Reichtum

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Papiergeld, modernes Symbol für den „materiellen Reichtum“
Bücher als Sinnbild für den „geistigen Reichtum“

Reichtum bezeichnet den Überfluss an gegenständlichen oder geistigen Werten. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Festlegung, da die Vorstellung von Reichtum von kulturell geprägten, subjektiven und zum Teil höchst emotionalen bzw. normativen Wertvorstellungen abhängt. In den modernen Industriestaaten wird Reichtum häufig ausschließlich quantitativ auf Wohlstand und Lebensstandard bezogen, obwohl er sich tatsächlich nicht auf materielle Güter reduzieren lässt. Die Bedeutung geistigen Reichtums wird häufig unterschätzt, u. a. weil er nur schwer messbar ist. Gesellschaftlich gesehen erfordert die Entstehung von Reichtum die allgemein akzeptierte Übereinkunft, dass Dinge, Land oder Geld jemandem gehören und dass dieses Eigentum geschützt wird. So ist (bzw. war) Reichtum in egalitären Gesellschaften unbekannt. Die kulturelle Unterschiedlichkeit des Begriffes ist zum Teil Gegenstand heftiger Debatten.

Das Gegenteil von materiellem Reichtum bzw. wirtschaftlichem Vermögen – sprich: der Mangel an Gütern bzw. ein überdurchschnittlich niedriger quantitativer Wohlstand – wird als Armut bezeichnet; auch hier gibt es die Unterscheidung zwischen materieller und geistiger Armut.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das entsprechende Adjektiv zu „Reichtum“ lautet reich. Es lässt sich auch in anderen germanischen Sprachen wiederfinden, so z. B. im englischen rich oder im schwedischen rik. In seiner historisch ältesten Form got. reiks bedeutet das Adjektiv „mächtig“ und das Substantiv „Herrscher, Obrigkeit“. Sprachwissenschaftler gehen letztlich von einem keltischen Ursprung aus.[1][2]

Materieller und monetärer Reichtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Privatvermögen von Bill Gates entsprach 2013 etwa dem Bruttoinlandsprodukt des Staates Aserbaidschan

Nach Berechnungen von Oxfam aus dem Jahr 2014 verfügen die reichsten 85 Menschen über denselben Reichtum wie die ärmere Hälfte der Erdbevölkerung zusammen. Nach dem Bericht verfügen diese 85 reichsten Menschen über ein Vermögen von 1 Billionen Britische Pfund, was dem Vermögen der 3,5 Milliarden ärmsten Menschen entspricht. Das Vermögen des reichsten Prozent der Weltbevölkerung belaufe sich weiterhin auf insgesamt 60,88 Billionen Pfund.[3][4]

Psychologische Effekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmoralisches Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wohlstand eines Menschen beeinflusst dessen Denken, Handeln und Fühlen. Laut psychologischer Forschung tendieren wohlhabende Menschen dazu etwa anderen in Not oft nur dann zu helfen, wenn dies öffentlich geschieht oder sie sich als Wohltäter inszenieren können. Außerdem lügen und betrügen Reiche häufiger als Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Rang. Reichtum verringert außerdem die Empathie. Entsprechendes Verhalten zeigt sich nicht nur in Feldstudien, sondern kann in experimentellen Laborstudien auch erzeugt werden, indem man bei den Studienteilnehmern das Gefühl eines höheren sozioökonomischen Status induziert.[5][6][7][8]

Begrenzter Einfluss auf Wohlbefinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generell ist Geld zwar relevant für das Wohlbefinden, aber der Effekt wird meist überschätzt.[9] Speziell Einkommensreichtum hat zusätzlich nur einen (im wörtlichen Sinne) begrenzten Einfluss auf das Lebensglück, da ab einer gewissen Höhe des Einkommens die betreffenden Indikatoren für Glück eine Grenze oder "Sättigung" erreichen, d. h. ein Plateau, ab dem sie nicht mehr ansteigen. So wird für Westeuropa und Skandinavien dieses Plateau ab einem gewichteten Äquivalenzjahreseinkommen von 50.000 bis 100.000 Dollar erreicht (je nach Indikator). Letzterer Wert entsprach (im Jahr der Studienveröffentlichung) etwa einem Einkommen von 7.062 Euro im Monat. Aus Sicht der Studienautoren können die Studienergebnisse für Regierungen dazu beitragen, Maßnahmen zur Umverteilung des Reichtums zu motivieren.[10] Zum Vergleich: In Deutschland griff im Jahr der Studienveröffentlichung der Höchststeuersatz ab einem zu versteuernden Einkommen von 22.111 Euro im Monat bei Einzelveranlagung.[11]

