Recycling-Baustoff (Straßenbau)

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Ein Recyclingbaustoff (kurz RC-Baustoff) ist ein Baustoff oder ein Baustoffgemisch, das entsprechend seiner Herkunft unterschiedliche Stoffeigenschaften besitzt. Im Straßen- und Wegebau kommen zahlreiche dieser Stoffe (so genannte Sekundärrohstoffe) zum Einsatz, welche Abfallprodukte aus anderen Bereichen darstellen.

Recyclingbaustoffe gehören zu den industriell hergestellten Ersatzbaustoffen, dem Oberbegriff für eine Vielzahl mineralischer Abfälle, die nach entsprechender Aufbereitung oder Behandlung als Baustoffe verwertet werden können. Basis für Recyclingbaustoffe ist Bauschutt oder Straßenaufbruch, der bei entsprechenden Baumaßnahmen als mineralischer Abfall anfällt. Hauptbestandteile von Recyclingbaustoffen sind Stoffgruppen wie Beton, Ziegel, Klinker oder auch Naturstein.

Allen Stoffen gemeinsam ist, dass durch ihre Verwendung wertvolle Ressourcen und Deponieraum gespart werden. Außerdem ist in vielen Fällen die Aufbereitung und Weiterverwendung finanziell günstiger als eine endgültige Beseitigung.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den Begriff des Recyclingbaustoffs fallen laut LAGA M20[1][2] und den Gem.RdErlassen NRW[3] folgende Stoffe:

  • Bauschutt mit geringem Anteil von Fremdbestandteilen
  • Straßenaufbruch
  • Mineralische Anteile von Bauabfällen
  • Bauschutt
  • Bei der Produktion von Baustoffen entstandener Bruch sowie Fehlchargen
  • Bodenaushub mit mineralischen Stoffanteilen von mehr als 10 Vol.-%

Folgende Stoffe fallen nicht unter Bauschutt:

  • Pech- oder teerhaltiger Straßenaufbruch

Künstliche Mineralstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müllverbrennungsaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Gruppe der künstlichen Mineralstoffe sind die Müllverbrennungsaschen zu nennen. Sie entstehen, wie der Name sagt, bei der Verbrennung von Müll, genauer gesagt Hausmüll. Sie stellen ein besonderes Problem dar, da starke Schwankungen hinsichtlich der Zusammensetzung bestehen. Diese hängt von der Art des anfallenden Rohmülls, der zeitlich und regional große Unterschiede aufweisen kann, ab. Eine grobe Einteilung der Zusammensetzung sieht folgendermaßen aus:

Asche aus ein und derselben Müllverbrennungsanlage weist zudem im Laufe der Zeit eine unterschiedliche Zusammensetzung auf. Besonders starke Differenzen sind im Fein- und Feinstkornbereich zu beobachten, wenn Filterstäube schubweise bei der Verbrennung zugegeben werden. Um eine problemarme Weiterverwendung zu erreichen sollten die Filterstäube, die teilweise große Schadstoffmengen enthalten, nicht zugesetzt werden.

Ein weiterer Grund für die auftretenden Schwankungsbereiche ist das Behandlungsverfahren. Davon gibt es vier:

  1. Müllverbrennung
  2. Müllverschmelzung
  3. Müllverschwelung (Pyrolyse)
  4. Brennstoff aus Müll (BRAM)

Für den Straßenbau sind insbesondere die Produkte der beiden ersten Verfahren interessant. Bei der Müllverbrennung wird mit Temperaturen zwischen 800 und 1100 °C gearbeitet. Die hierbei entstehenden Aschen müssen weiter aufbereitet werden. Das heißt, sie müssen mit hydraulischen Bindemitteln umhüllt werden, um Schadstoffaustritte zu vermeiden.

