Reinhold Burger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Reinhold Burger, um 1900

Reinhold Burger (* 12. Januar 1866 in Glashütte, Landkreis Teltow-Fläming; † 21. Dezember 1954 in Ost-Berlin) war ein deutscher Glastechniker und Erfinder.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgers Vater war Glasfabrik-Arbeiter beim Grafen zu Solms-Baruth im Fabrikort und Werkweiler Glashütte nahe dem märkischen Baruth. Als 15-Jähriger ging Burger nach einem Praktikum in der Glashütte seines Großvaters in Burig bei Erkner zu C. A. F. Geissler & Sohn in Berlin in die Lehre als Glastechniker. Nach einigen Jahren bei Siemens & Halske reiste er von 1889 bis 1890 in die USA und arbeitete dort in New York, Brooklyn, Boston, Philadelphia und Chicago. Bei seinem zweiten USA-Aufenthalt 1890–91 misslang ihm die Gründung einer Thermometerfirma.

Im Jahre 1894 gründete er in Berlin sein eigenes Unternehmen „R. Burger & Co.“, die erste Glasinstrumentenfabrik ihrer Art in Berlin.[1] Seine Wohnung bezog er in der Friedenstraße und gründete die Firma in der Novalisstraße in direkter Nähe von Instituten der Friedrich-Wilhelms-Universität und der Charité. 1900 verlegte er die Werkstatt in die Chausseestraße und zog 1904 nach Pankow.[2] Zu den Erzeugnissen gehörten Thermometer, Laborgefäße und -geräte, wie Glaszylinder, Kochflaschen, Abdampfschalen, aber auch Wasserstandsröhren, Vakuumpumpen und -gefäße, Gasentladungsröhren. Hinzu kamen Experimentiergeräte für den Physikunterricht höherer Schulen und vielfältige medizinische Diagnose- und Therapiegeräte.[3] 1921 wurde er Besitzer des Grundstücks Wilhelm-Kuhr-Straße 3 und verlegte den Wohnsitz dahin, 1927 kam auch der Firmensitz an diese Stelle.[4]

Reinhold Burger heiratete 1903 in Berlin seine Frau Charlotte geb. Gruber. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Sein Unternehmen „R. Burger & Co.“, anfangs zusammen mit A. Aschenbrenner, leitete er bis zu seinem Tod selbst.[5] Die Produkte des Unternehmens wurden an Kunden in Europa, den USA, Südamerika und Asien geliefert. Bis 1982 existierte das Burgersche Unternehmen weiter als Familienbetrieb.

Dem Tüftler und Erfinder wurde mit dem Museumsdorf Baruther Glashütte bei Baruth/Mark in der ehemaligen Hütten-Glasschleiferei ein Denkmal gesetzt. Dort ist der gesamte Nachlass als Dauerleihgabe der Familie Burger zu besichtigen. Ausgestellt sind die Werkstatt des Erfinders sowie Original-Dokumente und Patentschriften. Die einzigartigen Thermosgefäße, original von Burgers Hand geschaffen, sind ergänzt mit Geräten aus aller Welt, hinzu kommen Burgers frühe Vakuumpumpen und medizinisch-technische Apparaturen. Das Kernstück der Ausstellung bildet jedoch Burgers erste Original-Röntgenröhre.

Grabstätte Reinhold Burger

Die letzte Ruhe fand er im Familiengrab auf dem Städtischen Pankower Friedhof am Bürgerpark.

Erfindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röntgenröhre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinter dem Deutschen Reichspatent Nr. 129974[6] von 1901 verbirgt sich eine bekannte Erfindung: In Zusammenarbeit mit Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923) entwickelte Burger eine Röntgenröhre. 1895 hatte Röntgen in Würzburg die nach ihm benannten X-Strahlen entdeckt, als er mit der Entladungsröhre experimentiert hatte. Ab 1896 führte er seine Versuche mit Röhren durch, die Burger eigens für ihn entwickelt und gefertigt hatte. Diese Burgerschen Vakuumröhren zeichneten sich durch elektrische Anschlüsse, eine bleihaltige Schutzschicht und besonders durch unterschiedliche Materialstärken aus.

In Glashütte bei Baruth/Mark ist im Burgermuseum einer der ältesten existierenden „Röntgenapparate“ zu besichtigen.

Thermoskanne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Entwicklung Reinhold Burgers beruht auf den Vorarbeiten von Adolf Ferdinand Weinhold[7] (1841–1917) und des britischen Chemikers und Physikers Sir James Dewar (1842–1923): die Thermoskanne.

