Regjeringskvartalet

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Blick vom Youngstorget auf das Regjeringskvartalet

Das Regjeringskvartalet (deutsch: Regierungsviertel) ist das Gebiet in der norwegischen Hauptstadt Oslo, in dem sich der Großteil der Regierungsgebäude befinden. Die Gebäude erstrecken sich größtenteils entlang der Akersgata, im Norden des Osloer Stadtzentrums. In diesem Bereich wurde der erste Teil der Anschläge in Norwegen 2011 durch den Rechtsextremisten Anders Behring Breivik ausgeübt, weshalb seitdem die Gebäude teilweise nicht für Regierungszwecke verwendet werden. 2014 wurde ein größerer Umbau des Gebiets beschlossen, der bis 2029 abgeschlossen werden soll.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Regierungsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

G-blokken, heutiger Sitz des Finanzministeriums

Im 19. Jahrhundert wurden im Bereich des heutigen Regierungsviertels mehrere Krankenhausgebäude errichtet. Das Stadtviertel hieß zu diesem Zeitpunkt Empirekvartalet. Nachdem 1883 das Krankenhaus verlegt wurde, wurde das Gebiet als Ort für die Regierungsbüros bestimmt, auch weil es nicht weit entfernt vom Nationalparlament Storting liegt.

Der Architekt Stener Lenschow gewann 1891 den ausgerufenen Architekturwettbewerb für das angedachte Regierungsgebäude. Lenschows Plan war es, ein Gebäude im Stile der Neorenaissance zu errichten. Nachdem der Architekt jedoch erkrankte übernahm Henrik Bull die Bauarbeiten und er änderte Lenschows Pläne ab, so dass ein Gebäude im Jugendstil entstand. 1906 wurde der Südflügel fertiggestellt, der Rest der Pläne wurde allerdings nie umgesetzt. Das Gebäude erhielt den Namen G-blokken (deutsch: G-Block).[1][2]

Weitere Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1939 wurde ein neuer Wettbewerb ausgerufen, um das Regierungsviertel zu erweitern. Dieses Anliegen wurde allerdings durch den Zweiten Weltkrieg und der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen unterbrochen. 1946 kürte die Jury einen Entwurf von Erling Viksjø zum Gewinner, durch einen Streit um dessen geplanten Abriss der ehemaligen Krankenhausgebäude dauerte es jedoch bis 1954 bis das Storting den Entwurf genehmigte. 1959 wurde der Høyblokken fertiggestellt, in der obersten Etage lag der Konferenzraum der norwegischen Regierung.[3]

Im Jahr 1970 wurde der Y-blokken (deutsch: Y-Block) fertiggestellt, der dem UNESCO-Gebäude in Paris nachempfunden ist. 1978 folgte der S-blokken (deutsch: S-Block), der eine Fassade aus roten Ziegeln bekam. Dieses Gebäude wurde zur Unterbringung des Arbeits- sowie des Gesundheitsministeriums verwendet. Das Gefängnis in der Møllergata 19 wurde 1981 zu einem Regierungsgebäude umfunktioniert. Als viertes Regierungsgebäude folgte 1988 das R4 und 1996 wurde das R5 eröffnet. Seit 2012 besteht auch das R6.[1]

Terroranschlag am 22. Juli 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschädigtes Gebäude des Öl- und Energieministeriums

Am 22. Juli 2011 begann der rechtsextreme Terrorist Anders Behring Breivik sein politisch motiviertes Attentat mit einer Autobombe im Regjeringskvartalet, bevor er einen weiteren Angriff auf der Insel Utøya ausübte. Durch den Anschlag im Regierungsviertel starben acht Menschen und die Gebäude wurden beschädigt. Dabei wurden die Büros von etwa 1800 Angestellten unbrauchbar. Somit mussten unter anderem sechs Ministerin sowie die Staatskanzlei anderweitig untergebracht werden.[4] Die Staatskanzlei zog in die Festung Akershus um.[5] Eine Untersuchung zeigte, dass es grundsätzlich nicht notwendig gewesen wäre, eines der beschädigten Gebäude aufgrund der Schäden komplett abzureißen.[6]

Neuplanung des Viertels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vergleichsweise schwächer beschädigten Gebäude, darunter das R5, wurden schnell wieder in Betrieb genommen. 2012 wurde im Verwaltungsministerium unter Ministerin Rigmor Aasrud bekannt gegeben, dass ein Plan für die Erneuerung des Regierungsviertels unter Leitung der Baubehörde Statsbygg ausgearbeitet werden soll. Die im Oktober 2013 gebildete Regierung Solberg beschloss 2014, dass die Gebäude S-blokken, Y-blokken und R4 abgerissen werden sollen, während der Høyblokken und der G-blokken behalten werden sollten.

