Remmo-Clan

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Der Remmo-Clan ist eine arabische[1] Großfamilie mit über 500 Angehörigen, die teilweise der Clan-Kriminalität zugerechnet werden.[2][3] Behörden bringen den kriminellen Teil der Familie mit Delikten wie schweren Gewalt- bzw. Körperverletzungsdelikten, Schutzgelderpressung, Raub, Drogengeschäften, Hehlerei, Diebstahl, illegalen Waffenbesitzes und Mord in Verbindung.[1][4][5] Wegen der Verbreitung des Namens im arabischen Kulturkreis lässt sich nicht automatisch auf eine Clanzugehörigkeit von Namensträgern schließen.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zur Volksgruppe der Mhallami zählende Großfamilie Remmo stammt ursprünglich aus der Provinz Mardin im Südosten der heutigen Türkei (Südostanatolien; damals Osmanisches Reich), nahe der Grenze zu Syrien. Von dort wanderten die Remmos – viele von ihnen wurden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs vertrieben – zunächst in den Libanon aus, wo sie jedoch nur als Staatenlose geduldet waren und am untersten Rand der Gesellschaft lebten. Während des libanesischen Bürgerkrieges migrierten Teile der Familie in den 1980er-Jahren schließlich nach Deutschland.[6][7]

Aufsehenerregende Straftaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mord im Jahr 1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Familienmitglieder erschossen im Jahr 1992 in Schöneberg einen Gastronomen aus dem früheren Jugoslawien. Einen anderen Mann verletzten sie schwer. Daraufhin durchsuchten Beamte die Wohnung und fanden Heroin und libanesische Blanko-Geburtsurkunden.[8]

Tödlicher Verkehrsunfall mit Fahrerflucht 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2008 überfuhr ein damals als Intensivtäter geltender 19-jähriger Clan-Angehöriger am Potsdamer Platz bei Verstoß gegen mehrere Verkehrsregeln einen Passanten, verletzte ihn tödlich und beging anschließend Fahrerflucht.[9] Zwei Monate später brach er im Dezember 2008 mit seinem Bruder in eine Drogerie ein. Bei der anschließenden Flucht vor der Polizei prallte das Duo mit einem nicht auf sie angemeldeten Pkw gegen einen Baum und verstarb hierbei.[10]

Sparkasse in Mariendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2014 brach ein Familienmitglied mit mehreren Komplizen in eine Sparkasse in Berlin-Mariendorf ein. Um etwaige Beweismittel zu beseitigen, setzten die Einbrecher die Filiale in Brand. Dadurch kam es zu einer Explosion, wobei sich das Clan-Mitglied verletzte und seine DNA-Spuren am Tatort gesichert werden konnten. Mittlerweile international per Haftbefehl gesucht, konnte er im Januar 2015 in Rom festgenommen und nach Deutschland überstellt werden. Noch im selben Jahr wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt. Seit Dezember 2017 ist er im offenen Vollzug. Sowohl die bei dem Einbruch beteiligten Komplizen als auch die gestohlenen Wertsachen im Wert von 9,16 Millionen Euro konnten (Stand: Oktober 2015) nicht ermittelt werden.[11][12]

Geldwäsche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ermittlung des Landeskriminalamtes Berlin verfügt der Clan über ein Netzwerk von Strohmännern in Beirut, Tripoli und Berlin, um auf professionelle Weise seine kriminellen Einkünfte in saubere Geschäfte zu investieren.[11]

Einbruchsdiebstahl im Bode-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen Einbruchs in das Bode-Museum wurde im Oktober 2018 von der Jugendkammer des Berliner Landgerichts Anklage gegen drei Clan-Mitglieder erhoben. Sie werden angeklagt, am 27. März 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze („Big Maple Leaf“) im Wert von 3,75 Millionen Euro gestohlen zu haben. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens wurden Telefone der Verdächtigen abgehört sowie eine Durchsuchungsanordnung vollzogen, bei denen u. a. scharfe Schusswaffen sichergestellt wurden. Als vierter Täter wurde ein Informant angeklagt, der als Wachmann für das dort tätige Sicherheitsunternehmen eingesetzt worden war.[13] Die beiden Remmo-Brüder Wayci und Ahmed und deren Cousin Wissam sind wegen verschiedener Delikte vorbelastet, unter anderem wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Betrugs.[14] Während des laufenden Prozesses, im November 2019, wurde der 22-jährige Wissam Remmo vom Amtsgericht Erlangen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen des Diebstahls von Hydraulik-Scheren, wie sie von Kriminellen für das Aufbrechen von Geldtransportern oder -automaten zweckentfremdet werden, verurteilt.[15]