Bei der Müllverschmelzung werden Temperaturen von über 1300 °C erzielt. Dadurch werden vorhandene Schadstoffe weitgehend unschädlich gemacht. Die so erzeugten Aschen können sogar im bitumengebundenen Oberbau verwendet werden. Bei beiden Verfahren sind nach der Verbrennung Metallteile, Folienreste und unverbrannte Reste auszusortieren, je nach Einsatzgebiet erfolgt hier das Zerlegen in Korngruppen. Danach ist eine dreimonatige Haldenlagerung erforderlich, damit evtl. vorhandene unverbrannte Reste umgesetzt bzw. chemische Vorgänge, welche zur Volumenvergrößerung führen könnten, abgeschlossen werden können.

Flugaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Flugaschen unterscheidet man Steinkohlenflugaschen und Braunkohlenflugaschen. Die letztgenannten werden aufgrund ihres hohen Schadstoffanteils im Straßenbau nicht verwendet. Steinkohlenflugaschen werden im Folgenden behandelt.

Sie fallen bei der Verbrennung von Steinkohle in Kraftwerken mit Staub- und Rostfeuerungen in den Filteranlagen zur Entstaubung der Rauchgase (Elektrofilter) an. In ihrer Struktur sind sie mehlfein und bestehen zu 70 bis 90 % aus Schluffkorn, entsprechend aus 30 bis 10 % Sandkorn mit einem Größtkorn von 0,5 mm. Im Wesentlichen bestehen sie aus Alumosilikat-Glas mit kristallinen Einschlüssen und einem Rest an unverbrannter Kohle (1 - 15 %, meist ca. 5 %, Glühverlust). Sie können in folgenden Bereichen eingesetzt werden:

  • als Füller im Asphalt für Deck-, Binder- und Tragschichten
  • für Verfestigungen des Unterbaues
  • zur Herstellung des Unterbaus
  • als Zusatz zu Böden zur Verbesserung des Kornaufbaus im Untergrund oder für den Unterbau
  • zur Herstellung von Lärmschutzwällen

Beim Einsatz in Asphalt sind die Anforderungen nach TL Füller zu berücksichtigen, im Betonbau dürfen nach DIN 1045 nur Steinkohlenflugaschen mit Prüfzeichen des DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) verwendet werden. Die Anforderungen sind im Einzelnen in den TL - SFA - StB 93 geregelt.

Schmelzkammergranulat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmelzkammergranulat wird bei der Verbrennung von Steinkohle in Kraftwerken mit Schmelzkammerfeuerung erzeugt. Die mineralischen Beimengungen der Kohle werden bei der Feuerung eingeschmolzen und anschließend im Wasserbad schockartig abgekühlt. Auf diese Weise entsteht ein glasartiges Mineralgemisch, bei dem jedoch die Einzelkörner durch den Kühlprozess rissig sind und eine geringe Festigkeit aufweisen. Durch Brechen wird dieses Mineralgemisch qualitativ so stark verbessert, dass es hohen Anforderungen standhält. Eingesetzt werden kann es für:

  • Tragschichten ohne Bindemittel
  • Bodenverfestigungen
  • Untergrundverbesserungen und Unterbau
  • sonstige Zwecke wie Leitungsgräben, Lärmschutzwälle, Pflasterbettungen und Fugenfüllungen, Sickerschichten und Sickerstränge.
  • Verbesserungen von Mineralgemischen der Nebengesteine der Steinkohle, von feinkörnigen Böden und Sanden, von Flugaschen
  • Wegebefestigungen
  • Lärmschutzwälle
  • Strahlgut

Anforderungen und Lieferkörnungen regeln die TL - SKG - StB.

Eisenhüttenschlacken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierzu zählen Stahlwerksschlacken und Hochofenschlacken. Stahlwerksschlacken entstehen im Rahmen der Gesteinsschmelze bei der Erzeugung von Rohstahl. Je nach Stahlerzeugungsverfahren wird die Bezeichnung der Stoffe gewählt. z. B. LD-Schlacke, Linz-Donawitz-Verfahren, Blasstrahlverfahren, SM-Schlacke, Siemens-Martin-Verfahren, Herdofenverfahren. Speziell die LD-Schlacken und weiterhin die Elektroofenschlacken werden im Straßenbau in:

  • Tragschichten ohne Bindemittel
  • bituminös oder hydraulisch gebundenen Tragschichten und Deckschichten
  • Lärmschutzwällen

verwendet.

