Reinhard Knodt

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Reinhard Knodt (2016)

Reinhard Knodt (* 13. Oktober 1951 in Dinkelsbühl) ist ein deutscher Schriftsteller und Philosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinhard Knodt studierte Philosophie und Literaturwissenschaft bei Hans-Georg Gadamer, Manfred Riedel und Friedrich Kaulbach. 1978 begann er seine akademische Laufbahn als Lecturer für Mittelalterdichtung am jesuitischen Priestercolleg Maynooth (Irland). Danach lehrte er als wissenschaftlicher Angestellter neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bayreuth und als wissenschaftlicher Rat für Philosophie von 1985 bis 1992 an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Nach einem USA-Aufenthalt an der Pennsylvania State University 1992 bei Ivan Illich vertrat er einen Lehrstuhl für Kunstphilosophie an der Kunsthochschule Kassel für Hannes Böhringer.

1993 wurde Knodt fester Hausautor des Bayerischen Rundfunks und begann neben der Organisation philosophischer Podien auch literarisch zu veröffentlichen. 1985 bis 1990 war er Mitherausgeber der Nürnberger Blätter. Mit der Veröffentlichung des Buches Ästhetische Korrespondenzen, das sich an der Idee einer „zweiten Philosophie“ (Riedel) im Verbund mit Dichtung, Mythos und Kunst orientierte und das den Begriff der Korrespondenz gegen das Kausalitäts- und Begründungsdenken der analytischen Philosophie wie auch alternativ zur französischen Postmoderne setzte, wurde er 1993 vom Reclam-Verlag in die Reihe der „Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts“ aufgenommen. 1995 begründete er die Nürnberger Autorengespräche zusammen mit Peter Horst Neumann, dem Direktor der Literaturabteilung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 2006 trafen sich auf den sechsten dieser Autorengespräche jüdische Schriftsteller aus ganz Europa und Israel, um den Beitrag der Juden zu einem werdenden Europa zu diskutieren.

Reinhard Knodt lebt seit 2005 als freier Schriftsteller und Philosoph in Berlin, wo er bis 2013 Kunstphilosophie an der Universität der Künste lehrte. Unter seinen philosophischen Veröffentlichungen ist vor allem Der Atemkreis der Dinge – Einübung in die Philosophie der Korrespondenz zu nennen, in der Korrespondenzdenken als ein Denken der „Wahrheit des Wir“ und als „Atmosphäre des Zusammenseins“ expliziert wird. Knodt hält zahlreiche Vorträge, vor allem im Bereich Kunst-Philosophie und Korrespondenztheorie, die er in kulturwissenschaftlichen Zusammenhängen propagiert. Er ist seit 2020 Vorstandsmitglied der internationalen Heideggergesellschaft und Vorsitzender der Akademie für westöstlichen Dialog der Kulturen e.V. Ein von ihm mit Künstlern 1995 gegründetes Zentrum, der Schnackenhof in Süddeutschland,[1] besteht nach wie vor.

Preise / Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philosophische Bücher:

  • Friedrich Nietzsche – die ewige Wiederkehr des Leidens. Selbstverwirklichung und Freiheit als Problem seiner Ästhetik und Metaphysik. Bonn, Bouvier 1987, ISBN 3-416-01932-6.
  • Ästhetische Korrespondenzen. Denken im technischen Raum. (Sieben Essays). Reihe Deutsche Gegenwartsphilosophie in der Universal-Bibliothek, Nr. 8986. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-008986-7.
  • Thinking Dwelling – On the Aesthetical Deficiences of Modern Architecture. Ue. Mathew Pritchard, Cambridge 2011 (Kindle e-Books 2011).
  • Schmerz – Acht Philosophisch-poetische Miniaturen. Berlin 2014, ISBN 978-3-941524-39-2.
  • Der Weg des Westens ist die Kunst – Einzelveröffentlichung, Schriftenreihe des Kunstvereins Ingolstadt e.V. bei Pinsker Dr. u Medien GMbH, Ingolstadt 2014.
  • Der Atemkreis der Dinge – Einübung in die Philosophie der Korrespondenz. Verlag Karl Alber, November 2017, ISBN 978-3-495-48864-5.

Literarische Bücher

  • Gott, Liebe oder die Reinhaltung der Luft. Kurzprosa. Zeichnungen von Michael Gölling. Original Hersbrucker Bücherwerkstätte, 1984.
  • Das Haus, Roman. Dagyelí, Berlin 1987, ISBN 3-924320-59-4.
  • Aber so kommen Sie doch mit hinunter zum Fluss! Skizzen einer minimalistischen Reise. Fotografien von Jürgen Schabel. Gillitzer und Müller, Nürnberg 1998, ISBN 3-932919-01-7.
  • Reinhardt Knodt, Jack Withers (Hrsg.): Zwei Sprachen – zwei Städte. Dichter aus Glasgow und Nürnberg schreiben = Two tongues – two towns. (Zweisprachige Textsammlung) Gemeinschaftsproduktion Goetheinstitut Glasgow / Stadt Nürnberg. Übersetzer: Donal McLaughlin / Ulrike Seeberger. Dagyeli, Berlin 1988, ISBN 3-924320-75-6.
  • Uwe Lichtenberg, Thomas Hierl, Reinhard Knodt: „Fürth – Begegnungen mit einer Stadt“, Kunstfotografien mit Texten zur Stadt. 1989, ISBN 3-926484-33-0.
  • Zeitenwenden, „weltliches Oratorium“, Vertonung: Hans Kraus-Hübner; Drauf. Münster Heidenheim, September 2000. Produktion: Bayerischer Rundfunk, Studio Franken.
  • Legenden, Oratorium zum Leben der hl. Walburga, Musik: Hans Kraus-Hübner; Produktion: Bayerischer Rundfunk, 13. September 2002 (Uraufführung im Hohen Dom zu Eichstätt).
  • Brief an den Turmschreiber – Mitteilungen über Abenberg, Gott und die Welt. Gillitzer und Müller, Abenberg/Nürnberg 2008, ISBN 978-3-9807896-2-2.
  • Undinen – Achzehn unmögliche Liebesgeschichten nach einer Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué, Klappenbroschur mit Übermalungen von Gabriela Dauerer. PalmArtPress, Berlin 2017, ISBN 978-3-941524-63-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedhelm Sikora: Reinhard Knodt. In: Walther Killy (Hg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Band 6. Bertelsmann-Lexikon Verlag, München 1986 ff., S. 412 ff.
  • Reinhard Knodts Philosophie – "Nachsommer des Denkens." In: Der Spiegel 26/1996 (im Netz).
  • Steffen Radlmaier: Literatur (Essay). In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 1999, ISBN 3-921590-69-8, S. 636 f.
  • Clemens Wachter: Literaturpflege in Nürnberg nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 88. 2001, S. 255–262, hier S. 262.
  • Andreas Sichelstiel: Ein offenes Haus für Künstler direkt am Fluss. Röthenbach: Im Schackenhof leben, arbeiten und feiern Musiker, Dichter und Maler seit genau 15 Jahren. In: Pegnitz-Zeitung vom 14. April 2010, S. 7.
  • Ruth Richter: Der Atemkreis der Dinge (Besprechung und Portrait) in "Elemente d. Naturwissenschaft (Zeitschr d. Goetheanums) Nr. 108 Jahre. 2018. S. 141–147.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Schnackenhof: Philosophie und Kunst am Fluß. In: schnackenhof.de. Abgerufen am 4. Dezember 2020.