Reiss-Engelhorn-Museen

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Die Reiss-Engelhorn-Museen (Abkürzung rem) sind ein Mannheimer Museumsverbund, der mehrere Museen, Kulturinstitutionen und Forschungseinrichtungen zusammenfasst. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte die gemeinnützige GmbH 2015 durch eine Abmahnaktion mit anschließenden Gerichtsverfahren, die sich gegen die Veröffentlichung von Abbildungen an sich gemeinfreier Werke im rem-Besitz richtete.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mannheimer Unternehmer Carl Reiß (1843–1914) übertrug 1913 im Einvernehmen mit seiner Schwester Anna Reiß testamentarisch sein gesamtes Vermögen der Stadt Mannheim zur Errichtung eines Reiß-Museums. Dieses Museum konnte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau des Mannheimer Zeughauses 1957 verwirklicht werden, das ab dann den Namen Reiß-Museum trug.[1] Der Industrielle Curt Engelhorn (1926–2016) gründete mit seiner Frau Heidemarie 2001 die Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen,[2] die mit etwa 25 Mio. Euro das bisherige Reiß-Museum finanziell unterstützt. Daraufhin wurde das Museum in Reiss-Engelhorn-Museen umbenannt.[3]

2014 wurde die rem gGmbH gegründet. Diese bündelt die Aktivitäten für die Curt-Engelhorn-Stiftung, die Bassermann-Kulturstiftung Mannheim sowie die Brombeeren-Stiftung und ist für den größten Teil des operativen Geschäfts der Museen zuständig.[4] Im gleichen Jahr entwickelte sich die Besucherzahl rückläufig zum Vorjahr von 292 725 (2013)[5] auf 201 660 (2014) Besucher, nach eigenen Angaben bedingt durch ein reduziertes Ausstellungsprogramm.[6]

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urheberrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner-Porträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cäsar Willich: Porträt des Richard Wagner, um 1862

2015 erlangten die Reiss-Engelhorn-Museen überregionale Aufmerksamkeit und Kritik durch eine Abmahnwelle bei Verwendern einer Foto-Reproduktion eines gemeinfreien Porträts des Komponisten Richard Wagner des 1886 gestorbenen Malers Cäsar Willich, für das sie einen eigenen Lichtbildschutz entsprechend § 72 UrhG geltend machen. Abgemahnt wurden dabei unter anderem ein amerikanisches Unternehmen sowie kulturelle Einrichtungen wie das Leipziger Internetradio detektor.fm[7] sowie die Website „Musical & Co.“ Die Reiss-Engelhorn-Museen begründen ihr Vorgehen damit, den aus Steuergeldern finanzierten Aufwand für die Foto-Reproduktion der gewerblichen Nutzung nicht kostenfrei zur Verfügung stellen zu wollen. Darüber hinaus reichten die Museen eine Klage gegen die Wikimedia Foundation sowie den Förderverein Wikimedia Deutschland als Störer ein, da das Bild auch auf den Wikimedia Commons verfügbar und als gemeinfrei gekennzeichnet ist.[8][9][10][11] rem-Direktor Wieczorek begründete solches Vorgehen folgendermaßen:

„Wir haben nichts gegen Wikipedia, aber wir entscheiden, für welche Fälle die Freigabe erteilt wird.“[12]

Das angerufene Amtsgericht Nürnberg wies eine Klage gegen einen Nachnutzer jedoch ab und hat sich damit „[…] bewusst gegen anderslautende Entscheidungen aus Köln und Berlin gestellt“.[13]

„Das Gericht wertete die Bemühungen des Museums als unzulässige Verlängerung der gesetzlichen Schutzfristen. Entscheidend für die Klageabweisung war, dass das Museum Besuchern die Anfertigung eigener Fotografien verbietet. ‚Obwohl es sich bei dem abfotografierten Gemälde um ein gemeinfreies Werk handelt, ist es dabei letztlich dem betrachtenden Publikum nicht möglich […] das genannte Gemälde zu nutzen oder zu eigenen Zwecken unentgeltlich widerzugeben‘, heißt es in der heise online vorliegenden Urteilsbegründung (Aktenzeichen 32 C 4607/15).“[11]

Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. 2016 gab das Landgericht Berlin den Reiss-Engelhorn-Museen bei ihrer Klage gegen Wikimedia in weiten Teilen recht.[14] Die Wikimedia Foundation hat angekündigt, beim Kammergericht Berlin Rechtsmittel einzulegen.[15]