Volkswirtschaftliche Effekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn massive Anteile des Einkommens einer Nation in den Händen einiger weniger konzentriert sind, leidet das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Eine Studie des Internationalen Währungsfonds aus dem Jahr 2015 ergab, dass „wenn der Einkommensanteil der obersten 20% (der Reichen) steigt, nimmt das BIP-Wachstum mittelfristig tatsächlich ab, was darauf hindeutet, dass Gewinne nicht nach unten durchsickern“, während „eine Zunahme des Einkommensanteils der unteren 20% (der Armen) mit einem höheren BIP-Wachstum verbunden ist.“[12][13][14]

Reichtum von Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Reichtum von Ländern lässt sich anhand verschiedener Indikatoren vergleichen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner waren 2019 die reichsten Länder der Welt Irland (80.504 Dollar pro Kopf), Schweiz (82.483 Dollar pro Kopf) und Luxemburg (115.838 Dollar pro Kopf). Deutschland belegte mit 46.472 Dollar den 18. Platz.[15]

Reichtum in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Summe des absolutes Vermögens deutscher Haushalte nach Vermögensgruppen im Jahr 2018.[16]

Deutschland ist – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – im weltweiten Vergleich ein sehr reiches Land. Zwischen 1960 und 2003 hat sich das inflationsbereinigte BIP verdreifacht. Zwischen 1991 und 2001 wuchs es um knapp 16 % von 1.710 Mrd. Euro auf 1.980 Mrd. €. Das Geldvermögen, das Privatleute besitzen, stieg in diesen zehn Jahren um rund 80 %, von 2,0 Billionen € 1991 auf 3,6 Billionen € 2001.

Je mehr Geld ein Mensch hat, desto höher setzt er subjektiv die Grenze an, ab der er jemanden für reich hält.[17] Einpersonen-Haushalte mit mehr als 2.700 Euro Nettoeinkommen im Monat gehören nicht mehr zur Mittelschicht, auch wenn Betroffene das häufig nicht so sehen. Sie können als "wohlhabend" bezeichnet werden. Ab einem Nettoeinkommen von 3.600 Euro (Stand: 2019) bezeichnet die Wissenschaft einen Menschen als reich.[18]

Vermögensreichtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als objektiver Indikator für Wohlstand und Reichtum ist Vermögen eher noch wichtiger als das Einkommen. Vermögen kann als Sicherheit dienen und zeitlich begrenzte Einkommensausfälle ausgleichen. Im Jahr 2019 lag laut des weltweiten Vermögensberichts der Credit Suisse in Deutschland das mittlere Vermögen bei 35.313 US-Dollar,[19] was ca. 31.500 Euro entsprach. Wird die von Ernst-Ulrich Huster vorgeschlagene Grenze von 200 % des Medians angewendet, ergibt sich für Deutschland der Vermögensreichtum ab einem Vermögen von 63.000 Euro. Laut offizieller Statistik lag 2013 diese sogenannte Reichtumsschwelle dagegen bei 77.378 Euro.[20][21]

Verhältnis des absoluten Nettovermögens je Haushalt in Euro an bestimmten Punkten der Vermögensverteilung im Jahr 2017.[22][23][24] Hinweis zur Interpretation: Ein Haushalt z. B. des 90. Perzentils liegt exakt auf dem neunzigsten Prozent der Vermögensverteilung. Das 50. Perzentil entspricht damit zugleich dem mittleren Vermögen deutscher Haushalte.

