Reinhard Hardegen

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Reinhard Hardegen an seinem 103. Geburtstag

Reinhard Hardegen (* 18. März 1913 in Bremen; † 9. Juni 2018 in Bremen - Horn-Lehe[1]) war ein deutscher Marineoffizier, Kaufmann und Politiker. Im Zweiten Weltkrieg war er einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen U-Boot-Kommandanten. Danach gehörte er zu den Gründern der Bremer CDU. Von 1959 bis 1979 war er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hardegen trat am 1. April 1933 mit der Crew 33 in die Reichsmarine ein. Vom 1. Februar 1935 bis zum 30. September 1936 erfolgte in Warnemünde und Parow seine Ausbildung zum Marineflieger. 1936 wurde er zum Leutnant zur See und 1939 zum Oberleutnant zur See befördert. Von einem Flugzeugabsturz 1936 behielt er ein verkürztes Bein und die Neigung zu Magenblutungen zurück.

U-Boot-Kommandant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beförderungen[2]

1 Feindfahrt mit U 147[2]

  • 11. Dezember 1940 bis 4. April 1941
    (1 Schiff mit 4.811 BRT versenkt)

10 Feindfahrten mit U 123

  • 8. Juni 1941 bis 12. Juni 1941
  • 15. Juni 1941 bis 23. August 1941
    (5 Schiffe mit 21.507 BRT versenkt)
  • 14. Oktober 1941 bis 22. November 1941
    (1 Schiff mit 13.984 BRT versenkt)
  • 23. Dezember 1941 bis 9. Februar 1942
    (8 Schiffe mit 49.421 BRT versenkt)
  • 2. März 1942 bis 2. Mai 1942
    (8 Schiffe mit 39.917 BRT versenkt)
  • 16. Mai 1942 bis 24. Mai 1942
  • 25. Mai 1942 bis 26. Mai 1942
  • 26. Mai 1942 bis 27. Mai 1942
  • 28. Mai 1942 bis 29. Mai 1942
  • 3. Juni 1942 bis 5. Juni 1942

Im November 1939 zur U-Bootwaffe versetzt, fuhr er vom 19. August 1940 bis zum 1. Dezember 1940 als Kommandantenschüler und Erster Wachoffizier auf U 124 unter Georg-Wilhelm Schulz. Von Dezember 1940 bis April 1941 war er Kommandant des „Einbaum“ U 147 und als Kapitänleutnant von April 1941 bis Juli 1942 von U 123.

Er versenkte auf acht Feindfahrten 22 Schiffe mit insgesamt 118.314 BRT und beschädigte fünf Schiffe mit 46.500 BRT. Beim Unternehmen Paukenschlag Anfang 1942 versenkte er mit U 123 acht Schiffe der Handelsmarine; insgesamt 220 Seeleute verloren dabei ihr Leben. Dönitz funkte: „An den Paukenschläger Hardegen. Bravo! Gut gepaukt. Dönitz.“ Am 23. Januar 1942 erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.[3] Auf der zweiten Amerikafahrt von März bis Mai 1942 versenkte er wieder acht Schiffe, insgesamt 253 Menschen wurden in den Tod geschickt.[4] Dafür wurde ihm am 23. April 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (89. Verleihung) verliehen.[3] Hardegen wurde im Wehrmachtbericht am 24. Januar 1942 und am 14. April 1942 namentlich genannt.[5]

Das Ritterkreuz sollte nach den Verleihrichtlinien eigentlich erst für eine Versenkung von mehr als 100.000 BRT Schiffsraum vergeben werden, das Eichenlaub für mehr als 200.000 versenkte BRT,[6] eine Vorgabe, die Hardegen klar nicht erfüllte. Die Verleihung entsprach aber der damaligen Marinepraxis,[7] deren Ziel es war, der Öffentlichkeit mehr erfolgreiche U-Boot-Kommandanten präsentieren zu können.[8] Er war auch Träger des U-Boot-Kriegsabzeichens mit Brillanten.

Ausbildungstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dönitz wusste von Hardegens 1936 erlittenen Verwundungen und ihren Folgen im Borddienst. Deshalb versetzte er ihn Ende Juli 1942 als Ausbilder zur 27. U-Flottille unter Erich Topp in Gotenhafen. Im März 1943 wurde er Leiter der U-Boot-Abteilung der Torpedoschule in Flensburg-Mürwik (vgl. Sonwik). 1944 wurde er zum Korvettenkapitän befördert und ins Torpedowaffenamt beordert. Im Februar 1945 wurde er Kommandeur des I. Bataillons des neu aufgestellten Marine-Grenadier-Regiments 6. Die Einheit nahm an heftigen Kämpfen gegen britische Truppen in der Gegend um Bremen teil. Bei diesen Kämpfen fielen die meisten Offiziere der Einheit. Hardegen erklärte später, dass sein Überleben darauf zurückzuführen sei, dass er mit einem schweren Fall von Diphtherie ins Krankenhaus eingeliefert wurde.[9] In den letzten Tagen des Krieges war Hardegen in Flensburg im Stab von Dönitz eingesetzt. Bei Kriegsende geriet er in britische Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1946 aus der Gefangenschaft entlassen, baute er in Bremen ein Ölhandelsunternehmen auf. Er gehörte zu den Gründern der Bremer CDU. Zu den Gründen dieses Engagements meinte er:[4]

„Wir waren der Meinung, dass es zu viele Sozis in Bremen gibt, und wollten das ändern.“

Reinhard Hardegen

Er trat der CDU bei und war von 1959 bis 1979 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und zeitweise stellvertretender Fraktionsvorsitzender (1962/63) der CDU-Fraktion und Schriftführer (1967–1971) der Bürgerschaft.

Späte Reisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er sich mit 70 Jahren aus der Politik zurückgezogen hatte, bereiste er mehr als 100 Länder. Er umrundete Australien, gelangte mit einem russischen Eisbrecher zum Nordpol und mit einem Schlitten zum Südpol und bewältigte die Nordwestpassage.[4]

Er war bis zu seinem Tod der älteste noch lebende U-Boot-Kommandant der Kriegsmarine. Er war außerdem der letzte lebende Ritterkreuzträger der Kriegsmarine.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf Gefechtsstationen! U-Boote im Einsatz gegen England und Amerika. Boreas Verlag, Leipzig 1943.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Grützner: Angriff! Ran! Versenken!. In: SCHIFF Classic, Magazin für Schifffahrts- und Marinegeschichte e.V. der DGSM, Jahrbuch 2019, S. 94–97, ISBN 978-3-86245-762-5.
  • Reinhard Müller: Reinhard Hardegen. Der letzte Politiker mit Ritterkreuz. In: FAZ.net. abgerufen 20. Dezember 2017[10]
  • Michael Ganno: Operation Drumbeat. HarperPerennial, 1991, ISBN 0-06-092088-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reinhard Hardegen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bremische Bürgerschaft: Bremische Bürgerschaft: Bürgerschaft trauert um Reinhard Hardegen. Abgerufen am 14. Juni 2018 (deutsch).
  2. a b Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe von 1939 bis Mai 1945. Band 5 aus Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Verlag E.S. Mittler & Sohn 2003, ISBN 3-8132-0515-0, S. 188–192.
  3. a b Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 366.
  4. a b c Jan Heitmann: Reinhard Hardegen. Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 13, 30. März 2013, S. 10
  5. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt... Der deutsche Wehrmachtbericht. Band 2: 1942–1943. Biblio Verlag, Osnabrück 1982, ISBN 3-7648-1282-6, S. 18, 86.
  6. Manfred Dörr (Bearb.): Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe. (= Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht 1939–1945; IV). Osnabrück 1989, Bd. 1, S. XV.
  7. Bodo Herzog: Ritterkreuz und U-Boot-Waffe. Bemerkungen zur Verleihpraxis. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv. 10 (1987), S. 245–260; Ders.: Provozierende Erkenntnisse zur deutschen U-Boot-Waffe. In: Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. 11 (1998), S. 101–124, insbes. S. 105f: „Die Kriterien hierfür (100.000-BRT- Versenkungsergebnis) wurden ständig unterlaufen. Von 122 mit diesem Orden ausgezeichneten Kommandanten (es gab neun Ausnahmen) erzielten nur 31 diese hohe Norm (Es gab sogar mit dem Ritterkreuz dekorierte Offiziere ohne Versenkungsergebnisse)“.
  8. René Schilling: „Kriegshelden“. Deutungsmuster heroischer Männlichkeit in Deutschland 1813–1945 (= Krieg in der Geschichte; Bd. 15), Paderborn 2002, S. 368 Anm. 199
  9. Michael Ganno: Operation Drumbeat. HarperPerennial, 1991
  10. Reinhard Müller: Reinhard Hardegen: Der letzte Politiker mit Ritterkreuz. In: FAZ.NET. 18. März 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 20. Dezember 2017]).