Renate Lasker-Harpprecht

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Renate Lasker-Harpprecht (Juni 2020)

Renate Lasker-Harpprecht (geboren am 14. Januar 1924 in Breslau; gestorben am 3. Januar 2021 in La Croix-Valmer) war eine Autorin und Journalistin. Sie überlebte Haftzeiten in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen und berichtete auch davon. Sie war eine der wenigen nach 2010 lebenden Zeitzeuginnen der Judenverfolgungen der Nationalsozialisten.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renate Lasker war eine von drei Töchtern des jüdischen Rechtsanwalts Alfons Lasker (eines Bruders des US-amerikanischen Schach-Meisters Edward Lasker) und dessen Ehefrau Edith (geb. Hamburger), einer Geigerin. Ende 1939 gelang es den Eltern, die älteste Schwester Marianne nach England in Sicherheit zu bringen. Die beiden jüngeren Schwestern Renate und Anita mussten jedoch in Breslau bleiben. 1942 wurden die Eltern deportiert und ermordet. Die Töchter kamen in ein Waisenhaus und mussten in einer Papierfabrik arbeiten. Die zwei jungen Mädchen versuchten, mit Hilfe eigenhändig gefälschter Pässe sowie der Unterstützung durch Werner Krumme und dessen mit ihnen verwandter Ehefrau Ruth nach Frankreich zu entkommen, wurden aber schon am Bahnhof verhaftet und am 5. Juni 1943 wegen Urkundenfälschung (auch zu Gunsten französischer Kriegsgefangener; dafür wurden sie nach dem Krieg mit der „Médaille de la Reconnaissance Française“ ausgezeichnet) zu Zuchthausstrafen verurteilt. Anstelle der Haft wurden sie schließlich in Konzentrationslager deportiert (nach Auschwitz von Dezember 1943 bis zur Räumung im Oktober 1944 und nach Bergen-Belsen bis April 1945). Als Angehörige eines Lagerorchesters hatte ihre Schwester besondere Haftbedingungen.

Beide Schwestern überlebten die Haft. Am 15. April 1945 interviewte Patrick Gordon Walker die Schwestern inmitten der Leichenberge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Während das Tondokument mit ihrer Schilderung wahrscheinlich verloren gegangen ist, hat der Bayerische Rundfunk einen Mitschnitt von Anita Laskers zeitgleichem Bericht im Deutschen Rundfunkarchiv ausfindig gemacht. Es ist höchstwahrscheinlich das erste auf Band aufgezeichnete und erhaltene Zeugnis einer Überlebenden der Shoa.[2]

Direkt nach dem Kriegs- und Haftende wurde Renate Lasker Dolmetscherin bei der britischen Armee. Sie arbeitete später bei der BBC in London, dann auch für den WDR in Köln und für das ZDF in den USA. Über viele Jahre wurde sie nicht mehr nach den KZ-Erfahrungen befragt. 1972 veröffentlichte sie den Roman Familienspiele.[3] 2014 erschien als Titelgeschichte einer deutschen Zeitung ein ausführliches Interview mit der damals Neunzigjährigen zum Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen am 15. April 1945.

Ab 1982 lebte sie als Französin in La Croix-Valmer an der Côte d’Azur; bis zu dessen Tod im September 2016 zusammen mit ihrem Mann, dem Autor und Journalisten Klaus Harpprecht.

2016 erhielt sie den Preis für Verständigung und Toleranz; Preisgeber ist das Jüdische Museum Berlin. Anfang Januar 2021 starb sie kurz vor ihrem 97. Geburtstag.[4]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Lasker-Harpprecht: Familienspiele. Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1972, ISBN 3-550-06223-0.
  • Renate Harpprecht: Es war der Tag, an dem das Leben noch einmal begann. In: Frankfurter Rundschau vom 13. April 2002 (Erinnerungen an die Befreiung aus dem KZ Bergen-Belsen am 15. April 1945; der Beitrag ist online auf www.imdialog.com verfügbar).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Auschwitz erlaubt keine Rührung.“, Renate Lasker-Harpprecht, interviewt von Giovanni di Lorenzo, Die Zeit, Nr. 19 vom 30. April 2014, S. 11–14
  2. Stefan Meining: Die Geschichte einer Radioansprache aus dem befreiten KZ Bergen-Belsen. (Memento vom 12. Mai 2014 im Internet Archive) In: BR.de vom 6. Mai 2014
  3. Kultivierte Kühnheiten. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1972, S. 180 (online13. März 1972).
  4. Peter-Philipp Schmidt: Renate Lasker-Harpprecht: Eine der letzten Zeuginnen, faz.net, 5. Januar 2021