Hochofenschlacken entstehen als Gesteinsschmelze bei der Herstellung von Roheisen in Hochöfen. Je nach Art der Abkühlung entstehen:

  • Hochofenstückschlacke (langsam erstarrt)
  • kristalliner, poriger Hüttenbims (in Schäumanlagen mäßig schnell erstarrt)
  • glasig, feinkörniger Hüttensand (in Granulationsanlagen sehr schnell abgekühlt)

Natürliche Mineralstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinbruchabfälle und Nebengesteine der Steinkohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier handelt es sich um Abraummassen in Steinbrüchen, das heißt, sie stammen aus verwitterten Deckschichten bzw. aus minderwertigen Bereichen des Gesteinsvorkommens.

Beide Stoffe weisen häufig eine unregelmäßige Kornverteilung auf, so dass sie erst durch Siebung in einzelne Kornfraktionen zerlegt werden müssen. Diese aufbereiteten Stoffe sind dann, entsprechend ihrer Herkunft, relativ hochwertige Baustoffe, die ihren Einsatz bei

  • hydraulisch gebundenen Tragschichten,
  • Schottertragschichten,
  • Frostschutzschichten,
  • bitumengebundenen Tragschichten und
  • Untergrundverbesserungen

finden. Bei den verbleibenden Resten, meist toniges Schluffgestein, ist bei der Lagerung darauf zu achten, dass kein übermäßiger Wasserzutritt erfolgt, da sonst bei Anwendung als Dammschüttmaterial Probleme bei der Verdichtung auftreten können. Ein weiterer Verwendungszweck dieser Stoffe liegt in der Schüttung von Lärmschutzwällen.

Konsumabfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faserzusätze und Altpapier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faserzusätze und Altpapier kann man in Splittmastix- und in Gussasphalten zur besseren Bindemittelverteilung und zur Stabilisierung des Asphaltes einbringen. Diese sind mineralisch (z. B. Gesteinswolle) oder organisch (z. B. Cellulose). Im Bereich der organischen Faserzusätze ist das Altpapier zu nennen, welches mit geringem Aufwand zum Faserzusatzstoff aufbereitet werden kann.

Altgummi aus Reifen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gummi kann zur Modifizierung von Bitumen eingesetzt werden. Dieses Bitumen-Gummigemisch kann bei Oberflächenbehandlung zur Absiegelung von rissig gewordenen Decken bzw. zur Verhinderung von Reflexionsrissen sowie zur besseren Haftung des Abstreusplittes verwendet werden. Insbesondere in Kurven- und Kreuzungsbereichen (Brems- und Beschleunigungsstrecken) und bei Strecken mit schnellem Verkehr und hohen Deckentemperaturen wird eine bessere Haftung der Reifen auf der Fahrbahn erreicht. Weiterhin dient dieses Gemisch als Fugenvergussmasse sowie als spannungsabsorbierende Membranzwischenschicht bei Asphaltbeton Übergängen und Brückenabdichtungen. Die Eigenschaften des Bitumen-Gummigemisches sind abhängig von der Konzentration des Gummis und hier im Wesentlichen von dem Anteil an Naturgummipartikeln. Als wichtigste Eigenschaftsänderung ist die erhöhte Viskosität zu nennen. Weitere günstige Veränderungen sind eine höhere Alterbeständigkeit, Antieisbildungseffekt infolge der Elastizität sowie eine Lärmminderung.

In Australien und in den Vereinigten Staaten hat man 1983 Versuche zur Verwendung von Altgummi in Bitumen-Gummigemischen angestellt. In Australien wurde dabei festgestellt, dass sich mit Altgummi von LKW-Reifen bessere Ergebnisse erzielen lassen als mit Gummi von PKW-Reifen.