Am 20. Februar 2020 wurden Wissam und Ahmed Remmo vom Landgericht Berlin im Münz-Diebstahl schuldig gesprochen und jeweils zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Wachmann Denis W., der zusammen mit Ahmed Remmo in die Schule ging und mit ihm befreundet ist, erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Alle Strafen sind noch nicht rechtskräftig.[16] Goldspuren und Goldspäne in Wohnungen, Fahrzeugen und an Kleidung der Täter waren wichtige Indizien.[16] Das Gericht hat auch die Einziehung von insgesamt 3,4 Millionen Euro bei den Verurteilten angeordnet.[16] Eine Tatbeteiligung Wayci Remmos konnte nicht nachgewiesen werden; das Gericht geht von noch mindestens zwei weiteren Tätern aus.[16]

Razzien und Beschlagnahme von Vermögenswerten 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Juli 2018 durchsuchten 40 Polizeibeamte an 13 Orten in Berlin und Brandenburg 77 Immobilien. Vorläufig beschlagnahmt wurden Grundschuldbriefe und Grundstücke im Wert von über 9,3 Millionen Euro, darunter eine 6 km² große Kleingartenanlage, die Angehörigen der Familie Remmo gehören.[17][18][19][20][21]

Am 27. August 2018 fand eine weitere Razzia wegen des dringenden Verdachts des organisierten Drogenhandels in Kooperation mit der Großfamilie Al-Zein statt. Dabei wurden neben der Durchsuchung von fünf Immobilien Haftbefehle gegen zwei Brüder aus dem Clan vollstreckt. Beschlagnahmt wurden ein Mercedes AMG, ein Porsche Panamera und ein KIA-SUV. Außerdem wurden zwei Kilogramm Cannabis sowie Munition sichergestellt.[11][22]