Die Vermögen, besonders die Geldvermögen, sind sehr ungleich verteilt (siehe Vermögensverteilung in Deutschland). Während im Jahr 2003 die „unteren“ 50 % aller Haushalte zusammen 3,8 % des Gesamtvermögens besaßen, verfügten die „oberen“ 10 % der Haushalte über 46,8 % des privaten Vermögens in Deutschland. 1998 lag dieses Verhältnis noch bei 3,9 % zu 44,4 %.[25] Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort. So verfügte 2017 die ärmere Hälfte der Bevölkerung über 1,3 % des Gesamtvermögens, die reichsten 10 % über 56 %.[26] Schätzungen des DIW, die fehlende Daten des Statistischen Bundesamtes ergänzten (siehe Abschnitt Einkommensreichtum), kamen zu einer noch stärkeren Konzentration des Vermögensreichtums. Demnach besaßen die reichsten 10 % der Deutschen mindestens 63 % des Volksvermögens.[27]

Es besteht ein hohes West-Ost-Gefälle der Vermögensverteilung. So stammten 2019 z. B. von den 1.000 reichsten Deutschen nur 10 Familien aus Ostdeutschland.[28] Betrachtet man die Gesamtbevölkerung war 2019 das Durchschnittsvermögen eines Ostdeutschen etwa halb so hoch wie das eines Westdeutschen.[28] Allerdings scheint die Vermögenskonzentration in den neuen Bundesländern größer zu sein als in den alten.

Auch innerhalb der reichsten 10 % besteht eine Konzentration des Vermögensreichtums. Im Jahr 2008 besaßen 0,001 %, also 380 Haushalte, ein Nettovermögen von 419,3 Milliarden Euro oder 5,28 % des Reinvermögens der privaten Haushalte. Die reichsten 0,0001 % der Haushalte (38 Haushalte) besaßen 132,35 Milliarden Euro oder 1,67 % des gesamten privaten Vermögens.[29][30]

Im Jahr 2014 besaßen die 45 reichsten Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, nämlich jeweils 214 Milliarden Euro Vermögen.[31]

Einzelne Gruppen von Vermögenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, deren Vermögen so groß ist, dass sie davon leben, ohne aktiv zu arbeiten, werden als Privatiers bezeichnet. In Deutschland gab es im Jahr 2018 rund 627.000 Privatiers. Das entspricht einer Steigerung von 68,5 % seit der Jahrtausendwende.[32][33]

2010 gab es in Deutschland noch 830.000 Vermögensmillionäre.[34] Bis zum Jahr 2013 erhöhte sich diese Zahl auf 1.015.000.[35] Laut World Wealth Report 2018 stieg die Zahl der Vermögensmillionäre in Deutschland weiter auf 1,364 Mio. Millionäre.[36]

Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes hat sich von 2010 bis 2019 die Anzahl der Milliardäre in Deutschland von 55 auf 107 fast verdoppelt.[37] Die meisten Milliardäre lebten im Bundesland Nordrhein-Westfalen mit einem Gesamtvermögen von 96 Milliarden Euro.[38] Während der Corona-Rezession wuchs bis Juli 2020 die Anzahl der Dollar-Milliardäre in Deutschland von 114 auf 119 erneut an, ihr Vermögen wuchs von 501 Milliarden auf 595 Milliarden Euro.[39]

Die reichsten Deutschen mit dem größten Vermögen waren 2020 Susanne Klatten (16,44 Mrd. Euro; SKion, BMW), Beate Heister und Karl Albrecht Jr. (29,25 Mrd. Euro; Aldi Süd) sowie die Familie Reimann (35 Mrd. Euro, Chemiekonzern Benckiser).[40][41]

Im internationalen Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Global Wealth Report der Credit Suisse ist die Konzentration von Vermögen in Deutschland stärker als in anderen westeuropäischen Ländern. So verfügt das reichste Prozent der Einwohner in Deutschland über 30 % des Vermögens. Dagegen hat in Großbritannien das reichste Prozent der Einwohner 24 % des Vermögens, in Italien und Frankreich jeweils 22 %.[42][43]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Hartmann zufolge ist die Vermögenskonzentration in Deutschland auf die hohe Zahl von Familienunternehmen und deren Begünstigung durch das Erbschaftsteuergesetz von 2009 zurückzuführen. Bei den Nutznießern handle es sich nicht, wie oft dargestellt, um größere Handwerkerunternehmen, sondern um große und sehr große Unternehmen. So sei anders als in anderen Ländern in Deutschland etwa die Hälfte der 100 größten Unternehmen in Familienbesitz.[44] (Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Familienunternehmer, der im Manager Magazin als "Cheflobbyist der Reichen" bezeichnet wurde, äußerte sich insoweit ähnlich, als das ihm zufolge bei Familienunternehmern das Betriebsvermögen in der Bilanz oft nicht vom Vermögen reicher Personen zu unterscheiden sei.[45]) Ein Beispiel dafür wäre die Robert Bosch GmbH, die 2020 den Rang zehn der umsatzstärksten Familienunternehmen der Welt besetzte. Der Konzern ist Firmenangaben zufolge zu 99 % im Besitz der Familie des Firmengründers.[46]