Fotos durch Besucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2016 gewann rem vor dem Landgericht Stuttgart einen Rechtsstreit um Fotos von an sich gemeinfreien Museumsobjekten, die ein Besucher in den Museumsräumen aufgenommen und bei Wikimedia-Commons eingestellt hatte. Das Museum hatte reklamiert, dass es selbst entscheiden wolle, wer Fotos von Ausstellungsgegenständen, an denen rem das Eigentumsrecht habe, ins Netz stellen darf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.[16][17]

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den von den Reiss-Engelhorn-Museen betriebenen Einrichtungen gehören die folgenden Museen und Forschungsstellen (in Klammern die jeweiligen Mannheimer Quadrate):

Im Museum Zeughaus (C 5), einem architektonisch bedeutenden Bau des Frühklassizismus, zeigt die Ausstellung Welt der Antike im Untergeschoss Objekte der Griechen, Etrusker und Römer. Im dritten Obergeschoss werden in der Ausstellung Kosmos Kunst Gemälde, Möbel, Gewänder, Frankenthaler Porzellan und Silberschmiedearbeiten aus der Zeitspanne vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts präsentiert. Ebenfalls hier untergebracht ist die Sammlung Theater- und Literaturgeschichte. Das Forum Internationale Photographie zeigt im vierten Obergeschoss regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen mit dem Schwerpunkt historische Fotografie.

Das Museum Weltkulturen (D 5), untergebracht in einem 1988 gegenüber dem Zeughaus errichteten modernen Bau, präsentiert völker- und naturkundliche Bestände, Ausstellungen aus den archäologischen Sammlungen sowie wechselnde Sonderausstellungen.

Im Museum Bassermannhaus für Musik und Kunst (C 4, 8) werden Ausstellungen zu Musik, Kunst und Kulturen der Welt. Die musikgeschichtliche und völkerkundliche Ausstellung MusikWelten zeigt zahlreiche europäische und außereuropäische Musikinstrumente.

Im Museum Schillerhaus (B 5, 7) dokumentiert eine multimediale Inszenierung das Leben Schillers, der von Juli 1783 bis April 1785 in Mannheim lebte. Seine letzte dortige Wohnung befand sich vermutlich im benachbarten Hölzelschen Haus B 5, 8, das heute nicht mehr existiert.

Das Forum Internationale Photographie (C 5) mit dem Œuvre des Fotografen Robert Häusser, einem Teil der Fotosammlung des bedeutenden Fotohistorikers und Sammlers Helmut Gernsheim und der Sammlung der Geschwister Anna, Wilhelm und Carl Reiß befindet sich im Museum Zeughaus.[18]

ZEPHYR – Raum für Fotografie zeigt wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler, die mit den Medien Video und Fotografie arbeiten. Die Ausstellungsräume befinden sich im Museum Bassermannhaus.[19]

Das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) (D 6) ist ein als gemeinnützige GmbH betriebenes Speziallabor für Archäometrie, das eng mit den Reiss-Engelhorn-Museen verbunden ist. Zu der seit 2006 bestehenden, von Ernst Pernicka geleiteten Forschungseinrichtung gehören das Labor für Materialanalysen und das 2010 eingerichtete Klaus-Tschira-Archäometrie-Zentrum an der Universität Heidelberg. Als Untersuchungsmethoden werden u. a. Datierungen mittels C14-Methode und Lumineszenz angeboten.[20]

Das Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte (C 4) beherbergt mehrere Forschungsstellen. Zu diesen gehören gegenwärtig German Mummy Project, Steinzeit, Frühgeschichte und Archäologie und Kultur Ostasiens.[21]