Berliner Gedenktafel am Wohnhaus Wilhelm-Kuhr-Straße 3 in Berlin-Pankow

Burger experimentierte an der Fertigung doppelwandiger Vakuum-Glasgefäße auf Grundlage der mittlerweile als Dewargefäß bezeichneten Behälter.[8] Unaufgefordert sandte er seine Gefäße dem Eismaschinenfabrikanten Carl von Linde (1842–1934) zu. Dieser hat Burger damit beauftragt, ihm geeignete isolierende Behälter für den Transport verflüssigter Luft mit Temperaturen von −194,5 °C zu liefern. Das Ergebnis war ein doppelwandiger, hochevakuierter und innen versilberter Glaskolben. Zum Transport wurde der Glaskörper in einem stabilen, leichten Metalldrahtbehälter eingebettet, innen mit Filz ummantelt.[8] 1903 ließ er sich die Thermoskanne patentieren, die sich durch mechanische Stabilität des Innengefäßes auszeichnete, weil es durch Einlagen im Hohlraum gestützt wurde.[9] Eine Klage von Dewar gegen den englischen Thermosflaschenproduzenten und das Burgersche Patent verlor Dewar in der darauffolgenden gerichtlichen Auseinandersetzung.[10]

„Die Erfindung der Luftverflüssigung gab mir Gelegenheit, diese Isolierflasche weiterhin zu verbessern, die die Aufgabe hatte, die Licht- und Wärmestrahlung auf ein Mindestmaß zurückzuführen. Da diese und jene Flaschen nicht den Anforderungen genügten, so prüfte ich in Ermangelung von flüssiger Luft die Brauchbarkeit der Gefäße mit heißem Wasser. Dabei kam mir der Gedanke, dass man statt dessen auch Getränke verwenden könnte. Ich nahm eine Reihe von mir hergestellter kleiner kugelförmiger Gefäße und füllte sie mit heißem Kaffee, Tee, Milch und dergleichen. Noch nach 24 Stunden waren die Getränke so gebrauchsfertig, als wären sie eben erst hergerichtet worden...“

Reinhold Burger, Interview-Aufzeichnung von 1941

In den folgenden Jahren arbeitete Burger daran, diese Erfindung alltagstauglich zu machen: Er stabilisierte das doppelwandige Glasgefäß innen durch Abstützungen mit Asbestplättchen, die von einem Drahtgeflecht fixiert waren. Er entwickelte ein Verfahren, um die Innenversilberung preiswert und dauerhaft haltbar zu machen. Er versah die Flasche mit einem Korken und einem aufsteckbaren Trinkbecher sowie einer Ummantelung aus Metall. Die Isolierflasche war damit für den täglichen Gebrauch und die Massenfertigung geeignet. Unter der DRP-Nr. 170057[11] registrierte das Kaiserliche Patentamt am 1. Oktober 1903 Reinhold Burgers Erfindung. Den Namen „Thermos“ ließ er sich 1904 als Warenzeichen unter der laufenden Nummer 71717 schützen, eingetragen am 30. August 1904 im Kaiserlichen Patentamt. Patentierungen in der Schweiz, in Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA folgten bis 1906. Mit seiner Produktpalette, wie der Thermosflasche und seiner Röntgenröhre, errang er Goldmedaillen und Ehrendiplome auf den Weltausstellungen 1904 in St. Louis (USA), 1906 in Mailand, eine Silbermedaille auf dem Internationalen Kongress der Physiotherapie in Rom 1907 (Italien) und eine Silbermedaille auf der Hygieneausstellung 1911 in Dresden.[12]

Die von Burger zusammen mit Albert Aschenbrenner und dem Wiener Erfinder und Kaufmann Gustav Robert Paalen 1906 speziell zur Thermosflaschen-Herstellung gegründete Thermos-Gesellschaft mbH, Berlin W., warb:

„Thermos-Flaschen halten ohne Vorbereitung, ohne Chemikalien, heiße Getränke 24 Stunden heiß, kalte Getränke auch an heißen Sommertagen ohne Eis tagelang eiskalt. Unentbehrlich für Touristen, Reisende, Automobilisten, Radfahrer, Wassersport, Militärs, Luftschiffer, Forstbeamte, Jäger, Bureau, Fabrik-Angestellte, alle Arbeiter, zur Kinderpflege, zu Brunnenkuren […]“