Das Erbschaftsteuergesetz, das durch eine Reform 2016 kaum verändert worden sei, ermögliche laut Hartmann ein nahezu steuerfreies Vererben von großen Unternehmensvermögen. Hartmann verweist dazu auf Statistiken, nach denen die Erbschaftsteuer bei Unternehmen um so höher, je kleiner das vererbte Vermögen war.[44]

Beim reichsten Prozent der Deutschen stammen etwa 80 % des Vermögens aus Erbschaften.[47]

Parteipräferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Parteipräferenz nach Höhe des individuellen Nettovermögens.[48]

Mit zunehmendem Vermögensreichtum ändert sich auch die Parteipräferenz. Mit ansteigendem Vermögen erhöht sich die Präferenz für CDU und FDP, für alle anderen Parteien fällt sie.[48]

Soziales Milieu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Studie im Auftrag der HypoVereinsbank von 2009 anhand einer Stichprobe von Personen mit mindesten einer Million Euro zeigte mehrere soziale Milieus bei Vermögensreichen. Die mit 20 bis 25 % anteilig größte Gruppe bildeten die "statusorientierten Vermögenden". Sie zeichneten sich aus durch Leistungsorientierung, ein Hocheinschätzen der eigenen Fähigkeiten und Verlangen nach Anerkennung. Typisch sei, dass die betreffenden Personen versuchen, durch Statussymbole und Luxuskonsum anderen zu imponieren und um Bewunderung für sich zu werben. Gleichzeitig hätten sie häufig das Gefühl von anderen Vermögenden ebenso wie von Neidern nicht die volle Anerkennung zu erfahren.[49] In einer Einordnung der Studie durch den Spiegel wurde Carsten Maschmeyer als ein Vertreter der statusorientierten Vermögenden genannt.[50]

Schulden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Gegensatz zum privaten Vermögensreichtum bildet die Überschuldung von knapp 2,8 Millionen Haushalten. Im Jahr 2002 betrugen die Schulden privater Haushalte 1.535 Mrd. €, die Schulden der Unternehmen 3.142 Mrd. € und die öffentliche Verschuldung 1.523 Mrd. € (2006). Das Nettogeldvermögen aller Unternehmen lag im negativen Bereich bei −1.241 Mrd. €, das des Staates bei −1.061 Mrd. €. Spiegelbildlich dazu lag das Nettogeldvermögen privater Haushalte und der Versicherungen und Banken bei 2.380 Mrd. €.[51]

Einkommensreichtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit mehr als 200 % des äquivalenzgewichteten mittleren Einkommens leben in Einkommensreichtum. Diese Grenze wurde von Ernst-Ulrich Huster vorgeschlagen.[52] Entsprechend ist diese Reichtumsschwelle eine veränderliche Größe in Abhängigkeit von Einkommensveränderungen in der Bevölkerung. Im Jahr 2015 lag die Grenze bei ca. 3.390 Euro im Monat.[53]

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1991 bis 2019 stieg der Anteil der Reichen an der Bevölkerung, die Reichtumsquote, von 5,6 % auf 7,9 %.[54]

Die tatsächlichen Reichtumsquoten sind höher, da aufgrund der Datenerhebung mittels freiwilliger Selbstauskunft und durch mit steigendem Einkommen und Vermögen abnehmender Auskunftsbereitschaft die statistisch auswertbare Datengrundlage für hohen Einkommen und Vermögen so mangelhaft ist, dass das Statistische Bundesamt nur Haushaltsnettoeinkommen bis zur Abschneidegrenze von 18.000 €/Monat berücksichtigt. Rund 70 % der Selbständigen- und Vermögenseinkommen sind deshalb in den Verteilungsberechnungen nicht enthalten. Zudem ausgeschlossen von der Erhebung sind nicht entnommene Gewinne Selbständiger und Personen in Gemeinschaftsunterkünften, beispielsweise Bewohner eines Pflegeheimes, sowie Obdachlose. Die Größe der Abweichung von den tatsächlichen Einkommen zeigt der Vergleich zwischen den Einkommenssummen der EVS mit den tatsächlichen Einkommenssummen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR).[55][56]

