Relativität

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Relativität (von lateinisch relatus, PPP von referre „sich beziehen auf“, „beurteilen nach“ - wörtlich: „zurücktragen“, davon abgeleitet relativus - sich beziehend auf etwas, bezüglich) ist die Abhängigkeit bestimmter Eigenschaften, Größen oder Begriffen von anderen Eigenschaften, Größen, Bezugssystemen, Situationen oder Gegebenheiten.

Diese Abhängigkeit kann entweder bedeuten, dass die relativen (also abhängigen) Eigenschaften und Begriffe durch andere Eigenschaften oder Begriffe bestimmt oder in Bezug auf ein zugrundegelegtes System definiert sind (Bedeutungsrelativität), dass deren Bewertung von einem bestimmten Wertsystem oder einer Perspektive abhängt (Bewertungsrelativität) oder dass ihre Existenz oder die Existenz der Objekte, die die relativen Merkmale tragen, selbst von der Existenz anderer Gegebenheiten abhängig ist (existentielle Relativität).

Bei der Anwendung des Begriffs der Relativität muss daher jeweils zwischen Bedeutungs- und Bewertungsabhängigkeiten und existentiellen Abhängigkeiten unterschieden werden.

Weiterführende Artikel: Relativitätsprinzip, Relativismus, Relativitätstheorie, Kulturrelativismus, Antirelativismus

Wissenschaftliche Anwendungen des Relativitätsbegriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physikalische Relativität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Physik wird unter Relativität einerseits die Abhängigkeit Zeit- und Raumangaben von einem fest gewählten Bezugssystem und andererseits die Bedingtheit von physikalischen Gesetzen durch Bezugssysteme verstanden.

Relativierung in der Mengenlehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Relativierung ist ein Konzept aus der Modelltheorie der Mengenlehre.

Geisteswissenschaftlich: metaphysische, epistemologische, ethische, ästhetische Relativität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Philosophie und den anderen Geisteswissenschaften existieren im Wesentlichen vier Bedeutungen von Relativität:

  1. Metaphysische Relativität: die Abhängigkeit der Erkenntnisse von den Bedingungen ihrer Möglichkeit (Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft)
  2. Epistemologische Relativität: die Abhängigkeit der Erkenntnisse von der Art ihrer Gewinnung und der Art ihres Geltungsanspruches
  3. Ethische oder moralische Relativität: die Abhängigkeit moralischer Werte und Normen vom kulturellen Zusammenhang
  4. Ästhetische Relativität: die Abhängigkeit sinnlicher Wahrnehmung von der Perspektive des Erlebens

Rechtswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Rechtswissenschaft gibt es die Relativität der Rechtsbegriffe in Gesetzestexten.

Natürliche Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Theologie bedeutet theologische Relativität die sich entwickelnde Lehre von einem Gott (siehe natürliche Theologie).

Prinzipielle Anwendungen des Relativitätsbegriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Relativismus

Wird der Relativitätsbegriff dazu benutzt, um damit eine prinzipielle Verfasstheit eines Erkenntnisbereichs zu postulieren, so führt dies zu Relativitätsprinzipien, die einen Relativismus etablieren, der je nach Kennzeichnung des betreffenden Erkenntnisbereiches bezeichnet wird.

Erkenntnistheoretischer oder philosophischer Relativismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird davon ausgegangen, dass bislang keine Erkenntnis aufgezeigt werden kann, die nicht von Bedingungen abhängig ist, d. h., die nicht relativ ist, wird von einem erkenntnistheoretischen Relativismus oder in einer allgemeineren Formulierung auch von einem philosophischen Relativismus gesprochen, da ja die Erkenntnistheorie ein Bereich der Philosophie ist.

Naturwissenschaftlicher Relativismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird der erkenntnistheoretische Relativismus auf den Bereich der Naturwissenschaft eingeschränkt, dann ist damit ein naturwissenschaftlicher Relativismus gekennzeichnet, der sich noch als ein physikalischer Relativismus, ein biologischer Relativismus und ein psychologischer Relativismus unterscheiden lässt, wenn auch die Psychologie als Naturwissenschaft begriffen wird.

Relativität und Relationalität in der Physik und Philosophie der Physik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Relativitätsprinzip

Das Relativitätsprinzip, die Beobachter- und Bezugssystemabhängigkeit aller messbaren Eigenschaften bei gleichzeitig allgemein gültigen physikalischen Gesetzen, bildet seit Galileo Galilei eine der Grundfesten der Naturwissenschaften. Die klassische Mechanik bezog sich in der Folge der Newtonschen Methodik auf ein unveränderliches Inertialsystem.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben Henri Poincaré (1904) und Albert Einstein (1905) ein spezielles Relativitätsprinzip formuliert, das der neu entdeckten Konstanz der Lichtgeschwindigkeit gerecht wird: „die Naturgesetze stimmen für alle Inertialsysteme überein“[1], d. h. Naturgesetze unterliegen der Bedingung, dass sie in allen Inertialsystemen übereinstimmen müssen, wobei die Inertialsysteme in einen vier-dimensionalen Minkowski-Raum einzubetten sind. Dieses spezielle Relativitätsprinzip führte in die spezielle Relativitätstheorie, die eine für alle Bezugssysteme gleiche Lichtgeschwindigkeit postuliert. Damit wird deutlich, dass es sich bei der Relativitätstheorie eigentlich nicht um einen Relativismus im eigentlichen Sinne des Wortes handelt. Denn bestimmte Phänomene, die vorher als absolut angesehen wurden wie z. B. Raum und Zeit, werden zwar relativiert, dies jedoch nur damit andere Phänomene wie die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit verabsolutiert werden bzw. die Gültigkeit der Naturgesetze in allen Bezugssystemen bestehen bleiben kann. Einstein selbst bevorzugte daher ursprünglich den Namen Invarianztheorie gegenüber Relativitätstheorie.