Die drei Geschäftsführer Aschenbrenner, Burger und Paalen organisierten die Fertigung, die Schulung der Mitarbeiter und das Marketing der Thermos GmbH. Paalen entwickelte neben kleinen technischen Verbesserungen eine Apparatur zum Vernahten der Gläser, machte sie mit einem emaillierten Eisenblechmantel für die österreichische Armee kavallerietauglich und entwarf eine elegante Kanne für den bürgerlichen Teetisch, die allerdings keinen Eingang in die Thermospalette der Hersteller fand. Zwischen 1907 und 1909 meldeten Burger und Paalen für verschiedene Varianten dieser Neuschöpfungen in Deutschland, Österreich und den USA eigene Patente an.[13]

Da sich Reinhold Burger eher als Entwickler und Forscher weniger als Kaufmann verstand, verkaufte er 1907 seinen 25%-Anteil an der Gesellschaft, die das Reichspatent und das geschützte Warenzeichen Thermos hielt, an Paalen für 65.500 Mark.[14] Der Unternehmer Paalen firmierte 1909 die GmbH in eine Aktiengesellschaft mit 1 Mio. Mark Stammkapital um.[15] Die Thermos AG (später VEB Thermos) produzierte ab 1928 im Thüringer Glasbläserort Langewiesen.

Die Auslandsrechte übertrug die Thermos GmbH im Jahr 1906 an die American Thermos Bottle Company in New York. Mit diesem Unternehmen begann die Burgersche Thermosflasche ihren weltweiten Siegeszug. Auch wenn Burger sich selbst aus der deutschen Thermos GmbH bzw. AG zurückzog, so half er doch beim Technologietransfer an die amerikanischen Geschäftspartner. Die American Thermos Bottle Company errichtete Thermosfabriken in den USA, in Kanada, in England und in Japan. Bis in die zwanziger Jahre produzierten diese Firmen nach den zwischen 1906 und 1910 von Burger in den USA angemeldeten Hauptpatenten.

Kaltrotlicht-Bestrahlungsapparat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1927 ließ er den von ihm erfundenen Kaltrotlicht-Bestrahlungsapparat patentieren und vertiefte seine Forschungsarbeit gemeinsam mit Medizinern der Berliner Charité. Eine Vielzahl von Bestrahlungsgeräten zur Behandlung von Haut- und Inneren Krankheiten wurden zusammen mit Ärzten entwickelt und erprobt. Diese Bestrahlungsapparate waren in vielen Kliniken und Arztpraxen im Einsatz. Zwei Geräte wurden 1938 an das Kremlkrankenhaus in Moskau geliefert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Götz Goebel: Die Thermoskanne des Herrn Burger. SWR-Reihe „Patente & Talente“, 27. Dezember 2006
  • Axel Burger/Sven Burger/Georg Goes/Udo Radtke: Glasinstrumentenmacher als Pioniere des Fortschrittes, Baruther Beiträge zur Glaskultur / Band 5 2019

