Reinhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen

Reinhausen ist der Stadtbezirk 07 von Regensburg. Der Vorort Reinhausen wurde am 1. April 1924 in die Stadt Regensburg eingemeindet.[1] Vor seiner Eingemeindung 1924 war Reinhausen mit rund 5000 Einwohnern das größte Dorf der Oberpfalz. Der letzte Bürgermeister war Max Dauer.

Ortsbild Reinhausen mit der Pfarrkirche St. Josef

Reinhausen liegt östlich der Einmündung des Regens in die Donau. Mit dem Stadtbezirk Steinweg am gegenüberliegenden Regenufer ist Reinhausen durch die Reinhauser Brücke verbunden. Diese früher für den Handel mit Böhmen wichtige Brückenverbindung ist seit 1194 bezeugt.

Reinhausen wurde 1007 als Reginhusen (Häuser am Regen) erstmals erwähnt. Das Ortsbild des ursprünglich von Winzern, Fischern und Flößern bewohnten Ortes ist am Regenufer von kleinen Schopfwalmgiebelhäusern geprägt. Das ehemalige Wappen von Reinhausen zeigt den Heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Schiffer und Flößer, mit Seil und Axt. Hier in Reinhausen wurden die im Bayerischen Wald gefällten und auf dem Regen angeschwemmten Stämme von den Flößern aus dem Wasser gezogen und dann weiterverarbeitet. Heute ist das Gelände bebaut, jedoch erinnert der Straßenname Holzgartenstraße noch an die ehemalige Nutzung.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden Reinhausen und der östlich benachbarte Stadtteil Weichs im Verlauf der Kämpfe um Regensburg zum Quartiersstandort für mehrere bayerische Infanterieregimenter unter dem Kommando des Generalfeldzeugmeisters Otto Heinrich Fugger.[2] Diese Regimenter hatten die undankbare Aufgabe, das von den Schweden besetzte und stark befestigte Stadtamhof, den nördlichen Brückenkopf der Steinernen Brücke, zu erobern.

Nach 1810 als die Stadt Regensburg an Bayern gefallen war, zeigte es sich, dass die neuen, noch nicht eingemeindeten Vororte Reinhausen und Weichs nur schlecht und auf Umwegen über die Steinerne Brücke erreichbar waren. Als Versuche zur besseren Anbindung wurden zunächst Bootsüberfahrten und Fährdienste und 1873 sogar eine Drahtseilfähre eingerichtet. Nach der Eingemeindung wurde 1924 eine Pontonbrücke am Standort der heutigen Nibelungenbrücke dem Verkehr übergeben, die bis zur Fertigstellung der damaligen Adolf-Hitler-Brücke 1938 ihren Dienst versah.[3]


Im ehemaligen Schrödl-Saal wurde 1892 die bayerische SPD gegründet, nachdem dies in Regensburg durch den Boykott der Stadt nicht gelang. Ein in Reinhausen ansässiger bedeutender mittelständischer Industriebetrieb ist die Maschinenfabrik Reinhausen, sie zählt über 1800 Beschäftigte und ist Weltmarktführer für Stufenschalter für Leistungstransformatoren. In Reinhausen steht auch das Werner-von-Siemens-Gymnasium, das jüngste staatliche und einzige nördlich der Donau gelegene Gymnasium Regensburgs, das mit ca. 1350 Schülern zu den größten Schulen Regensburgs zählt; außerdem die St.-Nikola-Grundschule, die mit ca. 100 Schülern in vier Klassen zu den kleinsten Regensburger Schulen gehört.

Ehemalige Walhallabahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinhausen war Haltepunkt der 1889 in Betrieb genommenen schmalspurigen Walhallabahn zwischen Regensburg und Wörth an der Donau, die hier über die Alte Regenbrücke fuhr.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Regenufers steht die barockisierte alte romanische Kirche St. Nikolaus, die von den ersten Bewohnern Reinhausens (Schiffer, Flößer und Fischer) errichtet und erstmals 1228 urkundlich erwähnt wurde. Die Kirche St. Nikolaus ist heute Filialkirche der Stadtpfarrkirche St. Josef.

Die Gemeinden Reinhausen und Weichs gehörten bis zum Jahr 1913 zur Pfarrei Sallern; jedoch wurde die Kirche St. Nikolaus im Laufe der Zeit für die gewachsenen Gemeinden viel zu klein. Pfarrer Michael Wieshuber von Sallern gab schließlich den Anstoß zum Bau der Kirche in Reinhausen. Von 1906 bis 1912 wurde die jetzige neobarocke Stadtpfarrkirche St. Josef von Heinrich Hauberrisser erbaut. Am 18. November 1911 erfolgte schließlich die kanonische Errichtung der Pfarrei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  2. Peter Engerisser: Eine bisher unbekannte Ansicht der Belagerung Regensburgs im Jahre 1634. In: Verhandlungen des Historischen Vereins Regensburg. Band 148. Verlag des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 2008, ISSN 0342-2518, S. 55–83.
  3. Klaus Heilmeier: Eine wüste Insel und mehr ein Dorf als eine Vorstadt. Spurensuche auf dem Unteren Wöhrd. In: Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalpflege in Regensburg. Band 13. Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2550-5, S. 122 f.
  4. Sigfrid Färber: Regensburg, ehemals, gestern und heute. Das Bild der Stadt im Wandel der letzten 125 Jahre. J. F. Steinkopf Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-7984-0588-3, S. 101.

Koordinaten: 49° 2′ N, 12° 7′ O