René Weller

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René Weller Boxer
René Weller
Daten
Geburtsname René Weller
Gewichtsklasse Leichtgewicht
Nationalität Deutsch
Geburtstag 21. November 1953
Geburtsort Pforzheim
Stil Linksauslage
Größe 1,77 m
Kampfstatistik
Kämpfe 55
Siege 52
K.-o.-Siege 24
Niederlagen 1
Unentschieden 2
Profil in der BoxRec-Datenbank

René Theo Weller[1] (* 21. November 1953 in Pforzheim) ist ein ehemaliger deutscher Boxer. Er wurde neunfacher Deutscher Meister und Vize-Europameister bei den Amateuren sowie Deutscher Meister und zweifacher Europameister der EBU bei den Profis.

Amateurkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gelernte Heizungsmonteur und Goldschmied begann früh mit dem Boxen und war nebenbei als Gelegenheitsarbeiter tätig. Schon sein Vater Harald, der starb, als Weller 14 Jahre alt war,[2] war lange Jahre Boxer gewesen.[3] Bereits mit sechs Jahren war er als Mitglied im Judo-Club Pforzheim erfolgreicher Judoka.[4] Ab 1966 war Weller beim Boxring Blau-Weiß Pforzheim. Er wurde insbesondere von Trainer Heinz Weishaar gefördert. Weishaar habe ihn entdeckt, ihm habe er seine „ganze Karriere zu verdanken“, so Weller.[5] Er siegte am 20. Januar 1968 bei einem Sichtungsturnier des Badischen Box-Verbandes erstmals in einem überregionalen Kampf.[6][3] 1969 wurde Weller bei den badischen Meisterschaften Jugendbester im Bantamgewicht.[3] Darüber hinaus spielte Weller in seiner Jugend Fußball.[3]

1972 wurde er mit einem Finalsieg gegen Hans Pillarz erstmals Deutscher Meister im Bantamgewicht. 1973 bis 1976 gewann er viermal in Folge den Deutschen Meistertitel im Federgewicht, sowie von 1977 bis 1980 viermal in Folge den Deutschen Meistertitel im Leichtgewicht.

Bei der 20. Europameisterschaft im Juni 1973 in Belgrad schied er im Viertelfinale nach Punkten gegen den späteren Silbermedaillengewinner Zoran Jovanović aus. 1976 vertrat er Deutschland bei den 21. Olympischen Sommerspielen in Montreal. Dort gewann er im Federgewicht gegen den Franzosen Serge Thomas, ehe er gegen den Rumänen Gheorghe Ciochină ausschied. Bei der 22. Europameisterschaft in Halle (Saale) 1977 verlor er im Halbfinale gegen den späteren Europameister Ace Rusevski.

Im Mai 1979 nahm er im Leichtgewicht an der 23. Europameisterschaft in Köln teil. Nach Siegen gegen den Schweden Ove Lundby, den Tschechen Ladislav Konečný und den Rumänen Ilie Dragomir, zog er ins Finale ein. Dort unterlag er jedoch nach Punkten Wiktor Demjanenko aus der Sowjetunion.

Beim 1. Weltcup im Oktober 1979 in New York unterlag er im Halbfinale dem Amerikaner David Armstrong nach Punkten.

Im Oktober 1980 nahm er am Internationalen „100 Years of British Boxing Tournament“ teil und gewann mit einem Finalsieg gegen Gary Felvus die Goldmedaille im Leichtgewicht.

1981 nahm er noch an der 24. Europameisterschaft in Tampere teil, verlor jedoch seinen zweiten Kampf nach Punkten gegen den zweifachen Europameister Wiktor Rybakow.

Profikarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Profidebüt gab Weller, der von Wilfried Sauerland als Promoter betreut wurde,[2] am 12. Juni 1981 in Köln gegen den ehemaligen Italienischen Meister Potito Di Muro und siegte dabei nach Punkten. In seinem zweiten Kampf am 16. August besiegte er den bis dahin ungeschlagenen (11 Siege – 0 Niederlagen) Briten Ken Foreman durch K. o. in der zweiten Runde. In seinem dritten Kampf am 25. September gegen Dieter Schantz gewann er durch K. o. in der vierten Runde den Deutschen Meistertitel im Leichtgewicht.