Im Jahr 2019 begannen die Abrissarbeiten für das R4. Der geplante Abriss des Y-blokken war am stärksten umstritten, da er als Symbol für die Politik Norwegens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gilt.[1] Die Arbeiten für den Abriss begannen schließlich im März 2020. Der anvisierte Beginn der Neubaumaßnahmen liegt im Jahr 2021.[7] Die Bauarbeiten sollen in drei Bereiche unterteilt werden. Im Jahr 2025 sollen der A- und D-blokken fertiggestellt sein. Der zweite Abschnitt ist der Bau des C-blokken. Zum dritten Bereich gehören die Errichtung des B- und E-blokken sowie die Renovierung des G-Blocks. Dabei sollen auch die Kellerbereiche der meisten Regierungsgebäude verbunden werden. Im Høyblokken ist geplant, zwei Etagen zu entfernen und die restlichen Etagen zu renovieren.[8]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

G-blokken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der G-blokken (deutsch: G-Block) wurde 1906 eröffnet und ist damit das älteste Regierungsgebäude im Viertel. Es trägt deshalb auch den Namen Gamle regjeringsbygning (deutsch: Altes Regierungsgebäude). Henrik Bull übernahm die Leitung als Architekt. Dort untergebracht ist das norwegische Finanzministerium, das Finansdepartementet. Während des Angriffes 2011 wurde es nur leicht beschädigt und schnell wieder verwendet. Das Grundstück ist etwa 2900 m² groß, die Adresse ist Akersgata 40.[9]

Høyblokken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Høyblokken (deutsch: Hoher Block; auch H-blokken) wurde 1959 fertiggestellt. Als Architekt diente Erling Viksjø.[10] Die ursprüngliche Höhe lag bei 48,5 Metern. In der obersten Etage befand sich der Konferenzraum der norwegischen Regierung. 1990 wurde das Gebäude um zwei weitere Etagen erweitert, so dass eine Höhe von nun 56 Metern erreicht wurde.[3] Der Plan für die Renovierung nach dem Bombenangriff auf das Regjeringskvartalet sah zunächst vor, um weitere vier Etagen aufzustocken. Nachdem allerdings beschlossen wurde, dass die Staatskanzlei (Statsministerens kontor) nicht wieder dort einziehen werde, sondern im neugebauten D-blokken untergebracht werden soll, wurde der Plan geändert. Entsprechend sollen nun die 1990 angefügten Etagen entfernt werden.[11]

Y-blokken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Y-blokken (2006)

Der Y-blokken (deutsch: Y-Block) wurde von 1967 bis 1969 erbaut. Architekt war Erling Viksjø.[2] Den Namen erhielt das Gebäude aufgrund seines Y-förmigen Grundrisses.[12] Er wurde mit Werken basierend auf Skizzen von Pablo Picasso, welche in die Wände gefräst wurden, dekoriert.[10] Das Gebäude wurde auf dem frei gewordenen Platz des 1962 abgerissenen Militärkrankenhauses (Militærhospitalet) errichtet.[3] Durch den Bombenangriff im Jahr 2011 wurde der Y-blokken stärker beschädigt. Der weniger beschädigte Teil des Baus wurde nach einer Grundrenovierung wieder für Büros und als Lager verwendet.

Im Mai 2014 wurde beschlossen, das Gebäude abzureißen. Im Bericht zu diesem Beschluss wurde allerdings angemerkt, dass bedeutende kulturhistorische Werte dadurch verloren gingen, aber durch die Entfernung des Gebäudes eine insgesamt für die Stadt bessere Lösung gefunden werden könne. Nach einigen gerichtlichen Auseinandersetzungen begannen die Abrissarbeiten im März 2020.[6] Zuvor hatte Valgerd Svarstad Haugland, Fylkesmann von Oslo und Viken, den Abriss erlaubt, die Regierung allerdings gebeten, ihren Beschluss erneut zu überdenken.[13]

S-blokken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der S-blokken (deutsch: S-Block) wurde von 1976 bis 1978 errichtet, nachdem das Gefängnis an der Møllergata 19 abgerissen wurde. Für das Gebäude mit roter Ziegelfassade war das Architekturbüro von Erling Viksjø verantwortlich. Bis zum Anschlag 2011 war dort das Gesundheitsministerium sowie das Arbeitsministerium untergebracht. Das Gebäude wurde schließlich aufgrund der Schäden im Jahr 2015 abgerissen. Die Adresse war Einar Gerhardsens plass 3 und es lag somit am Youngstorget.[3]

R4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regjeringsbygg 4 (deutsch: Regierungsgebäude 4; kurz R4) wurde in den Jahren 1985 bis 1988 gebaut und hatte neun Etagen auf 25.700 m². Im R4 waren das Öl- und Energieministerium sowie das Wirtschafts- und Handelsministerium untergebracht.[3] Durch den Bombenangriff im Jahr 2011 wurde das Gebäude stark beschädigt. Im Mai 2014 wurde bekannt gegeben, dass das Gebäude abgerissen werden sollte. Der Abriss wurde 2020 abgeschlossen.[8][14] Die Adresse war Einar Gerhardsens plass 1.