2008 betrug die Abweichung der statistischen Selbständigen- und Vermögenseinkommen in Höhe von 139 Mrd. Euro in der EVS zu der gleichartigen Einkommensumme von 477 Mrd. Euro in der VGR rund 338 Mrd. Euro. Etwa 71 % dieser Einkommen wurden durch die EVS nicht erfasst und sind in den Verteilungsrechnungen und somit in den Ungleichverteilungsmaßen wie dem Gini-Index oder der Reichtumsquote nicht dargestellt. Laut Statistischem Bundesamt „deutet dies auf eine grundsätzliche Problematik der Messung von Selbständigen- und Vermögenseinkommen in (freiwilligen) Haushaltserhebungen hin“.[57]

Die Zahl der Einkommensmillionäre ist von knapp 12.500 im Jahr 2009 auf über 21.000 im Jahr 2015 gewachsen.[58][59]

Geographische Verteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reichtumsquote war 2019 am höchsten in den Bundesländern Hamburg (10,9 %), Hessen (10,3 %) und Baden-Württemberg (9,9 %). Am niedrigsten war die Reichtumsquote in Sachsen-Anhalt (3,1 %), Mecklenburg-Vorpommern (3,6 %) und Thüringen (3,7 %).[60]

Die höchsten monatlichen Pro-Kopf-Einkommen gab es 2016 mit 2.916 Euro im Landkreis Starnberg und im Landkreis Heilbronn mit 2.697 Euro, die damit über dem Staat Luxemburg lagen (2.550 Euro).[61]

Den höchsten Anteil von Einkommensmillionären an gab es 2015 im Hochtaunuskreis, im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Starnberg.[62]

Angenommener vs. tatsächlicher Einkommensreichtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Umfrage der Humboldt-Universität zu Berlin im Auftrag des Magazins Geo 2007 nahmen die Befragten an, dass die durchschnittlichen Gehälter von Vorstandsvorsitzenden im Jahr 2006 bei 125.000 € monatlich lägen.[63] Das Monatseinkommen der Vorstandsvorsitzenden der DAX-Aktiengesellschaften lag 2006 jedoch bei 358.000 €. 2007 sind sie auf 374.000 €[64] bzw. 391.000 €[65] gestiegen.

Bund der Steuerzahler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Meinung von Beobachtern vertritt der Bund der Steuerzahler entgegen seinem Namen nicht die Interessen aller Steuerpflichtigen, sondern nur die der Reichen. Zu diesem Schluss kamen Beobachter unter anderem, weil 22 % der Leser der Mitgliederzeitschrift über ein Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro im Monat verfügen (In der Gesamtbevölkerung: 8 %).[66] Auch SPD-Vertreter äußerten die Ansicht, dass der Verband vor allem Interessenpolitik für Einkommensreiche und Vermögende macht.[67]

Parteipräferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland haben Wähler mit unterschiedlichen Parteipräferenzen verschiedene mittlere Netto-Haushaltseinkommen. Im Bundestagswahljahr 2017 waren laut DIW die drei Parteien, unter deren potentiellen Wählern sich die höchsten Haushaltseinkommen fanden, CDU und Bündnis 90/Grüne mit jeweils 3.000 € und FDP mit 3.400 €.[68] Zum Vergleich: die Reichtumsgrenze für Einkommen lag 2015 bei ca. 3.390 €.[53]

"Reichensteuer"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Personen, die von der Reichensteuer betroffenen sind, ist erheblich niedriger als die der Reichtumsquote, da "die Reichen" hier nur als Schlagwort für eine Teilgruppe und nicht im wissenschaftlichen Sinne gebraucht wird. Personen, die von der Reichensteuer betroffen waren, hatten 2009 ein Jahreseinkommen von über 250.401 Euro bei Einzelveranlagung und 500.802 € bei Zusammenveranlagung. Diese Anzahl belief sich 2009 auf insgesamt rund 57.942 Personen, also 0,22 % der Steuerpflichtigen.[69] Diese Anzahl stieg bis 2017 auf ca. 156.000 Steuerpflichtige an, bis 2018 auf ca. 163.000[70] (bei über 256.304 € Einzelveranlagung und 512.608 € Zusammenveranlagung[71]).