Geschäftsbeziehungen zu Rappern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Clan unterhält geschäftliche Beziehungen zu Rappern. So agierte das Familienmitglied Ashraf Remmo längere Zeit als Manager des Rap-Künstlers Massiv.[8] Im August 2018 galt er auch als Geschäftspartner von Bushido, der den ihn zuvor unterstützenden Abou-Chaker-Clan im Streit verließ.[23] Ein Schusswaffen-Angriff auf den Imbiss des Oberhaupts des Abou-Chaker-Clans wurde von Beobachtern in Zusammenhang mit diesem Streit gebracht.[24] Weiterhin ist der Remmo-Clan als Sicherheitsmanagement für den Rapper Capital Bra tätig.[25]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Immobiliengeschäfte arabischer Clans. Dokumentarfilm, Deutschland, 2018, 27:34 Min., Buch und Regie: Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer, Produktion: Spiegel TV, Internetpublikation: 24. September 2018, Inhaltsangabe und online-Video von Spiegel TV.
  • „Meine Familie und meine Eier sind das Gleiche“ – Innenansichten einer arabischen Großfamilie. Die Familie Rammo ist eine der mächtigsten arabischen Großfamilien Berlins. In: Spiegel TV Magazin, Deutschland 2018, zwei Folgen, Erstausstrahlungen am 17. und 24. September 2018 bei RTL, Buch und Regie: Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer, Moderation: Maria Gresz, Produktion: Spiegel TV.
  • Arabische Clans in Berlin. Dokumentarfilm, Deutschland, 2016, 53:20 Min., Buch und Regie: Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer, Produktion: Spiegel TV, Reihe: Magazin, Internetpublikation: 11. Dezember 2016, Inhaltsangabe und online-Video von Spiegel TV.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Laura Backes, Jürgen Dahlkamp, Jörg Diehl, Lukas Eberle, Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer, Andreas Ulrich: So herrschen die Clans in Deutschland. In: Der Spiegel, Heft 8/2019, 15. Februar 2019, abgerufen am 14. Mai 2019.
  2. Klaus Wolschner: „Ich will in Frieden leben.“ In: Die Tageszeitung, Bremen, 26. Juli 2018, Interview mit Houssam Remmo u. a. über seinen Austritt aus der SPD.
  3. Julia Huber: Bushido und die Berliner Clans. In: Süddeutsche.de, 27. September 2018.
  4. Michael Verfürden: Wie die Polizei einem kriminellen Clan auf die Schliche kam. In: Handelsblatt, 20. Juli 2018.
  5. Katja Demirci, Sebastian Leber, Hannes Heine, Werner van Bebber: Der Staat greift nach dem Geld von Berlins kriminellstem Clan. In: Der Tagesspiegel, 20. Juli 2018.
  6. Großfamilie R. – die Berliner Blutsbande. Abgerufen am 16. Mai 2019.
  7. Oliver Hollenstein, Yassin Musharbash, Holger Stark, Tobias Timm, Fritz Zimmermann: Familienbande. In: Die Zeit, Nr. 28/2018, 5. Juli 2018, bei Zeit Online editiert am 5. Oktober 2018, abgerufen am 14. Mai 2019.
  8. a b Hannes Heine, Sebastian Leber: Großfamilie R. – die Berliner Blutsbande. In: Der Tagesspiegel, 15. August 2018.
  9. Tanja Buntrock: Rekonstruktion einer Todesfahrt. In: Der Tagesspiegel, 4. Dezember 2008.
  10. Tanja Buntrock: Mutmaßlicher Todesfahrer vom Potsdamer Platz raste selbst in den Tod. In: Der Tagesspiegel, 24. Dezember 2008.
  11. a b c Axel Spilcker: Rauschgifttaxis, Einbrüche, Mord: Wie ein Araber-Clan die Berliner Justiz in Atem hält. In: Focus Online, 27. September 2018.
  12. Kerstin Gehrke: Angeklagter verweigert Aussage zu Banküberfall. In: Der Tagesspiegel, 13. Oktober 2015.
  13. Goldmünzen-Raub: Drei Remmo-Sprösslinge angeklagt. In: B.Z., 17. Oktober 2018.
  14. Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer, Jens Witte: Prozess um Goldmünzen-Diebstahl: Der dreiste Coup im Bode-Museum. In: Spiegel Online. 9. Januar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 9. Januar 2019]).
  15. Clanmitglied zu Haftstrafe wegen Diebstahls verurteilt. In: Spiegel Online, 27. November 2019.
  16. a b c d Wiebke Ramm, DER SPIEGEL: Berlin - Urteil im Goldmünzenprozess: "Coup des Lebens" - DER SPIEGEL - Panorama. Abgerufen am 21. Februar 2020.
  17. Maren Wittge, Jörg Bergmann, Matthias Becker, Anne Losensky und Julien Wilkens: Immobilien mit Geld aus Straftaten gekauft? Das sagt der Berliner Clan-Chef zu den Vorwürfen. In: B.Z., 20. Juli 2018.
  18. dpa: Razzia in Berlin: 77 Immobilien eines Clans beschlagnahmt. In: Zeit online, 19. Juli 2018.
  19. Claas Meyer-Heuer: Organisierte Kriminalität: Polizei beschlagnahmt Dutzende Immobilien von Großfamilie. In: Spiegel Online, 18. Juli 2018.
  20. Peter Carstens (Berlin): Razzia in Berlin: Münzraub, Bankraub, Geldwäsche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juli 2018.
  21. Andreas Kopietz: Kokain-Razzia: Hier zeigt die Polizei ihr feines Näschen. In: Berliner Kurier, 27. August 2018.
  22. Matthias Lukaschewitsch, Peter Rossberg, Timo Beurich und Jörg Bergmann: Nächster Schlag gegen Clans. Das steckt hinter der Razzia gegen arabische Großfamilien. In: B.Z., 27. August 2018.
  23. sah: Streit auf Instagram. Streit zwischen Clan-Bossen eskaliert. In: Focus, 5. August 2018.
  24. Matthias Becker & Peter Rossberg: Razzia nach Schüssen auf den Abou-Chaker-Imbiss. In: B.Z., 3. August 2018.
  25. Capital Bra: Ohne IHN wäre ich schon TOT! Abgerufen am 11. Mai 2020 (deutsch).