Rehren (Hohnhorst)

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Rehren ist ein Ortsteil der Gemeinde Hohnhorst im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen. Früher führte der Ort die amtliche Bezeichnung Rehren, Amtsgerichtsbezirk Rodenberg, gehörte also zum Amt Rodenberg. Das diente zur Unterscheidung von Rehren, Amtsgerichtsbezirk Obernkirchen im Amt Obernkirchen.

Die „Alte Schule“ in Rehren A/R

Zu Rehren gehören die beiden Ortsteile Rehrwiehe und Nordbruch, mit welchen Rehren eine selbstständige Gemeinde bildete. Seit dem 1. März 1974 ist Rehren ein Teil der Gemeinde Hohnhorst.[1] Zusammen mit den weiteren Gemeinden Haste, Suthfeld und Bad Nenndorf bildet sie die Samtgemeinde Nenndorf. Am 31. Dezember 2012 lebten hier 760 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rehren liegt ungefähr 27 km westlich von Hannover und auf einer Höhe von 53 m ü. NN. Im Westen fließt die Rodenberger Aue als kleiner Bach, im Norden befindet sich in 1,5 km Entfernung der Mittellandkanal.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar führt eine Bahnstrecke direkt am südlichen Teil Rehrens vorbei, die auch die Fernzüge Berlin-Hannover-Ruhrgebiet nutzen. Einen eigenen Bahnhof hat Rehren jedoch nicht. Zur Expo Hannover im Jahr 2000 wurde eine S-Bahn-Linie von Hannover bis Minden, eingerichtet. Diese Anbindung ist über den nächstgelegenen Bahnhof Haste nutzbar. Hannover erreicht man in etwa 35 Minuten Fahrzeit. Der ÖPNV wird über die Schaumburger Verkehrs-Gesellschaft (SVG) mit der Linie 2602 sichergestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rehren hat eine über 700-jährige Geschichte. Erstmalige Erwähnung fand die Siedlung Rehren im Jahre 1287. Im Jahre 1987 wurde dem Jubiläum zu Ehren eine 700-Jahrsfeier ausgerichtet. Die Ortsteile Nordbruch und Rehrwiehe sind als Nebendörfer entstanden.

Puppe mit Schaumburger Hochzeitstracht, welche in den Vitrinen alteingesessener Rehrener Familien zu finden sind

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte die Schaumburger Tracht das Erscheinungsbild der Rehrener. Heute finden sich nur noch wenige, aussterbende Rotrockfrauen, die der Tradition treu geblieben waren. Die Alltagstracht der Rehrener Rotrockfrauen war eine blaue oder schwarze (als Zeichen der Trauer) Schürze über einem rotorangefarbenen Rock aus dickem Tuch, das am Saum durch zwei schwarze Streifen abgesetzt war.

Traditionell wurde in Rehren ein Dialekt des ostfälischen Platt gesprochen. Ebenso wie die Tracht verlor dieser jedoch seit Mitte des 20. Jahrhunderts zugunsten des Hochdeutschen zunehmend an Bedeutung.

Etwa 1854 wird der Löschverband des Kirchspiels und Standesamtsbezirks Hohnhorst mit den Orten Haste, Rehren, Ohndorf, Helsinghausen, Niengraben und Hohnhorst entstanden sein, denn in einem Teil der Kirchenchronik heißt es, dass eine Anschaffung zurückgestellt worden sei, um die Feuerspritze des Kirchspiels reparieren zu können. Dies sei notwendig gewesen.[2]

Seit 2009 befindet sich Rehren im Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rehrens Mittelpunkt ist die 1936 erbaute Schule mit dem Glockenturm. 1990 wurde der Schulbetrieb eingestellt und das Gebäude in einen Kindergarten der Samtgemeinde umfunktioniert.

Ehrenmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 wurde zum Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein Ehrenmal errichtet. Auf drei Tafeln sind die Namen eingraviert. Das Ensemble wurde durch das Aufstellen einer Kanone abgerundet. Diese wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges entfernt und im Riepener Forst entsorgt. Das Denkmal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg um die Namen der dabei Gefallenen erweitert. Bei Restaurierungsarbeiten 2013 fand man eine weitere, bis dahin unbekannte Tafel mit den Namen der Gefallenen des Deutsch-französischen Krieges 1870/1871.

Vereinswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Feuerwehrhaus
in Rehren A/R

Sportlicher Mittelpunkt von Rehren ist der Männerturnverein von 1911 (MTV Rehren), dessen Tischtennissparte überregionale Bedeutung erlangt hat. Weitere seiner Sparten sind Turnen, Fußball, Gymnastik, Leichtathletik sowie eine Doppelkopfliga. Des Weiteren gibt es den Schützenverein Rehren A.R. mit einer Schießanlage im Keller der alten Schule, den Männergesangverein, die Freiwillige Feuerwehr Rehren A.R., den Landfrauenverein Rehren-Idensen sowie einen Ortsverband des Sozialverbands Deutschland (ehemals Reichsbund). Außerdem hat Rehren eine Pfadfindergruppe. Im Jahr 2011 wurde der Dorfgemeinschaftsverein gegründet. Zielsetzung ist die Förderung von Naturschutz und Landschaftspflege sowie der Heimatpflege und die Erhaltung der Kunde des traditionellen Brauchtums. Eine Besonderheit sind die Reiherschen Frünne, ein loser Zusammenschluss der die plattdeutsche Sprache pflegt.

Gesellschaftliche Ereignisse Rehrens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erntefest findet alljährlich am letzten Augustwochenende von Freitagabend bis Montagabend statt. In einem Umzug mit der Erntekrone werden am Erntefestmontag die drei Ortsteile Rehren, Rehrwiehe und Nordbruch dabei abgegangen.

Weitere Ereignisse im gesellschaftlichen Leben Rehrens sind das am Samstag vor Ostern stattfindende Osterfeuer und das Maibaumaufstellen in Rehrwiehe.

Besonders erwähnenswert ist die Tradition des „Fuhlens“, einer eigenen Karnevalstradition in Rehren, das am Samstag vor Rosenmontag stattfindet. An diesem Tag treffen sich die jungen Männer des Dorfes ab etwa 16 Jahren. Sie verkleiden sich mit Masken oder alter Tracht der Rotrockfrauen und ziehen durch die Straßen des Dorfes. Sie fordern Abgaben in Geld oder Schnaps von seinen Bewohnern und vorbeifahrenden Autofahrern. Dieses Ereignis war für die Kinder des Dorfes immer sehr besonders, da sie von den „Fuhlern“ „gejagt“ und mit Kreidefarbe „buntgemacht“ werden.

Weiterhin besitzt der Ort Rehren A/R ein eigenes Lied: „Das Rehrener Lied“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Pfister: Kleines Handbuch der Landeskunde von Kurhessen. Kassel 1840, Druck und Papier von Jerome Hotop, S. 195.
  • Carl Wilhelm Wippermann (Hrsg.): Urkundenbuch des Stifts Obernkirchen in der Grafschaft Schaumburg. Rinteln 1855, Druck und Verlag von C. Bösendahl, S. 169.
  • Heinrich Munk: Rehren – Amt Rodenberg, Geschichte eines schaumburgischen Dorfes. Herausgeber Gemeinde Hohnhorst.
  • Schaumburger Landschaft: Historischer Ortsspaziergang durch den Ort Rehren A.R., herausgegeben 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 192.
  2. Ausführlich: Blazek, Matthias, Feuerwehrwesen im Landkreis Schaumburg im 19. Jahrhundert, 2., aktualisierte und ergänzte Auflage, Adelheidsdorf 2002, S. 45.

Koordinaten: 52° 22′ N, 9° 21′ O