Steuerliche Prüfungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hingegen ist laut Auskunft des Bundesfinanzministeriums die Zahl der Betriebsprüfungen durch Steuerprüfer rückläufig bei Personen mit Einkünften über 500.000 Euro pro Jahr. Sie ist von 1.630 im Jahr 2009 um fast 30 % auf 1.150 im Jahr 2018 gefallen.[58][59]

Einfluss bei politischen Entscheidungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Forschungsbericht von 2016 im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales werden in Deutschland bei politischen Entscheidungen die Präferenzen von sozialen Gruppen unterschiedlich stark berücksichtigt. Ausgewertet wurden dabei Daten aus der Zeit zwischen 1998 und 2015. Es zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang von Entscheidungen zu den Einstellungen von Personen mit höherem Einkommen, aber keiner oder sogar ein negativer Zusammenhang für die Einkommensschwachen.[72]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursachen für Einkommensreichtum sind von denen für niedrige Einkommen zu unterscheiden. Während niedrige Einkommen seit der Wiedervereinigung vor allem durch Merkmale des Arbeitsmarkts verursacht wurden,[73] waren entscheidend für hohe Einkommen „die stark gestiegenen Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherungen, die Haushalte mit mittleren oder leicht überdurchschnittlichen Arbeitseinkommen zunehmend belasten. Die Besonderheiten des deutschen Sozialabgabensystems haben in Verbindung mit einer erhöhten Lohnungleichheit seit der Wiedervereinigung zu einer gewaltigen Umverteilung von mittleren zu höheren Einkommen geführt.“[74]

Reichtum in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Vergleiche: Vermögensverteilung in Österreich)

Das Privatvermögen in Österreich betrug im Jahr 2001 rund 581 Mrd. €. Die reichste in Österreich lebende Einzelperson war (verstorben am 5. Oktober 2006) mit 5,4 Mrd. € Friedrich Karl Flick. Der reichste gebürtige Österreicher ist Dietrich Mateschitz. Neben ihnen gibt es noch 350 Menschen in Österreich, die über 10,9 Mrd. € zu ihrem Besitz zählen können und rund 28.000 Euro-Millionäre.

Spitzenverdiener finden sich in Österreich in den Bereichen Privatwirtschaft, Kunst oder auch dem professionell betriebenen Sport. Als Bestverdiener kann mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von ca. 10 Mio. € Siegfried Wolf, Vorstandsvorsitzender der Magna-Austria, ausgemacht werden.

Der statistisch durchschnittliche Österreicher verdient rund 18.750 € nach Abzug der Steuern pro Jahr und die statistisch durchschnittliche Österreicherin rund 12.270 € nach Abzug der Steuern pro Jahr. Dies sind Werte für unselbständig Erwerbstätige ohne Lehrlinge aus dem Jahr 2003.[75]

Millionairs for Humanity[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Anlass der Corona-Krise forderten 83 Millionäre aus sieben Ländern, die sich „Millionairs for Humanity“ nannten, in einem durch Oxfam und andere Hilforganisationen verbreiteten offenen Brief an Regierungen weltweit, dass diese dauerhaft höhere Steuern für die Reichsten erheben sollten. Darin sehen die Unterzeichnenden einen Weg Gesundheitssysteme, Schulen und soziale Sicherheit angemessen zu finanzieren. Sie appellierten "Besteuert uns. Besteuert uns. Besteuert uns. Es ist die richtige Wahl. Es ist die einzige Wahl."[76][77][78][79]

Unterschiedliche Betrachtungsweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Religionen, Weltanschauungen, Philosophen und indigene Kulturen betrachten materiellen Reichtum skeptisch wie Tendzin Gyatsho, der Dalai Lama
Blendender Reichtum zu Ehren Gottes im katholischen Stift Melk

„Die Liebe zum Besitz ist bei ihnen (den Weißen) wie eine Krankheit. Diese Leute haben viele Gebote erlassen, welche von den Reichen gebrochen werden dürfen, von den Armen jedoch nicht. Sie erheben Abgaben von den Armen und Schwachen, um die Reichen und Herrschenden zu ernähren. (…)“

Die sozialwissenschaftliche Sicht von Reichtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ethnologie und Soziologie beschreiben Gesellschaften auch über ihr Verständnis von Reichtum und über die Strukturen und Machtmittel, die sie einsetzen, um diesen Reichtum zu schützen. Überdies kann der Reichtum an Prestige verleihenden Gütern anthropologisch als Grund des Fetischismus untersucht werden. Unter anderem gibt es groteske Fälle, in denen Menschen von ihrem Kontostand oder dem darauf liegenden Geld sexuell erregt wurden (Paraphilie).

