Regula Benedicti

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Der hl. Benedikt übergibt seine Regel an den hl. Maurus und andere Mönche; frz. Miniatur aus einem Manuskript der Regula Benedicti, Abtei Saint-Gilles, 1129
Der hl. Benedikt schreibt seine Regel, Herman Nigg (1926)

Die Benediktsregel oder Benediktinerregel, auch Benediktusregel (lat. Regula Benedicti [RB]), ist ein von Benedikt von Nursia verfasstes Klosterregularium, das er für das von ihm gegründete Gemeinschaftskloster Monte Cassino in Mittelitalien aufstellte. Seit ihrer Abfassung im frühen Mittelalter (um 540) ist sie die Grundlage des Ordens der Benediktiner (Ordo Sancti Benedicti, OSB).

Geschichte und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbild war die so genannte Magisterregel (Regula Magistri), neben der auch Einflüsse der Augustinusregel erkennbar sind. Die Benediktsregel (RB) versteht sich als Anleitung für Anfänger im klösterlichen Leben und empfiehlt als Ergänzung für Fortgeschrittene die Regel des heiligen Basilius von Caesarea. Die RB besteht aus einem Prolog und 73 Kapiteln.

  • Der Prolog und die Kapitel 1 bis 3 umfassen Grundlegendes zum Mönchsleben.
  • Die Kapitel 4 bis 7 befassen sich mit monastischen Tugenden wie Gehorsam, Schweigen und Demut.
  • Die Kapitel 8 bis 20 treffen Anordnungen zum opus Dei, dem Gottesdienst.
  • Die Kapitel 21 bis 30 klären Strafen für Verstöße gegen die Regel.
  • Die Kapitel 31 bis 57 beschreiben Klosterverwaltung, Arbeit, Versorgung der Mönche, Gastfreundschaft und Handwerk.
  • Die Kapitel 58 bis 66 regeln die Aufnahme von Novizen, die Rangordnung in der Gemeinschaft, die Einsetzung von Prior und Abt und die Aufgaben des Pförtners. Gemäß Kapitel 58 umfasst das Ordensgelübde die Versprechen von Beständigkeit (Stabilitas loci, das heißt Bindung an ein bestimmtes Kloster), klösterlichem Lebenswandel und Gehorsam.
  • Die Kapitel 67 bis 72 widmen sich dem Umgang der Brüder untereinander.
  • Kapitel 73 ist ein Epilog.

Die RB war ursprünglich wohl als Handreichung für die Bewohner von Benedikts eigenem Kloster auf dem Monte Cassino gedacht. Das Dokument war nach der Zerstörung des Klosters 577 für einige Jahrzehnte nicht nachweisbar, tauchte dann aber in Gallien auf, wo am Konzil von Autun[1] (um 670) die weitflächige Übernahme der RB in allen Klöstern bestimmt wurde. Sie sollte insbesondere die Regel des iro-schottischen Mönchs Columban (der Jüngere) ablösen, die in Luxeuil galt und durch die intensive iro-schottische Mission weite Verbreitung fand.[2] Die RB verbreitete sich immer mehr in Europa; manche Klöster verwendete freilich mehrere, etwa RB und die Columban-Regel gleichzeitig.

Erst durch die Reformen von Benedikt von Aniane wurde die RB mit Unterstützung Ludwigs des Frommen zunächst im Frankenreich und dann im gesamten Abendland zur dominanten Mönchsregel. Kaiser Ludwig, Sohn und Nachfolger Karls des Großen, festigte die Stellung der Regel noch mehr durch die Beschlüsse der Synode von Aachen (816–819).

Als Ergänzung zur Regel entstanden im Laufe der Zeit so genannte Consuetudines („Gewohnheiten“). Diese galten für einzelne Klöster oder ganze Klosterverbände. Trotz der einheitlichen Ordnung waren somit auch lokale Besonderheiten möglich.

Nicht nur die Benediktiner und Benediktinerinnen leben nach der Regel. Auch die Mitglieder der Zisterzienser- und Trappistenorden verwenden sie, wie auch Kamaldulenser und eine große Anzahl anderer. Die Regel hat einen weitreichenden Einfluss über das gesamt abendländische Mönchtum ausgeübt.

