Rede Wladimir Putins zum Beitritt der Krim am 18. März 2014

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Wladimir Putin im Georgssaal des Kreml bei seiner Rede vom 18. März 2014

Am 18. März 2014 hielt der russische Präsident Wladimir Putin im Georgssaal des Kreml vor Mitgliedern des Föderationsrates und Abgeordneten der Duma eine Rede an die Nation. Direkt im Anschluss an Putins Ansprache wurde der Vertrag über den Beitritt der Krim sowie der Stadt Sewastopol als 84. bzw. 85. Föderationssubjekt in den Verband der Russischen Föderation unterzeichnet.

Inhalt der Rede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putin bezeichnete zunächst das am 16. März 2014 auf der Krim abgehaltene Referendum über den Status der Krim als „überzeugend“. Dieses Referendum -so die Behauptung Putins- habe demokratischen Standards entsprochen und sei im Einklang mit internationalem Recht abgelaufen.[1] Das Vorgehen Russlands während der Krimkrise rechtfertigte Putin mit Verweisen auf die Geschichte und mit der Stimmung in der Bevölkerung auf der Krim und in Russland, nicht ohne auf die „Sünden“ der Bolschewisten hin zu weisen, welche Teile des historischen Südens Russland der Ukrainischen Republik angeschlossen hätten.

Der russische Präsident ging dann auf die 1954 getroffene Entscheidung der sowjetischen Regierung ein, die Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik anzugliedern. Diese Entscheidung sei ein Fehler und eine Verletzung der damals gültigen verfassungsmäßigen Normen gewesen und sei „in Hinterzimmern gefallen“.[2] Als 1991 die Sowjetunion zerfallen sei, seien „die Russen zum größten verstreuten Volk der Welt geworden“. Die russische Regierung sei lange zu schwach gewesen um die Rechte des russischen Volkes zu verteidigen.[3]

Für die friedlichen Proteste im Rahmen des Euromaidan äußerte Putin Verständnis; es sei legitim, gegen Korruption, ineffiziente Verwaltung und Armut zu protestieren. Hinter den Ereignissen stünden jedoch „Nationalisten, Neonazis, Russophobe und Antisemiten“, welche nun mittels "Terror, Mord und Pogromen" über die Ukraine bestimmten; den herbeigeführten Machtwechsel in der Ukraine bezeichnete Putin als einen Staatsstreich: In der Ukraine gebe es derzeit keine legitime exekutive Macht und daher niemanden, mit dem man verhandeln könnte. Im Zusammenhang mit angedrohten Repressionen und Strafaktionen hätten sich die Bewohner der Krim und Sewastopols hilfesuchend an Russland gewandt.[4][5]

Putin erklärte, Russland lehne eine Spaltung der Ukraine ab. „Wir wollen keine Spaltung der Ukraine, wir brauchen das nicht“.[6] Putin erklärte auch, dass auf der Krim die Minderheitenrechte eingehalten werden sollen und es in Zukunft drei gleichberechtigte Amtssprachen geben solle: russisch, ukrainisch und krim-tatarisch.[7]

Der russische Präsident äußerte Kritik an den Vereinigten Staaten, welche „nach dem Recht des Stärkeren“ agierten und den UNO-Sicherheitsrat ignorierten. So sei es 1999 gewesen, als auf Belgrad Bomben geworfen worden seien, und die Intervention im Kosovo begonnen habe (nachdem Russland im Sicherheitsrat mit seinem angedrohten Veto eine UNO-Mission verhindert hatte [8]). Auch Libyen sei bombardiert worden, obschon der UNO Sicherheitsrat nur eine UN-Flugverbotszone angeordnet hätte. Auch bei der NATO-Osterweiterung sei Russland vor vollendete Tatsachen gestellt worden. In der Ukraine habe der Westen nun, eine „rote Linie“ überschritten und sich „unprofessionell und verantwortungslos“ verhalten.[9]

Die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation verglich Putin mit der deutschen Wiedervereinigung. Russland habe 1990 im Gegensatz zu einigen anderen Ländern ausdrücklich dem Willen des deutschen Volkes für eine Einheit zugestimmt. Nun solle auch die „Wiederherstellung der Einheit“ in Russland akzeptiert werden. Putin wies Vorwürfe des Westens zurück, Russland habe auf der Krim gegen internationales Recht verstoßen. Zwar sei die Zahl der russischen Streitkräfte auf der Halbinsel aufgestockt worden. Aber dies sei im Rahmen der zulässigen Zahl für die Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte erfolgt. Der russische Präsident lobte die ukrainischen Militärangehörigen auf der Krim dafür, dass sie sich „ruhig verhalten hätten und ihre Hände nicht mit Blut beschmiert hätten“.[10]

Zum Abschluss seiner Ansprache stellte Putin den Antrag die Krim und Sewastopol in die Russische Föderation aufzunehmen. Direkt nach der Rede unterzeichnete der russische Präsident dann gemeinsam mit dem Regierungschef und dem Parlamentspräsidenten der Krim das entsprechende Anschlussabkommen.[11]

Reaktionen und Rezeption in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesregierung wies Putins Vergleich zwischen den Ereignissen auf der Krim und der deutschen Wiedervereinigung zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, die deutsche Einheit habe zwei getrennte Staaten gleicher Nation wieder zusammengeführt. Das russische Eingreifen führe dagegen zu einer Teilung der Ukraine. Außerdem sei die deutsche Einheit von der internationalen Gemeinschaft begleitet worden, was in der Krim-Krise nicht der Fall sei.[12]