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Reinhold Burger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Burger. In: Neues Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1896, II, S. 135. „R. Burger, Glastechnik, N Novalisstraße 6, Wohnung: NO, Friedenstraße 61a IV. Stock“ (auch *1896/1773/* Novalisstraße, *1896/1537/* Friedenstraße).
  2. R. Burger. In: Berliner Adreßbuch, 1904, I., S. 236. „Glastechnik R. Burger, begr. 1894, N4 Chausseestraße 2e, Inh. R. Burger, Pankow, Schmidtstraße 7 I. Stock, und A. Aschenbrenner“ (*1915/410/* Wohnung Fabrikant R. Burger, Pankow, Kreuzstraße 17c II. Stock.).
  3. Einwohnerverzeichnis: Reinhold Burger. In: Berliner Adreßbuch, 1910, I., S. 354. „Reinhold Burger, Glastechniker, Pankow, Schulzestraße 41, II. Etage // R. Burger & Co. begr. 1894, Glastechnik, N4, Chausseestraße 8, Inhaber A. Aschenbrenner (Waidmannslust) und R. Burger“.
  4. R. Burger & Co. In: Berliner Adreßbuch, 1928, I., S. 434. „R. Burger & Co., Röntgenapparate, Pankow, Wilhelm-Kuhr-Straße 3, sowie der Fabrikant Burger als Eigentümer des Grundstücks“ (vergleiche dazu den Eintrag im Vorjahr *1927/453/*).
  5. R. Burger & Co. In: Berliner Adreßbuch, 1943, I., S. 375. „Reinhold Burger, Fabrikant, Pankow, Wilhelm-Kuhr-Straße 3 // R. Burger & Co. (Handelsregister eingetragen), Glasbläserei, Pankow, Wilhelm-Kuhr-Straße 3“ (*1943/6926/* Wilhelm-Kuhr-Straße 3; Eigentümer: Fabrikant R. Burger, Mieter: Geophysiker Dr. A. Burger, Glasbläserei R. Burger & Co., Malereigeschäft O. Nieburger, Rentnerin Pfähler, Fürsorgerin Stenger, vw. Ober Real Direktor Sternbeck).
  6. Patent DE129974: Vorrichtung zur Erzeugung von Röntgenstrahlen. Angemeldet am 19. April 1901, veröffentlicht am 22. April 1902, Anmelder: Reinhold Burger.
  7. Adolf Ferdinand Weinhold: Physikalische Demonstrationen (Anleitung zum Experimentieren im Unterricht an Gymnasien, Realschulen und Gewerbschulen). Quandt & Händel, Leipzig 1881, S. 479 Abb. 362.
  8. In einem Rundfunkinterview anlässlich seines 75. Geburtstags erinnerte sich der Glastechniker Reinhold Burger 1941 noch einmal an den Moment, als er die geniale Idee mit der Thermosflasche hatte. Um heißen Kaffee oder Tee war es ihm ursprünglich gar nicht gegangen. Nach deutschlandfunkkultur.de/: Der Erfinder der Thermoskanne
  9. Patent DE170057, Priorität 1903-10-01, Gefäß mit doppelten, einen luftleeren Hohlraum einschließenden Wandungen mit die Versteifung des Innengefäßes bewirkenden Einlagen, dadurch gekennzeichnet, daß dieselben in Gestalt von kleinen Plättchen oder dergl. auf einem ringförumig gebogenen Draht aufgereiht sind.
  10. Sella, Andrea: Dewar's Flask. In: Chemistry World. August 2008, S. 75. Abgerufen am 30. August 2008.
  11. Patent DE170057: Gefäß mit doppelten, einen luftleeren Hohlraum einschließenden Wandungen. Angemeldet am 1. Oktober 1903, veröffentlicht am 25. April 1906, Anmelder: Reinhold Burger.
  12. Susanne Tölke: Reinhold Burger geboren, Erfinder der Thermosflasche. Auf Bayerischer Rundfunk, 12. Januar 2017
  13. Gustav Paalen ließ am 8. Juli 1907 sein erstes Dewar-Gefäß in Berlin patentieren, s. a. Deutsche Mechaniker Zeitung, Berlin (J. Springer) 1908. 1908 folgten weiter Anmeldungen unter seinem Namen, die zum Teil mit anderen konkurrierten. Die amerikanische Produktion lief unter einem Patent mit der Nummer 110888, das im März 1908 auf den Namen Gustav Robert Paalen angemeldet und am 18. Oktober desselben Jahres in Berlin eingetragen wurde. Ebenfalls eingetragen wurden unter den Nummern 358627, 353628 u. 353629 diverse Nebenpatente, so z. B. eine „Vorrichtung zum Verschmelzen der Halsnaht doppelwandiger Gefäße, G.R. Paalen 1908“, in: Deutsche Mechaniker Zeitung, ebd. 1907 und vor allem 1908 wurden unter dem Motto „Thermos hält kalt und heiß, ohne Feuer, ohne Eis“ gewaltige Summen in Werbekampagnen gesteckt; man engagierte Prominente, wie den „Sieger im Gordon-Bennet-Rennen der Lüfte von 1907“, Oscar Erbslöh, oder den Heißluftballonfahrer Poeschel aus Meißen, der den Medien stolz berichten durfte: „Seit mir die Thermos-Flaschen bekannt geworden sind, habe ich nie wieder eine Ballonfahrt unternommen, ohne eine Anzahl von ihnen mit mir zu führen, und habe die besten Erfahrungen damit gemacht. (..) Auf einer Winterfahrt bei 11° Kälte war der Thee darin noch so heiß, dass man den Becher nicht halten konnte und das Getränk erst durch zugießen von kaltem Rotwein genießbar gemacht werden konnte.“<ref>zit. n. einer Werbebroschüre der Thermos GmbH, erschienen im Verlag des Invalidenbank, Berlin 1908; Volker Köhler berichtet, der Reingewinn der Thermos GmbH habe sich aufgrund der „ungeheuren Reklamekosten des Jahre 1908 von 139.883 Mark“ um ¾ von 200.000.- auf 48.000.- Mark reduziert. zit. n. Volker Köhler, Die Geburt der Thermosflasche, in: Heimatkalender für den Landkreis Teltow-Fläming 1993
  14. Lebenslauf von Reinhold Burger
  15. Eine neue Aktiengesellschaft, Handels-Zeitung des Berliner Tageblatts, 1909-01-02.