Reinhard Erös

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Reinhard Erös in Tübingen

Reinhard Alois Erös (* 4. Januar 1948 in Tirschenreuth) ist ein deutscher Aktivist, Entwicklungshelfer und Oberstarzt a. D. der Bundeswehr. Zusammen mit seiner Frau Annette und seinen fünf Kindern betreibt er seit 1998 die Kinderhilfe Afghanistan, die in den Ostprovinzen Afghanistans mit dem Bau von Dorf- und Oberschulen, Waisenhäusern, Krankenstationen, Computerausbildungszentren und Berufsschulen humanitäre Hilfe und Wiederaufbauhilfe leistet. Er lebt in Mintraching im Landkreis Regensburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1967 bis 1972 diente Erös als Zeitsoldat der Bundeswehr und war Offizier in der Fernspähtruppe. Erös absolvierte im Rahmen der Ausbildung den Einzelkämpferlehrgang und den Fallschirmspringerlehrgang für automatische Fallschirmsprünge und Freifall.

Nach dem Ende seiner Dienstzeit studierte er Medizin und Politikwissenschaft in Freiburg und Tübingen. Während seines Studiums engagierte er sich im Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Um Assistent eines Bundestagsabgeordneten zu werden, unterbrach er kurzzeitig sein Studium.[1] 1980 trat er erneut in die Bundeswehr ein. Er war u. a. Truppenarzt bei der Gebirgsdivision sowie in München Kommandeur des Sanitätslehrbataillons 851[2] und Kommandeur der Lehrgruppe A der Sanitätsakademie der Bundeswehr.[3]

Seit 1981 war Erös während seines Urlaubs mehrfach mit internationalen Hilfsorganisationen in Krisen- und Katastrophengebieten im Einsatz (u. a. in Indien, Pakistan, Bangladesch, Ruanda, Osttimor). 1986 hatte sich Erös für vier Jahre ohne Bezahlung von der Bundeswehr beurlauben lassen, um als Arzt einer Hilfsorganisation im Kriegsgebiet Afghanistans die Zivilbevölkerung ärztlich zu versorgen; dabei musste er große persönliche Risiken eingehen.

Am ersten „Blauhelmeinsatz“ der Bundeswehr in Kambodscha 1992/93 war Erös als Kommandeur eines Sanitätsbataillons beteiligt. Von 1996 bis 1998 unterrichtete er als Dozent im Fachbereich Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr. In seiner letzten Verwendung war Erös von 1999 bis 2001 Kommandoarzt der Division Spezielle Operationen. 2002 trat er mit 54 Jahren vorzeitig in den Ruhestand. Seither widmet er sich voll seiner Arbeit in Afghanistan.

Erös gilt als profunder Kenner des Landes und bildet daher regelmäßig deutsche Polizisten für ihren Auslandseinsatz in Afghanistan aus.[4]

Erös ist parteilos, jedoch ist er seit 2002 auf der Liste der ÖDP Kreistagsmitglied des Landkreises Regensburg[5]. Er ist verheiratet und Vater von fünf Kindern, ein weiterer Sohn des Ehepaars verstarb Ende der 1980er Jahre.[6]

Erös hat seit 2002 in mehr als 3.000 Vorträgen weltweit über die humanitäre und politische Situation in Afghanistan berichtet. Über seine Arbeit in Afghanistan wurden seither mehr als 1.000 Presseberichte veröffentlicht. Seit 2007 kann Erös beim Unternehmen Speakers Academy GmbH als Vortragsprecher gebucht werden.

Reinhard Erös bricht bei Veranstaltungen, bei denen er als Gast eingeladen wurde, immer wieder Vorträge ab und beschimpft das Publikum und die Veranstalter.[7][8][9][10][11][12][13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung: Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Gattin Annette Erös, Lehrerin (für ihr humanitäres Engagement).[14]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tee mit dem Teufel – Als deutscher Militärarzt in Afghanistan. Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-455-01801-7
  • Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen – eine deutsche Familie kämpft für Afghanistan. Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-455-50074-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Jaumann: Mit Bildung die Verhältnisse ändern, Mittelbayerische Zeitung, 23. August 2013.
  2. Clemens Range: Die geduldete Armee. 50 Jahre Bundeswehr. Translimes Media, 2005, S. 130. ISBN 978-3-000-15382-2
  3. Reinhard Erös. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift, Band 160, Ausg. 1–12, 1994, S. 16.
  4. Simone Bartsch: Polizeiausbildung: „Was wollen sie da?“ in zoomer.de, 2. September 2008 (Memento vom 13. September 2008 im Internet Archive)
  5. Kommunale ödp-Mandate in Bayern ab 1. Mai 2008 in oedp-bayern.de, 2008
  6. a b Anne Will: Laudatio auf den Förderpreisträger Kinderhilfe Afghanistan. In: Zeit. 6. Dezember 2006 (Online [abgerufen am 8. Juli 2008]).
  7. Eklat: Redner Reinhard Erös verlässt wütend den Saal, Neckarstudent.de, 22. November 2012.
  8. Eklat bei Spendenübergabe. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  9. 15 September 2017 14:35 Uhr: Afghanistan-Vortrag endet mit Eklat. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  10. Afghanistan-Experte Reinhard Erös: Vortrag endet mit Eklat. 24. Oktober 2016, abgerufen am 1. Dezember 2019.
  11. Eva Büchele: Leinwand zu klein – Referent lässt Vortrag platzen. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  12. „Fesselnder Vortrag“. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  13. Von Ute Kahmann: Reinhard Erös berichtet über Afghanistan. 16. November 2017, abgerufen am 1. Dezember 2019 (deutsch).
  14. Bundesverdienstkreuze für Annette und Dr. Reinhard Erös, Pressemitteilung der Regierung der Oberpfalz, 20. September 2006.