Altglas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altglas kann in zerkleinerter Form als Dämmmaterial in ungebundenen Schichten und als Zuschlagstoff in gebundenen Schichten verwendet werden. Es liegen durchaus positive Erfahrungen mit diesem Stoff vor, zum Beispiel:

  • höhere Verschleißfestigkeit
  • gutes Reflexionsverhalten
  • längere Wärmespeicherung und damit verbesserte Möglichkeiten zum Einbau in kalter Witterung

In den Vereinigten Staaten wird Altglas häufiger verwendet. Dort hat man ausgerechnet, dass sich auf einer Strecke von einem Kilometer Länge mit einer Einbaudicke von 7,5 cm und einem Glasbruchanteil von 65 % etwa zwei Millionen alte Flaschen unterbringen lassen. In Deutschland wird Altglas nicht verwendet, da man gerade hier bereits eine sehr hohe Recyclingquote hat.

Kunststoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunststoffabfälle lassen sich in gepresster Form (Gitterblöcke, Rasensteine) zur Bankettbefestigung und im Entwässerungsbau verwenden. Stark zerkleinert können sie dem Bindemittel zugesetzt werden und dort eine Modifizierung bewirken. Art und Umfang der Anwendung sind hier stark von der Art der Kunststoffe abhängig. Sie lassen sich mit dem Gummi vergleichen.

Industrielle Abfallstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sägemehl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA (Staatsstraße 65, Nähe Marshall, Staat Washington) wurde in einem erdrutschgefährdeten Gebiet Sägemehl zur Schüttung eines Dammes verwendet. Zunächst wurden alle losen bereits gerutschten Materialien hügelabwärts geschoben. Diese dienten als Unterlage für den eigentlichen Damm. Dann wurde das Sägemehl mittels Planierraupen schichtenweise darauf verteilt und anschließend mit Bitumenemulsion angespritzt. Die Verdichtung erfolgte mittels der Bulldozer. Durch dieses Verfahren hat man das Gewicht des Dammes um 75 % reduziert. Laut Bericht sollen bis zum 8. Monat nach Fertigstellung der Straße keine Verformungen aufgetreten sein.

Bauschutt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vollständigkeit halber ist hier noch der Bauschutt zu erwähnen. Er kann als Dammschüttmaterial und bedingterweise als Wegebaumaterial verwendet werden. Problem bei diesem Material ist ebenfalls eine stark unterschiedliche Zusammensetzung. Vor Verwendung ist die Eignung festzustellen. Gegebenenfalls müssen verrottbare Materialien aussortiert werden.

Herstellung von Recyclingbaustoffen aus Bauschutt und Straßenaufbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufbereitung von Bauschutt und Straßenaufbruch erfolgt maschinell entweder in stationären oder mobilen Recyclinganlagen. Der Prozess umfasst die Arbeitsschritte Brechen, Sieben, Aussortieren von Störstoffen und Separierung von Eisenmetallen mittels Magnetabscheidern.

Um gute RC-Qualitäten aus Bauschutt zu erreichen, werden die einzelnen Schritte mehrmals an unterschiedlichen Siebschnitten durchgeführt. Die dabei anfallenden Metalle (z. B. Bewehrungsstahl) werden der Wiederverwertung zugeführt. Die resultierende mineralische Fraktion wird in Abhängigkeit der Verwendung zu unterschiedlichen Kornklassen bzw. Gesteinskörnungen zusammengeführt.

Bautechnische Regelwerke Erd- und Straßenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständig für die nationalen Regelwerke des Straßen- und Verkehrswesens ist die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Das Regelwerk befasst sich mit den Bereichen Verkehrsplanung, Verkehrsmanagement, Verkehrstechnik, Straßenentwurf, Straßenbau, Straßenbetrieb und Straßenerhaltung. In diesem Zusammenhang definiert die FGSV auch die bautechnischen Einsatzbereiche für Ersatzbaustoffe, wobei für deren Einsatz zusätzlich die umweltrelevanten Vorgaben einzuhalten sind. Ersatzbaustoffe können also in den aus bautechnischer Sicht möglichen Anwendungen nur eingesetzt werden, wenn die entsprechenden Grenzwerte und Rahmenbedingungen auch aus umwelttechnischer Sicht eingehalten werden. Zahlreiche Veröffentlichungen der FGSV sind für Ersatzbaustoffe im Besonderen zu beachten (siehe Tabelle 1).

