Reichsluftfahrtministerium

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reichsluftfahrtministerium, 1938

Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) war ein im April 1933 gegründetes Ministerium im Dritten Reich. Für dieses Ministerium wurde 1935 ein monumentales Bürogebäude in Berlin errichtet, das heute Sitz des Bundesministeriums der Finanzen ist.

Zu DDR-Zeiten wurde es als Haus der Ministerien bezeichnet; seit 1992 trägt es als damaliger Sitz der Treuhandanstalt den Namen des ermordeten Detlev Rohwedder.

Gründung und erste Amtshandlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Wilhelmstraße auf das heute so genannte Detlev-Rohwedder-Haus, 2006
Das Gebäude als Filmkulisse für den Film Mein Führer, 2006

Reichskommissar für die Luftfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 war es eines ihrer Ziele, die durch den Versailler Vertrag auferlegten Schranken zu brechen und das militärische Fundament für die Eroberung von sogenanntem Lebensraum im Osten zu schaffen. Dazu betrieben sie teils heimlich die Aufrüstung der Wehrmacht.

Am 2. Februar 1933 wurde die Verordnung über den Reichskommissar für die Luftfahrt erlassen; sie bestellte einen Reichskommissar für die Luftfahrt. Dies war ein erster Schritt hin zur Gründung einer Luftwaffe. Diese sollte neben Heer und Marine eine Teilstreitkraft der Reichswehr werden.[1] Der Reichskommissar für die Luftfahrt fungierte für die Planung und Entwicklung der Luftfahrt. Er war dem Reichskanzler unmittelbar unterstellt. Hierzu erhielt er seitens des Reichsverkehrsministeriums und des Reichsministerium des Innern alle die zivile Luftfahrt und den Luftschutz betreffenden Vollmachten. Zum Reichskommissar bestimmte Hitler den Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, NSDAP-Politiker und preußischen Innenminister Hermann Göring

Reichsminister der Luftfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1933 wurde die Behörde des Reichskommissars in den Rang eines Reichsministeriums versetzt; im Mai wurde Göring Reichsluftfahrtminister. Die eigentliche Aufgabe des RLM war hauptsächlich die Förderung und Unterstützung der neuen Luftwaffe, deren erster Oberbefehlshaber im März 1935 Göring wurde. So übertrug der Reichswehrminister Werner von Blomberg aus seinem Geschäftsbereich dem RLM das Luftschutzamt, das zuvor die oberste Behörde der militärischen Luftfahrt war. Das RLM gab eine eigene Propaganda-Illustrierte mit dem Titel Der Adler heraus.

Eine der ersten Amtshandlungen des RLM war, alle Patente von Hugo Junkers und seiner Firmen Junkers & Co. sowie Junkers Motorenbau und Junkers Flugzeugwerk in widerrechtlicher Weise zu übernehmen. Dies bezog sich insbesondere auf die Rechte um die legendäre Junkers Ju 52. Dazu wurde die Luftfahrtkontor GmbH gegründet, die als Tarngesellschaft die Beteiligung an Junkers verwaltete.

Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium war von 1933 bis 1945 Erhard Milch, der zugleich Generalinspekteur der Luftwaffe sowie von 1941 bis 1945 auch Generalluftzeugmeister war.

Neubau eines Bürogebäudes und seine spätere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richtfest mit Ernst Sagebiel, Hermann Göring und Erhard Milch, 12. Oktober 1935

In den Jahren 1935/1936 wurde in der Wilhelmstraße im Berliner Stadtzentrum für das personell inzwischen stark erweiterte Ministerium auf Görings Veranlassung nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel ein Neubau mit 2000 Büroräumen und 56.000 m² Nutzfläche errichtet,[2] damals das größte Bürogebäude in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das wenig zerstörte Gebäude vom Finanzministerium der DDR als Haus der Ministerien genutzt. Das mittlerweile vollständig sanierte und modernisierte und in Detlev-Rohwedder-Haus umbenannte Gebäude ist seit dem Regierungsumzug nach Berlin Sitz des Bundesministeriums der Finanzen.

Von Arno Breker sind mehrere Entwürfe für eine monumentale Skulptur auf dem Vorplatz zum Haupteingang des geplanten Neubaukomplexes an der Leipziger Straße überliefert. Sie zeigen als Idee eine aufgesockelte, rund sechs Meter hohe Figur, deren Gewandsaum wie durch eine angehoben nach hinten zu einer flügelähnlichen Form ausschwingt. Sie trägt eine Fackel. Zusätzlich ist den Entwürfen deutlich zu entnehmen, dass die Skulptur mit ihrem freien Arm einen modellartigen Flugkörper – ähnlich einem Speerwerfer – führt.

Organisation und weitere Entwicklung des Ministeriums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückseite des Gebäudekomplexes, Blick vom Gelände der Ausstellung Topographie des Terrors, 2010

Das Technische Amt des RLM, das aus einer bis 1935 bestehenden Abteilung Flugtechnik im Heereswaffenamt hervorgegangen war, war im Wesentlichen für die Entwicklung neuer Flugzeugtypen durch die Luftfahrtindustrie und ihre Produktionsplanung verantwortlich. 1936 berief Göring den späteren Generalobersten Ernst Udet an die Spitze dieses Amtes und vertraute ihm die Aufgaben des Staatssekretärs Erhard Milch an, der bis dahin der maßgebliche Planer und Organisator der Aufrüstung der Luftwaffe gewesen war. Udet war damit für die Entwicklung und Bereitstellung von Flugzeugen, Waffen und Gerät für alle Teile der Luftwaffe zuständig. Udet gliederte das Amt in 13 Abteilungen auf, der Überblick über deren Zuständigkeiten ging verloren. Nach dem Suizid Udets im November 1941 übernahm Erhard Milch wieder dessen Aufgaben.

Verglichen mit ähnlichen Ämtern im In- und Ausland war das RLM wohl nicht besser oder schlechter strukturiert und organisiert. Die hervorragenden persönlichen Beziehungen zwischen Göring und Hitler ließen dem RLM schon bald mehr Einfluss und Macht zukommen als anderen Ministerien. Göring nutzte seine Stellung an der Spitze des RLM, um zahlreichen befreundeten bzw. verdienten NS-Größen Posten zu verschaffen. Diese waren weniger an einer Tätigkeit im RLM interessiert als daran, ihre politische Karriere fortzusetzen bzw. auszubauen.

Nach dem Unfalltod von Fritz Todt übertrug Hitler Albert Speer im März 1942 alle Funktionen von Todt. Im Zusammenhang mit der Übertragung der Luftrüstung an den Reichsminister Albert Speer im Juni 1944 wurde das Ministerium neu und straff durchorganisiert. Dies hatte vermutlich Auswirkungen auf die Luftwaffe bzw. den Verlauf des restlichen Zweiten Weltkriegs.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Nachama (Hrsg.): Die Wilhelmstraße 1933–1945 – Aufstieg und Untergang des NS-Regierungsviertels, Stiftung Topographie des Terrors, 2012, ISBN 978-3-941772-10-6, S. 45 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reichsluftfahrtministerium – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verordnung über den Reichskommissar für die Luftfahrt vom 2. Februar 1933. auf documentArchiv.de, abgerufen am 24. Mai 2017
  2. Ernst Sagebiel im Architekturmuseum der TU Berlin, abgerufen am 24. Mai 2017

Koordinaten: 52° 30′ 31″ N, 13° 23′ 3″ O