Rehabilitation

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Rehabilitation (mittellat.: rehabilitatio, „Wiederherstellung“). kurz: Reha bezeichnet eine Sozialleistung zur Wiedereingliederung einer kranken, körperlich oder geistig behinderten oder von Behinderung bedrohten Person in das berufliche und gesellschaftliche Leben (§ 1 SGB IX).[1]

In der Suchttherapie spricht man von Rekuperation.

Die Rehabilitierung bezeichnet dagegen in der Rechtssprache das Wiederherstellen der verletzten Ehre einer Person und die Wiedereinsetzung in frühere Rechte.[2] Beispiele sind bestimmte Maßnahmen der Entstalinisierung in der UdSSR ab 1953/1954, die Wiedergutmachung von staatlichem Unrecht, das in der Sowjetischen Besatzungszone oder der DDR verübt wurde durch das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz von 1992 oder die Aufhebung von Urteilen des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege aus dem Jahr 1998.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Definition der Rehabilitation findet sich im Technical Report 668/1981 der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dort heißt es: „Rehabilitation umfasst den koordinierten Einsatz medizinischer, sozialer, beruflicher, pädagogischer und technischer Maßnahmen sowie Einflussnahmen auf das physische und soziale Umfeld zur Funktionsverbesserung zum Erreichen einer größtmöglichen Eigenaktivität zur weitestgehenden Partizipation in allen Lebensbereichen, damit der Betroffene in seiner Lebensgestaltung so frei wie möglich wird.“[3]

Träger und Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Regelungen für das Recht der Rehabilitation und der Teilhabe behinderter Menschen enthält das Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX).

Reha-Träger können gem. § 6 SGB IX die gesetzlichen Krankenkassen, die Bundesagentur für Arbeit, die gesetzliche Unfallversicherung , die gesetzliche Rentenversicherung, die Träger der Kriegsopferversorgung und der Kriegsopferfürsorge, die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sowie die Sozialhilfeträger sein.

Mögliche Leistungen sind gem. § 5 SGB IX Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, zur Teilhabe am Arbeitsleben, unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen sowie Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Welcher Träger für welche Leistung im Einzelfall zuständig ist, hängt von dem Grund und dem Ziel der jeweiligen Reha-Maßnahme ab. Ergänzende Bestimmungen finden sich dazu in den weiteren Sozialgesetzbüchern. Reicht beispielsweise eine ambulante Krankenbehandlung nicht aus, erbringt die Krankenkasse nach § 40 SGB V Leistungen zur ambulanten oder stationären Rehabilitation. Nach einem Arbeitsunfall ist die gesetzliche Unfallversicherung für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zuständig (§ 35, § 39 SGB VII). Um den Auswirkungen einer Krankheit auf die Erwerbsfähigkeit entgegenzuwirken, erbringt die gesetzliche Rentenversicherung Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (§ 9, § 10 SGB VI).

Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reha-Maßnahmen werden nur erbracht, wenn die betreffende Person reha-bedürftig und reha-fähig ist. Beides wird durch sozialmedizinische Begutachtung ermittelt.

Reha-Bedürftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rehabilitationsbedürftigkeit liegt vor, wenn vor allem die persönlichen Voraussetzungen für eine Reha-Maßnahme durch den fraglichen Träger vorliegen.

In der Rentenversicherung ist dies der Fall, wenn der Versicherte den beruflichen Anforderungen behinderungsbedingt nicht entsprechen kann, d. h., das Anforderungsprofil des Bezugsberufs entspricht nicht dem Leistungsbild des Versicherten.[4] In der Krankenversicherung besteht Reha-Bedürftigkeit insbesondere dann, wenn über die kurative Versorgung hinaus der mehrdimensionale und interdisziplinäre Ansatz der medizinischen Rehabilitation erforderlich ist.[5][6] Die rehabilitative Medizin unterscheidet sich dabei prinzipiell von der kurativen Medizin, deren Aufgabe die Heilung von Krankheiten ist. Dies wird auch durch die unterschiedliche Systematik der jeweiligen Klassifikationen deutlich. Die krankheitsdiagnostische Klassifikation: International Classification of Diseases (ICD) aus dem Jahr 1903[7] und die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) aus dem Jahr 2001.[8]