Møllergata 17[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude in der Møllergata 17 wurde 1988 am Einhard Gerhardsens plass vom Architekturbüro Viksjø errichtet. Das Gebäude war ein integrierter Teil des R4 und wurde gemeinsam mit diesem im Jahr 2020 abgerissen.[10][14]

Møllergata 19[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1981 wurde das bereits 1866 errichtete Gebäude an der Adresse Møllergata 19 zum Regierungsgebäude umfunktioniert. Dort wurde die Organisation der Ministeriumsgebäude (Departementenes sikkerhets- og serviceorganisasjon) untergebracht.[3]

Grubbegata 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude an der Grubbegata 1 wurde von 1937 bis 1940 als Gericht für Oslo (Oslo tinghus) errichtet. Als Architekt fungierte Ove Bang, der im Jahr 1936 den angesetzten Architektenwettbewerb gewann. 1994 zog das Gericht um und 1998 wurde das Gebäude durch einen Umbau in ein Regierungsgebäude umfunktioniert. Das Ministerium wurde in der Folge vom Fischereiministerium und vom Kulturministerium genutzt.[15][16]

R5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regjeringsbygg 5 (deutsch: Regierungsgebäude 5; kurz R5) wurde zwischen 1994 und 1996 erbaut. Die Bauleitung übernahm das Architekturbüro von Torstein Ramberg. Für den Bau mussten mehrere historische Gebäude abgerissen werden. Das R5 beheimatet das Verkehrs-, das Kommunal- und Modernisierungs-, das Öl- und Energie- sowie das Kinder- und Familienministerium.[3][17]

R6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regjeringsbygg 6 (deutsch: Regierungsgebäude 6; kurz R6) wurde in der Zeit von 2009 bis 2012 errichtet. Dazu wurde ein Gebäude in der Keysers gate abgerissen, ein weiteres restauriert und in der Teatergata wurde ein Teil neu gebaut. Die Bebauung wird vom Gesundheits- und Fürsorgeministerium sowie vom Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung verwendet.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Regjeringskvartalet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ulf Grønvold: Regjeringskvartalet. In: Store norske leksikon. 13. November 2019 (norwegisch, snl.no [abgerufen am 10. April 2020]).
  2. a b Regjeringskvartalet (Memento vom 10. April 2020 im Internet Archive)
  3. a b c d e f g Regjeringskvartalet. In: Oslo Byleksikon. Abgerufen am 10. April 2020 (norwegisch).
  4. Leif Stang, Marte Ericsson Ryste, Olav Njølstad: Bombeangrepet på regjeringskvartalet. In: Store norske leksikon. 8. November 2017 (norwegisch, snl.no [abgerufen am 10. April 2020]).
  5. TV 2 AS: Statsministerens kontor flyttes til Akershus festning. Abgerufen am 10. April 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  6. a b Y-blokken (Memento vom 17. März 2020 im Internet Archive)
  7. Bygging (Memento vom 13. Mai 2020 im Internet Archive)
  8. a b Nytt regjeringskvartal. Statsbygg, abgerufen am 13. November 2020 (norwegisch).
  9. Regjeringskvartalet, G-blokk (Memento vom 10. April 2020 im Internet Archive)
  10. a b c Kunst, arkitektur og bygninger i regjeringskvartalet. In: regjeringen.no. 12. November 2018, abgerufen am 10. April 2020 (norwegisch).
  11. Arve Henriksen Journalist: Høyblokken skal tilbake til 1958-versjon. Abgerufen am 10. April 2020 (nb-NO).
  12. Kim Christian Priemel: Regierungsviertel von Oslo: Wie Norwegen um seine Zukunft ringt. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. Juni 2020]).
  13. Fylkesmannen: Y-blokka kan rives, men tenk dere om én gang til først. In: tu.no. 11. November 2019, abgerufen am 13. April 2020 (norwegisch).
  14. a b Riving av Regjeringsbygg 4 (R4). (PDF) Statsbygg, abgerufen am 13. November 2020 (norwegisch).
  15. Regjeringskvartalet, Grubbegata 1 (Memento vom 20. April 2020 im Internet Archive)
  16. Grubbegata. In: Oslo Byleksikon. Abgerufen am 13. November 2020 (norwegisch).
  17. Regjeringskvartalet, R5 (Memento vom 10. April 2020 im Internet Archive)
  18. Regjeringskvartalet, R6 (Memento vom 21. März 2020 im Internet Archive)