Vor seinem in Las Vegas (US-Bundesstaat Nevada) stattfindenden Kampf gegen Charles LaCour Ende Juni 1982 habe er vorher bei einer Wette seine gesamte Gage in Höhe von 25 000 US-Dollar auf seinen eigenen Sieg gesetzt, so Weller im April 1985 gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.[7]

Nach 15 weiteren Siegen, u. a. gegen Bruno De Montis (21-1) und die beiden ehemaligen Europameister Rodolfo Sánchez (53-14) und Charlie Nash (25-4), erhielt er am 29. Juni 1983 auf Sizilien die Chance auf den Europameistertitel der EBU im Leichtgewicht. Der Kampf gegen Titelträger Lucio Cusma (22-3) endete unentschieden, womit Cusma Europameister blieb. Das Ergebnis wurde unterschiedlich bewertet: Während das Hamburger Abendblatt in seiner Ausgabe vom 30. Juni 1983 schrieb, das Unentschieden sei „schon sehr milde“ für Weller gewesen,[8] nannte das Nachrichtenmagazin Spiegel das Ergebnis rückblickend einen „Skandal“, Weller sei der bessere Mann gewesen, allerdings habe es vor dem Kampf Morddrohungen der Mafia gegeben, weshalb der Deutsche von zwei Leibwächtern beschützt wurde.[2]

In seinem nächsten Kampf am 10. September 1983 besiegte er den Französischen Meister und späteren Europameister Tusikoleta Nkalankete. Daraufhin trat er am 7. Oktober gegen James Ortega (9-1) zum Kampf um den Weltmeistertitel des im internationalen Vergleich unbedeutenden Verbandes WAA im Superfedergewicht an und besiegte den Amerikaner durch K. o. in der ersten Runde.

Nach zwei weiteren K. o.-Siegen kam es am 9. März 1984 vor 7500 Zuschauern in der Festhalle in Frankfurt am Main zum Rückkampf gegen Lucio Cusma, den Weller diesmal einstimmig nach Punkten gewann.[9] Anschließend verteidigte er seinen Titel erfolgreich gegen den Spanischen Meister José Antonio García (31-7), den späteren WBO-Weltmeister Daniel Londas (26-3), den Britischen Meister George Feeney (19-9) und den Französischen Meister Frederic Geoffroy (21-1).

In seiner fünften Titelverteidigung am 10. Januar 1986 verlor er gegen den späteren WBO-Weltmeister Gert Bo Jacobsen (15-0). Der Kampf, der im dänischen Randers vor 4000 Zuschauern ausgetragen wurde, wurde in der achten Runde abgebrochen. Weller hatte sich in der fünften Runde eine Platzwunde an der Augenbraue zugezogen. In der achten Runde verstärkte sich die Blutung, der Ringrichter brach den Kampf daraufhin ab. Wellers Promoter Sauerland sprach von Betrug, da die Verletzung seiner Ansicht nach von einem Kopfstoß des Dänen herrührte.[10] Dies blieb die einzige Niederlage seiner Profikarriere. Am 12. Mai 1986 wurde er mit einem Punktesieg gegen Konrad Mittermeier erneut Deutscher Meister im Leichtgewicht und verteidigte den Titel im Rückkampf gegen Mittermeier und durch K. o. gegen Georg Vlachos.

Am 5. März 1988 wurde er in Karlsruhe mit einem Punktesieg gegen den Franzosen José Maillot (23-10) erneut Europameister der EBU im Leichtgewicht. Der amtierende Europameister Jacobsen, gegen den Weller seinen Titel verlor, konnte wegen einer Krankheit nicht zu einem vorgesehenen abermaligen Kampf gegen den Pforzheimer antreten, woraufhin dem Dänen der Europameistertitel auf Antrag von Klaus-Peter Kohl (damals Vorsitzender des Bundes Deutscher Berufsboxer) entzogen wurde. Wellers Ersatzgegner Maillot blieben lediglich 14 Tage der Kampfvorbereitung.[11] Bis zu seinem Karriereende im Mai 1993 boxte Weller noch neunmal, darunter war ein Unentschieden gegen den Rumänen Stefan Ilie, den er im Rückkampf dann besiegte.[12]

