René Obermann

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René Obermann (2007)

René Richard Obermann (* 5. März 1963 in Düsseldorf) ist ein deutscher Manager. Er war vom 13. November 2006 bis zum 31. Dezember 2013 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom.[1]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obermann wuchs in Krefeld auf. Nach dem Abitur am Arndt-Gymnasium in Krefeld 1982 leistete er seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr bis 1984. Danach absolvierte er bei BMW in München eine Berufsausbildung zum Industriekaufmann. Anschließend begann er 1986 ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

Zur gleichen Zeit gründete er das Handelsunternehmen ABC Rufsysteme (heutige „The Phone House Telecom GmbH“), später in ABC Telekom umbenannt, mit Sitz in Münster. Obermann brach sein Studium nach dem zweiten Semester ab,[2] da sich sein Unternehmen immer besser entwickelte. Andreas Gerdes war von 1988 bis 1992 Partner bei ABC Telekom. 1991 fusionierte ABC Telekom, nach Erlangung des Status eines Mobilfunkproviders für das deutsche D-Netz, mit der Hutchison Whampoa Ltd. zur Hutchison Mobilfunk GmbH. Obermann war dort von 1991 bis 1994 Geschäftsführender Gesellschafter und danach bis 1998 Vorsitzender der Geschäftsführung.

Rede auf der Telekom-Hauptversammlung 2007

Nach dem Verkauf seiner Anteile an Hutchison Mobilfunk wechselte Obermann 1998 als Geschäftsführer Vertrieb zur T-Mobile Deutschland GmbH. Dort war er von April 2000 bis März 2002 Vorsitzender der Geschäftsführung. Ab Juni 2001 war er zunächst Vorstand European Operations and Group Synergies, seit November 2002 Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft Deutsche Telekom AG und seit Dezember 2002 Vorstandsvorsitzender der T-Mobile International AG & Co. KG. Obermann übernahm die letzten beiden Positionen von Kai-Uwe Ricke, der zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG berufen wurde.

Nach dessen Rücktritt am 12. November 2006 bestellte der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom ihn mit Wirkung zum 13. November 2006 zum neuen Vorstandsvorsitzenden.[3] Intern galt Obermann lange Zeit als Protegé von Ricke, dem er seit Mitte der 90er Jahre aus ihrer gemeinsamen Zeit beim damaligen Verband der Anbieter von Telekommunikationsdiensten (VAT), aus dem der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) hervorging, freundschaftlich verbunden ist. Der Finanzinvestor Blackstone (Anteil 11/2006: 4,5 Prozent) und der Bund (Anteil 11/2006: 28 Prozent) drängten auf eine Ablösung von Ricke, dem schlechte Ergebnisse und Passivität angesichts des Verlustes von Kunden vorgeworfen wurden. Während sich anfangs noch Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel gegen eine Entlassung von Ricke sträubte, gab er schließlich den Forderungen des amerikanischen Minderheitsaktionärs nach. Obermann wie Ricke haben nach Ansicht verschiedener Wirtschaftsmagazine dieselbe Strategie verfolgt, demzufolge gab es für eine Einsetzung Obermanns keine sachliche Notwendigkeit.[4][5] Beispiele für die Arbeitsergebnisse aus seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender sind die exklusive Vertriebspartnerschaft für das iPhone Ende 2007 und die spätere Einführung in weiteren europäischen Ländern[6], die Marktführerschaft in Deutschland[7], der Merger von Orange und T-Mobile in UK zu Everything Everywhere[8] oder der Merger zwischen Metro PCS und T-Mobile US mit anschließendem Börsengang.[9] Seit Anfang 2012 nahm Obermann im Konzern die Funktion des Innovationsvorstandes selbst wahr.[10][11] „Er ist ein Kapitalist aus dem Bilderbuch“, schrieb die Wirtschaftswoche Ende der 1980er Jahre. Obermanns Spitzname lautet seitdem „Bulldozer“ (auch „Dobermann“ ist verbreitet).[12] Von Februar 2007 bis November 2013 war Obermann Mitglied des Bitkom-Präsidiums.[13] René Obermann wurde 2011 in den Senat der Fraunhofer-Gesellschaft gewählt.[14]

Obermann gab seinen Posten als Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Telekom zum 31. Dezember 2013 auf[15] und wechselte zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo.[16][17] Er wollte "näher an den Maschinenraum" und dort wieder eine operativere Rolle einnehmen.[18] Nachdem im Januar 2014 bekannt wurde, dass Ziggo vom Medienkonzern Liberty Global übernommen werden soll, kündigte Obermann an, seinen Chefposten wieder räumen zu wollen.[19]

Nach seinem Ausscheiden bei Ziggo trat Obermann im Jahr 2015 als Partner und Managing Director in das amerikanische Private-Equity-Unternehmen Warburg Pincus LLC ein.[20] 2016 gründete Obermann mit Digital-Größen wie Oliver Samwer, Ralph Dommermuth und Robert Gentz die Stiftung Internet Economy Foundation (IE.F). Ziele dieser Allianz für Digital-Lobbyismus sind unter anderem der Ausbau der digitalen Infrastruktur, Netzneutralität, steuerliche Anreize für Venture Capitals und ein neues Wettbewerbsrecht.[21][22]