Die im Kapitel 48 der RB vorgeschriebene Bibellektüre kann als wegweisend für die Entwicklung mittelalterlicher Klosterbibliotheken gesehen werden. Durch das regelmäßige Bibelstudium ergab sich implizit eine Verpflichtung der Klöster zur Bereitstellung von Büchern in ihren Bibliotheken.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühdruck auf Italienisch (1495)

Textausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sancti Benedicti Regula monasteriorum. Ed. critico-practicam adornavit Cuthbertus Butler. 3. Auflage, Freiburg im Breisgau 1935.
  • Basilius Steidle (Hrsg.): Die Benediktus-Regel: lateinisch-deutsch. Beuron 1975; 4. Auflage ebenda 1980, ISBN 3-87071-023-3.
  • Benedicti regula (= Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum. Bd. 75). Ed. von Rudolf Hanslik. Wien 1960.
  • Die Benediktusregel (lateinisch/deutsch). Hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. Beuron 1992.
  • RB 1980. The Rule of St. Benedict, in Latin and English with notes. Ed. Timothy Fry. Collegeville, Minn. 1981.
  • Die Benediktsregel, lateinisch/deutsch, mit der Übersetzung der Salzburger Äbtekonferenz. Hrsg. von P. Ulrich Faust OSB, Stuttgart 2009.
  • Die Regel des heiligen Benedikt. Hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. 2. Auflage, Beuron 2008.
  • Die Benediktsregel. Übersetzt von Gernot Krapinger. Herausgegeben von Ulrich Faust. Stuttgart 2018.

Kommentare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Holzherr: Die Benediktsregel. Eine Anleitung zu christlichem Leben. 7., überarbeitete Auflage. Freiburg/Schweiz 2007.
  • Michaela Puzicha/Johannes Gartner: Quellen und Texte zur Benediktusregel. St. Ottilien 2007.
  • Michaela Puzicha: Kommentar zur Benediktusregel. EOS Verlag 2002, zweite Auflage 2015, ISBN 978-3830677321.
  • Basilius Steidle: Die Regel St. Benedikts. Eingeleitet, übersetzt und aus dem alten Mönchtum erklärt. Beuron 1952.
  • Adalbert de Vogüé: Die Regula Benedicti. Theologisch-spiritueller Kommentar (= Regulae Benedicti studia. Supplementa 16), Hildesheim 1983 (franz. Originaltitel: La règle de Saint Benoît).

Literatur zu Einzelfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aquinata Böckmann: Perspektiven der Regula Benedicti. Ein Kommentar zum Prolog und den Kapiteln 53, 58, 72, 73 (= Münsterschwarzacher Studien. Bd. 37), Münsterschwarzach 1986.
  • Edward Cuthbert Butler: Benediktinisches Mönchtum. Studien über benediktinisches Leben und die Regel St. Benedikts. St. Ottilien 1929 (engl. Originaltitel: Benedictine monachism).
  • Teresa Karin Fischediek: Das Gehorsamsverständnis der „Regula Benedicti“. Der Gehorsam als Grundlage für ein exemplarisch christliches Gemeinschaftsleben (= Regulae Benedicti Studia. Supplementa, Bd. 13). St. Ottilien 1993.
  • Bernd Jaspert: Die Regula-Benedicti-Regula-Magistri-Kontroverse (= Regulae Benedicti Studia. Supplementa 3), Hildesheim 1975 (2. Auflage 1977).
  • Basilius Steidle: Beiträge zum alten Mönchtum und zur Benediktusregel. Mit einem Vorwort und einer Einführung hrsg. von Ursmar Engelmann, Sigmaringen 1986.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Regula Benedicti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hubert Mordek: Kirchenrecht und Reform im Frankenreich. Die Collectio Vetus Gallica, die älteste systematische Kanonessammlung des fränkischen Gallien. Berlin 1975, S. 84 ff.
  2. Odette Pontal: Die Synoden im Merowingerreich. Paderborn u. a. 1986, S. 197 f.