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Franken – Wegbereiter Europas (1996/1997)
  • Lebenslust und Frömmigkeit – Kurfürst Carl Theodor (1999)
  • Das Gold der Barbarenfürsten (2001)
  • Europas Mitte um 1000, 27. Ausstellung des Europarates (2001/2002)
  • Zeit der Morgenröte – Japans Geschichte und Kultur von den Anfängen bis zu den ersten Kaisern (2004)
  • Pompeji – Die Stunden des Untergangs. 24. August 79 n. Chr. (2004/2005)
  • Saladin und die Kreuzfahrer (2006)
  • Mumien – Der Traum vom ewigen Leben (30. September 2007 bis 24. März 2008)
  • Ursprünge der Seidenstraße (2. Februar 2008 bis 1. Juni 2008)
  • Homer – Der Mythos von Troia in Dichtung und Kunst (14. September 2008 bis 18. Januar 2009)
  • Alexander der Große und die Öffnung der Welt (3. Oktober 2009 bis 21. Februar 2010)
  • Die Staufer und Italien – Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa (19. September 2010 bis 20. Februar 2011)
  • Schädelkult – Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen (2. Oktober 2011 bis 29. April 2012)
  • Die Medici – Menschen, Macht und Leidenschaft. (17. Februar 2013 bis 28. Juli 2013)
  • Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa (8. September 2013 bis 2. März 2014)
  • Ägypten – Land der Unsterblichkeit (16. November 2014 bis 10. Januar 2016)
  • Versunkene Geschichte. Archäologie an Rhein und Neckar (28. Februar 2016 bis 30. Juli 2017)
  • Barock – Nur schöner Schein? (11. September 2016 bis 19. Februar 2017)[22][23]
  • Peter Gowland’s Girls (9. Oktober 2016 bis 1. Mai 2017)
  • Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt (21.Mai 2017 – 31. Oktober 2017)[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reiss-Engelhorn-Museen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Geschwister Reiß auf der Website der Reiss-Engelhorn-Museen.
  2. Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen auf der Webseite der Reiss-Engelhorn-Museen
  3. Curt und Heidemarie Engelhorn auf der Webseite der Reiss-Engelhorn-Museen.
  4. rem gGmbH auf der Webseite der Reiss-Engelhorn-Museen.
  5. stadtarchiv.mannheim.de
  6. Carolin Beez: Kein Besucherrekord 2015. In: Rheinneckarblog. 7. Mai 2015.
  7. Warnung vor Abmahnung: Gemeinfreies Bild von Richard Wagner, detektor.fm, 2. Juli 2015
  8. Stellungnahme zur urheberrechtlichen Fragestellung in Bezug auf die Abbildung „Porträt Richard Wagner“. (PDF) Pressemeldung der Reiss-Engelhorn-Museen, 8. Juli 2015; abgerufen am 7. Oktober 2015.
  9. Wikipedia: Streit um Gemälde-Fotos aus Museum landet vor Gericht. irights.info, 16. September 2015; abgerufen am 18. September 2015.
  10. Leonhard Dobusch: Wikimedia und Mannheimer Museum führen Musterprozess um Digitalisierung gemeinfreier Bilder. netzpolitik.org, 16. September 2015; abgerufen am 18. September 2015.
  11. a b Torsten Kleinz: Urheberrecht: Mannheimer Museum verklagt Wikipedia-Betreiber. In: heise online. Heise, 24. November 2015, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  12. „Wir entscheiden“, Beitrag von Marcus Engert bei Monopol-Magazin vom 7. November 2016
  13. Tim M. Hoesmann (Verantw.): Reiss-Engelhorn-Museum scheitert mit Klage gegen Wikipedia Foto auf der Seite hoesmann.eu der Kanzlei Hoesmann
  14. Torsten Kleinz: Bildrechte: Wikimedia unterliegt vor Gericht gegen Museum. In: Heise online. Heise, 21. Juni 2016, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  15. John Weitzmann: Erklärung zum Fall Reiss-Engelhorn-Museen. In: blog.wikimedia.de. Wikimedia Deutschland, 21. Juni 2016, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  16. Kulturzeit mit Material von dpa / tm: Streit um Gemälde-Fotos in Wikipedia: Museum gewinnt vor Gericht. Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen haben sich im Streit um die unabgesprochene Veröffentlichung von Bildern im Online-Lexikon Wikipedia vor Gericht gegen einen Besucher durchgesetzt, Nachricht bei 3sat, 11. Oktober 2016
  17. Torsten Kleinz: Bildrechte: Wikipedianer unterliegt vor Gericht gegen Museum. In: heise online. Heise, 12. Oktober 2016, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  18. rem-mannheim.de
  19. ZEPHYR-Webseite
  20. Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie
  21. rem-mannheim.de
  22. Barock – Nur schöner Schein?
  23. Auf den Spuren eines Zeitalters, Ambros Waibel in Die Tageszeitung, 23. Oktober 2016
  24. www.paepste2017.de, Rezension auf FAZ.net (Autor: Ulf von Rauchhaupt)