Allgemeine Vorgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei allen genannten Baustoffen ist folgendes zu beachten:

  • Sie müssen für den jeweiligen Einsatz geeignet sein.
  • Sie dürfen keine unzulässigen Schadstoffmengen enthalten bzw. nach entsprechender Aufbereitung abgeben.

Die Erfüllung dieser Bedingungen sind mit den bekannten Eignungsprüfungen festzustellen, gegebenenfalls mit den entsprechenden Prüfverfahren, die für den jeweiligen Stoff in den entsprechenden Normen und Vorschriften genannt sind.

Umweltvorgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Umweltvorschriften, die sich mit der Verwendung von Ersatzbaustoffen – dazu gehören neben den Recyclingbaustoffen zum Beispiel auch Hausmüllverbrennungsasche oder mineralische Abfälle aus industriellen Prozessen – auseinandersetzen. Maßgebend für den Einsatz dieser Stoffe ist immer der Schutz des Bodens und des Grundwassers.

Aktuell gültige Beispiele: LAGA M20 und Erlasse NRW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solange die bundesweite Regelung in Form der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) bzw. Mantelverordnung noch in Arbeit ist, gelten länderspezifische Vorgaben. Hinsichtlich der Verwertungsmöglichkeiten mineralischer Reststoffe beziehen sich die meisten Bundesländer auf die Mitteilung LAGA M20 der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall von 1997 bzw. 2003. Es gibt aber auch Bundesländer mit eigenen Regelungen, z. B. hat Nordrhein-Westfalen für den Einsatz und die Güteüberwachung von Ersatzbaustoffen mit einer Reihe von Erlassen eine eigene gesetzliche Grundlage geschaffen.

Wasserwirtschaftliche Kriterien als Basis für Stoffklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Recyclingbaustoffe unterscheiden die Umweltrichtlinien aufgrund der wasserwirtschaftlichen Merkmale entsprechende Stoffqualitäten, welche entsprechend Auswirkung auf die Anwendungsmöglichkeiten haben. Beispielsweise unterscheidet das Regelwerk LAGA M20[1][2] folgende Zuordnungswerte:

  • Z1 mit den Unterkategorien Z1.1 und Z1.2
  • Z2

In den Gem.RdErl. des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr zur „Güteüberwachung von mineralischen Stoffen im Straßen- und Erdbau“[3] werden folgende zwei Stoffklassen unterschieden:

  • RCL I
  • RCL II

Z1- und RCL-I-Qualitäten sind vergleichbar in ihrer höheren Qualität und ihren Anwendungsbereichen. Für die schlechteren Qualitäten RCL II bzw. Z2 ist die Verwertung stärker eingeschränkt.

Lokale Voraussetzungen für den Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschlaggebend für die Einsatzmöglichkeiten von Recyclingbaustoffen ist der Grundwasser- und Bodenschutz. Deswegen wird in den Umweltvorgaben differenziert zwischen der Verwertung von Ersatzbaustoffen innerhalb und außerhalb von Wasserschutz-, Heilquellenschutz- und Überschwemmungsgebieten und hydrogeologisch sensitiven Gebieten. Innerhalb dieser Gebiete ist immer eine tiefer gehende Untersuchung der geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse vor Ort erforderlich.

