Regionalverband Ruhr

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Basisdaten
Staat: Deutschland
Land: Nordrhein-Westfalen
Verwaltungssitz: Essen
Fläche: 4.435 km²[1]
Gliederung: 4 Kreise,
11 kreisfreie Städte
Adresse der Verwaltung: Kronprinzenstraße 35
45128 Essen
Beschäftigte 460[2]
Regionaldirektorin: Karola Geiß-Netthöfel (SPD)
Website: www.rvr.ruhr
Bevölkerung
Einwohner: 5.135.136 (31. Dez. 2011)[3]
Bevölkerungsdichte: 1.158 Einwohner je km²
Ausländeranteil: 11,0 % (31. Dez. 2011)[4]
Arbeitslosenquote: 11,2 % (31. März 2013)[5]
Lage des Regionalverbandes in Nordrhein-Westfalen
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Über dieses Bild

Der Regionalverband Ruhr (RVR) mit Sitz in Essen ist der Zusammenschluss der 11 kreisfreien Städte und vier Kreise in der Metropole Ruhr mit rund 5,1 Millionen Einwohnern[3]. Der RVR ist die regionale Klammer für die Städte des Ruhrgebiets und Regionalplanungsbehörde für die „Metropole Ruhr“.[6] Der Verband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit dem Recht auf Selbstverwaltung durch seine Organe.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben und Tätigkeiten des Regionalverbandes Ruhr sind im RVR-Gesetz geregelt. Der RVR ist für die staatliche Regionalplanung in der Metropole Ruhr zuständig und ist Träger bedeutender Infrastrukturprojekte wie der Route der Industriekultur und des Emscher Landschaftsparks. Zu den ältesten Kernaufgaben des RVR zählen Schutz und Pflege der Umwelt durch die Sicherung von Freiflächen. Zu seinen gesetzlichen Aufgaben gehören zudem die regionale Wirtschafts- und Tourismusförderung sowie die Öffentlichkeitsarbeit für die Metropole Ruhr. Zusammen mit seinen kommunalen Partnern trägt er die sieben Revier- und Freizeitparks. Der RVR erhebt zudem Geo- und Klimadaten über die Region und stellt sie seinen Mitgliedskommunen u. a. für planerische Zwecke zur Verfügung. Zum Verbandsgebiet zählen die elf kreisfreien Städte Bochum, Bottrop, Duisburg, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie die vier Kreise Ennepe-Ruhr, Recklinghausen, Unna und Wesel. Der RVR wird durch die Umlage seiner Mitglieder finanziert und bei Projekten durch Fördermittel von Land, Bund und EU unterstützt.

Zudem ist er an zahlreichen Gesellschaften beteiligt, als Alleingesellschafter fungiert er bei der Ruhr Tourismus GmbH (RTG), der Business Metropole Ruhr GmbH (BMR) sowie der AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH. Organe des Verbandes sind die Verbandsversammlung, der Verbandsausschuss und die Regionaldirektorin. Die Verbandsversammlung setzt sich den Ergebnissen der Kommunalwahlen entsprechend zusammen. Alle Oberbürgermeister und Landräte der Region haben als Pflichtmitglieder Sitz und Stimme in der Verbandsversammlung und im Kommunalrat. Erstmals wird das Ruhrparlament im Jahr 2020 direkt gewählt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgebäude des Regionalverbands Ruhr in Essen

Gegründet wurde er als Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) 1920 als Zusammenschluss der Gemeinden und Kreise des Ruhrgebietes, um die Reparationsforderungen aus dem Versailler Vertrag erfüllen zu können. Etwa 150.000 Bergleute und etwa 600.000 weitere Menschen sollten im Ruhrgebiet zusätzlich angesiedelt werden, um den Ruhrbergbau zu unterstützen. Die Planung sollte vom Verband zentral gelenkt werden.

Der Essener Beigeordnete Robert Schmidt (1869–1934) war der geistige Vater und bis 1932 erster Verbandsdirektor des SVR. Im Auftrag des Düsseldorfer Regierungspräsidenten und von Revier-Kommunen entwarf er 1912 einen Generalsiedlungsplan für die Region zwischen Emscher und Ruhr. Der Plan war politisch nicht mehrheitsfähig, bildete aber die geistige Grundlage der ersten überörtlichen Ruhrgebiets-Organisation. Am 5. Mai 1920 gaben die Reichsregierung, die preußische Landesversammlung und die beteiligten Ruhrgebietsstädte grünes Licht für die Gründung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk.

Vorbild für den SVR waren die damaligen Berliner Vororte. Diese hatten sich in den Jahren 1911/12 mit der Stadt Berlin zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, der die Keimzelle von Groß-Berlin bildete. Der SVR war der erste Siedlungsverband in Deutschland mit einer gesetzlichen Grundlage, die ihm weitreichende Planungsaufgaben zuwies.

