Reipoltskirchen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Reipoltskirchen
Reipoltskirchen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Reipoltskirchen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 38′ N, 7° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Kusel
Verbandsgemeinde: Lauterecken-Wolfstein
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 7,48 km2
Einwohner: 358 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67753
Vorwahl: 06364
Kfz-Kennzeichen: KUS
Gemeindeschlüssel: 07 3 36 085
Adresse der Verbandsverwaltung: Schulstraße 6a
67742 Lauterecken
Webpräsenz: www.reipoltskirchen.de
Ortsbürgermeister: Ernst Eckert
Lage der Ortsgemeinde Reipoltskirchen im Landkreis Kusel
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Über dieses Bild

Reipoltskirchen ist eine Ortsgemeinde im westpfälzischen Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Tal des Odenbachs im Norden des Nordpfälzer Berglands. Zu Reipoltskirchen gehören auch die Wohnplätze Ausbacherhof, Ingweilerhof und Karlshof.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemarkung, die seit 750 an dem fränkischen Nahegau zugehörig war, stiftete der Franke Richbaldes – möglicherweise bereits im 8. Jahrhundert – eine Kirche. Um diese herum bildete sich im Lauf der Jahre eine Siedlung, die Richbaldeskirchen genannt wurde.

Der Ort, 1198 erstmals urkundlich erwähnt, war Hauptort und Amtssitz der unmittelbaren Reichsherrschaft Reipoltskirchen. Diese umfasste zuletzt 15 Dörfer und diverse Höfe, die sich mit etwa 3000 Einwohnern auf einer Fläche von rund 100 km² zwischen Alsenz und Lauter ausdehnten.

Die zum Oberrheinischen Reichskreis gehörende Herrschaft Reipoltskirchen blieb bis zu ihrer Besetzung durch französische Revolutions­truppen 1792 reichsunmittelbar. 1816 fiel das Gebiet mit der linksrheinischen Pfalz an das Königreich Bayern, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es Bestandteil von Rheinland-Pfalz.

1998 feierte der Ort seine 800-Jahr-Feier.

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herrschaft Reipoltskirchen nahm im 16. Jahrhundert das lutherische Bekenntnis an. Sympathien gegenüber der Lehre Martin Luthers waren bereits bei den Brüdern Johann und Wolfgang von Hohenfels-Reipoltskirchen erkennbar. Johann war noch 1518 ein Mitstreiter Franz von Sickingens, und Wolfgang gestattete seinen Untertanen in der Herrschaft Forbach während des Bauernaufstands Freiheiten, die auf ein Umdenken hindeuten. Zudem war er mit Katharina von Rappoltstein vermählt, deren Familie ebenfalls sehr früh den lutherischen Glauben annahm. 1548 während des Interims Kaiser Karls V. galt die Herrschaft bereits als lutherisch reformiert. 1550, bei einer kurmainzischen Visitation, wurde über zwei geweihte Priester berichtet, die das Abendmahl in beiderlei Gestalt austeilten und zudem verheiratet waren.

Ab den 1680er Jahren siedelten sich wieder vermehrt Katholiken im Ort an, was durch die französische Besatzungsmacht unter Ludwig XIV. und durch spätere Herrschaftsinhaber gefördert wurde, sodass sich die Mehrheitsverhältnisse umkehrten und das Kirchengebäude in Reipoltskirchen gegen Ende des 17. Jahrhunderts und mehr noch in den beiden ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts sukzessive in katholischen Besitz überging. Der Konfessionswechsel, verbunden mit den Änderungen der Kirchennutzungsrechte, löste unter den Einwohnern Auseinandersetzungen aus. Betreut wurde die katholische Gemeinde zunächst durch Angehörige des Franziskanerklosters in Meisenheim − ebenfalls eine gegenreformatorische Gründung Frankreichs. Nach Beendigung der Feudalherrschaft in napoleonischer Zeit kam es noch einmal zu einem Simultaneum. Als das baufällige Kirchengebäude 1848 durch einen Neubau ersetzt wurde, forderten die Protestanten im Ort erneut Nutzungsrechte, was auf die simultane Nutzung des Vorgängerbaus hindeutet.

