Reinhard Rauball

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Reinhard Rauball (* 25. Dezember 1946 in Northeim) ist ein deutscher Politiker der SPD, Rechtsanwalt und Fußballfunktionär. Bekannt wurde er als mehrmaliger Präsident des Fußballvereins Borussia Dortmund sowie als kurzzeitiger Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit August 2007 ist der Vorsitzende des BVB auch Präsident des deutschen Ligaverbandes und damit gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der DFL sowie 1. Vizepräsident des DFB.[1] Von November 2015 bis April 2016 war er kommissarischer Präsident des DFB.

Als aktiver Fußballer spielte Rauball in den späten 1960er bis zu Beginn der 1990er Jahre bei TSC Eintracht Dortmund.[2]

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jurist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rauball, ein Sohn des Juristen Johannes Rauball,[3] studierte nach seinem Abitur am Dortmunder Leibniz-Gymnasium an der Ruhr-Universität Bochum Rechtswissenschaften und promovierte dort 1972 zum Thema Die Gemeindebezirke, Bezirksausschüsse und Ortsvorsteher. Seit 1975 arbeitet er als Rechtsanwalt in einer Dortmunder Sozietät. In den 1990ern und 2000ern machte er sich speziell als Sportrechtler einen Namen und vertrat unter anderem Katrin Krabbe, Nicole Uphoff und Graciano Rocchigiani sowie viele entlassene Trainer von Fußball-Bundesligisten. Einen besonderen Namen machte sich Rauball als einer der Grundgesetz-Kommentatoren der sogenannten „gelben“ Kommentare, die von Ingo von Münch herausgegeben werden.[4] Außerdem hat er, u.a. zusammen mit seinem Vater Johannes Rauball, auch die Gemeindeordnung von Nordrhein-Westfalen kommentiert.[5]

Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 1. März 1999 bis 8. März 1999 war er unter Ministerpräsident Wolfgang Clement Justizminister von Nordrhein-Westfalen. Bereits eine Woche nach seiner Ernennung ins Kabinett musste Rauball zurücktreten, weil er 1994 Mitglied des Aufsichtsrates des US-amerikanischen Unternehmens Eurogas geworden war, ohne dafür die für ihn als Notar nach der Bundesnotarordnung erforderliche Genehmigung einzuholen. Er hatte daher ein disziplinarrechtliches Verfahren eines Gerichts seines eigenen Geschäftsbereiches zu erwarten. Überschattet wurde seine Amtszeit von scharfer Kritik in der Presse an von ihm und seinem Bruder Wolfgang Rauball verantworteten Prospekten von Eurogas und damit verbundenen Aktiengeschäften, die „ohne jede Substanz“ gewesen seien.[6]

Im Laufe der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 kritisierte Rauball „erhebliche Beeinträchtigungen der Menschenrechte“ durch willkürliche Überwachung und lobte das „uneigennützige Handeln“ des US-amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden.[7]

Fußballfunktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rauball ist seit dem 14. November 2004 zum dritten Mal Präsident von Borussia Dortmund. Mit Gerd Pieper und Reinhold Lunow bildet er den Vorstand des BVB. In seiner ersten Amtszeit von 1979 bis 1982 war er mit 32 Jahren jüngster Präsident der Bundesligageschichte. Auch in den Jahren 1984 bis 1986 stand er dem Präsidium des Bundesligisten als Präsident vor. Er gilt als Retter des BVB, da er in jeder seiner Amtszeiten den Verein vor dem Konkurs rettete, zuletzt 2005 und 2006 in Zusammenarbeit mit den beiden Geschäftsführern Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß.