Darüber hinaus beobachtet die Sozialwissenschaft die Anhäufung von Reichtum unter dem Aspekt der Verteilung von Ressourcen und damit auch der Machtverteilung. Die moderne Elitesoziologie, insbesondere das Power Structure Research, betrachten die Reichtumsentwicklung sehr kritisch.

Kritik am Reichtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits der antike Philosoph Platon verfasste eine umfangreiche Schrift über die Zusammenhänge von Reichtum, einseitiger Machtkonzentration und moralischem Verfall.[81] Der enorme Reichtum Roms wird von Historikern oft als Ursache für den Verfall der römischen Gesellschaft im 1. Jahrhundert v. Chr. gesehen. Heute wird häufig der ausschließlich materielle Reichtumsbegriff kritisiert: Menschen, die einen hohen Lebensstandard genießen, würden leicht ihre „geistige Wachsamkeit“ und ihren „sozialen Reichtum“ einbüßen.[82][83]

Friedrich Nietzsche meint, dass der Reichtum eine aristokratische Rasse erzeuge, weil er erlaube, die schönsten Frauen zu wählen, die besten Lehrer zu bezahlen, Sport zu treiben und sich von verdumpfender körperlicher Arbeit fernzuhalten. Diese Wirkungen entstünden schon bei geringem Reichtum, es gäbe keine Steigerung, auch wenn der Reichtum erheblich gesteigert werde. Armut sei nur für diejenigen nützlich, die ihr Glück im Glanze der Höfe, als Helfer für Einflussreiche oder als Kirchenhäupter suchten.[84]

Eine sehr detaillierte Auseinandersetzung mit den Ursachen des heutigen Reichtumsbegriffes lieferte der Sozialpsychologe Erich Fromm mit seinem 1976 veröffentlichten Werk Haben oder Sein. Er sieht die westliche Kultur als Nährboden für die Existenzweise des „ewigen Säuglings, der nach der Flasche schreit“, statt einer Haltung, die sich produktiv mit der Welt auseinandersetzt und wenig auf materiellen Besitz gibt.[85]

Den Kritikern von Reichen wird z. T. unterstellt, dass es ihnen nicht um Gerechtigkeit gehe, sondern dass sie von Neid getrieben seien. Dieser Vorwurf wird jedoch als nicht überzeugend bemängelt, da Neidgefühle eine soziale Nähe voraussetzen, die kaum entstehen kann, da Superreiche durch Abschottung in einer Art Parallelwelt leben. Beim Neidvorwurf solle es sich daher vielmehr um eine Immunisierungsstrategie handeln. Neid richtet sich demgegenüber viel häufiger auf ärmere Menschen – z. B. Flüchtlinge und Sozialhilfeempfänger –, die staatliche Unterstützung erhalten.[86][87][88][89]

Die Sicht der Weltanschauungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ursprünglichen christlichen Glauben predigte Jesus Christus: „Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel“. Im Markusevangelium wollte er zeigen, dass man sich nicht auf seinen Reichtum verlassen soll, wenn es darum geht „das ewige Leben zu erben“ (Mk 10,17b). Unter anderem glauben die meisten Christen, dass Reichtum einen Menschen nicht über andere stellt. Freilich aber ist Reichtum damit nicht per se als negativ deklariert. Christi Wort ist eher im historischen Zusammenhang zu sehen, insofern, als Reichtum zu Jesu Zeit nur auf moralisch-tönernen Füßen stehen konnte, und zwar Ausbeutung und Unterdrückung. Auch ist Reichtum in diesem Zusammenhang als Sinnbild übertriebener Verhaftung im Irdischen zu verstehen. Die Konnotation eines Reichen mit fehlender Moral und fehlender Ausrichtung auf Gott ist hier also angeprangert. Der Reiche hat vielmehr die Verpflichtung, den Armen zu helfen.