Die Rekatholisierung war eine spezifische Entwicklung des Dorfes und betraf nicht den Rest der Herrschaft. Heute sind 55 % der Einwohner Katholiken und 40 % Protestanten.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Reipoltskirchen besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „Im geteilten Wappenschild oben ein silbernes Rad auf blauem Grund und unten ein gestürzter silberner Anker, begleitet von zehn silbernen Schindeln auf grünem Grund.“

Es wurde 1927 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt. Die heraldischen Symbole, das Rad und der von Schindeln begleitete gestürzte Anker, entstammen dem Wappen des ehemals ortsbeherrschenden Adelsgeschlechts, den Herren von Hohenfels-Reipoltskirchen.[5]

Das Rad im Wappen der Herren von Hohenfels-Reipoltskirchen ist über die Herren von Hohenfels bis hin zu den Reichsministerialen von Bolanden erstmals 1214 nachweisbar (LASP, Gatterer-Apparat). Damit ist es älter als das Mainzer Rad, das erstmals 1238 unter dem Erzbischof Siegfried III. von Eppstein als Doppelrad auf einer Münzprägung dokumentiert ist. Im Amtssiegel des Mainzer Erzbischofs erscheint das Rad zu dieser Zeit noch nicht! Das Bolander Rad kann somit in seinem Ursprung nicht von dem Mainzer Rad abgeleitet werden. Die Vettern der Herren von Hohenfels-Reipoltskirchen, aus der alten Hohenfelser Linie, veränderten spätestens 1290 komplett ihre Heraldik, indem sie auf das Rad verzichteten und zu dieser Zeit bereits mit einem gestürzten Anker in einem mit Schindeln bestreuten Feld siegelten. Ende des 14. Jahrhunderts vereinigte die Linie Reipoltskirchen beide Hohenfelser Wappensymbole, Rad und Anker, in ihrem Stammwappen.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk
Wasserburg Reipoltskirchen

Auf das erste Gotteshaus, das Richbaldes gestiftet hatte, folgten insgesamt drei weitere an gleicher Stelle. Jüngstes Bauwerk ist die 1880 geweihte Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk, deren 35 m hoher Turm zu einem Wahrzeichen der Gemeinde wurde.

Der Ort besitzt eine ansehnliche Tiefburg, die 1276 erstmals erwähnt wurde. Die Wasserburg Reipoltskirchen war Sitz der Herren von Hohenfels-Reipoltskirchen, eines selbstständigen Zweigs der Herren von Hohenfels, allesamt Nachkommen der Ministerialen von Bolanden. Die Adelsfamilie Hohenfels-Reipoltskirchen starb 1602 mit Johann III. im Mannesstamm aus. Mit dessen Tod erloschen zugleich die Blutlinien Hohenfels und Bolanden. 1628 wurde die Reichsherrschaft Reipoltskirchen im Erbgang unter den Grafen von Löwenhaupt-Rasburg, zwei Vettern des letzten Herrn von Hohenfels-Reipoltskirchen, aufgeteilt. Über eine Erbtochter aus der Ehe von Sten (Steino) von Löwenhaupt-Rasburg und Magdalena von Manderscheid-Schleiden kam die Hälfte des Besitzes an die Grafen von Manderscheid-Kail, die ihren Anteil 1730 an die Grafen von Hillesheim verkauften. Die andere Hälfte gelangte nach mehrfachem Besitzerwechsel (darunter waren auch die Grafen von Ellrodt) 1777 an Karoline zu Isenburg-Birstein (und Büdingen etc.), illegitime und älteste Tochter des Kurfürsten von der Pfalz.

Unterhalb der Burg befinden sich drei Anlagen des Projekts Kunst im Grünen. Die Landschaftsbilder zu aktuellen Themen sind vom Turm der Wasserburg besonders gut zu sehen.[6]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reipoltskirchen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, Seite 100 (PDF; 2,3 MB).
  3. regionalgeschichte.net - Beitrag zu Reipoltskirchen von Ernst Schworm (abgerufen am 31. Juli 2013). Als anschauliche veröffentlichte Quelle über die Wirren der Rekatholisierung vgl. auch eine Bittschrift der Reipoltskirchener Lutheraner, ca. 1705–1709, in: Bernhard H. Bonkhoff (Hrsg.): Quellen und Texte zur pfälzischen Kirchengeschichte. Bildatlas zur pfälzischen Kirchengeschichte, Bd. II. Speyer/Regensburg 2005, Nr. 425/S. 587.
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  5. a b Historie Reipoltskirchen. In: www.historie-reipoltskirchen.de. Abgerufen am 14. Januar 2017.
  6. Kunst im Grünen