Seit August 2007 ist Rauball Nachfolger des verstorbenen Werner Hackmann als Vorsitzender des Ligaverbandes. Er wurde als einziger Kandidat mit den Stimmen aller 36 Profivereine gewählt, seine Amtszeit dauerte zunächst bis zum Beginn der Spielzeit 2010/11, bevor er am 18. August 2010 und erneut am 7. August 2013 für jeweils drei weitere Jahre gewählt wurde. Damit ist er gleichzeitig 1. Vizepräsident des DFB. [8][9] Am 9. November 2015 wurde Rauball, zusammen mit Rainer Koch, durch den Rücktritt von Wolfgang Niersbach satzungsgemäß kommissarischer Präsident des DFB. Am 15. April 2016 übergab er das Amt an Reinhard Grindel.

Sonstige gesellschaftliche Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinhard Rauball gehört dem Stiftungsrat der Robert-Enke-Stiftung an,[10] außerdem ist er Botschafter für Kinderlachen e. V.[11]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders während seiner kurzen politischen Tätigkeit wurden Rauballs Aktiengeschäfte heftig kritisiert. So wurden er und sein Bruder Wolfgang z. B. von dem Anlegerschützer Heinz Gerlach als „Vermögensvernichter“ bezeichnet. Die Brüder sollen in den 1980er und 1990er Jahren u. a. mit T.R.V. Minerals und Eurogas hochspekulative Unternehmen an die Börse gebracht und Anleger mit unrealistischen Perspektiven zum Kauf gelockt haben. Dadurch hätten Anleger Verluste in Millionenhöhe hinnehmen müssen.[12][13]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rauball lebt in Herdecke. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Sein Bruder Werner Rauball war von 1994 bis 2007 der letzte Bürgermeister der mittlerweile mit Nachbarstädten fusionierten Stadt Bitterfeld. Dieser war ebenfalls viele Jahre Mitglied der SPD. Bei den Kommunalwahlen 2014 trat er als Spitzenkandidat der Partei Die Linke an und ist sowohl in den Stadtrat der Stadt Bitterfeld-Wolfen als auch in den Kreistag des Landkreises Anhalt-Bitterfeld gewählt worden.[14][15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Präsidium. In: dfb.de. 13. Dezember 2016, abgerufen am 7. Januar 2017.
  2. Als Spieler bei Dortmund 95 wurde Reinhard Rauball nicht berühmt. In: Focus Online. 24. Mai 2013, abgerufen am 7. Januar 2017.
  3. Wie in alten Studententagen:. In: welt.de. 17. Februar 1999, abgerufen am 7. Januar 2017.
  4. Datensatz bei der DNB, abgerufen am 8. Juni 2014.
  5. Johannes Rauball u.a.: Gemeindeordnung für Nordrhein-Westfalen. C.H. Beck, München 1968 ff. ISBN 3406081266.
  6. Wolfgang Clement, Ministerpräsident von NRW, überreicht Rauball die Ernennungsurkunde zum Justizminister. In: swr.de. 1. März 1999, abgerufen am 7. Januar 2017.
  7. Asyl für Snowden: "Welcome Edward!" In: Spiegel Online. 3. November 2013, abgerufen am 7. Januar 2017.
  8. Reinhard Rauball bleibt DFL-Präsident. In: kicker.de. 18. August 2010, abgerufen am 7. Januar 2017.
  9. Einstimmig: Rauball bleibt bis 2016 DFL-Präsident. In: kicker.de. 7. August 2013, abgerufen am 7. Januar 2017.
  10. Homepage der Robert-Enke-Stiftung, abgerufen am 8. Februar 2016.
  11. Homepage Kinderlachen.de, abgerufen am 8. Februar 2016.
  12. Knallharter Neuling. In: Der Spiegel. 22. Februar 1999, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  13. Uli Dönch: Der „kleine Doktor“ in Not. In: Focus. 1. März 1999, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  14. Fraktion DIE LINKE (Stadtrat). In: ratsinfo.bitterfeld-wolfen.de. 26. Juli 1997, abgerufen am 7. Januar 2017.
  15. Die endgültigen Ergebnisse der Kreistagswahl 2014 (Memento vom 12. September 2014 im Internet Archive)