Ein Ziel des SVR war es, eine Zersiedlung zu verhindern, damit unverzichtbare Grün- und Freiflächen erhalten werden konnten. Dazu wurden mehrere Regionale Grünzüge definiert, deren Nord-Süd-Verlauf bis heute zwischen den Städten im Ballungsraum des Ruhrgebietes erhalten ist. Bereits in der Gründungsphase des SVR wurden Projekte wie der Ruhrschnellweg, eine Regionalschnellbahn und die Revierparks vorgedacht. Durch den Bau von Verbandsstraßen und die 1925 eingeführte einheitliche Ortsbeschilderung sollte das Ruhrgebiet auch verkehrstechnisch zusammenwachsen.

Im Jahr 1933 während des Nationalsozialismus wurde die Organisation gleichgeschaltet, unter anderem, um auch der Wirtschaft mehr Einfluss zu sichern.

In den 1950er Jahren entwickelte der SVR Städtebauprojekte wie beispielsweise die Neue Stadt Wulfen.

Nachhaltigen Einfluss hatte der SVR vor allem in den 1960er Jahren. Eines der größten Projekte war zu dieser Zeit die Planung und Organisation der städteübergreifenden Abfallentsorgung.

Die Aufgaben des Verbandes bei der Raumordnung und beim Städtebau wurden 1962 im Landesplanungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen festgelegt, 1975 jedoch eingeschränkt und 1979 mit dem Gesetz über den Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) für weitere 25 Jahre geregelt.

Zum 1. Oktober 2004 wurde der Kommunalverband Ruhrgebiet mit der Änderung des Verbandsgesetzes durch den Landtag Nordrhein-Westfalen in Regionalverband Ruhr umbenannt. Dabei erhielt er erweiterte Zuständigkeiten in der regionalen Selbstverwaltung.

Auf Initiative des damaligen Dortmunder Oberbürgermeisters Gerhard Langemeyer (SPD) bekannten sich zahlreiche Oberbürgermeister und Landräte des Ruhrgebietes am 28. Februar 2008 zu einem Grundsatzpapier „Städtebund Ruhr – für eine neue Kultur der Kooperation in der Metropole Ruhr gegen neue Bürokratie“. Eine Gründung eines „Städtebundes Ruhr“ nach Langemeyers Vision wurde von verschiedenen Seiten heftig kritisiert, so unter anderem vom damaligen RVR-Vorsitzenden Heinz-Dieter Klink (SPD) und vom damaligen Oberbürgermeister Essens Wolfgang Reiniger (CDU).[7]

Verbandsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahlergebnis im RVR 2014
in Prozent
 %
40
30
20
10
0
39,0 %
30,2 %
10,4 %
5,5 %
4,2 %
3,3 %
2,6 %
2,1 %
2,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+0,4 %p
-1,3 %p
-0,4 %p
-0,4 %p
-0,6 %p
-3,7 %p
+2,6 %p
+2,1 %p
+1,3 %p
Sitzverteilung in der
Verbandsversammlung des RVR 2014
         
Insgesamt 138 Sitze

Der Regionaldirektor ist gesetzlicher Vertreter des RVR. Er wird von der Verbandsversammlung auf sechs Jahre gewählt. Derzeitige Regionaldirektorin ist seit dem 1. August 2011 die ehemalige Regierungsvizepräsidentin in Arnsberg Frau Karola Geiß-Netthöfel (SPD). Bereichsleiter sind Martin Tönnes (Grüne), Stellvertreter der Regionaldirektorin, zuständig für Planung, Dieter Funke (SPD), zuständig für Wirtschaft, Personal und Recht, sowie Ulrich Carow (SPD), zuständig für Umwelt.

Der Verbandsversammlung („Ruhrparlament“) gehören auf sechs Jahre gewählte Vertreter der Stadträte beziehungsweise Kreistage und seit der letzten Änderung des Verbandsgesetzes auch die Oberbürgermeister und Landräte an. Aktuell gibt es in der Verbandsversammlung folgende Sitzverteilung nach Fraktionen (Stand September 2014):

CDU SPD GRÜNE DIE LINKE FDP PIRATEN FW NRW AfD Fraktionslos Gesamt
51 42 17 9 6 4 3 3 3 138
UBP 1
GFL 1
Unabhängig 1

Aufgrund einer Ungenauigkeit in der Regelung der Ausgleichsmandate vergrößerte sich die aktuelle Verbandsversammlung von eigentlich 71 auf 163 Sitze. Da die SPD jedoch eine zu kurze Reserveliste aufgestellt hatte, blieben 25 SPD-Sitze unbesetzt. Somit hat die aktuelle Verbandsversammlung 138 Mitglieder.[8]

SPD und Grüne bildeten bis 2014 eine Koalition. Durch die Vergrößerung der Verbandsversammlung und die freibleibenden SPD-Sitze hat diese Koalition jedoch ihre Mehrheit verloren. Nach Gesprächen mit CDU und FDP sollte eine CDU-SPD-Grüne-FDP-Koalition gebildet werden. Die FDP zog sich jedoch aus den Gesprächen zurück. Somit bilden CDU, SPD und Grüne jetzt eine sogenannte „Afghanistan-Koalition“.[9]

Außerdem gehören zehn beratende Mitglieder als Vertreter von Gewerkschaften, Arbeitgeberverband, Industrie- und Handelskammer, Naturschutzverband und ähnlichem an.

Regionaldirektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwaltungsorganisation des Regionalverband Ruhr

Hinweis: Die in Klammern aufgeführten kreisangehörigen Gemeinden und Städte sind keine eigenständigen Mitglieder des RVR; Mitglieder sind jedoch die jeweils zuständigen Kreise.

Im Kreis Wesel und in Hagen gab es Bestrebungen, den RVR zu verlassen. Der Kreistag des Kreises Wesel verfehlte die Zweidrittelmehrheit im September 2008 knapp.[10] Auch im Rat der Stadt Hagen wurde die hierfür benötigte Zweidrittelmehrheit im Oktober 2008 knapp verfehlt.[11] Beide Gremien können frühestens nach zehn Jahren wieder damit befasst werden, ob sie den RVR verlassen oder nicht.

Natur und Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regionalverband Ruhr besitzt etwa 16.000 Hektar Land, davon sind 13.500 Hektar Wald. Bei den Eigentumsflächen handelt es sich um große und kleine Waldnaherholungsgebiete, Seen und rekultivierte Bergbaufolge- und Haldenlandschaften.[12]

Der Regionalverband Ruhr besitzt Flächen in 55 ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Insgesamt sind rund 3.000 Hektar seiner 16.000 Hektar Eigentum als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die wichtigsten Naturschutzgebiete die ganz bzw. teilweise dem Regionalverband gehören sind der Beversee im Kreis Unna, Die Burg in Marl, der Heidesee in Bottrop, Langener Hufeisen im Kreis Unna, der Lanstroper See in Dortmund, die Üfter Mark im Kreis Wesel und Kreis Recklinghausen und das Oefter Bachtal in Essen.[13]

Der Regionalverband Ruhr ist Mitträger des Landschaftsparks Niederrhein. Neben dem RVR sind die anderen Träger die Kommunen Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg.[14]

Der Regionalverband Ruhr betreibt seit 1995 bei Hamm-Bossendorf am Forsthof Haard eine Auffang- und Ausgewöhnungsstation für Greifvögel und Eulen. Die Station kümmert sich um verletzte, kranke oder verwaiste Greifvögel und Eulen. Eingelieferte Vögel werden medizinisch versorgt und gepflegt. Sobald die Vögel wieder fit sind, erfolgt deren Freilassung. Vor dem Freilassen erfolgt eine Beringung. In der Station werden im Durchschnitt 70 bis 80 Tiere gepflegt. Die Station bietet Vorträge interessierten Personen bzw. Gruppen an. In den Vorträgen wird über heimische Greifvögel und Eulen und die Falknerei informiert.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regionalverband Ruhr: Zahlenspiegel (PDF)
  2. Regionalverband Ruhr: Über uns. 9. Februar 2018, abgerufen am 4. Juli 2018.
  3. a b Bevölkerungsentwicklung seit 1961 Regionalverband Ruhr. Abgerufen am 16. August 2018.
  4. Ausländische Bevölkerung am 31. Dezember 2011 (PDF; 94 kB). Regionalverband Ruhr. Abgerufen am 26. April 2013.
  5. Arbeitsmarkt im Ruhrgebiet monatlich. Regionalverband Ruhr. Abgerufen am 26. April 2013.
  6. https://www.metropoleruhr.de/
  7. Ruhrbarone.de
  8. http://nachrichtenheutede.com/riesiges-ruhrparlament-wohl-nicht-mehr-zu-verhindern/
  9. http://www.ruhrbarone.de/ruhrparlament-afghanistan-koalition-gestartet/90465
  10. RP-online.de
  11. Reinhard Kolwe: Hagen spielt weiter im Revier-Orchester. RVR-Mitgliedschaft. DerWesten.de, 17. Oktober 2008, abgerufen am 2. September 2013.
  12. Homepage des Regionalverband Ruhr
  13. Homepage des Regionalverband Ruhr
  14. Homepage des Regionalverband Ruhr
  15. Homepage des Regionalverband Ruhr

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regionalverband Ruhr (Hrsg.): Unter freiem Himmel / Under the Open Sky. Birkhäuser Verlag, 2010, ISBN 978-3-0346-0266-2
  • Regionalverband Ruhr (Hrsg.): Feldstudien/ Field studies. Birkhäuser Verlag, 2010, ISBN 978-3-0346-0260-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Regionalverband Ruhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Verbandsgebäude des Regionalverband Ruhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 26′ 48,5″ N, 7° 1′ 14,8″ O