Regina caeli

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Maria Himmelskönigin, Meister der Lucialegende, etwa 1485 bis 1500

Regina caeli, lat. für Königin des Himmels, Himmelskönigin, in Mittellatein häufig auch Regina coeli geschrieben, ist ein Ehrentitel für Maria, die Mutter Jesu, und der Beginn einer marianischen Antiphon im Stundengebet der Kirche.

Marientitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der theologische Gehalt des marianischen Ehrentitels Regina caeli liegt in dem Glauben, dass Maria als Mutter Gottes an der himmlischen Herrlichkeit ihres auferstandenen Sohnes teilhat. Das wichtigste lehramtliche Dokument über das himmlische Königtum Mariens ist die Enzyklika Ad caeli reginam (lat. „von der Himmelskönigin“) des Papstes Pius XII. vom 11. Oktober 1954. Diese Enzyklika erläutert die biblischen, patristischen, theologischen und liturgischen Grundlagen der marianischen Anrufung. Auf diese Lehraussagen bezog sich das Zweite Vatikanische Konzil in seiner dogmatischen Konstitution über die Kirche, Lumen gentium: Maria wurde „als Königin des Alls vom Herrn erhöht, um vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet zu sein“.[1]

Das Regina caeli im Antiphonale

Marianische Antiphon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die marianische Antiphon Regina caeli wird im kirchlichen Stundengebet während der Osterzeit entweder nach der Vesper oder nach der Komplet gesungen – je nachdem, welche dieser beiden Horen die letzte ist, die in Gemeinschaft gefeiert wird. Für die marianischen Antiphonen hat sich die Bezeichnung „Antiphon“ eingebürgert, obwohl es sich eigentlich nicht um antiphonalen Gesang im strengen Sinn, sondern eher um hymnusähnliche Gesänge ohne Bezug zu einem Psalm handelt. Der Text und die gregorianische Melodie sind seit dem 12. Jahrhundert überliefert. Im Gotteslob ist die lateinische Antiphon unter Nummer 666, 3 (GLalt 574) abgedruckt. Im Gotteslob von 1975 war zudem unter Nummer 575 eine deutsche Übersetzung der Antiphon, beginnend mit den Worten „O Himmelskönigin, frohlocke, Halleluja“, enthalten. Der Text besteht aus Verszeilen in freien Rhythmen nach Art der Psalmen, der neutestamentlichen Cantica und der frühchristlichen Dichtung (etwa Gloria, Te Deum).[2] Der zweisilbige Reim der ersten beiden Zeilen ergibt sich hier wohl eher sekundär aus dem Prinzip des Parallelismus membrorum[3] als aus der gezielten Anwendung eines Reimschemas. „Das Regina coeli ist als Gesang nach dem Magnificat am Oktavtag vor Ostern erstmals in einem um 1200 zu datierenden römischen Antiphonar aus St. Peter bezeugt“,[4], gemeint ist BAV Arch. Cap. S. Pietro B 79.[5]

Der Text der Antiphon und der Oration lauten:

lateinisch deutsch

Regina caeli, laetare, alleluia.
Quia quem meruisti portare, alleluia,
Resurrexit, sicut dixit, alleluia.
Ora pro nobis Deum, alleluia.

Himmelskönigin, freue dich, Halleluja.
Denn der, den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
er ist auferstanden, wie er gesagt, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Halleluja.

Wird das Regina caeli in der Osterzeit anstelle des Angelus gebetet, so fügt man an:

lateinisch deutsch

Gaude et laetare, Virgo Maria, alleluia.
Quia surrexit Dominus vere, alleluia.

Oremus. Deus, qui per resurrectionem Filii tui
Domini nostri Iesu Christi mundum laetificare dignatus es:
praesta, quaesumus, ut per eius Genetricem Virginem Mariam
perpetuae capiamus gaudia vitae. Per eundem Christum, Dominum nostrum. Amen.

Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja,
denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.

Lasset uns beten. Gott, du hast durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, die Welt erfreuen wollen. Wir bitten dich, lass uns durch seine Mutter, die Jungfrau Maria, die Freuden des ewigen Lebens erlangen, durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Bearbeitungen der Antiphon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stammteil des Gotteslobs ist unter Nummer 525 (GLalt 576) eine aus Konstanz stammende Liedparaphrase („Freu dich du Himmelskönigin“) aus dem 16. Jahrhundert abgedruckt. Jede Strophe - insgesamt sind es vier - greift einen der vier Sätze der Antiphon auf. Im Eigenteil der Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg findet man unter Nummer 888 (GLalt 894) eine freie Übertragung von Christoph von Schmid („O Mutter Jesu, freue dich“).[6]

Vertonungen von Lully, Mozart und Brahms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regina coeli wurde häufig und von vielen Komponisten vertont. Besonders bekannt sind Lullys Motette aus dem Jahr 1684, drei Fassungen des jungen Mozart (KV 108, 127 und 276), sowie Brahms' Op. 37, Nummer 3.

Edition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Corpus antiphonalium officii, ed. René-Jean Hesbert, Rom 1963-1979, Nr. 4597

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Breitschneider, Marianische Antiphonen, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 6. Herder, durchgesehene Ausgabe der 3. Auflage Freiburg u. a. 2009, Sp. 1357-1359. ISBN 978-3-451-22100-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Regina Coeli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 21. November 1964, Nr. 59
  2. Vgl. Walter Berschin, Martin Hellmann: Hermann der Lahme − Gelehrter und Dichter (1013-1054), Heidelberg 2004, S. 97 (zu Salve Regina)
  3. Vgl. Parallelismus membrorum in: Biblewissenschaft .de;.
  4. Wolfgang Breitschneider, Marianische Antiphonen, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 6. Herder, durchgesehene Ausgabe der 3. Auflage Freiburg u. a. 2009, Sp. 1357-1359, hier Sp. 1358.
  5. Vgl. BAV Arch. Cap. S. Pietro B 79
  6. Gotteslob Nr. 525 und 888 (Eigenteil Rottenburg-Stuttgart und Freiburg)