RegioSprinter

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RegioSprinter
RegioSprinter der Vogtlandbahn in Plauen Oberer Bahnhof
RegioSprinter der Vogtlandbahn in Plauen Oberer Bahnhof
Anzahl: Rurtalbahn: 17
Vogtlandbahn: 13
Nærumbane: 4

Wachaubahn: 5

Hersteller: Siemens/DUEWAG
Baujahr(e): 1995–1999
Achsformel: A+2+A
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 24.800 mm
Höhe: 3.450 mm
Breite: 2.970 mm
Dienstmasse: 49,2 t
Höchstgeschwindigkeit: Rurtalbahn: 120 km/h
Nærumbanen:120 km/h, im Betrieb auf der Strecke nur 75 km/h [1]
Installierte Leistung: Rurtalbahn: 2×198 kW[2]
Nærumbanen: 2×228 kW [1]
Beschleunigung: 1,1 m/s²
Brennstoffvorrat: Diesel
Motorentyp: 2× MAN D2865 LUH05
Bremse: Magnetschienenbremse
Retarder
Betriebsart: diesel-mechanisch
Sitzplätze: Rurtalbahn: 74 fest installierte und 10 Klappsitze[2]
Nærumbane: 67[1]
Stehplätze: Rurtalbahn: 100[2]
Fußbodenhöhe: 530 mm im Niederflurteil, 1.130 mm im Hochflurteil

Der RegioSprinter ist ein von Siemens-Duewag entwickelter und gebauter leichter Dieseltriebwagen für den schnellen Regionalverkehr. Der RegioSprinter wurde vom Hersteller zunächst unter der Bezeichnung RVT (Regional-Verbrennungstriebwagen) beworben. Er ist in Deutschland als Baureihe 654 eingeordnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 veröffentlichte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ein Lastenheft für einen leichten, spurtstarken und zugleich kostengünstigen Triebwagen für den Regionalverkehr.[3] Eine neue Generation von für Nebenbahnen optimierten Fahrzeugen sollte entstehen, die viele Elemente von Stadtbussen und Straßenbahnen übernehmen sollte. Statt der für Schienenfahrzeuge vorgeschriebenen Rahmensteifigkeit von 1.500 kN war eine Rahmensteifigkeit von 600 kN angesetzt. Dem Verlust an passiver Sicherheit sollte ein Zugewinn an aktiver Sicherheit durch höhere Bremsverzögerungen entgegengestellt werden.[4]

Als erster Hersteller stellte Duewag im Frühjahr 1994 den RegioSprinter, damals noch unter der Bezeichnung RVT, vor. Weitere, unmittelbar darauf folgende Konzepte waren der Stadler GTW, die DB-Baureihe 670 der Deutschen Waggonbau AG sowie nicht realisierte Fahrzeuge von Neoplan und Linke-Hoffmann-Busch.[4] Die Dürener Kreisbahn war der erste Besteller des RegioSprinters. Sie hatte zuvor Uerdinger Schienenbusse auf ihrem Streckennetz eingesetzt, die aber den gestiegenen Anforderungen an Reisekomfort und Geschwindigkeit nicht mehr genügten.

Der erste RegioSprinter wurde am 20. März 1995 am Bahnhof Krefeld Nord der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Auslieferung erfolgte nur 19 Monate nach Vertragsabschluss; der Preis für ein Fahrzeug betrug 1,58 Millionen Deutsche Mark.[3]

Seit 1998 verkauft Siemens, das zwischenzeitlich Duewag übernommen hatte, als Nachfolger den Desiro, der anfangs als Regiosprinter 2 vermarktet wurde. Der Desiro unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom RegioSprinter: Von Beginn an wurde er als Vollbahnfahrzeug mit Erfüllung der entsprechenden Normen bezüglich Zug- und Druckkräften konzipiert und verfügt über Wagenkästen in Integralbauweise, eine höhere Masse und eine andere Achsfolge. Mit einem Anschaffungspreis von etwa 1,2 Millionen Euro ist der Desiro überdies deutlich teurer.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rurtalbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RegioSprinter der Rurtalbahn im Bahnhof Düren

Die Dürener Kreisbahn beschaffte 1995 für die von ihr übernommenen Strecken Jülich – Düren und Düren – Heimbach insgesamt 17 RegioSprinter, die auf beiden Strecken die vorher dort eingesetzten Schienenbusse ersetzten. Heute (Stand 2012) werden die RegioSprinter auf folgenden Strecken eingesetzt:

Im Auftrag der DB Regio NRW kommt außerdem ein Triebwagen auf der Linie RB 34 („Schwalm-Nette-Bahn“) zwischen Mönchengladbach Hbf und Dalheim zum Einsatz.