Ausgehend vom Determintations- /Prädestinationsdenkens Luthers bzw. Calvins konnotierte die protestantische Mentalität Reichtum als Indiz der Erwählung des Reichen durch Gott (Calvinismus). Der Reiche habe deswegen seinen Reichtum im höchsten Sinne „verdient“. Soziokulturelle Auswirkungen hat dieses Denken bis heute in den Kernländern des Protestantismus wie Großbritannien oder den USA. In Verbindung mit Reichtum wird in protestantisch geprägten Staaten traditionell der Begriff Leistungsgerechtigkeit häufiger gebraucht, als der im Katholizismus übliche Begriff Verteilungsgerechtigkeit.

In Bezug auf den Buddhismus wird Reichtum ähnlich wie im frühen Christentum als Belastung angesehen. Tenzin Gyatso, der derzeitige Dalai Lama, meint: „Genugtuung, Geld auf der Bank zu haben, macht vielleicht im Moment glücklich, doch mit der Zeit hat der Besitzende immer mehr Angst, dass er alles verlieren könnte. Der große Lehrer (Buddha) predigte deshalb Armut, da er darin eine Art von ‚Erlösung‘ sah.“

Auch die Vertreter indigener Völker wenden sich häufig gegen die eurozentrisch geprägten Vorstellungen von Reichtum und Fortschritt. Oftmals widerstrebt materieller Besitz ihren traditionellen Überzeugungen und spirituellen Vorstellungen.[90]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Reichtum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Reichtum – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen: Lemma reich
  2. DWB: reich
  3. The Guardian, Oxfam: 85 richest people as wealthy as poorest half of the world, 20. Januar 2014
  4. The Independent, World's 85 richest people have as much as poorest 3.5 billion: Oxfam warns Davos of ‘pernicious impact’ of the widening wealth gap, 20. Januar 2014
  5. Forscher beweisen: Geld verdirbt den Charakter. In: Frankfurter Rundschau. 28. Februar 2012, abgerufen am 17. September 2019.
  6. Daisy Grewal: How Wealth Reduces Compassion. In: Scientific American. Abgerufen am 12. September 2019 (englisch).
  7. Maia Szalavitz: The Rich Are Different: More Money, Less Empathy. In: Time. ISSN 0040-781X (online [abgerufen am 17. September 2019]).
  8. P. K. Piff, D. M. Stancato, S. Cote, R. Mendoza-Denton, D. Keltner: Higher social class predicts increased unethical behavior. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 109, Nr. 11, 13. März 2012, ISSN 0027-8424, S. 4086–4091, doi:10.1073/pnas.1118373109, PMID 22371585, PMC 3306667 (freier Volltext) – (online (PDF) [abgerufen am 17. September 2019]).
  9. Lara B. Aknin, Michael I. Norton, Elizabeth W. Dunn: From wealth to well-being? Money matters, but less than people think. In: The Journal of Positive Psychology. Band 4, Nr. 6, November 2009, ISSN 1743-9760, S. 523–527, doi:10.1080/17439760903271421.
  10. Andrew T. Jebb, Louis Tay, Ed Diener, Shigehiro Oishi: Happiness, income satiation and turning points around the world. In: Nature Human Behaviour. Band 2, Nr. 1, 2018, ISSN 2397-3374, S. 33–38, doi:10.1038/s41562-017-0277-0 (online [abgerufen am 17. September 2019]).
  11. § 32a EStG - Einzelnorm. Abgerufen am 7. Juli 2020.
  12. Era Dabla-Norris, Kalpana Kochhar, Nujin Suphaphiphat, Frantisek Ricka, Evridiki Tsounta: Causes and Consequences of Income Inequality: A Global Perspective. Hrsg.: International Monetary Fund. Juni 2015 (online (PDF)): “if the income share of the top 20% (the rich) increases, then GDP growth actually declines over the medium term, suggesting that the benefits do not trickle down” [while] “an increase in the income share of the bottom 20% (the poor) is associated with higher GDP growth.”
  13. Larry Elliott Economics editor: Pay low-income families more to boost economic growth, says IMF. In: The Guardian. 15. Juni 2015, abgerufen am 27. Mai 2020.
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