Die britische Regierung antwortete am 21. März auf die Rede und wies explizit sieben Falschdarstellungen zurück: Dies betraf die Legitimität des Referendums vom 16. März sowie den Vorwurf Putins an die ukrainische Übergangsregierung in Hinblick auf in Wahrheit nicht existierende gewaltsame Übergriffe. Zu diesem Punkt hielt die britische Regierung fest: "The single greatest destabilizing force in Ukraine right now is Russia." (Zurzeit ist Russland die bedeutendste destabilisierende Kraft in der Ukraine). Weiter wies die britische Regierung die Behauptungen Putins betreffs einer Diskriminierung der russischen Sprache zurück. Somit sei die Situation auf der Krim nicht vergleichbar mit der Situation, die 1999 im Kosovo geherrscht habe. Falsch seien auch die Behauptungen Putins, es gäbe in der Ukraine keine legitime Regierung und russisches Militär sei auf der Krim nur im Rahmen internationaler Vereinbarungen zum Einsatz gekommen.[13]

In einer Rede in Brüssel am 26. März 2014 erklärte US-Präsident Barack Obama, dass die Welt die Annexion der Krim nicht akzeptieren dürfe. Russlands Führung „greife Wahrheiten an, die noch vor Wochen selbstverständlich waren: dass im 21. Jahrhundert die Grenzen in Europa nicht mit Gewalt neu gezeichnet werden können“.[14] Weiterhin widersprach Obama einer Gleichsetzung der Situation auf der Krim mit der Loslösung des Kosovo von Serbien: "Kosovo hat Serbien auch erst nach einem Referendum verlassen, das nicht außerhalb der Grenzen des Völkerrechts und in sorgfältiger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen sowie den Nachbarn Kosovos organisiert worden war. Die Ereignisse auf der Krim sind damit nicht annähernd vergleichbar."[15] Obamas Aussage verwundert jedoch, da dieses behauptete Kosovo-Referendum niemals stattgefunden hat.

In Reaktionen deutschsprachiger Medien auf die Rede Putins, so auf Spiegel Online, wurde hervorgehoben, der russische Präsident habe seine Ansprache in erster Linie an den Westen gerichtet bzw. mit dem Westen abgerechnet. Er habe keinen Spielraum für einen Kompromiss gelassen und stattdessen die Wiederkehr Russlands als Großmacht proklamiert.[16] Zum Kosovo-Vergleich meinte die FAZ schon zuvor: "Erst als Russland eine Ermächtigung zur Gewaltanwendung nicht mittrug, trat die Nato auf den Plan. Insgesamt bemühte die Nato sich, im Einklang mit den Vereinten Nationen zu handeln. Das ist etwas komplett anderes als eine gewaltsame Landnahme." [17] Der Staatsrechtler Reinhard Merkel warnte jedoch davor, den Begriff "Annexion" leichtfertig zu verwenden. Er formulierte, dass die Abfolge von "Sezession", "Referendum" und "Beitritt" eine "Annexion" ausschlössen - "und zwar selbst dann, wenn alle drei völkerrechtswidrig gewesen sein sollten.". Weiter hätten die bewaffneten Föderationstruppen auf der Krim nach Reinhard Merkel nur die Möglichkeit des Stattfindens von Sezession, Referendum und Beitritt "gesichert". Auf deren Ausgang hätten die Truppen aber keinen Einfluss genommen.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Putin: Krim-Referendum über Russland-Anschluss überzeugend, Die Zeit vom 18. März 2014
  2. Putin zu Krim: Reparatur eines Fehlers, Webseite des ORF vom 18. März 2014
  3. Putin-Rede zur Krim-Krise: Der Großmächtige, SPON vom 18. März 2014
  4. Rede im Kreml: Putins Wiedervereinigung, FAZ vom 18. März 2014
  5. Putins Rede an die Welt, NZZ vom 23. März 2014
  6. „Die Krim wird immer Teil Russlands bleiben“, FAZ vom 18. März 2014
  7. Putin nennt Krim "untrennbaren" Teil Russlands (Memento vom 19. März 2014 im Internet Archive), Webseite der Tagesschau vom 18. März 2014
  8. Kriegseinsätze ohne UN-Mandat, Deutsche Welle, 30. August 2013; "Der Sicherheitsrat hat die Lage im Kosovo, die ethnischen Säuberungen, damals absolut realistisch geschildert", so Eisele. "Das einzige, was fehlte, war, dass es irgendeine Konsequenz daraus gab, da Moskau sein Veto androhte."
  9. Putin: Westen hat Rote Linie in der Ukraine überschritten, Focus vom 18. März 2014
  10. Putin vergleicht Krim-Anschluss mit Wiedervereinigung (Memento vom 22. März 2014 im Internet Archive), Webseite des MDR vom 18. März 2014
  11. Russland besiegelt Anschluss der Krim, Tages-Anzeiger vom 18. März 2014
  12. Berlin weist Putins Vergleich mit Wiedervereinigung zurück FAZ vom 19. März 2014
  13. In response to President Putin’s address to the Russian Parliament Webseite der britischen Regierung vom 21. März 2014, abgerufen am 23. Juni 2014
  14. President Obama calls Vladimir Putin's reasons for taking Crimea 'absurd' Daily News vom 27. März 2014
  15. Full Transcript: President Obama gives speech addressing Europe, Russia on March 26. Abgerufen am 23. Februar 2017.
  16. Rede zur Krim: Putin rechnet mit dem Westen ab, SPON vom 18. März 2014
  17. Landnahme statt Selbstbestimmung, FAZ, 14. März 2013
  18. Reinhard Merkel: "Kühle Ironie der Geschichte" FAZ vom 8. April 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]