Da der Fahrzeugbestand der Rurtalbahn eine großzügige Reserve umfasst, kamen in den vergangenen Jahren mehrfach RegioSprinter dieser Bahngesellschaft aushilfsweise auch auf anderen Strecken der DB Regio NRW (z.B. auf der Linie RB 37 "Der Wedauer") und bei anderen Privatbahnen zum Einsatz, so zum Beispiel bei der Dortmund-Märkischen Eisenbahn, der Nord-Ostsee-Bahn, der Vias, der Erft-Bahn oder bei den Vetter Verkehrsbetrieben. 2002 wurde ein RegioSprinter speziell für Sonderfahrten umgebaut:[5] Er erhielt eine Beklebung mit Motiven des Künstlers Otmar Alt, eine Küchenzeile, zwei Kühlschränke, Wasserkocher, Kaffee- und Espressomaschinen, Schränke für Garderobe, drei Stehtische, beleuchtete Tische im Bereich Vis-à-vis-Bestuhlung und eine Musikanlage. Die Sitzplatzanzahl reduzierte sich durch die Umbaumaßnahmen auf 57.[6]

Vogtlandbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogtlandbahn auf der BOStrab-Strecke an der Station Zwickau Zentrum
RegioSprinter in der Zwickauer Innenstadt

Die Vogtlandbahn beschaffte ab 1996 insgesamt 18 Fahrzeuge für den Einsatz auf den Strecken ZwickauAdorf/Vogtl. und PlauenKlingenthal. Da sich die Fertigstellung dieser Strecken nach der Sanierung immer wieder verzögerte, bedienten die neuen Fahrzeuge zunächst die Strecke von Zwickau nach Bad Brambach. Die Triebwagen kamen auf folgenden Linien der Vogtlandbahn regelmäßig zum Einsatz:

Als Besonderheit wurden alle die an die Vogtlandbahn ausgelieferten Fahrzeuge ab 1999 nach den Bestimmungen der BOStrab nachgerüstet, um über ein als Dreischienengleis ausgeführtes Straßenbahngleis die Zwickauer Innenstadt erreichen zu können, siehe Zwickauer Modell.

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2006 kamen die RegioSprinter der Vogtlandbahn auch auf der Linie VB 7 zwischen Schönberg/Vogtland und Schleiz West zum Einsatz. Der Verkehr auf dieser Strecke wurde zum 9. Dezember 2006 von der Nahverkehrsgesellschaft des Freistaats Thüringen abbestellt.

Ferner waren im Jahr 2006 zwei der Triebwagen (VT 36 und VT 39) an die Prignitzer Eisenbahn GmbH vermietet, die diese aufgrund von Fahrzeugmangel auf ihren Strecken im westlichen Ruhrgebiet einsetzte.

Seit Oktober 2013 wurden mehrere Triebwagen von der Vogtlandbahn an die Oberpfalzbahn übergeben. Diese setzt die Züge hauptsächlich auf der Bahnstrecke Cham–Lam ein, da sich ihre eigenen Regio-Shuttles bis Dezember 2014 in Aufarbeitung befinden.

Die Züge wurden bis April 2015 im grenzüberschreitenden Verkehr auch auf der Linie TL 70 des Trilex eingesetzt.[7]

Nærumbane (Dänemark)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein RegioSprinter der Nærumbane

Die Nærumbane (LNJ), ehemals Lyngby Nærum Jernbane, im Raum Kopenhagen beschaffte 1999 vier Triebwagen des Typs RegioSprinter und setzt diese seitdem auf der Strecke zwischen Nærum und Jægersborg ein. Auffälliger Unterschied zu den RegioSprintern der Rurtalbahn sind die großen, als Schneeräumer ausgebildeten Schienenräumer an den Fahrzeugenden.

