Reichstagswahl 1938

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Wahlaufruf in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun
Stimmzettel zu Reichstagswahl und Volksabstimmung
Stimmzettel zur Ergänzungswahl im Sudetenland

Die Wahl zum Großdeutschen Reichstag vom 10. April 1938 fand zugleich mit der nachträglichen Volksabstimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich statt. Zugelassen war wie bei den beiden vorangegangenen Wahlen nur eine nationalsozialistisch dominierte Einheitsliste, für die einige als Gäste bezeichnete Parteilose aufgestellt wurden. Es handelte sich damit um eine Scheinwahl, da das Ergebnis bereits von vornherein feststand: Sowohl die Wahl als auch die Abstimmung erbrachten, wie die vorherigen Wahlen, eine deutliche Zustimmung.

Mit der Sudetendeutschen Ergänzungswahl vom 4. Dezember 1938 stimmten auch die Einwohner des Sudetenlandes über ihre Reichstagsabgeordneten ab, nachdem dieses Gebiet infolge des Münchner Abkommens vom 29. September angeschlossen worden war.[1]

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einheitsliste der NSDAP erreichte offiziell 99,1 % der Stimmen, 0,9 % waren ungültig (z. B. wegen abweichender Markierungen auf dem Stimmzettel). Es ist zu berücksichtigen, dass auch leere Stimmzettel als Stimmen für die NSDAP gewertet wurden. Für je 60.000 abgegebene Stimmen gab es einen Sitz, weswegen 814 der auf der Einheitsliste Nominierten in den Reichstag einzogen. 803 waren Mitglieder der NSDAP, elf waren als Gäste bezeichnete Parteilose.[2]

In der Ergänzungswahl erhielten 41 Abgeordnete aus dem Sudetenland einen Sitz, sodass die Abgeordnetenzahl auf 855 stieg, darunter nun zehn Gäste.[3]

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Sitzung der neuen Legislaturperiode fand am 30. Januar 1939 statt, zum Reichstagspräsidenten wurde der Luftfahrtsminister Hermann Göring gewählt. Im April 1939 wurden zusätzlich zwei Abgeordnete aus dem Memelland bestimmt, wodurch es letztlich 857 Parlamentarier gab.[4]

Am 25. Januar 1943 verlängerte Adolf Hitler die Wahlperiode des Reichstages durch ein Gesetz bis zum 30. Januar 1947. Damit wurde vermieden, während des Krieges Wahlen abhalten zu müssen. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 (VE-Day) endete der Krieg in Europa und es kam in Deutschland zu keiner weiteren Reichstagswahl mehr.

In der am 23. Mai 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland waren die Bürger am 14. August 1949 erstmals zu einer Bundestagswahl aufgerufen, welche wieder demokratischen Wahlgrundsätzen genügte. In der Deutschen Demokratischen Republik fand die erste Volkskammerwahl am 15. Oktober 1950 statt, diese Wahl ist allerdings als nicht demokratisch zu bezeichnen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Schulz: Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg 1918–1945 Göttingen 1982, S. 144–145.
  • Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 2, Bonn 2005, S. 32f.
  • Joachim Lilla: Die Vertretung des „Reichsgaus Sudetenland“ und des „Protektorats Böhmen und Mähren“ im Grossdeutschen Reichstag. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, Band 40, Ausgabe 2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, S. 90; es wird ebenfalls von „Einverleibung“ geschrieben, so etwa ibid., S. 97.
  2. Reichstagshandbücher, 1938/1: Verzeichnis der Mitglieder des Reichstags. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 4. September 2012.
  3. Reichstagshandbücher, 1938/2: Verzeichnis der Mitglieder des Großdeutschen Reichstags. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 4. September 2012.
  4. Gesetz über die Vertretung der Memeldeutschen im Großdeutschen Reichstag. www.verfassungen.de, 21. März 2004, abgerufen am 6. September 2012.