Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden

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Die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden (auch Kleine Reichskanzlei genannt) war im nationalsozialistischen Deutschen Reich ein zweiter Regierungssitz neben der Neuen Reichskanzlei in Berlin.

Planung und Bau[Bearbeiten]

Mit der Errichtung des Gebäudes am Urbanweg 26/28 in Stanggaß, einem Bischofswieser Ortsteil nahe Berchtesgaden, wurde 1937 der Architekt Alois Degano beauftragt.[1] Baubeginn war Mitte September 1936. Bei der Gründung gab es Schwierigkeiten mit der Erstellung des Fundamentes, da der Grundwasserspiegel sehr hoch war. Daher wurde eine sog. schwebende Gründung auf 620 Betonpfählen eingebracht. Degano hatte sich für ein Hauptgebäude mit Nebentrakt entschieden, zusätzlich wurde ein Garagenbau mit Personalwohnungen errichtet. Das Richtfest fand am 18. Januar 1937 statt[2], die Fertigstellung aller Gebäude erfolgte im Juli 1937.[3]

Dienstbetrieb[Bearbeiten]

Parallel zu den Aufenthalten in seinem Berghof auf dem Obersalzberg, nutzte Adolf Hitler die Arbeitsräume der Kleinen Reichskanzlei zum Verfassen von insgesamt etwa 125 Gesetzen und Verordnungen.[4][5] Zudem wurden in diesem Gebäude auch politische Gäste empfangen. In später hinzugekauften Gebäuden wurde bei Bedarf das Oberkommando der Wehrmacht untergebracht.

Nachkriegsverwendung[Bearbeiten]

Von 1945 bis 1995 von der US-Armee genutzt, ging das Anwesen 1996 wie alle anderen von den Amerikanern genutzten Flächen und Gebäude (u. a. auf dem Obersalzberg oder auch in Strub) nach deren Abzug in den Besitz des Freistaates Bayern über und wurde zur weiteren Nutzung an eine Gruppe privater Investoren verkauft.

2004 geriet die einstige Kleine Reichskanzlei wegen seiner zeitweiligen Nutzung einer sich darin befindlichen Mietwohnung durch den Familientherapeuten Bert Hellinger erneut in den Blickpunkt der Medienöffentlichkeit,[6] woraufhin er von führenden systemischen Therapeuten[7] wie Arist von Schlippe wegen seiner im Sinne von Familienaufstellungen bezogenen Einlassungen zu Adolf Hitler und dem „jüdischen Volk“ heftig kritisiert worden war.[8] Später betonte Arist von Schlippe jedoch, dass er Hellinger weder als „Nazi“, noch als „Faschisten“, „sein Denken“ nicht „als Wegbereiter ‚brauner‘ Weltanschauung“ verstehe.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gunther Exner: Hitlers zweite Reichskanzlei. Eine architektur-historische Dokumentation der „Reichskanzlei, Dienststelle Berchtesgaden“. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1999. ISBN 978-3-80468-846-9.
  • Hitlers Reichskanzlei in Berchtesgaden Zeitreisen Verlag, Bochum 2005. ISBN 978-3-941538-24-5.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Bischofswiesen#Stanggaß
  2. Abend- und Nachtausgabe. Deutsches Nachrichtenbüro GmbH 4. Jahrgang 1937 vom 18. Januar 1937: Der Führer beim Richtfest in Berchtesgaden
  3. Zentralblatt der Bauverwaltung vom 20. April 1938, 58. Jahrgang Hefr 10, S. 407.
  4. obersalzberg.de Dokumentation Obersalzberg zu Hitlers Verordnungen
  5. obersalzberg.de Dokumentation Obersalzberg zu Vermerk Himmlers über seine Besprechung mit Hitler am 19. Juni 1943 auf dem Obersalzberg über „Bandenkampf und Sicherheitslage“
  6. Jörg Schallenberg: Das Psycho-Hauptquartier in der TAZ vom 29. Juni 2004, online unter taz.de
  7. Siegfried Rosner und Andreas Winheller: Mediation und Verhandlungsführung. München und Mering 2012, S. 389, Fußnote 1027
  8. Vgl. Arist von Schlippe (undatiert): Offener Brief von Arist von Schlippe an Bert Hellinger (PDF-Datei; 79 kB), S. 1.
  9. Vgl. Arist von Schlippe (2004): ... und deshalb bist du ein Elch. Ein offener Brief und seine Folgen, S. 1.

47.63178612.974682Koordinaten: 47° 37′ 54,4″ N, 12° 58′ 28,9″ O