Ab 2002 wurde der Betrieb auf der nur acht Kilometer langen Strecke[8] von der Lokalbanen A/S (LB) durchgeführt, die mehrere kleinere Bahngesellschaften im Raum Kopenhagen übernommen hat. Die Triebwagen gingen zu diesem Zeitpunkt in den Besitz der Hovedstadens Lokalbaner über, die sie an die LB vermietet. Ab dieser Zeit erhielten sie auch Zug um Zug den Lokalbanen-Anstrich in lichtgrau und gelb. Zum 1. Juli 2015 wurde die Lokalbanen A/S mit der Gesellschaft Regionstog (abgekürzt rt) zu Lokaltog A/S fusioniert; diese neue Gesellschaft umfasst diverse ehemals selbständige Privatbahnen auf Seeland und Lolland.

NÖVOG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Vogtlandbahn Ende 2015 fünf RegioSprinter zum Verkauf gestellt hatte, erwarb die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) fünf Fahrzeuge für insgesamt 3,5 Millionen Euro, um sie auf der Wachaubahn und der Bahnstrecke Retz–Drosendorf im touristischen Gelegenheitsverkehr einzusetzen.[9][10] In der Werkstatt der Vogtlandbahn in Neumark wurden die Fahrzeuge dazu mit einer geschlossenen Bordtoilette, einer neuen Klimaanlage und einer grau-goldenen Neulackierung ausgestattet. Erste Probefahrten auf der Wachaubahn fanden im März 2016 statt, am 31. März 2016 folgten die Präsentation der ersten drei Fahrzeuge und die ersten öffentlichen Fahrten. Die übrigen beiden Fahrzeuge sollen im Mai 2016 überführt werden.[9]

GW Train Regio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Verkehr zwischen Marianske Lazne und Karlovy Vary erwarb das tschechische Eisenbahnverkehrsunternehmen GW Train Regio 2015 die letzten drei der 17 RegioSprinter der Rurtalbahn, nachdem bereits zuvor RegioSprinter der Vogtlandbahn eingesetzt worden waren. Vor der Inbetriebnahme wurde eine Überholung durchgeführt, in deren Rahmen auch Toiletten eingebaut wurden.[9] Der blaue Streifen an der Fahrzeugseite entfiel, stattdessen wurden Aufkleber mit dem Logo von GW Train Regio angebracht.[11]

Technik und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die beiden Laufradsätze des Mittelteils mit der Magnetschienenbremse
Einstiegstür bei einem Fahrzeug der Rurtalbahn; im Hintergrund der Otmar-Alt-Sprinter

Die Fahrzeuge sind als Doppelgelenktriebwagen mit dieselmechanischem Antrieb ausgeführt. In den beiden längeren Endmodulen befinden sich die Führerstände und jeweils unter den hochflurigen Endabteilen eine der beiden Antriebseinheiten, die den einzelnen Lenkradsatz des jeweiligen Endmoduls antreiben. Zwischen den Endmodulen befindet sich ein wesentlich kürzeres, antriebsloses Modul mit zwei nicht angetriebenen Radsätzen. Das Design des Fahrzeugs wurde von Alexander Neumeister entworfen, der auch einzelne Baureihen des ICE, Shinkansen und Transrapid gestaltete.[3]

Die Antriebseinheiten bestehen aus Dieselmotor, dem Automatikgetriebe mit fünf Stufen, Anlasser, Luftfilter, Kühler und einem Schalldämpfer; sie benutzen einen gemeinsamen Tragrahmen, der unterhalb des Wagenkastens aufgehängt ist. Hersteller der Motoren, die ursprünglich für den Einsatz in Omnibussen entwickelt worden waren, ist MAN. Die Motoren der Fahrzeuge für die Rurtalbahn erfüllen die Abgasnorm Euro I, die Nærumbanen orderte eine stärkere Version mit Euro II-Motoren. Gebremst wird durch den in das Getriebe integrierten Retarder, elektropneumatische Bremsen mit Bremsscheiben an den Radsätzen und einer Magnetschienenbremse im Mittelteil des Fahrzeugs. Bei Schnellbremsung kann eine Bremsverzögerung von 2,73 m/s² erreicht werden; ein Wert, der sich auf dem Niveau von Straßenbahnfahrzeugen bewegt.[3]

