Registrierter Bericht

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Der registrierte Bericht (engl. registered report) ist im Rahmen des Begutachtungsprozesses von Fachzeitschriften ein Format, um wissenschaftlichem Fehlverhalten wie HARKing und p-Hacking und anderen Problemen beim Testen von Theorie entgegenzutreten.[1]

Problemstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel beim empirisch-quantitativen Testen von Theorie (vgl. statistischer Test) ist es, die Anwendbarkeit einer Theorie zu überprüfen. Der traditionelle Begutachtungsprozess honoriert jedoch in manchen Fachgebieten Ergebnisse, die eine Theorie stützen, in anderen Fachgebieten solche Ergebnisse, die besonders neuartig sind und herkömmlichen Theorien widersprechen. Der Einfluss solcher Erwartungen an die Studienergebnisse macht das Testen von Theorie praktisch nutzlos. Wissenschaftliches Fehlverhalten, das darauf zielt, solche Erwartungen zu erfüllen, etwa HARKing und p-Hacking, verstärkt das Problem.

Ein verwandter Problemfall ist es, wenn Gutachter oder Herausgeber von Autoren im Rahmen des Begutachtungsverfahren fordern, eine „passendere“ Theorie zu verwenden als ursprünglich geplant – häufig um die vorgenannten Erwartungen an Studienergebnisse zu erfüllen. Solche Forderungen führen dazu, dass Autoren nun im Nachgang solange nach einer „passenden“ Theorie suchen, bis diese von den Daten bestätigt wird. Diese Theorie ersetzt dann im Manuskript die ursprüngliche Theorie und die Reihenfolge Hypothesenbildung–Hypothesentest wird damit unzulässigerweise verkehrt. Dies hat zur Folge, dass sich letztlich Theorien in Veröffentlichungen immer so verhalten, wie es von den Gutachtern bzw. Herausgebern ohnehin erwartet wurde. Die ursprünglich nicht zum Testen dieser Theorie erhobenen Daten stützen nun scheinbar diese Erwartungen. Dadurch etablieren sich Theorien, die eigentlich nutzloser sind, als es derartige veröffentlichte Artikel suggerieren. Auch dieser Problemfall macht das Testen von Theorie praktisch nutzlos.

Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem registrierten Bericht erstellen Autoren einer Studie einen Antrag, der den theoretischen und empirischen Hintergrund, Forschungsfragen und Hypothesen sowie ggf. Pilotdaten enthält. Nach Einsendung bei der Fachzeitschrift wird der Antrag – nicht wie üblich das Manuskript – begutachtet, noch bevor die eigentlichen Daten erhoben werden. Im Falle einer positiven Begutachtung wird das nach Datenerhebung zu erstellende Manuskript unabhängig von den Studienergebnissen veröffentlicht.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Promoting reproducibility with registered reports. In: Nature Human Behaviour. 1, 2017, S. 34, doi:10.1038/s41562-016-0034.
  2. Streamlined review and registered reports soon to be official at EJP – ejp-blog.com (englisch)