Reha-Fähigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reha-Fähigkeit sagt etwas über den voraussichtlichen Erfolg einer Reha-Maßnahme aus. Die Reha-Fähigkeit setzt eine hinreichende Belastbarkeit und Motivation für die fragliche Maßnahme voraus.[9] Mitunter fehlt es hierfür an geeigneten Kriterien.[10]

Leistungsgrundsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Versicherte, bei denen die Rentenversicherung Leistungsträger ist, gilt der Grundsatz "Rehabilitation vor Rente",[11] d. h. vor Bewilligung einer Rente wegen Erwerbsminderung sollen die Rehabilitationsträger durch geeignete Reha-Maßnahmen darauf hinwirken, den Eintritt einer Behinderung einschließlich einer chronischen Krankheit und damit die Verrentung zu vermeiden (§ 3, § 8 SGB IX).[12] Für Versicherte, bei denen die Gesetzliche Krankenkasse Leistungsträger ist, lautet der Grundsatz gemäß § 31 SGB XI "Rehabilitation vor Pflege".

Koordination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wirken in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR)[13] und der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR)[14] die im Bereich Rehabilitation maßgeblichen Akteure zusammen wie Sozialleistungsträger, Sozial- und Ärzteverbände, Reha-Einrichtungen und Selbsthilfegruppen.

Seit 1922 gibt es mit Rehabilitation International ein internationales Netzwerk von Experten und Fachleuten mit dem Ziel, eine behindertengerechte und offenere Gesellschaft zu schaffen. Auf der Ebene der EU kooperieren unter anderem die großen Sozialversicherungen in sogenannten "Euroforen", darunter das "Euroforum Soziale Rentenversicherung."[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rehabilitation duden.de, abgerufen am 4. April 2016
  2. Rehabilitierung duden.de, abgerufen am 4. April 2016
  3. WHO: Disability prevention and rehabilitation (PDF; 1,6 MB). Technical Report Series 668. Genf. 1981. Seite 9.
  4. Deutsche Rentenversicherung Bund: Leitlinien zur Rehabilitationsbedürftigkeit für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben 25. Oktober 2005, S. 13
  5. § 8 Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Rehabilitations-Richtlinien) nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 SGB V in der Fassung vom 16. März 2004, veröffentlicht im Bundesanzeiger Nr. 63 (S. 6769) vom 31. März 2004
  6. Die neuen Rehabilitationsrichtlinien (Teil II). So verordnen Sie richtig Der Allgemeinarzt 13/2005, S. 64
  7. Bertillon J. Nomenclatures des maladies. Montevrain. Imprimerie typographique de l’école d’alembert, 1903
  8. ICF: International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), WHO, Geneva, 2001, Original ICF: who.int/icf
  9. vgl. beispielsweise § 9 Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Rehabilitations-Richtlinien)
  10. Verbindliche Kriterien zur Festlegung der Reha-Fähigkeit gefordert Ärzteblatt, 5. August 2015
  11. Wolfgang Schütte: Der Vorrang von Rehabilitation vor Rente und Pflege Zeitschrift für Sozialreform ZSR, 2004, S. 473-492
  12. Das Prinzip Rehabilitation vor Rente Familienratgeber.de, abgerufen am 4. April 2016
  13. Webseite der BAR
  14. Webseite der DVfR
  15. Rainer Diehl, C.M. Diehl, C. Kreiner: Rehabilitation im internationalen Kontext, in: Rainer Diehl, Erika Gebauer, Alfred Groner: Kursbuch Sozialmedizin, deutscher Ärzteverlag 2011, S.318 ff.
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