburg, Waldshut-Tiengen[3]
Rechtsanwaltskammer Tübingen Tübingen Baden-Württemberg Landgerichtsbezirke Hechingen, Ravensburg, Rottweil, Tübingen[4]
Rechtsanwaltskammer Karlsruhe Karlsruhe Baden-Württemberg OLG Karlsruhe; Landgerichtsbezirke Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Mosbach.[5]
Rechtsanwaltskammer Stuttgart Stuttgart Baden-Württemberg OLG Stuttgart; Landgerichtsbezirke Ellwangen, Heilbronn, Stuttgart, Ulm[6]
Rechtsanwaltskammer für den Bezirk des Oberlandesgerichts Bamberg Bamberg Bayern OLG Bamberg; Landgerichtsbezirke Aschaffenburg, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof, Schweinfurt, Würzburg; Ober- und Unterfranken.[7]
Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk München München Bayern OLG München; Landgerichtsbezirke Augsburg, Deggendorf, Ingolstadt, Kempten, Landshut, Memmingen, München I und München II, Passau, Traunstein.[8]
Rechtsanwaltskammer Nürnberg Nürnberg Bayern OLG Nürnberg; Landgerichtsbezirke Amberg, Ansbach, Nürnberg-Fürth, Regensburg, Weiden.[9]
Bundesrechtsanwaltskammer Berlin (ferner in Brüssel) Berlin Dachorganisation der 27 regionalen Rechtsanwaltskammern.
Rechtsanwaltskammer Berlin Berlin Berlin Kammergericht Berlin; Landgerichtsbezirk Berlin.[10]
Brandenburgische Rechtsanwaltskammer Brandenburg an der Havel Brandenburg-Vorpommern OLG Brandenburg; Landgerichtsbezirke Cottbus, Frankfurt (Oder), Neuruppin, Potsdam.[11]
Hanseatische Rechtsanwaltskammer Bremen Bremen Bremen OLG Bremen; Landgerichtsbezirk Bremen.[12]
Hanseatische Rechtsanwaltskammer Hamburg Hamburg Hamburg HansOLG; Landgerichtsbezirk Hamburg.[13]
Rechtsanwaltskammer Frankfurt Frankfurt am Main Hessen OLG Frankfurt; Landgerichtsbezirke Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Hanau, Limburg,Wiesbaden.[14]
Rechtsanwaltskammer Kassel Kassel Hessen Landgerichtsbezirke Fulda, Kassel, Marburg.[15]
Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern Schwerin Mecklenburg-Vorpommern OLG Rostock; Landgerichtsbezirke Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, Stralsund.[16]
Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Braunschweig Braunschweig Niedersachsen OLG Braunschweig; Landgerichtsbezirke Braunschweig, Göttingen.[17]
Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Celle Celle Niedersachsen OLG Celle; Landgerichtsbezirke Bückeburg, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Stade, Verden.[18]
Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Oldenburg Oldenburg Niedersachsen OLG Oldenburg; Landgerichtsbezirke Aurich, Oldenburg, Osnabrück.[19]
Rechtsanwaltskammer Düsseldorf Düsseldorf Nordrhein-Westfalen OLG Düsseldorf; Landgerichtsbezirke Düsseldorf, Duisburg, Kleve, Krefeld, Mönchengladbach, Wuppertal.[20]
Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Hamm Hamm Nordrhein-Westfalen OLG Hamm; Landgerichtsbezirke Arnsberg, Bielefeld, Bochum, Detmold, Dortmund, Essen, Hagen, Münster, Paderborn, Siegen.[21]
Rechtsanwaltskammer Köln Köln Nordrhein-Westfalen OLG Köln; Landgerichtsbezirke Aachen, Bonn, Köln.[22]
Rechtsanwaltskammer Koblenz Koblenz Rheinland-Pfalz OLG Koblenz; Landgerichtsbezirke Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz, Trier.[23]
Pfälzische Rechtsanwaltskammer Zweibrücken Zweibrücken Rheinland-Pfalz OLG Pfalz; Landgerichtsbezirke Frankenthal, Kaiserslautern, Landau, Zweibrücken.[24]
Rechtsanwaltskammer des Saarlandes Saarbrücken Sachsen OLG Saarland; Landgerichtsbezirk Saarbrücken.[25]
Rechtsanwaltskammer Sachsen Dresden Sachsen OLG Dresden; Landgerichtsbezirke Bautzen, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig, Zwickau.[26]
Rechtsanwaltskammer des Landes Sachsen-Anhalt Magdeburg Sachsen-Anhalt OLG Naumburg; Landgerichtsbezirke Dessau, Halle, Magdeburg, Stendal.[27]
Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer Schleswig Schleswig-Holstein OLG Schleswig-Holstein; Landgerichtsbezirke Flensburg, Itzehoe, Kiel, Lübeck.[28]
Rechtsanwaltskammer Thüringen Erfurt Thüringen OLG Thüringen; Landgerichtsbezirke Erfurt, Gera, Meiningen, Mühlhausen.[29]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Baatz: 125 Jahre Geschichte deutscher Rechtsanwaltskammern, BRAK-Mitteilungen 2008, S. 190–195 mit Literaturhinweisen in FN 1 für die Rechtsanwaltskammern Berlin, Braunschweig, Celle, Frankfurt am Main, Hamm, Mecklenburg-Vorpommern, München, Oldenburg/O., Zweibrücken, Saarland und Sachsen.
  • Robert Heinrich: 100 Jahre Rechtsanwaltskammer München, München 1979, ISBN 3-406-07443-X.
  • Rudolf Lauda: 130 Jahre Aufgaben der Rechtsanwaltskammern, BRAK-Mitteilungen 2008, S. 195–201
  • Constantin Privat: Anwaltschaft im Wandel. 125 Jahre Rechtsanwaltskammer Köln 1879–2004. Verlag Otto Schmidt, Köln 2004, ISBN 3-504-06131-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesrechtsanwaltskammer ~ Präsident. In: www.brak.de. Abgerufen am 5. Juli 2016.
  2. RAK BGH
  3. RAK Freiburg
  4. RAK Tübingen
  5. RAK Karlsruhe
  6. RAK Stuttgart
  7. RAK Bamberg
  8. RAK München
  9. RAK Nürnberg
  10. RAK Berlin
  11. RAK Brandenburg
  12. RAK Bremen
  13. RAK Hamburg
  14. RAK Frankfurt am Main
  15. RAK Kassel
  16. RAK Mecklenburg-Vorpommern
  17. RAK Braunschweig
  18. RAK Celle
  19. RAK Oldenburg
  20. RAK Düsseldorf
  21. RAK Hamm
  22. RAK Köln
  23. RAK Koblenz
  24. RAK Zweibrücken
  25. RAK Saarland
  26. RAK Sachsen
  27. RAK Sachsen-Anhalt
  28. RAK Schleswig-Holstein
  29. RAK Thüringen
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