Neben und nach dem Boxsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wellers playboyhaftes Auftreten brachte ihm Anfang der 1980er Jahre den Beinamen „der schöne René“ ein. Gegenüber dem Spiegel erläuterte er 2018 diesbezüglich: „Ich musste auffallen, um populär zu werden. Wer interessiert sich in Deutschland schon für einen ganz normalen Leichtgewichtsboxer?“[2] 1985 spielte er die Hauptrolle in dem Kinofilm Macho Man und 2017 in dessen Fortsetzung, 1993 eine Rolle in Ebbies Bluff von Claude-Oliver Rudolph. Im Jahre 1991 erwirkte Weller eine Unterlassungsklage gegen die Produktionsfirma des Films Macho Man, die daraufhin alle Sexszenen mit ihm aus dem Film entfernen musste. Bereits während seiner Profikarriere in den 1980er Jahren vertrieb er Hosen, Autos, Uhren, Gold und Jacken unter dem Markennamen „Rewell“, später brachte er eine Gürtel- und Goldschmuckkollektion heraus.[7]

Am 16. Juli 1999 wurde Weller wegen Kokainhandel, Hehlerei, Anstiftung zur Urkundenfälschung und unerlaubtem Waffenbesitz zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Am 31. Januar 2003 wurde er wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

2002 spielte er in dem Musikvideo zu „Hell In Hell“ der Berliner Musikband Surrogat mit. Im Juli 2004 sah man ihn in der vom Privatsender ProSieben ausgestrahlten Reality-Show Die Alm. Am 21. Januar 2005 eröffnete er seine neue Action-Show in einer Karlsruher Diskothek. Unter dem plakativen Titel Die Rückkehr der harten Jungs wurde eine Unterhaltungsshow rund um Kampfsport und Nervenkitzel geboten. Weller trat gemeinsam mit dem Aktionskünstler Marko König und dem zehnfachen Weltmeister der Fakire Benji le Fakir auf.

Vom 18. September bis zum 25. September 2005 verbrachte er eine Woche im Big-Brother-Dorf, musste es aber wegen einiger Differenzen und Eklats verlassen. Unter anderem entledigte er sich nach übermäßigem Alkoholgenuss seiner Hose und präsentierte den Bewohnern seinen nackten Hintern.

Weller hat sich auch als Sänger versucht. 1985 sang er eine deutsche Coverversion des Hitler Rap von Mel Brooks aus dem Film Sein oder Nichtsein unter dem Titel René Weller Rap (To be or not to be). Im Januar 2003 erschien seine CD Ich bin wieder hier, und am 10. Mai 2006 stellte er seine zweite CD Wach auf im Online-Bordell Big Sister vor.[13]

Am 24. Mai 2006 gewann er in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz einen Kampf gegen den 9Live-Moderator Jürgen Milski. Eine im März 2006 angekündigte Klage auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen Günther Jauch begann am 7. September in Potsdam. Jauch hatte in der Sendung Wer wird Millionär? im Zusammenhang mit einer Frage zum Boxsport über Weller gesagt: „Der sitzt ja dauernd im Knast“. Das Landgericht Potsdam hat die Klage abgewiesen.[14] Weller ging daraufhin in Berufung, doch auch das Oberlandesgericht Brandenburg wies die Klage ab.

2007 lud er den Fernsehsender ProSieben unter dem Motto We are Family! So lebt Deutschland – Das Promi Spezial zu sich nach Hause in Dillweißenstein ein. Im November 2008 und im März 2010 war Weller in der Sendung Das perfekte Promi-Dinner des Privatsenders VOX zu sehen. Im Jahr 2010 wurde er zusammen mit seiner Verlobten Maria Dörk in der Pseudo-Doku-Soap mieten, kaufen, wohnen des Senders VOX zwei Folgen lang bei der Wohnungssuche begleitet.

2013 nahm er an der Doku-Soap Promi Frauentausch teil. Er wechselte seinen Alltag mit dem von Mathieu Carrière.

Im April 2016 war er Teilnehmer der großen ProSieben Völkerball Meisterschaft.[15] Im Juli 2016 belegten er und seine Frau Platz vier in der RTL-Reality-Show Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare.