Die Vorgaben der LAGA M20[1][2] und der Gem.RdErlasse NRW[3] für Recyclingbaustoffe können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Der Einsatz außerhalb von Wasserschutzgebieten ist zulässig.
  • In Wasserschutzgebieten WSG I und II ist der Einsatz von Recyclingbaustoffen ausgeschlossen.
  • Recyclingbaustoffe dürfen in Wasser- und Hochwasserschutzgebieten der Kategorien WSG III A / HSG III und III B / HSG IV eingesetzt werden; eine genaue Einzelfallbetrachtung ist angeraten.
  • Der Grundwasserabstand sollte mindestens 1 m betragen bzw. 2 m für Zuordnungswert Z1.2 nach LAGA M20.
  • Abhängig vom Bundesland kann es im Einzelfall zulässig sein, den Abstand zum Grundwasser zu reduzieren.

Einsatzbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die möglichen Einsatzgebiete von Recyclingbaustoffen ergeben sich aus einer Kombination von lokalen Einbaubedingungen, Stoffklasse und bautechnischen Anforderungen. Im Handbuch Ersatzbaustoffe werden die Bedingungen tabellarisch zusammengefasst (siehe Tabelle 2).

Qualitätskontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bautechnische Eignung von Recyclingbaustoffen für den Erd- und Straßenbau muss wie für alle Gesteinskörnungen im Rahmen der Güteüberwachung nachgewiesen werden. Zusätzlich muss eine Prüfung auf stoffliche und wasserwirtschaftliche Eigenschaften vorgenommen werden, so dass die Einordnung in eine Stoffklasse die Angabe des LAGA Zuordnungswertes erfolgen kann.

Vor Aufnahme der Güteüberwachung muss der Produzent einen Eignungsnachweis in Form eines Prüfzeugnisses vorlegen. Dieser Eignungsnachweis setzt sich aus einer Erstprüfung sowie einer Erstinspektion des Betriebes zusammen. Die Eigenüberwachung WPK (Werkseigene Produktionskontrolle) und die Fremdüberwachung bilden zusammen das Güteüberwachungssystem. Es gibt klare Vorgaben für die Prüfungen und Prüfhäufigkeiten, die im Rahmen der Güteüberwachung durchzuführen sind. Die Vorgaben unterscheiden sich nach der geplanten Verwendung des Materials.

Ausschließlich anerkannte Prüfstellen dürfen den Eignungsnachweis sowie die Prüfungen der regelmäßigen Fremdüberwachung durchführen. Wobei die Prüfstellen-Anerkennung durch die oberste Straßenbaubehörde des jeweiligen Bundeslandes oder durch eine von dieser als zuständig benannten Behörde erfolgen muss.

Eine Übersicht der notwendigen Prüfungen und Prüfungshäufigkeit findet sich auch im Kapitel 4 des Handbuch Ersatzbaustoffe.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Lorenz, J. Lorenz: Handbuch Straßenbau, Fraunhofer IRB Verlag, 2006, ISBN 3-8167-7083-5, Seite 202 bis 204
  • Bayerisches Umweltministerium (Hrsg.): Anforderungen an die Verwertung von Bauschutt in technischen Bauwerken, Leitfaden, 2005
  • LAGA Mitteilung 20: Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/Abfällen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Länderarbeitsgemeinschaft Abfall [Hrsg.], Mitteilung M20 (LAGA M20): Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen / Abfällen – Technische Regeln. Erich Schmidt Verlag, Neuburg 6. November 1997.
  2. a b c Länderarbeitsgemeinschaft Abfall [Hrsg.], Mitteilung M20 (LAGA M20): Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen / Abfällen – Technische Regeln – Allgemeiner Teil. Überarbeitung vom 6.11.2003. www.laga-online.de, Mainz November 2003.
  3. a b c Gem.RdErl. d. Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz IV - 3 - 953 - 26308 - IV - 8 - 1573 - 30052 - und des Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr - VI A 3 - 32-40/45 - v. 09.10.2001: Anforderungen an den Einsatz von mineralischen Stoffen aus Bautätigkeiten (Recycling-Baustoffe) im Straßen- und Erdbau. Ministerialblatt (MBl. NRW.). Ausgabe 2001, Nr. 76, 3. Dezember 2001, S. 1493 bis 1506.
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