Rechtsschule von Beirut

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In unmittelbarer Nähe zum byzantinischen Vorläuferbau der Kathedrale St. Georg befand sich die Rechtsschule

Die Rechtsschule von Beirut war eine römische höhere Bildungseinrichtung in der Römischen Kaiserzeit und Spätantike, die möglicherweise von Hadrian, wenn nicht schon im Prinzipat von Augustus gegründet worden ist.[1] Eine andere Quelle geht davon aus, dass sie um 197 n. Chr. unter Septimius Severus begründet wurde. Keine der Vermutungen steht einer 239 oder 240 schriftlich festgehaltenen Rede des altkirchlichen Bischofs Gregorius Thaumaturgus entgegen, der von der parallel bereits bestehenden Rechtsschule von Caesarea zur juristischen und lateinischen Studienvertiefung nach Beirut (Beryt) gewechselt sei.[1] Ihr guter Ruf muss insoweit bereits bestanden haben.

Vornehmlich bekannt ist die Rechtsschule durch die beiden spätklassischen Rechtsgelehrten Papinian und Ulpian, die dort gelehrt haben. Ihre Schriften genossen so große Autorität im Römischen Reich, dass die Kaiser Theodosius II. und Valentinian III. sie 426 im so genannten Zitiergesetz – die Gesetzessammlung des Codex Theodosianus wurde erst danach, im Jahre 438 veröffentlicht – zusammen mit denen der Juristen Gaius, Modestinus und Paulus als Grundlage für Entscheidungen ihrer Beamten in Rechtsfragen benannten. In der Forschung wird auch davon ausgegangen, dass Beirut (Beryt) zu den stationes ius publice docentium aut respondentium gehörte. Rechtslehrer durften, entgegen der Auffassung Mommsens insoweit nicht nur in Rom, sondern auch in den Provinzen Rechtsgutachten (responsae) erstellen.[2]

Die Rechtsschule genoss über Jahrhunderte hohes Ansehen. Da Latein die Sprache der römischen Juristen war, stellte die colonia Beirut/Berytus lange Zeit eine lateinische Sprachinsel inmitten einer griechisch und syrisch dominierten Umgebung dar – noch um 400 wurden dort lateinische Inschriften gesetzt.

Kaiser Justinian I. bestimmte um 530, dass Beirut neben Konstantinopel und Rom als einzige offiziell anerkannte Lehranstalt des Römischen Reiches fungieren sollte. Doch durch ein Erdbeben in der Region wurde die Stadt Beirut (und somit die Gebäude der Rechtsschule) bereits 551 schwer beschädigt. Die Glanzzeit der Schule war damit vorbei. Die islamische Expansion im 7. Jahrhundert und der damit einhergehende Verlust der Provinzen des Vorderen Orients für das römische Reich beendete dann für immer die Existenz der Institution.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Linda Jones Hall: Roman Berytus. Beirut in Late Antiquity, London 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Franz Peter Bremer: Die Rechtslehrer und Rechtsschulen im Römischen Kaiserreich, Verlag von I. Guttentag, Berlin 1868, S. 71 ff. (73) unter Bezug auf Quellen von Adolf August Friedrich Rudorff und Panegyrici Latini.
  2. Franz Peter Bremer unter Hinweis auf Ulpianus in den Fragmenta Vaticana § 150 (nicht unter Vormundschaft aus Rom standen hi qui ius civile docent).