Weller hat eine Tochter und einen Sohn. Er ist seit November 2013 mit der Journalistin Rosemaria (Maria) Dörk verheiratet, lebt in Pforzheim und betreibt eine Boxschule.[16][17]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ironisch gesagt: Jeder Mensch kann sich das Leben nehmen, wie er will. Der eine nimmt Tabletten, der andere erhängt sich, ein dritter boxt halt.“

„Ein schöner Mann ist eigentlich nichts für die Frauen. Ein Mann muss interessant sein. Ich bin schön männlich.“

„Ich finde, jeder Mensch sollte eitel sein. Das unterscheidet uns von den Tieren.“

„Bevor ich Profi wurde, kamen 300 Zuschauer zum Profiboxen. Heute sind es zwischen 5000 und 7000 Zuschauer.“

„In der Liebe bin ich Weltmeister.“

„Die emanzipierte Frau hat bei mir im Haus nichts zu suchen, so eine könnte nie meine Lebensgefährtin sein.“

„Boxen ist der Bruder der Prostitution.“

„Selbst der Papst könnte kein besseres polizeiliches Führungszeugnis bekommen als ich.“

(jeweils zitiert nach Der Spiegel: „Ich bin schön männlich, Box-Europameister Rene Weller über den Profiboxsport in der Bundesrepublik“, 22. April 1985)[18]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • René Weller, Max Herfert: Boxen mit René Weller – In drei Runden zum Sieg. Pietsch, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-50435-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standesamtliche Nachrichten der Stadt Pforzheim in Pforzheimer Zeitung vom 5. Dezember 1953, S. 23
  2. a b c d Alex Raack: Boxer René Weller wird 65: Der Goldjunge. In: Spiegel Online. 21. November 2018 (spiegel.de [abgerufen am 19. Oktober 2019]).
  3. a b c d Der zarte Junge ist ein harter Kämpfer zwischen den Seilen in Pforzheimer Zeitung vom 22. November 1969, S. 37
  4. Nachwuchs des Judoclubs Pforzheim dominierte in Pforzheimer Zeitung vom 8. Juli 1963, S. 9
  5. Trauer um Weller-Entdecker Heinz Weishaar. In: BoxSport. Sport Verlag GmbH, 18. Juli 2019, abgerufen am 19. Oktober 2019.
  6. Blau-Weiß hat gute Nachwuchsboxer, in Pforzheimer Zeitung vom 23. Januar 1968, S. 19
  7. a b Hans-Wolfgang Sternsdorff: SPIEGEL Gespräch: „Ich bin schön männlich“. In: Spiegel Online. Band 17, 22. April 1985 (spiegel.de [abgerufen am 19. Oktober 2019]).
  8. Auf schnellen Beinen lief der schöne René davon. Wie Weller auf Sizilien seine Titelchance vergab. In: Hamburger Abendblatt. 30. Juni 1983, abgerufen am 19. Oktober 2019.
  9. https://www.abendblatt.de/archive/1984/pdf/19840310.pdf/ASV_HAB_19840310_HA_009.pdf
  10. https://www.abendblatt.de/archive/1986/pdf/19860111.pdf/ASV_HAB_19860111_HA_011.pdf
  11. https://www.abendblatt.de/archive/1988/pdf/19880307.pdf/ASV_HAB_19880307_HA_011.pdf
  12. https://boxrec.com/en/proboxer/38577
  13. Artikel von radio.cz
  14. Urteil des LG Brandenburg
  15. Die große ProSieben Völkerball Meisterschaft 2016 – Team Hardcore (Memento des Originals vom 17. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.prosieben.de (prosieben.de, abgerufen am 17. April 2016)
  16. Das ist René Weller (Memento des Originals vom 5. Juli 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rp-online.de
  17. Das Sommerhaus der Stars 2016: Promipaar René und Maria Weller bei rtl.de. Abgerufen am 15. Juli 2016.
  18. Hans-Wolfgang Sternsdorff: Ich bin schön männlich. In: DER SPIEGEL 17/1985. spiegel.de. 22. April 1985. Abgerufen am 24. Oktober 2019.