Die allgemeine Relativitätstheorie zeichnet sich durch das allgemeine Relativistätsprinzip aus, das Einstein auch das Äquivalenzprinzip nannte.[2] Es führt zu der mathematischen Form-Forderung für Naturgesetze, in allen möglichen Bezugssystemen die gleiche (tensorielle) Form zu haben (Kovarianzprinzip). Die Relativität der Naturgesetze besteht darin, dass sie der Bedingung des Kovarianzprinzips zu genügen haben. Damit aber wird in der allgemeinen Relativitätstheorie ein Absolutismus der Formprinzipien sichtbar, der dem absolutistischen Kosmisierungsprogramm entspringt, welches von einem relativistischen Standpunkt aus freilich wieder kritisiert werden kann.[3] Mit der allgemeinen Relativität wurde das Konzept eines allgemein gültigen Inertialsystems endgültig aufgegeben, und durch eine nur lokale Inertialität ersetzt.

Biologischer Relativismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die biologische Evolutionstheorie postuliert, dass alle biologischen Arten durch Evolutionen aus Vorgängerarten hervorgegangen sind.[4] Diese Behauptung der entwicklungsgeschichtlichen Abhängigkeit allen Lebens wird auch als biologischer Relativismus bezeichnet.

Psychologischer Relativismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Psychoanalyse, die sich seit Sigmund Freud als naturwissenschaftlich begreift, sind alle personalen Handlungen durch psychische Determinanten bedingt, die selbst wieder Bedingungen unterworfen sind, u.s.f. Diese Kette von Bedingungen soll im Verständnis des Psychologischen Relativismus durch Psychoanalyse weitgehend aufgeklärt werden.

Kulturrelativismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kulturrelativismus

Im Erkenntnisbereich der Kulturleistungen werden meist im Gefolge eines erkenntnistheoretischen Relativismus Bedingungen für das Entstehen bestimmter Kulturleistungen angegeben und diskutiert. Je nach kulturhistorischer Einordnung lassen sich ethnische, konfessionell-religiöse und sprachliche Kulturrelativismen unterscheiden und diese noch weiter nach Kulturrelativismen verschiedener Bildungsschichten. Wenn durch diese Fülle von verschiedenen Bedingtheiten die Position der grundsätzlichen Bedingtheit aller Kulturleistungen eingenommen wird, dann bezeichnet man diese als Kulturrelativismus.

Antirelativismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Antirelativismus

Positionen, die die Möglichkeit der Formulierung und Anwendung eines Relativitätsprinzips generell ablehnen oder seine Anwendung grundsätzlich bestreiten, werden bisweilen auch als Anti-Relativismus bezeichnet, siehe Antirelativismus.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. A. Einstein, Grundzüge der Relativitätstheorie, Wissenschaftliche Taschenbücher, Akademie Verlag Berlin, Pergamon Press Oxford, Vieweg & Sohn Braunschweig, 1969, S. 28
  2. Vgl. ebenda S. 60.
  3. Vgl. dazu W. Deppert: Kritik des Kosmisierungsprogramms. In: Hans Lenk (Hrsg.), Zur Kritik der wissenschaftlichen Rationalität. Zum 65. Geburtstag von Kurt Hübner, herausgegeben von Hans Lenk unter Mitwirkung von Wolfgang Deppert, Hans Fiebig, Helene und Gunter Gebauer und Friedrich Rapp. Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1986, S. 505–512
    oder etwas ausführlicher W. Deppert: Die Alleinherrschaft der physikalischen Zeit ist abzuschaffen, um Freiraum für neue naturwissenschaftliche Forschungen zu gewinnen. In: Hans Michael Baumgartner (Hrsg.), Das Rätsel der Zeit. Philosophische Analysen, Karl Alber Verlag, Freiburg/München 1993, S. 111–148. ISBN 3-495-47763-2
  4. Vgl. V. Storch, U. Welsch, M. Wink, Evolutionsbiologie, Springer Verlag, Berlin - Heidelberg 2001, ISBN 3-540-41880-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlegende Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Born, Max/Ehlers, Jürgen/Markus Pössel, Die Relativitätstheorie Einsteins, Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2003, ISBN 3-540-00470-X.
  • Einstein, Albert, Grundzüge der Relativitätstheorie, Springer Verlag, Berlin/New York/Heidelberg 2002, ISBN 3-540-43512-3.
  • Weyl, Hermann, Raum, Zeit, Materie. Vorlesungen über Allgemeine Relativitätstheorie, Springer Verlag Berlin/Heidelberg/NewYork 1993.

Philosophie der Relativität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reichenbach, Hans, Philosophie der Raum-Zeit-Lehre, Gesammelte Werke Bd. 2, Vieweg Verlag, Braunschweig 1977, ISBN 3-528-08362-X.