Reiterstatue Mark Aurels

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Die originale Statue, heute im Hof des Konservatorenpalastes der Kapitolinischen Museen
Kopie der Reiterstatue auf dem Kapitolsplatz

Die Reiterstatue Mark Aurels ist ein überlebensgroßes Bronzestandbild des römischen Kaisers Mark Aurel. Ihr ursprünglicher Aufstellungsort ist unbekannt, doch könnte sie zu einem Triumphbogen gehört haben, auf dessen Attika sie stand. Mittelalterlichen Quellen zufolge war eine kleine, vor dem Pferd knieende Barbarengestalt Teil des Standbildes. Die Datierung der ursprünglich vollständig vergoldeten Statue ist umstritten und schwankt zwischen den Jahren um 165 n. Chr. mit einem Bezug auf den Triumph über die Parther 166 n. Chr. (Partherkrieg des Lucius Verus),[1] den 170er Jahren mit Bezug auf die Markomannenkriege[2] und einer Datierung erst in die Zeit der Alleinherrschaft des Commodus ab 180 n. Chr.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiterstandbilder aus Bronze gab es in vielen Städten des römischen Imperiums, doch hat kein Einziges außer dem zu Ehren Marc Aurels die Zeiten überdauern können. Dies rührt von einer Verwechselung her: das Standbild galt im Mittelalter als Abbildung Konstantins des Großen. Da dieser der erste römische Kaiser gewesen war, der das Christentum toleriert und unterstützt hatte (Konstantinische Wende), wagte niemand, sein Standbild einzuschmelzen, auch in Zeiten erhöhten Bronzebedarfs. Ab dem 8. Jahrhundert stand es aufgrund dieser Verehrung vor dem päpstlichen Lateranpalast.

Im Zuge der Renaissancebewegung entdeckte im Jahr 1447 ein Bibliothekar des Vatikans durch intensive Studien mit Vergleichsfunden und Beschreibungen in der antiken Literatur, dass es sich bei dem Dargestellten nicht um Konstantin, sondern um Mark Aurel handeln musste. Jetzt schützte das neu erwachte Interesse an allem, was antik war, die Statue. Da es sich nach damaligem Verständnis um ein heidnisches Kunstwerk handelte, ließ man sie 1538 auf den von Michelangelo gestalteten Kapitolsplatz bringen.

Hier stand das Reiterstandbild bis 1979. Bei einem Bombenanschlag auf das römische Rathaus wurde sie in Mitleidenschaft gezogen. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten stellte man fest, dass die Statue unter heftigem Bronzefraß litt, der möglichst bald gestoppt werden musste. Es folgte eine lange Phase der Restaurierung. Seit 1990 steht das Original in einem für die Statue überdachten Hof des Konservatorenpalastes der Kapitolinischen Museen. Auf dem Kapitolsplatz wurde am 21. April 1997 anlässlich der 2750. Wiederkehr der legendären Gründung Roms[4] eine Bronzekopie enthüllt.[5]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaiser ist bekleidet mit einer Tunika und einem schweren, Paludamentum genannten Militärmantel. Die rechte Hand hat er – möglicherweise im Gestus der Adlocutio, das heißt der Ansprache an seine Truppen – erhoben. Die Bronzeplastik war ursprünglich vollständig vergoldet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt Tulln an der Donau (Österreich) steht ein Abguss. Die Statue soll an die jahrhundertelange Anwesenheit der Römer an der Donaugrenze erinnern.

Die Reiterstatue Marc Aurels schmückt die italienische 50ct-Münze.

Eine der Schlüsselszenen des Films Nostalghia (Regie: Andrei Tarkowski) spielt um die - damals noch originale - Statue auf dem Kapitolsplatz. Eine der Hauptfiguren hält, auf der Statue stehend, eine emotionsgeladene Rede über den Zustand der Welt. Anschließend entzündet er sich vor den Augen der Umstehenden.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Bergemann: Römische Reiterstatuen – Ehrendenkmäler im öffentlichen Bereich (= Beiträge zur Erschließung hellenistischer und kaiserzeitlicher Skulptur und Architektur. Band 11). Philipp von Zabern, Mainz 1990, S. 105–108 Nr. P 51 Taf. 78–80
  • Detlev von der Burg (Hrsg.): Marc Aurel. Der Reiter auf dem Kapitol. Hirmer, München 1999, ISBN 3-7774-8340-0
  • Klaus Fittschen, Paul Zanker (Hrsg.): Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom. Band 1: Kaiser- und Prinzenbildnisse. Philipp von Zabern, Mainz 1985, S. 72–74 Nr. 67 Taf. 76–77.
  • Elfriede Regina Knauer: Das Reiterstandbild des Kaisers Marc Aurel. Reclam, Stuttgart 1968.
  • Peter Steward: The Equestrian Statue of Marcus Aurelius. In: Marcel van Ackeren (Hrsg.): A Companion to Marcus Aurelius. Blackwell, Chichester 2012, S. 264–277.
  • Alessandra Melucco Vaccaro, Anna Mura Sommella (Hrsg.): Marco Aurelio: storia di un monumento e del suo restauro. Silvana, Cinisello Balsamo 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reiterstatue Mark Aurels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vera Heermann-Trömel: Marcus Aurelius Parthicus Maximus Medicus. In: Archäologische Mitteilungen aus Iran. Band 21, 1988, S. 139–144.
  2. Klaus Fittschen, Paul Zanker (Hrsg.): Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom. Band 1: Kaiser- und Prinzenbildnisse. Philipp von Zabern, Mainz 1985, S. 72–74, hier: S. 73.
  3. Klaus Fittschen: Il ritratto del Marco Aurelio: considerazioni critiche dopo il restauro. In: Alessandra Melucco Vaccaro, Anna Mura Sommella (Hrsg.): Marco Aurelio: storia di un monumento e del suo restauro. Silvana, Cinisello Balsamo 1989, S. 75–82.
  4. Giorgio Accardo; Reinhold Baumstark; Ulrich Hommes: Marc Aurel: Der Reiter auf dem Kapitol. Hrsg.: Allianz AG. Hirmer Verlag GmbH, München 1999, S. 170.
  5. Homepage der Kapitolinischen Museen abgerufen am 1. Februar 2012

Koordinaten: 41° 53′ 36″ N, 12° 28′ 59″ O