Das Bordnetz des RegioSprinters führt eine Spannung von 24 Volt, bei laufendem Dieselmotor wird es durch eine Lichtmaschine, bei ausgeschaltetem Dieselmotor durch zwei Batterien mit einer Nennladung von 24 Ah gespeist. Über die Batterien kann der RegioSprinter auch an ein externes Stromnetz angeschlossen werden.[3]

Bei der Konstruktion des Wagenkastens zeigen sich erste Ansätze der Hybridbauweise: Wie in konventioneller Differenzialbauweise ist das Untergestell aus Aluminium verschweißt. Die Seitenwände sind in Anlehnung an die Straßenbahnfertigung geschraubt. Die Führerstandsmodule des RegioSprinters bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff und sind mit dem Wagenkasten verklebt. Das Dach ist in Sandwichbauweise mit zwei Aluminiumplatten und einer Innenschicht aus Kunststoff gefertigt, um Gewicht einzusparen und den Innenraum zu isolieren.[3]

Zwei Drittel des Fahrzeuges sind in Niederflurbauweise ausgeführt, die Einstiegshöhe beträgt 530 mm. Die Höhe des Innenraums vom Fußboden bis zur Decke beträgt somit bis zu 2.700 mm. Um die Fahrgastwechselzeit im Vergleich zu vorherigen Modellen leichter Dieseltriebwagen zu senken, sind breite Türen mit 1.300 mm lichter Weite eingebaut. Für Rollstuhlfahrer steht eine Rampe pro Fahrzeug zur Verfügung.[3] Die Bestuhlung ist in der Anordnung 2+3 eingebaut; auf eine Toilette wurde wegen der vorgesehenen geringen Reiseentfernungen verzichtet. Die Vogtlandbahn musste dennoch später sämtliche Fahrzeuge mit Toiletten nachrüsten, da anderenfalls ein grenzüberschreitender Einsatz nach Tschechien nicht möglich gewesen wäre.

Die Fahrzeuge der Rurtalbahn und der dänischen Nærumbane sind mit Schraubenkupplungen, diejenigen der Vogtlandbahn hingegen mit Scharfenbergkupplungen ausgerüstet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Latten: Jahrbuch europäischer Eisenbahnen 1997. transpress Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71042-7, Seite 9 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Website des Betreibers (in dänisch), abgerufen am 15. August 2011
  2. a b c Richard Latten: Jahrbuch europäischer Eisenbahnen 1997. transpress Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71042-7, Seite 22
  3. a b c d e f g Peter Jacques: Der DUEWAG-RegioSprinter. In: Eisenbahn-Kurier 4/95, S. 50-52.
  4. a b Bericht Schienenbus-Comeback. In: Eisenbahn-Kurier 2/95, S. 26-29.
  5. Moritz Lötzgen: Der RegioSprinter – Rurtalbahn auf baureihe6545.de.tl, abgerufen am 2. September 2015.
  6. Der Otmar-Alt-Sprinter. Website der Rurtalbahn GmbH, abgerufen am 2. September 2015.
  7. Der trilex mit regionalen Partnerschaften: Neuer Fahrzeugtyp ab Sonntag im Einsatz. Trilex, 10. April 2015, abgerufen am 20. Mai 2015.
  8. Richard Latten: Jahrbuch europäischer Eisenbahnen 1997. transpress Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71042-7, Seite 88
  9. a b c Jan Dvorák: RegioSprinters for Wachaubahn. In: Railvolution 2/2016, S. 13.
  10. 'Neue' Fahrzeuge für die NÖVOG. 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016.
  11. Regio Sprinter RVT. Bildergalerie auf der Webseite von GW Trains Regio, 23. Oktober 2015, abgerufen am 24. Mai 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: RegioSprinter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien