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Reggio-Pädagogik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Mit dem Begriff Reggio-Pädagogik werden die Konzeption und Praxis der kommunalen Kindertagesstätten in der italienischen Stadt Reggio nell’Emilia bezeichnet.

Diese Pädagogik wird als Aufgabe der gesamten Stadt gesehen, das bedeutet, dass auch andere Organisationen und die Eltern an der Erziehung der Kinder beteiligt sind. Das Grundkonzept der Reggio-Pädagogik ist, dass die Erziehenden mit den Stärken und nicht gegen die Schwächen der Kinder arbeiten.[1]

Die Kinder sollen sich individuell nach ihren Möglichkeiten entfalten und selbst verwirklichen. Dabei lernen sie in Projekten, die ihre unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten fördern. Wesentlich hierbei ist die Wertschätzung durch die jeweiligen pädagogischen Fachkräfte, die eine kontinuierliche Dokumentation der pädagogischen Arbeit und Entwicklungen des Kindes anfertigen.

Pädagogisches Prinzip

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Die Prinzipien der Reggio-Pädagogik wurden allerdings bisher nicht verschriftlicht, da man den Verlust der Flexibilität ihres Konzeptes fürchtet.

Da die Reggio-Pädagogik das Bild des kompetenten Kindes vertritt, das seine Entwicklung selbst aktiv voranbringt und die Welt eigenständig erforscht, dient die pädagogische Fachkraft als Begleiter des Lernprozesses und als Forschender. Zudem trägt die erziehende Person die Aufgabe, das Kind durch didaktisch-methodische Lernstrukturen in seiner Entwicklung zu unterstützen und diese zu dokumentieren.

Auch der Respekt und die Wertschätzung der Familie und der Herkunftskultur des Kindes ist ein wichtiger Bestandteil, da die Zusammenarbeit mit den Eltern Voraussetzung ist, um die individuelle Entfaltung des Kindes zu ermöglichen.

Das Konzept wurde in den späten 1940er Jahren von Frauen, insbesondere aus der demokratisch-freiheitlichen Partisanen-Bewegung in der Stadt Reggio Emilia entwickelt[2]. Aus dem konkreten Bedarf von Familien und den praktischen Möglichkeiten vor Ort entstanden die ersten kommunalen Kitas, oft auch gegen den Widerstand der italienischen Zentralregierung, die kommunale Kitas bis in die 1970er Jahre nicht erlaubte. Die organisierte Frauenbewegung (UDI) spielte eine große Rolle für das Erstreiten neuer Kitas.[3]

In den 1970er Jahren wurde die Reggio-Pädagogik unter Federführung des Lehrers Loris Malaguzzi auch international bekannt, insbesondere durch Publikationen und ab 1981 durch eine Wanderausstellung "The hundred languages of children.[4]

1991 erlangten die kommunalen Kindertageseinrichtungen in Reggio Emilia weltweite Berühmtheit, als sie vom Newsweek Magazine zum besten „Early Childhood Education“-Programm der Welt gekürt wurden. [5]

  • Franz-Josef Brockschnieder, Reggio-Pädagogik in der Kita. Verlag Herder 2017, ISBN 978-3-451-32874-9
  • Tassilo Knauf, Pädagogische Ansätze für die Kita: Reggio, Berlin, Cornelsen Scriptor, 2017, ISBN 978-3-58924-781-3
  • Tassilo Knauf, Dokumentation als zentrales Element in der Reggio-Pädagogik. In: Martin R. Textor (Hrsg.), Das Kita-Handbuch. 2003.
  • Kommunale Krippen und Kindergärten von Reggio Emilia, Ein Ausflug in die Rechte von Kindern. Reggio Emilia: Reggio Children. 1995.
  • Sabine Lingenauber, Einführung in die Reggio-Pädagogik. Kinder, Erzieherinnen und Eltern als konstitutives Sozialaggregat, Projektverlag, 6., aktualisierte Aufl. 2013, ISBN 978-3-89733-191-4
  • Sabine Lingenauber (Hrsg.), Handlexikon der Reggio-Pädagogik, Projektverlag, 4. erweiterte Aufl. 2011, ISBN 978-3-89733-231-7
  • Gerd E. Schäfer/Angelika von der Beek, Didaktik in der frühen Kindheit. Weimar/Berlin: Verlag das Netz. 2013.
  • Gerd E. Schäfer, Die Reggio-Pädagogik in der Bildungstradition. In: Helen Knauf: Frühe Kindheit gestalten: Perspektiven zeitgemäßer Elementarbildung, S. 47–59. Stuttgart: Kohlhammer. 2009.
  • Norbert Neuß und andere: Handwörterbuch Frühpädagogik. Mit Schlüsselbegriffen der Sozialen Arbeit. Cornelsen Verlag 2014, ISBN 978-3-8346-5070-2

Einzelnachweise

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  1. Elemente der Reggio-Pädagogik.
  2. https://reggio-emilia- research.com
  3. https://www.reggiochildren.it/en/reggio-emilia-approach/timeline-en
  4. https://www.reggiochildren.it/en/reggio-emilia-approach/timeline-en
  5. Barbara Kantrowitz and Pat Wingert: THE 10 BEST SCHOOLS IN THE WORLD. In: Newsweek Magazine. 2. Dezember 1991, abgerufen am 9. März 2016 (englisch).