Von 2011 bis 2016 war René Obermann Mitglied im Aufsichtsrat der E.ON SE, von 2014 bis 2016 der Spotify Technology S.A und von 2015 bis 2017 der CompuGroup Medical SE.[23] Seit 2013 ist er Mitglied im Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG. Seit 2017 ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Allianz Deutschland AG[24], Mitglied des Aufsichtsrats der Saarlouiser Technologie-Firma inexio Beteiligungs-GmbH und Co. KGaA[25][26], Vorsitzender des Aufsichtsrats der 1&1 Internet SE[27] und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Strato AG[28]. Seit dem 1. Mai 2017 gehört er zudem dem fünfköpfigen Herausgeberrat des Zeit-Verlages an.[29] Seit Januar 2018 ist Obermann Mitglied des Board of Directors der Telenor Group[30] und seit April 2018 Mitglied des Board of Directors der Airbus SE[31].

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obermann trennte sich 2007 von seiner bisherigen Ehefrau. Mit ihr war er 15 Jahre verheiratet und hat zwei Töchter. Er ist seit 2010 mit der Fernsehmoderatorin Maybrit Illner verheiratet.[32]

Seit 2006 ist er Kuratoriumsmitglied der Bürgerstiftung Rheinviertel. Außerdem ist er ehrenamtliches Jurymitglied bei „Top 100“, einer Auszeichnung für die innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand.[33]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negativpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Nolte, Jan Heidtmann: Die da oben. Innenansichten aus deutschen Chefetagen. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-12599-1, S. 137 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: René Obermann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Telenor Group Board Member: René Richard Obermann. Abgerufen am 12. März 2018.
  2. RP Online: Prominente Studienabbrecher
  3. Telekom-Chef Ricke gibt auf - Obermann Nachfolger
  4. Ricke hat nichts falsch gemacht (tagesschau.de-Archiv), tagesschau, 13. November 2006
  5. Heuschrecke als Nachfolger (Memento vom 30. November 2006 im Internet Archive) Financial Times Deutschland, 13. November 2006, Kommentare
  6. Apple (Deutschland) - Apple Presseinformationen - Apple und T-Mobile geben Partnerschaft für den exklusiven Vertrieb des iPhones in Deutschland bekannt. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  7. heise online: Vodafone verliert Marktführerschaft an Telekom. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  8. EU approves Orange and T-Mobile merger. In: The Independent. 2. März 2010 (independent.co.uk [abgerufen am 17. Mai 2017]).
  9. dpa / Thomas Michel: Telekom verheiratet T-Mobile USA mit Metro PCS (Update). (teltarif.de [abgerufen am 17. Mai 2017]).
  10. Helmut Bünder, Thiemo Heeg und Carsten Knop: Innovation ist für mich eine Energiequelle. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. März 2012, abgerufen am 24. Mai 2012 (Interview).
  11. Vorzeitiges Ende: Telekom-Innovationsvorstand Kozel gibt auf. teltarif.de, 18. November 2011, abgerufen am 24. Mai 2012.
  12. Der Dobermann zeigt Zähne Der Spiegel, 3. Mai 2007
  13. Timotheus Höttges zieht ins Bitkom-Präsidium ein Bitkom, Pressemitteilung, 21. November 2013
  14. Webseite der Fraunhofer-Gesellschaft
  15. dpa-Meldung auf FOCUS Online
  16. René Obermann geht von Bord. n24.de. Vom 30. Dezember 2013
  17. dpa-Meldung auf Heise Online
  18. Rene Obermann geht wieder "näher an den Maschinenraum": Meldung - WELT. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  19. René Obermann ist seinen Job bald wieder los. welt.de. Vom 27. Januar 2014
  20. René Obermann hired to track down private equity deals for Warburg Pincus (Englisch) Financial Times. 25. August 2014. Abgerufen im 11. Dezember 2014.
  21. Internetworld: Internet-Größen gründen Allianz für Digital-Lobbyismus; abgerufen am 23. August 2016
  22. Website der Internet Economy Foundation; abgerufen am 23. August 2016
  23. Mitglieder des Aufsichtsrates der CompuGroup Medical SE. Abgerufen am 7. August 2017
  24. Digitalexperten in den Aufsichtsrat. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  25. http://inexio.net/unternehmen/news-und-presse/2016/bild-ren%C3%A9-obermann-ex-telekom-boss-%C3%BCbernimmt-saar-job
  26. Management und Aufsichtsrat - inexio. Abgerufen am 16. Januar 2018.
  27. René Obermann. In: warburgpincus.com. Warburg Pincus LLC, abgerufen am 6. Mai 2017 (englisch).
  28. Impressum - STRATO. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  29. ZEIT Verlag beruft Herausgeberrat. In: zeit-verlagsgruppe.de. Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, 28. April 2017, abgerufen am 6. Mai 2017.
  30. Telenor Group Board Member: René Richard Obermann. Abgerufen am 12. März 2018.
  31. Hauptversammlung. Abgerufen am 8. Juni 2018.
  32. Maybritt Illner gibt Telekom-Chef Obermann ihr Ja-Wort. In: Handelsblatt Online. 15. August 2010.
  33. Internetseite des Veranstalters compamedia, abgerufen am 2. Februar 2016
  34. Telekom-Chef findet seinen Großmeister, Die Welt, 15. November 2013, abgerufen am 17. November 2013